Bernhard Marschall

Priester, Rundfunkbeauftragter der Katholischen Kirche (1888-1963)

Birgit Bernard (Köln/Heidelberg)

Porträt Prälat Bernhard Marschall, undatiert, Foto: Werz. (Westdeutscher Rundfunk, Historisches Archiv)

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Bern­hard Mar­schall war ka­tho­li­scher Seel­sor­ger, Re­li­gi­ons­leh­rer, Bil­dungs- und Rund­funk­re­fe­rent der Ka­tho­li­schen Kir­che.

Bern­hard Mar­schall kam am 25.12.1888 in Stee­le (heu­te Stadt Es­sen) als Sohn des Berg­manns Bern­hard Mar­schall und sei­ner Frau The­re­se zur Welt. Nach dem Ab­itur am Carl-Hu­mann-Gym­na­si­um in Stee­le im Jah­re 1909 stu­dier­te er Theo­lo­gie an der Rhei­ni­schen Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät in Bonn.

Am 28.3.1912 trat Mar­schall in da­s Kölner Pries­ter­se­mi­nar ein. Ne­ben der Pfarr­seel­sor­ge soll­te die Bil­dungs­ar­beit, ins­be­son­de­re die Er­wach­se­nen­bil­dung und die Be­schäf­ti­gung mit me­di­en­spe­zi­fi­schen Fra­gen, zu den Schwer­punk­ten von Mar­schalls Tä­tig­keit ge­hö­ren. Sta­tio­nen sei­ner Lauf­bahn als Geist­li­cher wa­ren der Emp­fang der nie­de­ren Wei­hen (1.6.1912), die Pries­ter­wei­he im Köl­ner Dom (15.2.1913), sei­ne Tä­tig­keit als Ka­plan an Herz Je­su in (Wup­per­tal-)El­ber­feld (März 1913-April 1914) so­wie an Herz Je­su in Köln (30.4.1914-Mai 1918). Da­ne­ben wirk­te er wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges als Seel­sor­ger in ei­nem Köl­ner La­za­rett und von 1918-1930 als Re­li­gi­ons­leh­rer in der Pfar­rei St. Ku­ni­bert in Köln.

Ge­gen En­de des Welt­krie­ges be­gann auch Mar­schalls Wir­ken in der ka­tho­li­schen Volks­bil­dungs­ar­beit. So war er von 1918-1924 Prä­ses der Bor­ro­mäus­ver­ei­ne zum Auf­bau von Pfarr­bü­che­rei­en in der Erz­diö­ze­se Köln und zur För­de­rung christ­li­cher Li­te­ra­tur. Zu­sam­men mit Ro­bert Gro­sche ge­hör­te er zu den Mit­her­aus­ge­bern der Zeit­schrift „Volks­tum und Volks­bil­dun­g“ und war Mit­be­grün­der des Aka­de­mi­schen Bo­ni­fa­ti­us­ver­eins in Bonn und des Bil­dungs­aus­schus­ses der Ka­tho­li­ken in Köln. 1926 wur­de Mar­schall Di­rek­tor des Zen­tral­bil­dungs­aus­schus­ses der ka­tho­li­schen Ver­bän­de Deutsch­lands (ZBA). „Die Film­ar­beits­ge­mein­schaft der Deut­schen Ka­tho­li­ken und die Ver­ei­ni­gung der kath. Volks­hoch­schul­hei­me ver­dan­ken ihm ihr Ent­ste­hen.“ (Scheid­gen).

Mit­te der 1920er Jah­re be­gann auch Mar­schalls En­ga­ge­ment in Rund­funk­fra­gen. Da­bei plä­dier­te er aus prag­ma­ti­schen Grün­den für ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit dem neu­en Me­di­um – Tra­di­ti­ons­freu­de dür­fe kein Grund zum Ab­seits­ste­hen sein - und ex­po­nier­te sich da­mit im fort­schritt­li­chen La­ger der deut­schen Ka­tho­li­ken. In ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me zum The­ma Rund­funk lehn­te die Ful­da­er Bi­schofs­kon­fe­renz Über­tra­gun­gen von Pre­dig­ten und Got­tes­diens­ten im Rund­funk zwar ab (bis 1935), ge­stat­te­te je­doch die Grün­dung von Rund­funk­ar­beits­ge­mein­schaf­ten in­ner­halb des ZBA, die die re­dak­tio­nel­le Auf­sicht über nicht-lit­ur­gi­sche Sen­dun­gen in­ner­halb des Kir­chen­funks, zum Bei­spiel die so ge­nann­ten „Mor­gen­fei­ern“, über­neh­men soll­ten. In die­ser Ei­gen­schaft schlu­gen die Rund­funk­be­auf­trag­ten Au­to­ren für kirch­li­che The­men vor, kon­trol­lier­ten die Ma­nu­skrip­te zu Sen­dun­gen und ar­bei­te­ten in der Aus­wahl der Spre­cher und der Mu­sik­bei­trä­ge eng mit den Rund­funk­re­dak­teu­ren zu­sam­men, wäh­rend die Rund­funk­sen­de­ge­sell­schaf­ten für die or­ga­ni­sa­to­ri­sche und tech­ni­sche Ab­wick­lung, zum Bei­spiel auch bei Au­ßen­über­tra­gun­gen, ver­ant­wort­lich zeich­ne­ten.

