Albert Gschwendner

Unternehmer (1954-2010)

Alena Saam (Solingen)

Albert Gschwendner, Porträtfoto. (TeeGschwendner GmbH)

Al­bert Gschwend­ner war ein deut­scher Un­ter­neh­mer und Grün­der des Tee-Fran­chise-Un­ter­neh­mens „TeeG­schwend­ner“. 

Al­bert Gschwend­ner wur­de am 9.4.1954 als Sohn von Hed­wig (ge­bo­ren 1918) und Karl Gschwend­ner (1910–1998) in Trier ge­bo­ren. Gschwend­ner war schon als Ju­gend­li­cher ein gro­ßer Tee­lieb­ha­ber und grün­de­te aus Ver­är­ge­rung, dass es kein Tee­fach­ge­schäft in sei­ner Hei­mat­stadt gab, 1976 in Trier den „Tee­la­den“. Zu­sam­men mit sei­ner Ehe­frau Gwenda­li­na (1959-2002) führ­te der da­mals 22-Jäh­ri­ge das Ge­schäft, das aus man­geln­der Un­ter­neh­mer­er­fah­rung zu­nächst nicht recht in Schwung kom­men woll­te. Die Mie­te des La­dens war zwar ge­ring, doch der schlech­te Stand­ort wur­de dem Ehe­paar zum Ver­häng­nis, das Ge­schäft lief nicht aus­rei­chend ren­ta­bel. Al­berts äl­te­rer Bru­der Karl (ge­bo­ren 1943) ver­leg­te dar­auf­hin den „Tee­la­den“ an ei­nen bes­se­ren Stand­ort - prompt stell­ten sich ers­te Er­fol­ge ein.

Al­bert und sei­ne Frau Gwenda­li­na ent­schie­den sich, ein Jahr nach dem ers­ten „Tee­la­den“ ei­nen wei­te­ren zu er­öff­nen. Das be­deu­te­te gleich­zei­tig, dass Al­bert Gschwend­ner das ge­plan­te Stu­di­um der So­zi­al­päd­ago­gik auf­gab. Das Ehe­paar ver­such­te nun in Bonn Fuß zu fas­sen und er­öff­ne­te im Mai 1977 am Kai­ser­platz den „Tee­la­den“. Et­wa gleich­zei­tig grün­de­te Al­berts Bru­der Ott­mar in Mainz ei­ne Fi­lia­le. Auch die Fa­mi­lie Gschwend­ner ver­grö­ßer­te sich; 1979 kam Sohn Till zur Welt, 1981 An­na Ge­ral­di­ne und 1983 Jo­na­than. 

1978 grün­de­ten Al­bert und Karl ei­ne „Tee­la­den Gbr. Gschwend­ner Gmb­H“ und mel­de­ten die­se im Han­dels­re­gis­ter an. Seit­dem wur­de von Born­heim aus der Tee­han­del ko­or­di­niert. Durch ein neu­es Fir­men­kon­zept ent­stand ei­ne wei­te­re Fi­lia­le in Nürn­berg, die über ei­nen Li­zenz­ver­trag ge­führt wur­de, ein Vor­rei­ter des heu­ti­gen „Fran­chise“-Sys­tems. Au­ßer­dem wur­de das An­ge­bot er­wei­tert, ne­ben Tee­sor­ten wur­de auch Tee­zu­be­hör, wie Tee­kan­nen und Tee­fil­ter, an­ge­bo­ten. 

