Caesarius von Heisterbach

Mönch und Novizenmeister von Heisterbach (um 1180-um 1240)

Swen Holger Brunsch (Swisttal)

Caesarius von Heisterbach als Novizenmeister im 'Dialogus miraculorum' (1219-1223), Düsseldorfer Codex. (Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)

Cae­sa­ri­us war Mönch und No­vi­zen­meis­ter des Zis­ter­zi­en­ser­klos­ters Heis­ter­bach im Sie­ben­ge­bir­ge und ein au­ßer­ge­wöhn­lich pro­duk­ti­ver Schrift­stel­ler. Er ver­fass­te 39 Schrif­ten in et­wa 30 Jah­ren. Sein Ge­samt­werk zeugt da­bei nicht nur für sein per­sön­li­ches Kön­nen, son­dern auch für das geis­ti­ge Kli­ma in der noch jun­gen Zis­ter­zi­en­ser­ab­tei. Mit sei­nem Werk mach­te Cae­sa­ri­us auch Heis­ter­bach weit­hin be­kannt.

Cae­sa­ri­us wur­de um das Jahr 1180 ge­bo­ren. Er ent­stamm­te ei­ner ver­mö­gen­den Fa­mi­lie aus Köln o­der des­sen nä­he­ren Um­ge­bung und hat sei­ne Kind­heit und Ju­gend ver­mut­lich im Stadt­vier­tel um die Köl­ner Pfarr­kir­che St. Ja­kob und die Stifts­kir­che St. Ge­org ver­bracht. Sei­ne ele­men­ta­re Aus­bil­dung er­hielt er an der Schu­le des Stifts St. An­dre­as. Die­ser Grund­aus­bil­dung schlos­sen sich theo­lo­gi­sche Stu­di­en an der Köl­ner Dom­schu­le bei dem be­rühm­ten Ma­gis­ter Ru­dolf an. Cae­sa­ri­us war so­mit ge­bil­det, und ihm stand ei­ne Kar­rie­re als Welt­geist­li­cher of­fen, als er sich ent­schloss, Mönch zu wer­den.  

 

Im Ok­to­ber 1198 leg­te Cae­sa­ri­us den Weg von Wal­ber­berg (heu­te Stadt Born­heim) nach Köln ge­mein­sam mit Abt Ge­vard von Heis­ter­bach (1196-1208) zu­rück. Wäh­rend der Rei­se ge­lang es dem Abt, sei­nen jun­gen Mit­rei­sen­den durch die Er­zäh­lung ei­nes Ma­ri­en­wun­ders für sein Klos­ter zu be­geis­tern. Dem Klos­ter­ein­tritt war Cae­sa­ri­us nicht ab­ge­neigt, je­doch hat­te er sich durch ein Ge­lüb­de zur Wall­fahrt ver­pflich­tet. Zu­nächst be­gab er sich auf die gut 1.000 Ki­lo­me­ter lan­ge Rei­se zur Schwar­zen Ma­don­na nach Ro­ca­ma­dour. Nach sei­ner Rück­kehr aus dem Süd­wes­ten Frank­reichs trat er oh­ne Wis­sen sei­ner Ver­wand­ten und Freun­de im Ja­nu­ar 1199 in das Klos­ter Heis­ter­bach ein, das erst knapp zehn Jah­re zu­vor ge­grün­det wor­den war. 

Nach sei­nem Klos­ter­ein­tritt durch­lief Cae­sa­ri­us wie al­le Neu­an­kömm­lin­ge die ein­jäh­ri­ge Pro­be­zeit, be­vor er im Früh­jahr 1200 vor Abt Ge­vard und den Mit­brü­dern sei­ne Pro­fess ab­leg­te. Er er­hielt spä­tes­tens als Mönch die Pries­ter­wei­he und ze­le­brier­te nach­weis­lich 1218 ei­ne Mes­se. Ge­vards Nach­fol­ger, Abt Hein­rich (1208-1244), er­nann­te ihn vor 1219 zum No­vi­zen­meis­ter des Klos­ters. Die­ses Amt be­klei­de­te er meh­re­re Jah­re hin­durch, bis ihn 1222/1223 der Mönch Gott­fried dar­in ab­lös­te. Zu sei­nen Auf­ga­ben ge­hör­te die Ein­wei­sung der Neu­lin­ge in das Klos­ter­le­ben. Sei­ne Lehr­tä­tig­keit er­streck­te sich zu­dem mög­li­cher­wei­se auch auf ein theo­lo­gi­sches Haus­stu­di­um. 