 

Ab 1927 am­tier­te Mar­schall auch als Vor­sit­zen­der der Ra­dio- be­zie­hungs­wei­se (ab 1929) Rund­funk­ar­beits­ge­mein­schaf­ten in­ner­halb des ZBA. Mar­schalls ar­bei­te­te in sei­nen viel­fäl­ti­gen Funk­tio­nen eng mit der 1924 ge­grün­de­ten und 1926 nach Köln ver­leg­ten West­deut­schen Rund­funk AG (WER­AG) zu­sam­men und ver­such­te dort den Ein­fluss der Ka­tho­li­schen Kir­che, auch in Per­so­nal­fra­gen, gel­tend zu ma­chen. 1929 wur­de das In­ter­na­tio­na­le Ka­tho­li­sche Rund­funk­bü­ro ge­grün­det, das, eben­falls Mar­schall un­ter­ste­hend, sei­nen Sitz im ZBA hat­te. Gleich­zei­tig wur­de er zum Ge­ne­ral­se­kre­tär der In­ter­na­tio­na­len Ka­tho­li­schen Rund­funk­kom­mis­si­on er­nannt.

1933 plä­dier­te Mar­schall für ei­ne par­ti­el­le Zu­sam­men­ar­beit mit den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf der Ba­sis der Ga­ran­tie der „Mor­gen­fei­ern“. Im Zu­ge der di­rek­ten Un­ter­stel­lung der Rund­funk­ar­beits­ge­mein­schaf­ten un­ter die Bi­schö­fe wur­de Mar­schall nun als Film- und Rund­funk­re­fe­rent an die Haupt­ar­beits­stel­le für die Ka­tho­li­sche Ak­ti­on in Düs­sel­dorf be­or­dert, wo­hin auch das In­ter­na­tio­na­le Ka­tho­li­sche Rund­funk­bü­ro ver­legt wur­de.

Am 31.11.1933 über­nahm Mar­schall ei­ne Pfarr­stel­le in Grui­ten am Nie­der­rhein. Sei­ne in­ter­na­tio­na­len Ver­pflich­tun­gen in der Rund­funk­ar­beit nahm Mar­schall auch wei­ter­hin wahr. Zwar wur­de das In­ter­na­tio­na­le Ka­tho­li­sche Rund­funk­bü­ro im Jah­re 1938 in die Nie­der­lan­de ver­legt, doch Mar­schall er­hielt 1939 durch die Ful­da­er Bi­schofs­kon­fe­renz die An­wei­sung, sich für ei­ne Wie­der­auf­nah­me sei­ner Tä­tig­keit be­reit­zu­hal­ten.

