Clemens Wenzeslaus von Sachsen

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1768-1803)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Clemens Wenzeslaus von Sachsen, Gemälde von Heinrich Foelix (1757-1821), um 1776, Original in der Domschatzkammer Essen. (Domschatzkammer Essen)

Cle­mens Wen­zes­laus von Sach­sen war der letz­te Erz­bi­schof und Kur­fürst von Trier und kann als Ver­tre­ter der ka­tho­li­schen Auf­klä­rung be­zeich­net wer­den, der in sei­ner fast 30-jäh­ri­gen Re­gie­rungs­zeit ver­such­te, Bil­dung und Wohl­stand in sei­ne­m Kur­staat zu he­ben, wäh­rend sei­ne Hal­tung in kirch­li­chen ­Be­lan­gen eher schwan­kend war.

Cle­mens Wen­zes­laus wur­de am 28.9.1739 als vier­zehn­tes Kind auf Schloss Hu­ber­tus­burg in Werms­dorf ge­bo­ren. Sei­ne El­tern wa­ren der Kur­fürst von Sach­sen und Kö­nig von Po­len, Fried­rich Au­gust II. (als Kö­nig von Po­len Au­gust III., Re­gie­rungs­zeit 1733-1763), und die ös­ter­rei­chi­sche Erz­her­zo­gin Ma­ria Jo­se­pha (1699-1757), sei­ne Gro­ßvä­ter der säch­si­sche Kur­fürst und pol­ni­sche Kö­nig Au­gust der Star­ke (Re­gie­rungs­zeit als Kur­fürst ab 1694, als Kö­nig von Po­len 1697-1733) und Kai­ser Jo­seph I. (Re­gie­rungs­zeit 1705-1711). En­ge Ver­bin­dun­gen be­stan­den auch zum fran­zö­si­schen Hof: Sei­ne Schwes­ter Ma­ria Jo­se­fa war mit dem fran­zö­si­schen Dau­phin und spä­te­rem Kö­nig Lud­wig XV. (1710-1774) ver­hei­ra­tet. Seit sein Gro­ßva­ter und sein Va­ter zum Ka­tho­li­zis­mus über­ge­tre­ten wa­ren, spiel­te Sach­sen ne­ben Ös­ter­reich, Bay­ern, Po­len und Frank­reich im Kon­zert der ka­tho­li­schen Mäch­te ei­ne we­sent­li­che Rol­le, wie sich auch in den Pa­ten­schaf­ten und in den Hei­rats­ver­bin­dun­gen von Cle­mens Wen­zes­laus’ Ge­schwis­tern zeigt. Von den Schwes­tern wur­de Ma­ria Chris­ti­na (1735-1782) Für­stäb­tis­sin von Ré­mi­re­mont und die ih­rem Bru­der be­son­ders na­he ste­hen­de Ma­ria Ku­ni­gun­de (1740-1826) Für­stäb­tis­sin von Thorn und Es­sen.

Cle­mens Wen­zes­laus wur­de am säch­si­schen Hof er­zo­gen, Er schlug zu­nächst ei­ne mi­li­tä­ri­sche Lauf­bahn ein und kämpf­te wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges 1760 auf der ös­ter­rei­chi­schen Sei­te in der Schlacht bei Tor­gau als Feld­mar­schall. Da­nach schied er aus dem Mi­li­tär­dienst aus und ent­schied sich für ei­ne geist­li­che Lauf­bahn. Nach ver­geb­li­chen Ver­su­chen in KölnMüns­ter, Pa­der­born, Hil­des­heim und Pas­sau wur­de er 1763 ­Bi­schof von Frei­sing und Re­gens­burg, leg­te die­se Äm­ter je­doch fünf Jah­re spä­te­re zu­guns­ten der bi­schöf­li­chen Stüh­le von Trier und Augs­burg nie­der. 1764 emp­fing er die Pries­ter­wei­he. 1787 wur­de er zu­dem Fürst­propst von Ell­wan­gen.

Cle­mens Wen­zes­laus stand den Ide­en der Auf­klä­rung auf­ge­schlos­sen ge­gen­über, was sich auch in der För­de­rung des Schul­we­sens aus­drück­te. In Trier führ­te er Un­ter­richts­an­stal­ten für die Leh­rer­aus­bil­dung und Ex­ami­na für Leh­rer ein. Nach der Auf­he­bung des Je­sui­ten­or­dens 1773 ver­leg­te er die Uni­ver­si­tät von der Diet­rich­stras­se in das Je­sui­ten­kol­leg und wan­del­te das No­vi­zi­ats­haus der Ge­sell­schaft in ein Pries­ter­se­mi­nar (Bau des Cle­men­ti­nums) um.