Als No­vi­zen­meis­ter (mo­nachus et ma­gis­ter no­vicio­rum) ist Cae­sa­ri­us so­gar als Zeu­ge in ei­ner Ur­kun­de für das Non­nen­klos­ter Ho­ven aus dem Jahr 1221 ge­nannt. Die im 17. Jahr­hun­dert erst­mals ge­äu­ßer­te, ihn ver­meint­lich auf­wer­ten­de An­nah­me, er sei auch Pri­or der Ab­tei ge­we­sen, lässt sich durch zeit­ge­nös­si­sche Quel­len oder in sei­nen Wer­ken in­des nicht be­stä­tig­ten. Als Mönch und No­vi­zen­meis­ter reis­te er ge­mein­sam mit sei­nem Abt oder ei­nem an­de­ren Of­fi­zia­len im Auf­trag des Klos­ters nicht nur in die nä­he­re Um­ge­bung, son­dern so­gar bis weit in die Nie­der­lan­de. Im Zeit­raum 1218 bis 1233 war er bei­na­he jähr­lich au­ßer­halb des Klos­ters un­ter­wegs, häu­fig auch mehr­mals im Jahr. Al­lein hier­in un­ter­schied er sich von vie­len an­de­ren ein­fa­chen Mön­chen. 

Klosterruine Heisterbach, Foto: J. Petersen.

 

Be­kannt, ja be­rühmt wur­de Cae­sa­ri­us al­ler­dings durch sei­ne schrift­stel­le­ri­sche Tä­tig­keit, die er wahr­schein­lich im ers­ten Jahr­zehnt des 13. Jahr­hun­derts, si­cher je­doch vor 1218 be­gon­nen hat. Schrei­ben zu dür­fen, war für ei­nen Mönch kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich und be­durf­te so­wohl der Er­laub­nis des Ab­tes als auch des Ge­ne­ral­ka­pi­tels des Zis­ter­zi­en­ser­or­dens. Sei­ne Ziel­grup­pe be­stand in ers­ter Li­nie aus sei­nen Mit­brü­dern in Heis­ter­bach und sei­nen Or­dens­brü­dern und -schwes­tern. 

Vie­le sei­ner Ab­hand­lun­gen sind erst auf de­ren Bit­te und An­re­gung hin ent­stan­den. Sei­ne Wer­ke soll­ten im Klos­te­r­all­tag zur Le­sung im Ka­pi­tel und zur Er­bau­ung die­nen. Cae­sa­ri­us selbst hat sei­ne Schrif­ten in ei­nem Brief an den Pri­or Pe­trus von Ma­ri­en­statt ver­zeich­net. In die­sem Brief, der so ge­nann­ten „epis­to­la ca­ta­lo­gi­ca", den er nach 1237 ver­fass­te, zählt er in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge 36 ver­schie­de­ne Schrif­ten auf. Da­von sind heu­te zwölf ge­druckt, zehn in Ma­nu­skrip­ten nach­ge­wie­sen und 14 noch nicht iden­ti­fi­ziert. Hin­zu kom­men drei wei­te­re, klei­ne­re Ab­hand­lun­gen, die dort nicht ge­nannt sind. Cae­sa­ri­us war in ers­ter Li­nie an theo­lo­gi­schen Fra­gen in­ter­es­siert, so dass die Mehr­zahl sei­ner 39 Schrif­ten re­li­giö­se The­men be­han­delt. Ei­ni­ge we­ni­ge Schrif­ten sind bio­gra­phisch-ha­gio­gra­phi­schen oder his­to­ri­schen In­halts. Er schrieb meh­re­re Kom­men­ta­re zu ver­schie­de­nen Stel­len der Bi­bel, die er al­le­go­risch oder mo­ra­lisch deu­te­te. Dar­über hin­aus er­läu­ter­te er das Ma­ri­en­lied „Ave, praecla­ra ma­ris stel­la", sam­mel­te Ge­be­te zu den ka­no­ni­schen Stun­den im klös­ter­li­chen All­tag und be­zog in zwei (heu­te ver­lo­re­nen) Schrif­ten Stel­lung ge­gen Hä­re­ti­ker (Irr­gläu­bi­ge). Be­son­ders lag ihm je­doch sein gro­ßes Pre­digt- und Ho­mi­li­en­werk am Her­zen. Zeit­le­bens ver­fass­te er zahl­rei­che Tex­te zu den Sonn- und Fest­ta­gen so­wie den Ma­ri­en- und Hei­li­gen­fes­ten des Kir­chen­jah­res, die er – wie zum Bei­spiel die 18 Ho­mi­li­en über die Ge­burt und Kind­heit Chris­ti – in ei­ge­nen Bü­chern zu­sam­men­stell­te.  

