Bodo H. Hauser

Fernsehjournalist (1946–2004)

Joachim Lilla (Krefeld)

Bodo H. Hauser, Porträtfoto, Foto: Rolf Kaul.

„Noch Fra­gen, Kienz­le?“ – Ja, Hau­ser!“ Die­ser das Fern­seh­ma­ga­zin „Fron­tal“ be­schlie­ßen­de Wort­wech­sel zwi­schen den bei­den Mo­dera­to­ren Bo­do H. Hau­ser und Ul­rich Kienz­le (ge­bo­ren 1936) wur­de bald schon das Mar­ken­zei­chen der Sen­dung.

Bo­do Hu­go Hau­ser wur­de am 23.2.1946 in Kre­feld-Uer­din­gen als Sohn des Kra­wat­ten­fa­bri­kan­ten Hu­go Hau­ser (1909-1984) und sei­ner Ehe­frau Kä­the ge­bo­re­ne Pie­per (1914-1991) ge­bo­ren. Er be­such­te das Fich­te-Gym­na­si­um sei­ner Hei­mat­stadt und sam­mel­te als Schü­ler ers­te jour­na­lis­ti­sche Er­fah­run­gen beim Sport­teil der „West­deut­schen Zei­tun­g“ in Kre­feld. Hau­ser stu­dier­te von 1968 bis 1972 Rechts- und Staats­wis­sen­schaf­ten in Frei­burg im Breis­gau, Lau­sanne, Cam­bridge und Bonn (1984 folg­te noch ein Er­gän­zungs­stu­di­um in Har­vard). Er schlug an­schlie­ßend die Lauf­bahn ei­nes Fern­seh­jour­na­lis­ten beim Zwei­ten Deut­schen Fern­se­hen (ZDF) ein. 1973-1976 war er stän­di­ger frei­er Mit­ar­bei­ter im Bon­ner ZDF-Stu­dio, da­nach Kor­re­spon­dent in der NRW-Lan­des­re­dak­ti­on in Düs­sel­dorf. 1978 wech­sel­te er als stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des Ma­ga­zins „Län­der­spie­gel“ in die Main­zer ZDF-Zen­tra­le. 1979 hei­ra­te­te er in Bonn die The­ra­peu­tin Bar­ba­ra Pei­fer (ge­bo­ren 1946), aus der Ehe gin­gen ei­ne Toch­ter und ein Sohn her­vor. Erst­mals vor der Fern­seh­ka­me­ra stand Hau­ser 1981-1987 bei den „Bon­ner Per­spek­ti­ven“; 1988 folg­te er Ger­hard Lö­wen­thal (1922-2002) in der Mo­dera­ti­on des ZDF-Ma­ga­zins, das den neu­en Na­men Stu­dio 1 er­hielt. Im Ge­gen­satz zum kon­ser­va­tiv-dog­ma­ti­schen ge­präg­ten Jour­na­lis­mus von Ger­hard Lö­wen­thal streb­te er ei­ne me­dia­le Öff­nung an, auch un­ter Ein­be­zie­hung der Zu­schau­er, die – so Hau­ser in ei­nem In­ter­view mit der Zei­tung „Die Welt“ im März 1989 – „In­for­ma­ti­on und nicht Mis­si­on, … eher Ser­vice statt Er­zie­hun­g“ woll­ten. Ein Vor­bild für ihn, als Bei­spiel für er­fri­schen­de Trans­pa­renz, war das CBS-Ma­ga­zin „Six­ty Mi­nu­tes“, das er in den USA ken­nen­ge­lernt hat­te.

Ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit be­kannt wur­de er mit dem be­reits 1991 un­ter dem Ti­tel „Streit­fal­l“ auf 3Sat ge­star­te­ten ZDF-Po­lit­ma­ga­zin „Fron­tal“, das er ab 1993 ge­mein­sam mit Ul­rich Kienz­le mo­de­rier­te und in dem er meist ei­nen kon­ser­va­ti­ve­ren Stand­punkt als die­ser ver­trat. Ty­pisch für die Sen­dung wur­de die iro­nisch-hu­mor­vol­le Mo­dera­ti­on des Jour­na­lis­ten­du­os und der le­gen­dä­re, ein­gangs zi­tier­te Schluss­dia­log. Vor al­lem aber leb­te das Ma­ga­zin von den Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten der bei­den Mo­dera­to­ren, die nach ei­ge­nen An­ga­ben nicht in­sze­niert wa­ren. Als Kienz­le 2000 in den Ru­he­stand ging, wur­de die Sen­dung nach 290 Fol­gen ein­ge­stellt. Im sel­ben Jahr über­nahm Bo­do Hau­ser als Ver­tre­ter des ZDF den Pos­ten ei­nes der bei­den Pro­gramm­ge­schäfts­füh­rer des Nach­rich­ten- und Do­ku­men­ta­ti­ons­sen­ders PHO­ENIX, für den er auch die Talk­show „Un­ter den Lin­den“ mo­de­rier­te. Im ZDF lei­te­te er zu­dem die Sen­dung „Nacht­du­el­l“.

Im Ok­to­ber 1997 ver­lieh ihm Bun­des­prä­si­dent Ro­man Her­zog (Amts­zeit 1994-1999) das Bun­des­ver­dienst­kreuz. Die amt­li­che Be­grün­dung, un­ter an­de­rem „Ver­diens­te um den fai­ren Jour­na­lis­mus“ - er­gänz­te der Kre­fel­der Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Pütz­ho­fen (Amts­zei­ten 1982-1989, 1994-2004) an­läss­lich der Or­dens­über­ga­be mit Hin­wei­sen auf sei­nen Jour­na­lis­mus „oh­ne Ver­bis­sen­heit“. Für ei­nen an­de­ren Lau­da­tor war Hau­ser (un­ter Be­zug auf das 3sat-Ma­ga­zin „Streit­fal­l“) „nicht ein Streit­fall, son­dern ein Glücks­fal­l“.

Am 22.7.2004 starb er in Kre­feld im Al­ter von 58 Jah­ren un­er­war­tet nach ei­ner Ope­ra­ti­on. Ei­ne Gut­ach­ter­kom­mis­si­on bei der Ärz­te­kam­mer Nord­rhein schloss auf ei­nen ärzt­li­chen Be­hand­lungs­feh­ler, ein Straf­ver­fah­ren ge­gen den Chir­ur­gen wur­de je­doch spä­ter man­gels hin­rei­chen­den Tat­ver­dachts ein­ge­stellt. Das über­wäl­ti­gen­de Me­di­en­echo hier­auf (na­ment­lich in der Bou­le­vard­pres­se) war in­des von ei­ner Art Jour­na­lis­mus, der für Hau­ser zwei­fels­oh­ne zahl­rei­che Fra­gen of­fen ge­las­sen hät­te.

Quellen

Stadt­ar­chiv Kre­feld, Zei­tungs­aus­schnitt­samm­lung, Ein­woh­ner­mel­de­kar­tei

 
Zitationshinweis

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Lilla, Joachim, Bodo H. Hauser, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/bodo-h.-hauser/DE-2086/lido/57c8283753e2e6.13942378 (13.11.2018)