Christian Gottfried Jäger

Kaufmann und Bankgründer (1760-1852)

Uwe Hauth (Traben-Trarbach)

Christian Gottfried Jäger, Porträt, Gemälde. (HSBC Trinkaus & Burkhardt AG)

Chris­ti­an Gott­fried Jä­ger zog im Jah­re 1785 aus Trar­bach an der Mo­sel nach Düs­sel­dorf, wo er ei­ne Han­dels­fir­ma grün­de­te, die zur Keim­zel­le des bis heu­te in Düs­sel­dorf an­säs­si­gen Bank­hau­ses HS­BC Trink­aus & Burk­hardt AG wur­de.

Chris­ti­an Gott­fried Jä­ger wur­de am 23.4.1760 als ers­tes Kind des Chir­ur­gen Jo­hann Gott­fried Jä­ger (1733-1788) und sei­ner Frau Ka­tha­ri­na, ge­bo­re­ne Cas­pa­ri (ge­stor­ben 1760) in En­kirch an der Mo­sel ge­bo­ren. Das schwäch­li­che Kind wur­de noch am glei­chen Tag ge­tauft, aber erst am 8. Ju­ni der Ge­mein­de vor­ge­stellt und Chris­ti­an Gott­fried ge­nannt. Vä­ter­li­cher­seits stamm­te er aus ei­ner Fa­mi­lie von Chir­ur­gen und Leh­rern, wäh­rend die Mut­ter aus ei­ner evan­ge­li­schen Pfar­rer­fa­mi­lie des Huns­rück­rau­mes kam.

Nach dem To­de der Mut­ter zog der Va­ter noch im Jahr 1760 mit dem klei­nen Chris­ti­an Gott­fried nach Trar­bach, wo er ne­ben sei­ner Tä­tig­keit als Chir­urg in der Pfeif­fer­schen Apo­the­ke ar­bei­te­te. Der Sohn be­such­te die Volkschu­le, spä­ter das Gym­na­si­um und be­tä­tig­te sich nach dem Schul­ab­schluss eben­falls in der Apo­the­ke.

1785 zog Chris­ti­an Gott­fried Jä­ger - er blieb un­ver­hei­ra­tet - nach Düs­sel­dorf, wo er, vor­ge­prägt durch die Tä­tig­keit des Va­ters in der Apo­the­ke, ein Ge­schäft grün­de­te, das haupt­säch­lich mit Farb­höl­zern han­del­te und da­ne­ben Che­mi­ka­li­en ver­trieb. Düs­sel­dorf hat­te er als Stand­ort ge­wählt, weil die Stadt im Zen­trum der rhei­ni­schen Tex­til­in­dus­trie lag, die gro­ße Men­gen an Far­ben zum Ein­fär­ben der Stof­fe be­nö­tig­te.

Am 1.9.1785 er­öff­ne­te Jä­ger sein Ge­schäft in der Bil­ker Stra­ße, das Ge­wer­be­re­gis­ter von 1818 weist es am Karls­platz aus. Der Auf­bau der Fir­ma fiel in ei­ne Zeit, in der es um die Düs­sel­dor­fer Wirt­schaft nicht gut be­stellt war. Die Stadt wur­de seit den 1770er Jah­ren zwei­mal durch frem­de Trup­pen zer­stört, zu­letzt 1794 durch die Fran­zo­sen, die Düs­sel­dorf von der lin­ken Rhein­sei­te be­schos­sen. Mit dem An­fall der Rhein­lan­de an Preu­ßen durch den Wie­ner Kon­gress 1815 setz­te für Düs­sel­dorf der wirt­schaft­li­che Auf­schwung ein, an dem auch Jä­gers Ge­schäf­te An­teil hat­ten. Aus Platz­man­gel kam es An­fang der 1850er Jah­re zum Um­zug des Wa­ren­han­dels­ge­schäfts in die Hof­gar­ten­stra­ße. Dort han­del­te Jä­ger au­ßer mit Farb­höl­zern, die über­wie­gend aus den Tro­pen stamm­ten, mit Ko­lo­ni­al­wa­ren wie Ta­bak und Kaf­fee so­wie spä­ter in grö­ße­rem Um­fang auch mit Mo­sel­wein.

