Benedikt Beckenkamp

Maler (1747-1828)

Bettina Mosler (Köln)

Benedikt Beckenkamp, Selbstporträt. (Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud)

Be­ne­dikt Be­cken­kamp hat nicht nur be­deu­ten­de Per­sön­lich­kei­ten der Goe­the-Zeit im Rhein­land por­trai­tiert, son­dern auch Al­tar­bil­der mit re­li­giö­sen The­men, Land­schafts­bil­der und Ko­pi­en nach Ge­mäl­den alt­deut­scher Meis­ter ge­schaf­fen. In sei­ner lan­gen Le­bens­zeit hat er ver­schie­de­ne Stil­rich­tun­gen vom aus­ge­hen­den Ro­ko­ko bis zum Bie­der­mei­er durch­lau­fen. Zahl­rei­che Ge­mäl­de sind in den rhei­ni­schen Mu­se­en in Ko­blenz, Bonn und Köln, aber auch in Kir­chen und in Pri­vat­be­sitz er­hal­ten.

Jo­hann Be­ne­dikt Be­cken­kamp wur­de am 6.2.1747 in Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz) als Sohn des Wein­bren­ners und Ma­lers Lo­renz Be­cken­kamp (1704-1762), wel­cher ab 1747 Hof­ma­ler am Kur­trie­rer Hof in Eh­ren­breit­stein war, ge­bo­ren. Sein Bru­der war Jo­hann Franz Bern­hard Be­cken­kamp (1741-1769), der eben­falls als Ma­ler her­vor­trat. Be­ne­dikt Be­cken­kamp war zu­nächst Schü­ler sei­nes Va­ters, an­schlie­ßend lern­te er wohl auch bei Ja­nu­a­ri­us Zick, der seit 1762 in Eh­ren­breit­stein leb­te und in­ten­si­ve Kon­tak­te in den ober­schwä­bi­schen Raum pfleg­te. Die sti­lis­ti­schen Über­ein­stim­mun­gen mit Zicks Wer­ken sind be­son­ders auf den frü­hen Ge­mäl­den Be­cken­kamps mit re­li­giö­sen The­men er­kenn­bar, bei­spiels­wei­se auf dem Hoch­al­tar­ge­mäl­de der klei­nen Kir­che St. Mar­tin in Urmitz/Rhein (Ent­ste­hungs­zeit 1776-1780), aber auch auf den 1826 in Köln ent­stan­de­nen bei­den klei­nen Tä­fel­chen mit „Ma­ria und En­gel der Ver­kün­di­gung" (Köl­ni­sches Stadt­mu­se­um, Samm­lung Ka­si­mir Ha­gen).

Ein Be­leg für ei­ne wei­te­re Lehr­zeit bei dem Frank­fur­ter Land­schafts­ma­ler Chris­ti­an Ge­org Schütz der Äl­te­re (1718-1791) ist ein Por­trait die­ses Ma­lers, das Be­cken­kamp wohl in den 1770er Jah­ren ge­malt hat (Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie Ber­lin). Die Vor­zeich­nung für die von Hein­rich Hu­go Cönt­gen aus Mainz (1727-1792) in Kup­fer ge­sto­che­ne „Rhein-Ge­gend bei Ko­blenz und der Ves­tung Eh­ren­breit­stein" zeigt deut­lich den Ein­fluss der idyl­li­schen Land­schafts­ma­le­rei von Chris­ti­an Ge­org Schütz dem Äl­te­ren. Dies gilt auch für ei­ne eben­falls gra­phisch um­ge­setz­te und von Franz Cönt­gen (ge­bo­ren 1757) ge­sto­che­ne Ve­du­te „Rhein-Ge­gend bei der Stadt Kölln", die in ih­rer idyl­li­schen und da­mit noch vor­ro­man­ti­schen Stim­mung das 1798 pu­bli­zier­te Köln-Blatt der bei­den Schütz dem Äl­te­ren na­he ste­hen­den Wie­ner Künst­ler Lau­renz Jan­scha (1749-1812) und Jo­hann Zieg­ler (1750-1812) aus der Se­rie „Collec­tion de cin­quan­te vu­es du Rhin … de­puis Spi­re à Co­lo­gne" auf­greift.

In den Jah­ren 1784/1785 leb­te Be­cken­kamp in Bonn und pfleg­te Kon­takt zur Fa­mi­lie Lud­wig van Beet­ho­vens. Seit 1786 ist Be­ne­dikt Be­cken­kamp in Köln nach­weis­bar. Hier hat er im sel­ben Jahr sei­ne zwei­te Frau An­na Ma­ria Zip­per­ling (1751-1831) aus Bruch­sal ge­hei­ra­tet, die Auf­nah­me in die Ma­l­er­zunft er­hal­ten und das Köl­ner Bür­ger­recht er­wor­ben. Er wohn­te mit sei­ner Frau und den ur­sprüng­lich sie­ben Kin­dern, von de­nen nur zwei das Er­wach­se­nen­al­ter er­reich­ten, am Waid­markt an der Se­ve­rin­stra­ße. Von sei­nem Wohn­vier­tel hat er ei­ne 1795 da­tier­te Se­rie mit vier Aqua­rel­len ge­malt, von de­nen noch ein Ori­gi­nal in der Gra­phi­schen Samm­lung des Köl­ni­schen Stadt­mu­se­ums er­hal­ten ist. Die­se an den Frank­fur­ter Stadt­bil­dern von Chris­ti­an Ge­org Schütz dem Äl­te­ren ori­en­tier­ten Blät­ter ge­hö­ren mit der sel­te­nen Wie­der­ga­be ei­nes Stra­ßen­zu­ges zu den we­ni­gen to­po­gra­phi­schen An­sich­ten kurz vor der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on, die das Köl­ner Stadt­bild grund­le­gend ver­än­der­te.