Nach­dem die Gschwend­ners mit die­ser Art der Un­ter­neh­mens­füh­rung gu­te Er­fah­run­gen in Nürn­berg ge­macht hat­ten, er­folg­te der end­gül­ti­ge Schritt zum Fran­chise zu Be­ginn der 1980er Jah­re und die Mit­glied­schaft im Deut­schen Fran­chise-Ver­band e.V. 1985. Gschwend­ner ver­gab die Rech­te sei­ner Mar­ke an La­den­be­sit­zer, die da­für Nut­zungs­ge­büh­ren zah­len muss­ten. Nach Aus­sa­ge Al­bert Gschwend­ners konn­te nur so das Ge­schäfts­kon­zept wie ge­wollt um­ge­setzt und gleich­zei­tig die Mo­ti­va­ti­on der Ver­käu­fer er­höht wer­den, zu­sätz­lich för­de­re Fran­chi­sing die Selbst­stän­dig­keit. Au­ßer­dem bot die­ses Ge­schäfts­kon­zept dem Un­ter­neh­men die Grund­la­ge für die wei­te­re Ex­pan­si­on. Der „Tee­la­den“ brei­te­te sich in­ner­halb der nächs­ten Jah­re bun­des­weit schnell aus. Bis zu Be­ginn der 1990er Jah­re gab es ins­ge­samt 51 Fran­chise-Part­ner­be­trie­be in Deutsch­land, aber auch in Ös­ter­reich, Lu­xem­burg und der Schweiz wur­den 1992 ers­te Ge­schäf­te er­öff­net. Mit der eu­ro­päi­schen Ex­pan­si­on fand gleich­zei­tig ei­ne Pro­fes­sio­na­li­sie­rung des Un­ter­neh­mens statt. So wur­de 1989 ein Wer­be­rat ge­grün­det, der für die gleich­mä­ßi­ge Um­set­zung des Mar­ke­tings zu­stän­dig war, wie bei­spiels­wei­se die Ab­bil­dung des „Tee­la­den“-Lo­gos auf al­len Ge­schäf­ten und Pro­duk­ten. Auch qua­li­ta­tiv woll­te Al­bert Gschwend­ner sein Tee­an­ge­bot er­wei­tern, wes­halb er re­gel­mä­ßig zu den Tee­er­zeu­gern reis­te, um Ein­fluss auf die Pro­duk­te zu be­kom­men. 1991 kam es zur ers­ten Gschwend­ner­schen Rei­se in die Tee­gär­ten Dar­jee­lings in In­di­en, wo neue Tee­sor­ten di­rekt ein­ge­kauft und nach Eu­ro­pa im­por­tiert wur­den; vie­le Rei­sen soll­ten über Jah­re hin­weg dort­hin ge­hen. Be­reits seit län­ge­rem be­zahl­te Gschwend­ner Re­kord­prei­se für die Dar­jee­ling-Tees, weil ihm vor al­lem die Qua­li­tät wich­tig war. Des­we­gen wur­de im Tee­gar­ten Put­t­abong ein Be­reich nach ihm be­nannt. 1992 wur­de Gschwend­ner Vor­stands­mit­glied im Deut­schen Tee­ver­band e.V., der sich vor al­lem mit der Qua­li­täts­si­che­rung, dem Le­bens­mit­tel­recht und den er­näh­rungs­phy­sio­lo­gi­schen Fra­gen be­züg­lich des Tees be­schäf­tigt.

Um der quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Er­wei­te­rung des Un­ter­neh­mens wei­ter­hin ge­recht zu wer­den, muss­te ei­ne neue, grö­ße­re Fir­men­zen­tra­le als die in Born­heim ge­fun­den wer­den. Die Wahl fiel 1993 auf Me­cken­heim, wo der Fir­men­sitz in den nächs­ten Jah­ren drei Mal ver­grö­ßert wur­de. 

1994 er­füll­te sich ein per­sön­li­cher Traum von Al­bert und Gwenda­li­na Gschwend­ner: Das so­ge­nann­te „Knus­per­häus­chen“, ein Fach­werk­haus Am Drei­eck in Bonn, konn­te als Fi­lia­le für den „Tee­la­den“ ge­won­nen wer­den. Be­reits 1975 hat­ten die Gschwend­ners die­ses Ob­jekt ide­al für ih­ren La­den ge­fun­den, konn­ten es sich fi­nan­zi­ell je­doch noch nicht leis­ten. Gwenda­li­na Gschwend­ner per­sön­lich rich­te­te die neue Fi­lia­le ein, die im Erd­ge­schoss den  Ver­kaufs­raum be­her­bergt, im ers­ten Stock­werk ei­ne Tee­stu­be. 

1996 stell­te das Schick­sal die Gschwend­ners auf ei­ne har­te Pro­be, als ihr äl­tes­ter Sohn Till im Al­ter von 17 Jah­ren starb. Till Gschwend­ner war ein pas­sio­nier­ter Ten­nis­spie­ler beim TC Vil­le ge­we­sen, wes­halb Al­bert und Gwenda­li­na Gschwend­ner dem Ver­ein vor­schlu­gen, ein Ten­nis­tur­nier zu sei­nem Ge­den­ken aus­zu­rich­ten. Die­ses Tur­nier fin­det seit 1997 jähr­lich statt und wur­de zum Er­satz der Stadt­meis­ter­schaf­ten in Born­heim. Sechs Jah­re spä­ter folg­te Gwenda­li­na ih­rem Sohn und starb mit nur 43 Jah­ren. 