Aus den tro­pi­schen Höl­zern wur­den durch ver­schie­de­ne me­cha­ni­sche und che­mi­sche Pro­zes­se Farb­stof­fe für die Tex­til­in­dus­trie ge­won­nen, die die­se zum Fär­ben der Stof­fe be­nö­tig­te. In ei­ner Lis­te der in Düs­sel­dorf an­säs­si­gen Fa­bri­kan­ten und Kauf­leu­te von 1802 fir­miert Jä­gers Ge­schäft als: „Farb­waa­ren en gros, Spe­cu­la­ti­on, Com­mis­si­on, Spe­di­ti­on“. Zu sei­nen rhei­ni­schen Kun­den zähl­ten - wie die er­hal­te­nen Ge­schäfts­bü­cher zei­gen – die Fir­men Scho­el­ler in Dü­ren, Brink & Grü­ne­t­hal in Mön­chen­glad­bach, Schlös­ser & Schei­bler in Mons­chau, Wert & Peill in Bonn, die Schön­fär­be­rei­en Carl Fried­rich Ul­mann in Kett­wig (heu­te Stadt Es­sen) und Jo­hann Hein­rich Kir­berg in Duis­burg. Auch au­ßer­halb des Rhein­lands hat­te die Fir­ma Kun­den, so in Frei­burg und Spey­er. Jä­ger sel­ber be­zog sei­ne Wa­ren über­wie­gend von hol­län­di­schen und eng­li­schen Ge­schäfts­part­nern, wie bei­spiels­wei­se von den Fir­men Fleisch­mann & Söh­ne in Ams­ter­dam, C. G. Jung in Rot­ter­dam, Quack & Mark­graaf in Ni­jm­we­gen so­wie Har­ford & Bar­low und Sharp & Par­kin­son in Lon­don.

Für den Han­del mit Wein in der Fir­ma zeich­ne­te Adolf Pfeif­fer ver­ant­wort­lich, seit 1819 Teil­ha­ber der Fir­ma. Pfeif­fer, der aus ei­nem al­ten Wein­han­dels­ge­schlecht an der Mo­sel stamm­te, hat­te Jä­ger von Trar­bach in sei­ne Düs­sel­dor­fer Fir­ma ge­holt. Spä­ter trat auch Jä­gers Nef­fe, Chris­ti­an Gott­fried Trink­aus (1800-1870), in die Fir­ma ein. Des­sen Va­ter war Hof­meis­ter des Gra­fen Ysen­burg in Meer­holz (heu­te Stadt Geln­hau­sen). Die­se drei bau­ten die ein­zel­nen Ge­schäfts­zwei­ge, be­ste­hend aus dem Han­del mit den Farb­höl­zern und Ko­lo­ni­al­wa­ren, dem Wein­ge­schäft und dem Ge­schäft mit Wech­seln und Kre­di­ten, wei­ter aus. Aus dem Wech­sel- und Kre­dit­ge­schäft ent­stand spä­ter das Bank­ge­schäft.

Nach der Bi­lanz von 1837 hat­te die Fir­ma be­reits ein Ge­schäfts­ka­pi­tal von 181.158 Reichs­ta­lern be­zie­hungs­wei­se 210.697 Rhei­ni­schen Gul­den. Am 1.7.1852 über­nahm der Nef­fe Chris­ti­an Gott­fried Trink­aus das Bank­haus C. G. Trink­aus, wäh­rend die an­de­ren Ge­schäfts­zwei­ge all­mäh­lich ein­ge­stellt wur­den. Trink­aus setz­te ver­mehrt auf das Bank­ge­schäft mit der ex­pan­die­ren­den rhei­nisch-west­fä­li­schen Schwer­in­dus­trie. Wie sich die Um­stel­lung vom Han­dels- auf das rei­ne Bank­ge­schäft voll­zog, ist nicht mehr de­tail­liert nach­zu­voll­zie­hen - die Un­ter­la­gen aus der Zeit von 1847-1883 sind nur un­voll­stän­dig er­hal­ten.

Chris­ti­an Gott­fried Jä­ger war Mit­glied der Düs­sel­dor­fer Han­dels­kam­mer, die 1831 aus dem am 1.10.1798 von der Düs­sel­dor­fer Kauf­mann­schaft ge­grün­de­ten Hand­lungs­vor­stand, ei­ner Ge­sell­schaft „zur För­de­rung des Han­dels und der Schiff­fahr­t“, her­vor­ge­gan­gen war. Auch sein Teil­ha­ber Adolf Pfeif­fer ge­hör­te 1831-1847 der Han­dels­kam­mer an, fer­ner 1848-1865 Jä­gers Nef­fe, Chris­ti­an Gott­fried Trink­aus. Jä­ger ob­lag die Auf­sicht über die Rhein­fuhr­leu­te und die Kra­nen­ge­rech­tig­keit in Düs­sel­dorf.