Über die Por­trait­ma­le­rei ist Be­cken­kamp nach Köln ge­kom­men. Schon 1786 ent­stand das gro­ße Re­prä­sen­ta­ti­ons­por­trait des Köl­ner Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an Franz (Sa­kris­tei des Köl­ner Doms). Mög­lich­wei­se wur­de ihm die­ser gro­ße Auf­trag durch den Trie­rer Kur­fürs­ten Cle­mens Wen­zes­laus ver­mit­telt, der sich eben­falls 1790/1792 von Be­cken­kamp zu Pfer­de vor dem Frank­fur­ter Rö­mer (Re­si­denz Mün­chen) por­trai­tie­ren ließ. Die Mo­de bür­ger­li­cher Por­traits fürst­li­cher Fa­mi­li­en führ­te um 1780 zu ei­nem nicht-re­prä­sen­ta­ti­ven Rei­ter­por­trait der Schwes­ter des Kur­fürs­ten Ma­ria Ku­ni­gun­de (Schloss Bür­res­heim) und zu ei­nem Kon­ver­sa­ti­ons­stück des Kur­fürs­ten mit sei­nen bei­den Schwes­tern in den pri­va­ten Ge­mä­chern (Lan­des­mu­se­um Mainz). Der Kon­takt des Ma­lers mit sei­ner Ko­blen­zer Hei­mat riss auch in Köln nicht ab, wie bei­spiels­wei­se an der 1787 vor­ge­nom­me­nen Ver­zie­rung des von Pe­ter Jo­seph Kra­he (1758-1840) er­bau­ten Ko­blen­zer Schau­spiel­hau­ses oder Bild­nis des Kunst­samm­lers und Schrift­stel­lers Gre­gor Jo­seph Lang (1755-1834) von 1791 im Ko­blen­zer Mit­tel­rhein-Mu­se­um deut­lich wird. In Köln ka­men sei­ne Auf­trag­ge­ber vor al­lem aus der bür­ger­li­chen, der kle­ri­ka­len und der in­tel­lek­tu­el­len Schicht der Stadt. Auf die­sen Por­traits, zu de­nen auch die Bild­nis­se der Frau und der Kin­der des Ma­lers ge­hö­ren, ist der Stil­wan­del von der raf­fi­nier­ten und das De­tail lie­ben­den Stoff­lich­keit des fran­zö­si­schen Ro­ko­ko über die stren­ge­ren, eben­falls an der fran­zö­si­schen Por­trait­ma­le­rei aus­ge­rich­te­ten klas­si­zis­ti­schen Por­traits, hin zu den in­ti­men Bild­nis­sen des deut­schen Bie­der­mei­er gut er­kenn­bar. Trotz der Re­zep­ti­on der zeit­glei­chen fran­zö­si­schen Ma­le­rei blieb bei Be­cken­kamp ei­ne ihm ganz ei­ge­ne Ernst­haf­tig­keit und Ein­dring­lich­keit in sei­ner psy­cho­lo­gisch ein­fühl­sa­men Er­fas­sung des Por­trai­tier­ten kon­stant, die auch über vie­le Jah­re sei­nen Er­folg aus­mach­te. Sei­ne Auf­trag­ge­ber nah­men ei­ne ge­wis­se Kan­tig­keit und Herb­heit im Stil, wie auch ei­ne un­über­seh­ba­re Scho­nungs­lo­sig­keit in der Per­so­nen­dar­stel­lung ger­ne hin.

Die bei­den gro­ßen Por­traits des Köl­ner Kal­li­gra­phen Jo­hann Hein­rigs (1781-1861) mit Frau und Söh­nen von 1824 (Köl­ni­sches Stadt­mu­se­um), be­zie­hungs­wei­se der sechs Söh­ne Hein­rigs von 1828 (LVR-Lan­des­Mu­se­um Bonn), auf dem das frü­he­re Fa­mi­li­en­bild als Bild-im-Bild Ab­fol­ge und Kreis­lauf der Ge­ne­ra­tio­nen zeigt, be­to­nen den Wert der Fa­mi­lie in der Le­bens­hal­tung und in der Kunst des Bie­der­mei­er. Durch das Auf­grei­fen des hol­län­di­schen Fa­mi­li­en­bil­des kom­bi­niert mit idea­li­sie­ren­der Por­trait­ma­le­rei und Wie­der­ga­be der häus­li­chen Ge­müt­lich­keit wur­de Be­cken­kamp zum Weg­be­rei­ter des rhei­ni­schen Fa­mi­li­en­bil­des, das spä­ter un­ter an­de­rem von Si­mon Meis­ter (1796–1844) wei­ter ent­wi­ckelt wur­de.