Sein be­kann­tes­tes Werk, den „Dia­lo­gus mi­ra­cu­l­o­rum", schrieb er zwi­schen 1219 und 1223 auf aus­drück­li­che Bit­te Abt Hein­richs und sei­ner Mit­brü­der. Es han­delt sich um ein di­dak­ti­sches Ein­füh­rungs­buch in den Mönchs­stand, das als Dia­log zwi­schen ei­nem fra­gen­den No­vi­zen und ei­nem ant­wor­ten­den Mönch kon­zi­piert ist. Hin­ter dem „mo­nachus re­spon­dens" ver­birgt sich kein Ge­rin­ge­rer als Cae­sa­ri­us selbst, und sein fra­gen­der Ge­sprächs­part­ner ist der No­vi­ze Apol­lo­ni­us aus dem Köl­ner Pa­tri­zi­er­ge­schlecht vom Spie­gel. In zwölf Bü­chern („dis­tinc­tio­nes") wer­den be­stimm­te Fra­gen des klös­ter­li­chen Le­bens, so über die in­ne­re und äu­ße­re Be­keh­rung zum Mönchs­stand, die Ver­su­chun­gen und Sün­den im Klos­te­r­all­tag, die Beich­te oder den Tod, an­ge­spro­chen und dis­ku­tiert. Zur Ver­an­schau­li­chung fügt Cae­sa­ri­us Bei­spie­le und Wun­der­er­zäh­lun­gen an, die den ei­gent­li­chen Cha­rak­ter des Wer­kes aus­ma­chen, auch wenn meh­re­re Ka­pi­tel über theo­lo­gi­sche Fra­gen oh­ne Ex­em­pel aus­kom­men. 

Auch sei­ne durch­aus kri­ti­sche Le­bens­be­schrei­bung de­s Köl­ner Erz­bi­schof­s En­gel­bert von Berg steht im Zu­sam­men­hang mit der Samm­lung von Wun­dern, die ­sich nach des­sen Er­mor­dung am 7.11.1225 er­eig­net ha­ben sol­len. Cae­sa­ri­us ar­bei­te­te sei­ne Zu­sam­men­stel­lung, im Auf­trag des Köl­ner Erz­bi­schofs Hein­rich von Müllen­ark (Epis­ko­pat 1225-1238), in ei­ne Vi­ta ein, die ei­ner Hei­lig­spre­chung En­gel­berts die­nen soll­te. Dar­über hin­aus fass­te er da­von un­ab­hän­gi­ge Mi­ra­kel­ge­schich­ten in acht Bü­chern zu­sam­men. Auf Wunsch des Kom­turs Ul­rich und der Brü­der des Deut­schen Or­dens in Mar­burg ge­stal­te­te er 1236/1237 den Be­richt über die am 27.5.1235 er­folg­te Hei­lig­spre­chung Eli­sa­beths von Thü­rin­gen (1207-1231) in ei­ne Le­bens­be­schrei­bung der Hei­li­gen um. Schlie­ß­lich stell­te er auch ei­nen Ka­ta­log der Köl­ner Erz­bi­schö­fe zu­sam­men. 

