Arthur Knautz

Olympiasieger (1911–1943)

Thomas Ohl (Wesel)

Ar­thur Knautz war lang­jäh­ri­ger Hand­ball-Na­tio­nal­spie­ler und wur­de 1936 Olym­pia­sie­ger.

Am 20.3.1911 wur­de Ar­thur Knautz als Sohn des Berg­manns Al­bert Knautz und sei­ner Ehe­frau Pau­li­ne in der Wes­ter­wald­ge­mein­de Daa­den ge­bo­ren. Nach dem Be­such der Volks­schu­le be­gann er im Jah­re 1925 ei­ne Zim­mer­manns­leh­re in Betz­dorf an der Sieg. Un­mit­tel­bar nach Ab­schluss der Lehr­zeit er­füll­te sich Knautz ei­nen lang ge­heg­ten Wunsch und wur­de im Au­gust 1928 frei­wil­lig Sol­dat in dem nach den Be­stim­mun­gen des Ver­sailler Ver­tra­ges auf 100.000 Mann be­schränk­ten Heer. Nach ei­ner Aus­bil­dungs­zeit in Os­na­brück wur­de er 1929 zum Pio­nier-Ba­tail­lon 6 nach Min­den ver­setzt. Hier kam der sport­lich ta­len­tier­te Knautz zum ers­ten Mal mit der noch recht jun­gen Sport­art Hand­ball in Be­rüh­rung. Sein bis­he­ri­ger sport­li­cher Wer­de­gang hat­te ihn zu­nächst ins Fuß­ball­tor bei den Da­a­de­ta­ler Sport­freun­den und zu den Leicht­ath­le­ten des Daa­de­ner Turn­ver­eins ge­führt. Nach sei­nem Ein­tritt ins Heer konn­te er durch ei­ni­ge er­folg­rei­che Wett­kämp­fe bei Mi­li­tär- und Re­gio­nal­meis­ter­schaf­ten sei­ne Fä­hig­kei­ten als Leicht­ath­let un­ter Be­weis stel­len. Ein fünf­ter Platz im Fünf­kampf bei den Hee­res­meis­ter­schaf­ten 1933 zeig­te ein­drucks­voll sei­ne sport­li­che Viel­sei­tig­keit.

Zu die­sem Zeit­punkt hat­te Ar­thur Knautz aber schon sei­ne Lie­be zum Hand­ball ent­deckt und war in die­ser Mann­schafts­sport­art nicht min­der er­folg­reich. Ob­wohl er 1929 über­haupt erst das Hand­ball­spiel ken­nen­ge­lernt hat­te, das sich bei der Po­li­zei und beim Mi­li­tär be­son­de­rer Be­liebt­heit er­freu­te, konn­te Knautz mit sei­nen Ka­me­ra­den schnell sport­li­che Er­fol­ge fei­ern. Im Rah­men von Ba­tail­lons­meis­ter­schaf­ten stell­te man im Gar­ni­sons­stand­ort an der We­ser schnell fest, dass sich dort ei­ne An­samm­lung von gu­ten und ta­len­tier­ten Spie­lern zu­sam­men­ge­fun­den hat­te. Dar­auf­hin wur­de am 1.4.1932 in Min­den der Mi­li­tär­sport­ver­ein „Hin­den­bur­g“ Min­den ge­grün­det, der ab so­fort in West­fa­len zu den ers­ten Adres­sen in die­ser Sport­art ge­hö­ren soll­te. Gleich in der ers­ten Spiel­zeit konn­te man 1933 den Ti­tel ei­nes West­fa­len­meis­ters er­rin­gen und die­sen Ti­tel in den Jah­ren bis zum Aus­bruch des Zwei­ten Welt­kriegs im­mer wie­der ver­tei­di­gen. Dar­aus ent­stand ei­ne er­bit­ter­te Ri­va­li­tät zum ewi­gen Zwei­ten Ein­tracht Dort­mund, des­sen Tor von dem spä­ter welt­be­kann­ten Sport­funk­tio­när Wil­li Dau­me ge­hü­tet wur­de.