Jä­ger en­ga­gier­te sich dar­über hin­aus in städ­ti­schen Gre­mi­en. En­de 1798 wur­de er von der Düs­sel­dor­fer Kauf­mann­schaft und an­de­ren Gre­mi­en wie den Zünf­ten zum De­pu­tier­ten der Bür­ger­schaft beim städ­ti­schen Ma­gis­trat ge­wählt, um de­ren In­ter­es­sen, bei­spiels­wei­se bei den Steu­ern, ge­gen­über der Stadt zu ver­tre­ten. In den 1830er Jah­ren war er ma­ß­geb­lich am Auf- und Aus­bau des Ei­sen­bahn­net­zes rund um die Stadt so­wie des Düs­sel­dor­fer Ha­fens be­tei­ligt, und das nicht nur als Ak­tio­när. Zu Be­ginn der preu­ßi­schen Zeit er­hielt er für sei­ne Ver­diens­te um den wirt­schaft­li­chen Auf­schwung in Düs­sel­dorf den Ti­tel ei­nes kö­nig­lich-preu­ßi­schen Kom­mer­zi­en­rats ver­lie­hen. Die­ser Ti­tel be­deu­te­te auch die staat­li­che An­er­ken­nung sei­ner Kre­dit­wür­dig­keit.

Jä­ger und Pfeif­fer ver­ga­ßen auch ih­ren Her­kunfts­ort Trar­bach nicht: So un­ter­stütz­ten sie 1823 den Neu­bau des dor­ti­gen zwei­ten Evan­ge­li­schen Pfarr­hau­ses, Jä­ger mit 50, Pfeif­fer mit 25 Gul­den.

Chris­ti­an Gott­fried Jä­ger starb am 19.4.1852 in Düs­sel­dorf und wur­de auf dem städ­ti­schen Fried­hof be­er­digt. Sein Grab exis­tiert nicht mehr.

Spä­ter wur­den auch die Söh­ne von Chris­ti­an Gott­fried Trink­aus und Adolf Pfeif­fer Teil­ha­ber des Bank­ge­schäfts. Die Fa­mi­li­en Jä­ger, Pfeif­fer und Trink­aus wa­ren durch Hei­ra­ten mit­ein­an­der ver­wandt, so­dass in der Füh­rungs­ebe­ne im­mer Fa­mi­li­en­mit­glie­der ih­ren Sitz hat­ten und die Ge­schäf­te mit­be­stim­men konn­ten. An­fang des 20. Jahr­hun­derts schie­den die letz­ten Fa­mi­li­en­mit­glie­der aus dem Un­ter­neh­men der Bank aus, das Bank­haus wur­de von in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren über­nom­men. Der heu­ti­ge Na­me lau­tet: HS­BC Trink­aus & Burk­hard AG.

Literatur

Pa­lyi, M. [u. a.], 175 Jah­re C. G. Trink­aus, Tra­di­ti­on und neue Auf­ga­ben, Düs­sel­dorf 1960.

Pü­plich­huy­sen, Dia­na [u.a.], Den Wer­ten ver­pflich­tet: 225 Jah­re HS­BC Trink­aus 1785-2010, Köln 2010.

Wil­den, Jo­sef, C. G. Trink­aus 1785-1950, Düs­sel­dorf 1950.

200 Jah­re Trink­aus und Burk­hardt 1785-1985. Rück­bli­cke-Aus­bli­cke, Düs­sel­dorf 1985.

Online

Kur­zer Über­blick über die Ge­schich­te des Bank­hau­ses. [On­line]

Über­blick über die Ge­schich­te des Bank­hau­ses mit Bil­dern: Wan­gen­heim, Hans Ul­rich von, „Ja­e­ger, Chris­ti­an Gott­frie­d“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 10 (1974), S. 273 f.. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Hauth, Uwe, Christian Gottfried Jäger, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/christian-gottfried-jaeger/DE-2086/lido/57c92b13d73d01.90533243 (24.04.2018)