Fürstbistum Lüttich

Fürstbischöfliches Palais in Lüttich, 2011. (John Bakker / CC BY-SA 3.0)

Die Mis­sio­nie­rung des Maas­lan­des be­gann wäh­rend der Rö­mer­zeit. Sitz des ers­ten maas­län­di­schen Bis­tums war Ton­gern, der Vor­ort der „Ci­vi­tas Tungro­rum" in der Pro­vinz „Ger­ma­nia in­fe­ri­or". Im 6. Jahr­hun­dert wur­de das wohl­ha­ben­de Maas­tricht be­vor­zug­te Bi­schofs­re­si­denz. Die Aus­deh­nung des Bis­tums Ton­gern war be­trächt­lich. Grob ge­se­hen reich­te es von der Nie­der­maas im Nor­den zur Se­mois im Sü­den und von der Di­j­le im Wes­ten bis in den Aa­che­ner Raum im Os­ten. Ent­schei­dend für sei­ne wei­te­re Ent­wick­lung war die Er­mor­dung Bi­schof Lam­ber­tus’ (Lan­di­ber­tus) um 705 in sei­ner „vil­la" Lüt­tich, un­weit des Zu­sam­men­flus­ses von Our­the und Maas. Die Ge­bei­ne des als Mär­ty­rer ver­ehr­ten Lam­ber­tus wur­den zwar zu­erst in Maas­tricht bei­ge­setzt, dann aber um 717/718 nach Lüt­tich über­führt. In der zwei­ten Hälf­te des 8. Jahr­hun­derts ver­leg­te man auch den Bi­schofs­sitz von Maas­tricht nach Lüt­tich.

Im Zu­ge der ka­ro­lin­gi­schen Neu­ord­nung der Me­tro­po­len wur­de der Bi­schof von Lüt­tich wohl zu Be­ginn des 9. Jahr­hun­derts Suf­fra­gan des Erz­bi­schofs von Köln. Be­reits um die Mit­te des 10. Jahr­hun­derts be­saß der Lüt­ti­cher Bi­schofs­stuhl Gü­ter und Rech­te in den wich­tigs­ten Städ­ten des Maas­lan­des (Lüt­tich, Ton­gern, Maas­tricht, Huy, Na­mur und Di­nant) so­wie länd­li­che Grund­herr­schaf­ten und Ei­gen­k­lös­ter (Saint-Hu­bert, Lob­bes). Bi­schof Not­ker (972-1008) er­wirk­te 980 von Kai­ser Ot­to II. ein all­ge­mei­nes Im­mu­ni­täts­pri­vi­leg, das sämt­li­che Be­sit­zun­gen der Kir­che von Lüt­tich der Ju­ris­dik­ti­ons­ge­walt der Gra­fen ent­zog. 985 ver­lieh Ot­to III. ihm zu­dem die Graf­schaft Huy, 987 folg­ten die Ab­tei Gem­bloux und ei­ne wei­te­re Graf­schaft, der zwi­schen Di­j­le und Jet­te ge­le­ge­nen „Brun­nen­ge­ruut". Da­mit wur­de der Bi­schof von Lüt­tich zum Reichs­fürs­ten. Hein­rich III. über­trug Bi­schof Nit­hard (1037-1042) 1040 noch die zwi­schen Maas und Ge­er ge­le­ge­ne Graf­schaft „Haspin­gia" (Hes­pen­gau). Seit 1071/1076 war auch die Graf­schaft Hen­ne­gau ein Lüt­ti­cher Kir­chen­le­hen. Bi­schof Ot­bert (1091-1119) er­warb 1096 Burg und Herr­schaft Bouil­lon. Ab­ge­run­det wur­de das fürst­bi­schöf­li­che Ter­ri­to­ri­um mit dem Er­werb der Stadt Sint-Trui­den (1227) und der Graf­schaft Loon (1366). Ab­ge­se­hen von der Ab­tre­tung Bouil­lons an Frank­reich (1697) so­wie ge­ring­fü­gi­gen Grenz­kor­rek­tu­ren in den Jah­ren 1772, 1780 und 1785 blieb das fürst­bi­schöf­li­che Ter­ri­to­ri­um bis zu sei­ner An­nek­tie­rung durch die Fran­zö­si­sche Re­pu­blik im Jah­re 1795 un­ver­än­dert. Zu die­sem Zeit­punkt um­fass­te das in elf Di­strik­te un­ter­teil­te, seit 1500 de­m Nie­der­rhein-West­fä­li­schen Reichs­kreis an­ge­hö­ri­ge Fürst­bis­tum auf ei­ner Ge­samt­flä­che von 569.719 ha noch 23 Städ­te und über 600 Dör­fer mit ins­ge­samt ca. 350.000 Ein­woh­nern, von de­nen zwei Fünf­tel ei­ner früh­in­dus­tri­el­len Tä­tig­keit, zum Bei­spiel im Berg­bau, nach­gin­gen. Wäh­rend im nörd­li­chen Lan­des­teil das Nie­der­län­di­sche vor­herrsch­te, ge­hör­te der Sü­den zum fran­zö­si­schen Sprach­raum.

Trotz ih­res frü­hen Ein­drin­gens konn­te die Re­for­ma­ti­on im Fürst­bis­tum nicht dau­er­haft Fuß fas­sen. Un­ter den Fürst­bi­schö­fen ErnstFer­di­nand un­d Max Hein­rich von Bay­ern (1581-1688) setz­te sich die Ge­gen­re­for­ma­ti­on end­gül­tig durch. Le­dig­lich im Ost­teil der 1559 um über 600 Pfar­rei­en ver­klei­ner­ten Diö­ze­se blie­ben ei­ni­ge we­ni­ge pro­tes­tan­ti­sche Ge­mein­den be­ste­hen.

Die Er­in­ne­rung an das Fürst­bis­tum lebt nicht nur in präch­ti­gen Bau­denk­mä­lern – wie der zwi­schen 1514 und 1538 er­bau­ten Bi­schofs­re­si­denz – son­dern auch in ei­nem ins­be­son­de­re für die Stadt Lüt­tich ty­pi­schen Par­ti­ku­la­ris­mus, „l’es­prit prin­ci­pau­taire", fort. Die St. Lam­ber­tus – Ka­the­dra­le, die grö­ß­te Bi­schofs­kir­che nörd­lich der Al­pen, wur­de in fran­zö­si­scher Zeit ab­ge­bro­chen.

Literatur

Min­ke, Al­fred, Ar­ti­kel „Lüt­tich", in: Er­win Gatz (Hg.), Die Bis­tü­mer des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. Von ih­ren An­fän­gen bis zur Sä­ku­la­ri­sa­ti­on, Frei­burg i.Br. 2003, S. 370-387 (hier auch Quel­len- und Li­te­ra­tur­ver­zeich­nis).

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Fürstbistum Lüttich, Ausschnitt aus der Karte 'Territorien im Rheinland 1789', Bonn 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 
Zitationshinweis

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Minke, Alfred, Fürstbistum Lüttich, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/fuerstbistum-luettich/DE-2086/lido/57d119198767a3.48748162 (abgerufen am 17.06.2019)