Im Jah­re 1935 mach­te der MSV Hin­den­burg auch über­re­gio­nal ein­drucks­voll auf sich auf­merk­sam, in­dem er bis ins End­spiel um die Deut­sche Meis­ter­schaft vor­drin­gen konn­te. So­gar die schwe­re Aus­wärts­hür­de in Leip­zig konn­te mit ei­nem 8:7 Sieg er­folg­reich ge­nom­men wer­den. Erst im Fi­na­le vor über 20.000 Zu­schau­ern in Stutt­gart muss­ten sich die Hin­den­bur­ger dem PSV Mag­de­burg mit 8:10 ge­schla­gen ge­ben. Nicht nur we­gen die­ser End­spiel­teil­nah­me ver­lief das Jahr 1935 für Ar­thur Knautz sehr er­folg­reich, denn er wur­de auch bei den Län­der­spie­len ge­gen Schwe­den und ge­gen die Schweiz im Mai und Ok­to­ber 1935 ein­ge­setzt. Knautz spiel­te da­bei auf sei­ner Lieb­lings­po­si­ti­on als rech­ter Ver­tei­di­ger und konn­te sich be­rech­tig­te Hoff­nun­gen auf ei­ne Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Spie­len in Ber­lin 1936 ma­chen. Erst­mals soll­te näm­lich ein Hand­ball­tur­nier im Rah­men der Olym­pia­de aus­ge­tra­gen wer­den.

Vor die­se Teil­nah­me hat­te der Reichs­trai­ner Ot­to Gün­ther Kaun­di­nya (Amts­zeit 1934-1939) aber ei­nen ge­wis­sen­haf­ten Aus­wahl­pro­zess und ei­ne um­fang­rei­che Vor­be­rei­tung ge­setzt. Da traf es sich gut, dass der MSV Hin­den­burg im Jah­re 1936 ei­ne be­son­ders er­folg­rei­che Sai­son spiel­te. Nicht nur ge­lang die ein­drucks­vol­le Ver­tei­di­gung des West­fa­len­meis­ter­ti­tels, im Halb­fi­na­le der End­run­de wur­de die als Ge­heim­fa­vo­rit ge­han­del­te Mann­schaft von Ra­sen­sport Mül­heim mit 9:3 förm­lich vom Platz ge­fegt. Da­mit hat­te man zum zwei­ten Mal in Fol­ge das End­spiel um die Deut­sche Meis­ter­schaft er­reicht. Im Sta­di­on „Ro­te Er­de“ des Erz­ri­va­len Ein­tracht Dort­mund traf man am 28.6.1936 auf die Mann­schaft des MT­SA Leip­zig. In ei­nem hart um­kämpf­ten Match setz­ten sich die Pio­nie­re von der We­ser ge­gen die In­fan­te­ris­ten aus der Mes­se­stadt mit 7:5 durch und ge­wan­nen ih­ren ers­ten Meis­ter­ti­tel. Da­mit krön­ten sie ih­re bis­lang er­folg­reichs­te Sai­son, in der ih­nen auch noch das Kunst­stück ge­lun­gen war, die gan­ze Se­rie über un­ge­schla­gen zu blei­ben! Für Knautz und sei­nen Min­de­ner Mann­schafts­kol­le­gen Kör­vers aber gab es nicht viel Zeit zum Ju­beln und zum Fei­ern, denn im Ju­li stan­den letz­te Lehr­gän­ge und Vor­be­rei­tungs­spie­le der Na­tio­nal­mann­schaft am Nie­der­rhein und in Schwa­ben an. Nach ei­nem mehr­jäh­ri­gen Aus­wahl­pro­zess mit über 200 be­tei­lig­ten Spie­lern stand dann En­de Ju­li end­gül­tig fest, dass bei­de zum Auf­ge­bot für Ber­lin ge­hör­ten und kurz da­nach ins Olym­pi­sche Dorf ein­zie­hen konn­ten. Das Olym­pi­sche Tur­nier mit nur sechs teil­neh­men­den Mann­schaf­ten sah ei­ne über­le­ge­ne deut­sche Mann­schaft, die nach ho­hen Sie­gen in der Vor­run­de und deut­li­chen Er­fol­gen in der Zwi­schen­run­de im Fi­na­le auf Ös­ter­reich stieß. Ös­ter­reich war eben­falls un­ge­schla­gen ins End­spiel ge­kom­men und stell­te sich als ernst­zu­neh­men­der Geg­ner dar. Bei denk­bar schlech­ten Wet­ter­ver­hält­nis­sen ge­wann die deut­sche Mann­schaft am 14.8.1936 im Dau­er­re­gen un­ter der Füh­rung von Knautz zum ers­ten Mal die Gold­me­dail­le. Ar­thur Knautz hat­te da­mit 1936 al­les ge­won­nen, was es in die­sem Jahr in sei­nem Sport zu ge­win­nen gab.