Sei­ne Schrif­ten, ins­be­son­de­re sei­ne Wun­der­er­zäh­lun­gen, fan­den be­reits im Mit­tel­al­ter gro­ße Be­ach­tung. Sie wur­den in der Pre­digt- und Ex­em­pel­li­te­ra­tur ad­ap­tiert, in die Volks­spra­chen über­setzt und früh ge­druckt. Wohl an ei­nem 25. Sep­tem­ber um das Jahr 1240 ist Cae­sa­ri­us ge­stor­ben. Viel­leicht wur­de er di­rekt nach sei­nem Tod in der Heis­ter­ba­cher Klos­ter­kir­che vor dem Al­tar der Apos­tel Pe­ter und Paul be­stat­tet, wahr­schein­li­cher ist je­doch ei­ne Um­bet­tung erst in spä­te­rer Zeit. Sei­ne Ver­eh­rung als Se­li­ger an sei­nem To­des­tag ist erst­mals seit dem 17. Jahr­hun­dert im Zis­ter­zi­en­ser­or­den nach­weis­bar. 

Werke (Auswahl)

Dia­lo­gus mi­ra­cu­l­o­rum, hg. von Jo­seph Stran­ge, 2 Bän­de, Köln/Bonn/Brüs­sel 1851 (Neu­druck Ridge­wood 1966).
Dia­lo­gus mi­ra­cu­l­o­rum/Dia­log über die Wun­der, ein­ge­lei­tet von Horst Schnei­der, über­setzt und kom­men­tiert von Ni­ko­laus Nörgs und Horst Schnei­der, 5 Bän­de, Turn­hout 2009.
Fa­sci­cu­lus mo­ra­li­ta­tis ve­nera­bi­lis fra­tris Cae­sa­rii Heis­ter­ba­cen­sis mo­nachi s. or­di­nis Cis­ter­ci­en­si­um Ho­mi­li­as de In­fan­tia Ser­va­to­ris Je­su Chris­ti com­plec­tens, hg. von Jo­han­nes An­dre­as Cop­pen­stein, 4 Tei­le, Köln 1615.
Die Frag­men­te der Li­bri VIII mi­ra­cu­l­o­rum des Cae­sa­ri­us von Heis­ter­bach, hg. von Aloys Meis­ter, Rom 1901.
Die Wun­der­ge­schich­ten des Cä­sa­ri­us von Heis­ter­bach, hg. von Al­fons Hil­ka, 1. und 3. Band [2. Band nicht er­schie­nen], Bonn 1933/1937.

Literatur (Auswahl)

Bautz, Fried­rich Wil­helm, Ar­ti­kel "Cae­sa­ri­us von Heis­ter­bach", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 1 (1990), Sp. 843-844.
Brunsch, Swen Hol­ger, Das Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter Heis­ter­bach von sei­ner Grün­dung bis zum An­fang des 16. Jahr­hun­derts, Sieg­burg 1998, S. 20-23 und S. 144-158.
Mc­Gui­re, Bri­an Pa­trick, Fri­ends and ta­les in the clo­is­ter: Oral sour­ces in Cae­sa­ri­us of Heis­ter­bach's Dia­lo­gus mi­ra­cu­l­o­rum, in: Analec­ta Cis­ter­ci­en­sia 36 (1980), S. 167-247.
van Moo­len­bro­ek, Jaap, Mi­ra­kels his­to­risch. De ex­em­pels van Cae­sa­ri­us van Heis­ter­bach over Neder­land en Neder­lan­ders, Hil­ver­sum 1999.
Nei­nin­ger, Fal­ko, Cae­sa­ri­us von Heis­ter­bach in Wal­ber­berg, in: Ar­bor amoe­na co­mis. Fest­schrift zum 25jäh­ri­gen Be­ste­hen des Mit­tel­la­tei­ni­schen Se­mi­nars der Uni­ver­si­tät Bonn, hg. von Ewald Köns­gen, Stutt­gart 1990, S. 207-218.
Te­wes, Lud­ger, Der Dia­lo­gus mi­ra­cu­l­o­rum des Cae­sa­ri­us von Heis­ter­bach: Be­ob­ach­tun­gen zum Glie­de­rungs- und Werk­cha­rak­ter, in: Ar­chiv für Kul­tur­ge­schich­te 79/1 (1997), S. 13-30.

Caesarius von Heisterbach, Bronzedenkmal, Foto: Bildhauer: Ernemann Sander.

 
Zitationshinweis

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Brunsch, Swen Holger, Caesarius von Heisterbach, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/caesarius-von-heisterbach-/DE-2086/lido/57c6879c59b097.08268411 (23.06.2018)