1999 war für das Un­ter­neh­men Gschwend­ner ein ein­schnei­den­des Jahr. Nach Aus­sa­ge Al­bert Gschwend­ners wur­de sein „Tee­la­den“ zu oft mit an­de­ren An­bie­tern ver­wech­selt, was dem Un­ter­neh­men auf Dau­er hät­te scha­den kön­nen. So er­folg­te 1999 die Um­be­nen­nung des „Tee­la­den­s“ in „TeeG­schwend­ner“. Au­ßer­dem wur­de das Un­ter­neh­mens­mot­to „Han­deln und Tee trin­ken“ ein­ge­führt und die ein­zel­nen Lä­den neu ein­ge­rich­tet. Ein hel­les Am­bi­en­te und ein kla­res Pro­dukt­de­sign soll­ten dem Kun­den ei­nen hö­he­ren Kom­fort beim Ein­kauf bie­ten. Der ers­te La­den nach dem neu­en Kon­zept wur­de im Au­gust 1999 in Frei­burg er­öff­net, die Um­ge­stal­tung der rest­li­chen Lä­den er­folg­te schritt­wei­se in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren. Au­ßer­dem ko­ope­rier­te die Luft­han­sa seit 1999 mit TeeG­schwend­ner, so­dass Kun­den auch am Flug­ha­fen und im Flug­zeug das An­ge­bot von „TeeG­schwend­ner“ trin­ken kön­nen. 

Ein wei­te­rer Schritt Rich­tung Qua­li­täts­ver­bes­se­rung er­folg­te 2000 mit der Ein­rich­tung ei­nes fir­men­ei­ge­nen La­bors zur Prü­fung der Tee­sor­ten auf Ver­un­rei­ni­gun­gen. Hier wer­den bis heu­te al­le Tees, die vor­nehm­lich aus den tra­di­tio­nel­len An­bau­ge­bie­ten in In­di­en, Chi­na, Ja­pan, Sri Lan­ka, In­do­ne­si­en und Ne­pal kom­men, ge­tes­tet. Au­ßer­dem wur­den von die­sem Zeit­punkt an auch Tee­sor­ten von „TeeG­schwend­ner“ selbst ge­mischt. Nach Ab­schluss der qua­li­ta­ti­ven Ver­bes­se­run­gen er­folg­te ei­ne wei­te­re Ex­pan­si­on der „TeeG­schwend­ner“-Fi­lia­len. 2005 konn­te ei­ne Zahl von 118 Fi­lia­len bun­des­weit und die Stel­lung des Markt­füh­rers in Deutsch­land er­reicht wer­den. Nun konn­te auch mit der in­ter­na­tio­na­len Ex­pan­si­on be­gon­nen wer­den. So­wohl in Sau­di-Ara­bi­en, Ku­wait, Bra­si­li­en und in den USA er­öff­ne­ten seit 2005 Ge­schäf­te der Mar­ke „TeeG­schwend­ner“. 

2007 ent­wi­ckel­te „TeeG­schwend­ner“ ge­mein­sam mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg ei­nen Wei­ter­bil­dungs­gang zum Tee­som­me­lier. 