Nach die­sem Er­folgs­jahr hei­ra­te­te Ar­thur Knautz am 22.1.1937 Er­na Späth (1910–1997); im No­vem­ber des Jah­res wur­de Sohn Die­ter (1937–1991) ge­bo­ren. Sport­lich lief es im Jahr 1937 nicht mehr so güns­tig für die Hin­den­bur­ger, die ei­ni­ge Spie­ler­wech­sel zu ver­zeich­nen hat­ten und nach dem Ge­winn des West­fa­len­ti­tels be­reits in der ers­ten Run­de zur Deut­schen Meis­ter­schaft auf der Stre­cke blie­ben. Knautz selbst hat­te wohl auch ei­ne ge­wis­se Durst­stre­cke zu über­win­den, denn er kam erst im Sep­tem­ber 1937 in Gö­te­borg ge­gen Schwe­den zu sei­nem nächs­ten Ein­satz im Na­tio­nal­tri­kot. Da­nach wur­den sei­ne Ein­sät­ze noch ra­rer, denn sei­ne nächs­te (und letz­te) Be­ru­fung er­hielt er erst im Mai 1941. Da­bei ist al­ler­dings zu be­rück­sich­ti­gen, dass nach dem Re­gle­ment der da­ma­li­gen Zeit kei­ne Aus­wechs­lun­gen wäh­rend ei­nes Spiels vor­ge­nom­men wer­den durf­ten. Ver­zeich­net in den ein­schlä­gi­gen Zeit­schrif­ten und Ver­öf­fent­li­chun­gen sind aber nur die tat­säch­lich ein­ge­setz­ten Spie­ler. Da­her kann es durch­aus vor­ge­kom­men sein, dass Knautz ver­schie­dent­lich zum Auf­ge­bot ge­hör­te, oh­ne dass er dann wirk­lich spiel­te.

Ar­thur Knautz war 1928 auf ei­ge­nen Wunsch Sol­dat ge­wor­den. We­gen sei­nes sport­li­chen Kön­nens war er ei­ne der tra­gen­den Säu­len des Mi­li­tär­sport­ver­eins Hin­den­burg Min­den ge­wor­den und da­her auch wäh­rend sei­ner mi­li­tä­ri­schen Ver­wen­dung beim Pio­nier-Ba­tail­lon 6 in Min­den ver­blie­ben. 1932 war er zum Un­ter­of­fi­zier und 1934 zum Feld­we­bel be­för­dert wor­den. Mit dem Ge­winn der Gold­me­dail­le wur­de er zum Ober­feld­we­bel er­nannt. Wie vie­le an­de­re Mi­li­tär- und Po­li­zei­sport­ler auch, muss­te Ar­thur Knautz nach dem Be­ginn des Krie­ges im Sep­tem­ber 1939 er­fah­ren, dass dem Hit­ler-Re­gime trotz sei­ner Af­fi­ni­tät zum Sport und zu sport­li­chen Ti­teln, der mi­li­tä­ri­sche Ein­satz we­sent­lich wich­ti­ger war. Die Min­de­ner Pio­nie­re wur­den da­her von Be­ginn an auf den ver­schie­de­nen Kriegs­schau­plät­zen ein­ge­setzt und konn­ten nur sehr ein­ge­schränkt ih­re sport­li­chen Am­bi­tio­nen pfle­gen. Nach fast vier Jah­ren im Krieg, in de­nen er ei­ne Be­för­de­rung bis zum Haupt­mann er­hielt, ist Ar­thur Knautz wahr­schein­lich im Au­gust 1943 in Russ­land ge­fal­len. Die ge­naue­ren To­des­um­stän­de sind eben­so un­be­kannt wie das ge­naue Da­tum. Da­mit ge­hört er zu der gro­ßen Zahl jun­ger Män­ner, die erst ih­re Ju­gend und an­schlie­ßend ihr Le­ben im Krieg ver­lo­ren.

Literatur

Eg­gers, Erik (Hg.), Hand­ball. Ei­ne deut­sche Do­mä­ne, Göt­tin­gen 2007.

Meynert, Joa­chim (Hg.), Und auch der Hand­ball ist rund…, Bie­le­feld 1995.

 
Zitationshinweis

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Ohl, Thomas, Arthur Knautz, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/arthur-knautz-/DE-2086/lido/57c9361b0ccfe6.68503541 (23.06.2018)