Die Sä­ku­la­ri­sa­ti­on mit der Flüch­tung und dem Ver­kauf zahl­rei­cher Kunst­wer­ke er­öff­ne­te Be­cken­kamp ein neu­es Be­tä­ti­gungs­feld. 1807 mal­te er für den be­schä­digt nach Köln zu­rück ge­kehr­ten Drei­kö­ni­gen­schrein 16 Kup­fer­tä­fel­chen mit ty­po­lo­gi­schen Sze­nen aus dem Al­ten Tes­ta­ment und aus der Ge­schich­te der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge (Dom­schatz­kam­mer). Die bald ein­set­zen­de ro­man­ti­sche Ver­klä­rung der mit­tel­al­ter­li­chen Kunst be­traf bald nach sei­ner Über­füh­rung 1810 von der Köl­ner Rats­ka­pel­le in den Dom be­son­ders Ste­fan Loch­ners „Al­tar der Stadt­pa­tro­ne". Mit­glie­der des seit 1815 im Rhein­land re­gie­ren­den preu­ßi­schen Kö­nigs­hau­ses be­stell­ten für die Räum­lich­kei­ten ih­rer Ber­li­ner Schlös­ser Ko­pi­en, Teil­ko­pi­en oder Nach­bil­dun­gen des „Dom­bil­des" bei Be­cken­kamp. Die­se Ko­pi­en wa­ren Aus­druck ei­ner ro­man­tisch-ka­tho­li­sie­ren­den Fröm­mig­keits­ten­denz im pro­tes­tan­ti­schen Kö­nigs­haus und konn­ten kul­tur­po­li­ti­sche In­ten­tio­nen eben­so be­inhal­ten wie pri­va­te Er­in­ne­run­gen an ei­ne Rhein­rei­se. Auf­trag­ge­ber wa­ren un­ter an­de­ren Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. (Re­gie­rungs­zeit 1797-1840) (Ko­pie in Schloss Fried­richs­hof, Kron­burg), Kron­prinz Fried­rich Wil­helm (Re­gie­rungs­zeit als Fried­rich Wil­helm IV. 1840-1858) (Schloss Stol­zen­fels Ko­blenz) und Prinz Fried­rich (1794-1863) (Drei­kö­nigs­gym­na­si­um Köln).

Ei­nen Rück­griff auf mit­tel­al­ter­li­che De­vo­ti­ons­bil­der stellt ei­ne Nach­bil­dung des „Dom­bil­des" dar, das die west­fä­li­sche Adels­fa­mi­lie Hee­re­man von Zu­ydt­wick wohl 1826 bei Be­cken­kamp be­stell­te. Wäh­rend der Mit­tel­teil ei­ne (freie) Ko­pie der „An­be­tung der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge" auf dem „Dom­bild" ist, wur­den die Flü­gel mit den Köl­ner Stadt­pa­tro­nen durch ei­ne sehr freie Ko­pie nach den Stif­ter­flü­geln von Joos van der Be­kes (1485–1540) „Klei­nem Ma­ri­en­tod" in der Samm­lung Wall­raf er­setzt. Das gro­ße Ge­mäl­de be­fin­det sich heu­te öf­fent­lich zu­gäng­lich in der Vor­hal­le des Köl­ner Rat­hau­ses. Ei­ne Ko­pie von Joos van der Be­kes „Be­wei­nung Chris­ti" er­setzt seit 1816 das ver­kauf­te Ori­gi­nal in St. Ma­ria Lys­kir­chen in Köln. Am 1.4.1828 ist Be­cken­kamp in Köln ge­stor­ben. Dort er­in­nert heu­te ei­ne nach ihm be­nann­te Stra­ße an den Ma­ler.

Literatur

De Noël, Mat­thi­as Jo­seph, Ne­kro­log von Cas­par Be­ne­dikt Be­cken­kamp (1747-1828). Zur Köl­ni­schen Ma­ler­ge­schich­te, in: Bei­blatt zur Köl­ni­schen Zei­tung Nr. 7, 1828, Sp. 3-5.
Mit­tel­rhein-Mu­se­um Ko­blenz (Hg.), Cas­par Be­ne­dikt Be­cken­kamp: 1747-1828; ein rhei­ni­scher Ma­ler zwi­schen Mo­ses, Eli­sa­beth, Cas­par Be­ne­dikt Be­cken­kamp, in: Wall­raf-Ri­ch­artz-Jahr­buch 2 (1925), S. 44-77.
Mos­ler, Bet­ti­na, Be­ne­dikt Be­cken­kamp (1747-1828). Ein rhei­ni­scher Ma­ler, Köln 2003.

 
Zitationshinweis

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Mosler, Bettina, Benedikt Beckenkamp, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/benedikt-beckenkamp-/DE-2086/lido/57c57698abc095.47296864 (23.05.2018)