Nach Kriegs­en­de knüpf­te er in­fol­ge­des­sen an sei­ne im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus un­ter­bun­de­ne Tä­tig­keit an. Am 2.2.1946 wur­de er zum Be­auf­trag­ten des Erz­bis­tums Köln für die Rund­funk­ar­beit er­nannt und im Au­gust 1946 von der Ple­nar­kon­fe­renz der deut­schen Bi­schö­fe mit dem (Wie­der-) Auf­bau ka­tho­li­scher Rund­funk­ar­beits­ge­mein­schaf­ten be­traut. Im sel­ben Jahr wur­de Mar­schall auch vom Ober­prä­si­den­ten für die Pro­vin­zen Rhein­land und West­fa­len als Vor­sit­zen­der des rhei­nisch-west­fä­li­schen Rund­funk­aus­schus­ses für den un­ter bri­ti­scher Kon­trol­le ste­hen­den Nord­west­deut­schen Rund­funk (NW­DR) Köln be­nannt. Der vor­mals selbst­stän­di­ge Köl­ner Sen­der war zu die­sem Zeit­punkt or­ga­ni­sa­to­risch der Ham­bur­ger Zen­tra­le des NW­DR un­ter­stellt; Mar­schall setz­te sich von An­fang an für ei­ne Eman­zi­pa­ti­on Kölns von Ham­burg ein. Am 30.7.1947 er­hielt er die Ak­kre­di­tie­rung als Rund­funk­be­auf­trag­ter der Ka­tho­li­schen Kir­che beim NW­DR Köln durch den NW­DR-Chief Con­trol­ler Hugh Car­le­ton Gree­ne (1910-1987). Am 12.3.1948 wur­de Mar­schall zu­dem Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Haupt­aus­schus­ses des NW­DR. Er ge­hör­te dem Gre­mi­um bis 1955 an. Im Rund­funk­rat des West­deut­schen Rund­funks (WDR) war er je­doch nach der Tren­nung des NW­DR in NDR und WDR (ab 1.1.1956) nicht mehr ver­tre­ten. Mar­schall ver­focht in je­nen Jah­ren sei­ne in den 1920er Jah­ren ent­wi­ckel­te Li­nie der strik­ten Be­schrän­kung der Rund­funk­be­auf­trag­ten auf die re­dak­tio­nel­le Kon­trol­le der in­ner­kirch­li­chen Sen­dun­gen, die al­ler­dings Ten­den­zen der for­cier­ten Ein­fluss­nah­me von Par­tei­en auf den Rund­funk be­zie­hungs­wei­se Plä­nen zur Grün­dung ei­nes christ­li­chen Pri­vat­sen­ders dia­me­tral ent­ge­gen­stand. Im Mai 1955 leg­te Mar­schall sein Amt  nie­der, am 14.10.1957 wur­de er auch vom Amt ei­nes Köl­ner Diö­ze­san­be­auf­trag­ten für den Rund­funk ent­bun­den.

Am 31.1.1962 zog sich Mar­schall aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den von sei­nem Pfarr­amt in Grui­ten zu­rück. Er über­sie­del­te nach Köln in die Rieh­ler Heim­stät­ten, wo er am 22.6.1963 starb.

Mar­schall wur­den als An­er­ken­nung sei­nes Le­bens­wer­kes zahl­rei­che kirch­li­che und welt­li­che Eh­run­gen zu­teil. Mar­schall war Päpst­li­cher Ge­heim­käm­me­rer (1933), Eh­ren­prä­si­dent des IRK (1938), Päpst­li­cher Hausprä­lat (1948), Eh­ren­bür­ger der Ge­mein­de Grui­ten (1953), Trä­ger des Bun­des­ver­dienst­kreu­zes I. Klas­se (1953), Eh­ren­vor­sit­zen­der der KRD (1954) und Eh­ren­dom­herr an der Ho­hen Dom­kir­che zu Köln (1959).

Werke

Füh­rer durch die ka­tho­li­sche Son­der­schau der Pres­sa zu Köln, 1928.

Die kath. Mor­gen­fei­er, Rund­funk­vor­trä­ge 1928, 2 Bän­de, 1928.

Film und Rund­funk, 1929.

Ru­fe in die Zeit, Re­li­giö­se Rund­funk- und Mor­ge­n­an­spra­chen im NW­DR, 1953 [mit S. Berg­hoff].

Das Ehe­recht der ka­tho­li­schen Kir­che, 1960.

** _ Her­aus­ge­ber­schaf­t _**

Volks­bil­dungs­ar­beit, 1921.

Literatur

Ber­nard, Bir­git, Mar­schall, Bern­hard, in: Bautz Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon, Band 31, Nord­hau­sen 2010, Sp. 843–849.

Bau­er, Gün­ther, Kirch­li­che Rund­funk­ar­beit 1924-1939, Frank­furt/Main 1966.

Gläss­gen, Heinz, Ka­tho­li­sche Kir­che und Rund­funk in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 1945-1962, Ber­lin 1983.

Wag­ner, Hans-Ul­rich, „Mitt­ler zwi­schen Kir­che und Rund­fun­k“. Der Kir­chen­funk, in: Wag­ner, Hans-Ul­rich (Hg.), Die Ge­schich­te des Nord­west­deut­schen Rund­funks, Band 2, Ham­burg 2008, S. 182-195.

Online

Scheid­gen, Her­mann-Jo­sef, „Mar­schall, Bern­har­d“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 16 (1990), S. 253-254. [On­line]

Bernhard Marschall (mit Hut) im Kloster Knechtsteden, Übertragung der WERAG, 5.3.1932. (Westdeutscher Rundfunk, Historisches Archiv)

 
Zitationshinweis

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Bernard, Birgit, Bernhard Marschall, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/bernhard-marschall-/DE-2086/lido/58b69114188bf6.81025925 (14.12.2018)