Al­bert Gschwend­ner war ein gläu­bi­ger Ka­tho­lik und ver­such­te sein Un­ter­neh­men auf Ba­sis der christ­li­chen So­zi­al­leh­re zu lei­ten. Er setz­te sich für den fai­ren Han­del mit der Drit­ten Welt ein. In Ko­ope­ra­ti­on mit Or­ga­ni­sa­tio­nen, wie der 1992 ge­grün­de­te Ver­ein Trans­Fair e.V., der das Fair­tra­de-Gü­te­zei­chen ver­gibt, oder Na­bu e.V., dem Na­tur­schutz­bund Deutsch­land, oder Na­tur­land e.V., Ver­band für öko­lo­gi­schen Land­bau, ver­kauft Gschwend­ner Tee­sor­ten, die fair ge­han­delt und öko­lo­gisch an­ge­baut wer­den. Tee soll­te nach Gschwend­ners Auf­fas­sung nach­hal­tig um­welt­ge­recht an­ge­baut wer­den. Tei­le der Ein­nah­men durch die­se Tees wer­den au­ßer­dem an wohl­tä­ti­ge Pro­jek­te ge­spen­det, wie zum Bei­spiel dem Ti­ger­schutz­pro­jekt des Na­bu in Süd­in­di­en. Auch in Ne­pal en­ga­giert sich das Un­ter­neh­men zu­sam­men mit der Ge­sell­schaft für in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit (GIZ) für Klein­bau­ern in den Tee­an­bau­ge­bie­ten. „TeeG­schwend­ner“ er­öff­ne­te ein von Ex­per­ten ge­führ­tes Schu­lungs­zen­trum, das den Klein­bau­ern Hil­fe und Un­ter­stüt­zung bie­ten soll. Mit dem Blick auf die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 2010 in Süd­afri­ka un­ter­stütz­te TeeG­schwend­ner ei­ne In­itia­ti­ve des „Clubs der gu­ten Hoff­nun­g“, die sich ge­gen die Ju­gend­ge­walt in Afri­ka ein­setzt. Ein Teil der Ein­nah­men des „Club-Ice-Tea Ana­nas-Pas­si­ons­fruch­t“ wur­de dem Club ge­spen­det.

Da­für, dass Al­bert Gschwend­ner sich nicht nur für Wohl­tä­tig­keits­pro­jek­te en­ga­gier­te, son­dern auch das Ziel hat­te, sei­ne Fran­chise-Part­ner zu­frie­den zu stel­len, wur­de TeeG­schwend­ner 2009 be­lohnt. Für sei­ne ho­he Fran­chise-Neh­mer-Zu­frie­den­heit be­kam TeeG­schwend­ner den F&C Award in Gold für ein be­son­ders gu­tes Un­ter­neh­mens­netz­werk vom In­sti­tut für Fran­chi­sing und Co­ope­ra­ti­on ver­lie­hen. 

Am 16.7.2010 starb Al­bert Gschwend­ner im Al­ter von 56 Jah­ren nach schwe­rer Krank­heit. Am Re­qui­em im Bon­ner Müns­ter nah­men vie­le Gäs­te aus dem In- und Aus­land teil. Be­gra­ben wur­de er in Born­heim-Brenig. Er hin­ter­ließ sei­ne zwei­te Ehe­frau An­drea Gschwend­ner-Wel­len­siek und fünf Kin­der aus bei­den Ehen. 

Nach dem Tod Al­bert Gschwend­ners über­nahm der seit 1994 bei dem Un­ter­neh­men ar­bei­ten­de lang­jäh­ri­ge Mit­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Holz die Ge­schäfts­füh­rung. Die „TeeG­schwend­ner“- Fi­lia­le im „Knus­per­häus­chen“ in Bonn – die ein­zi­ge im Fa­mi­li­en­be­sitz be­find­li­che Fi­lia­le - über­nahm Toch­ter An­na Ge­ral­di­ne Gschwend­ner. TeeG­schwend­ner eta­blier­te sich als grö­ß­te deut­sche Tee­han­dels­grup­pe mit ei­nem Markt­an­teil von 30 Pro­zent am Fach­han­del. Heu­te bie­tet das Un­ter­neh­men in sei­nen bun­des­weit 125 Fi­lia­len mit ins­ge­samt 1.000 Mit­ar­bei­tern rund 350 Tee­sor­ten an. 

Literatur

_  TeeG­schwend­ner GmbH (Hg.), Teece­te­ra Aus­ga­be 3. Sep­tem­ber 2003.  _

Online

Bün­der, Hel­mut: „Wir ver­kau­fen Tee und Selbst­stän­dig­keit“ (30.01.2010), (Stand: 28.07.2013). [On­line]
 Tee­ver­band. [On­line]

Tee-Un­ter­neh­mer Al­bert Gschwend­ner ge­stor­ben,(21.07.2010), (Stand: 28.07.2013). [On­line]

Theiss, Sy­bil­le, Nach dem Vor­bild des Fisch­schwarms(06.05.2003), (Stand: 28.07.2013). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Saam, Alena, Albert Gschwendner, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/albert-gschwendner/DE-2086/lido/57c6d95fbc1807.13286803 (25.05.2018)