We­nig Er­folg hat­te er mit der Re­form der Klös­ter sei­ner Diö­ze­se, die sich je­der Ver­än­de­rung wi­der­setz­ten und zu­neh­mend in frei­welt­li­che Rit­ter- be­zie­hungs­wei­se Da­men­stif­te um­ge­wan­delt wur­den (Stu­ben, Sprin­giers­bach). Durch ein To­le­ran­ze­dikt im Jah­re 1783, das erst­mals wie­der Pro­tes­tan­ten, dar­un­ter be­deu­ten­den Kauf­manns­fa­mi­li­en wie den Bö­cking von Trar­bach (heu­te Stadt Tra­ben-Trar­bach) den Auf­ent­halt ge­stat­te­te, so­wie durch Schaf­fung ge­mein­nüt­zi­ger und me­di­zi­ni­scher Ein­rich­tun­gen ver­such­te er, Bil­dung und Wohl­stand zu he­ben. Sei­ne Hal­tung in kirch­li­chen Din­gen war eher schwan­kend: Er be­hielt die Je­sui­ten auch nach Auf­lö­sung ih­rer Ge­sell­schaft im Land und pro­tes­tier­te ge­gen ra­di­ka­le Re­for­men sei­nes Vet­ters Jo­seph II. (Re­gie­rungs­zeit 1765-1790), schütz­te aber sei­nen um­strit­te­nen Ge­ne­ral­vi­kar und Weih­bi­schof Jo­hann Ni­ko­laus von Hont­heim, des­sen un­ter dem Pseud­onym Fe­bro­ni­us ver­fass­te auf­klä­re­ri­sche Schrift für be­trächt­li­ches Auf­se­hen ge­sorgt hat­te, und stell­te 1786 die Em­ser Punk­ta­ti­on mit aus, die ei­ne grö­ße­re Un­ab­hän­gig­keit der Kir­che des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches von Rom zum Ziel hat­te. Au­ßer­dem ver­bot er Pro­zes­sio­nen und hob vie­le Fei­er­ta­ge auf.nach oben­Durch ei­ne 1787 von ihm er­las­se­ne Ver­ord­nung soll­te mit dem Er­set­zen der so ge­nann­ten „rhei­ni­schen“ Re­ben durch Ries­lings­or­ten die Qua­li­tät des Wein­baus ver­bes­sert wer­den. Die­se An­ord­nung wur­de im ge­sam­ten Herr­schafts­be­reich des Trie­rer Kur­fürs­ten um­ge­setzt. Le­dig­lich in den Ge­bie­ten, in de­nen Kon­do­mi­na­te mit Frank­reich und dem Her­zog­tum Lu­xem­burg be­stan­den, wie zum Bei­spiel an der Ober­mo­sel, blieb die An­ord­nung wir­kungs­los.

Per­sön­lich durch­aus an­spruchs­los, war er doch für sei­ne präch­ti­ge Hof­hal­tung be­kannt. So ließ er in Ko­blenz, das er 1786 an­stel­le von Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz) mit sei­nem an­geb­lich bau­fäl­li­gen Schloss Phil­ipps­burg zu sei­ner Re­si­denz­stadt mach­te, ein neu­es Schloss er­rich­ten, wel­ches im Zu­sam­men­hang mit der An­la­ge der Neu­stadt für die Bür­ger ent­stand. Es be­steht aus ei­nem par­al­lel zum Rhein lie­gen­den Corps de Lo­gis von 39 Ach­sen, von de­nen je fünf auf die bei­den Sei­ten­ri­sa­li­te ent­fal­len. Die Rhein­front zeigt ei­nen vor­sprin­gen­den Mit­tel­bau mit sechs­säu­li­gem Ri­sa­lit. Dar­über be­fin­det sich ein Re­li­ef mit al­le­go­ri­schen Dar­stel­lun­gen von Rhein und Mo­sel so­wie dem kur­fürst­li­chen Wap­pen. Die Zir­ku­lar­flü­gel mit ih­ren Pa­vi­li­ons um­rah­men den gro­ßen Schloss­vor­platz, der an Berni­nis Platz vor dem Pe­ters­dom er­in­nert. An dem 1786 be­zo­ge­nen Hof wur­de ins­be­son­de­re die Mu­sik ge­pflegt. Der kunst­freu­di­ge Kur­fürst ließ auch ein öf­fent­li­ches Thea­ter und ei­nen Brun­nen er­rich­ten.

Ob­wohl kein Jagd­freund, hielt er sich oft in sei­nem Jagd­schloss Kär­lich (heu­te Stadt Mül­heim-Kär­lich) in der Nä­he von Ko­blenz auf. 1784 emp­fing in der dor­ti­gen Ka­pel­le der fran­zö­si­sche Theo­lo­gie­stu­dent Franz-Jo­seph Pey (1759-1792) die Pries­ter­wei­he. Wäh­rend der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on 1792 wur­den die­ser und 190 wei­te­re Geist­li­che in Pa­ris durch die Guil­lo­ti­ne hin­ge­rich­tet und fort­an als Mär­ty­rer ver­ehrt; 1926 wur­de er se­lig ge­spro­chen.

Als Fol­ge der Re­vo­lu­ti­on führ­te der er­schro­cke­ne Cle­mens Wen­zes­laus ein stren­ge­res Re­gi­ment und ließ von sei­nen Re­form­vor­ha­ben ab. Auf­grund sei­ner ver­wandt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen zum fran­zö­si­schen Kö­nigs­haus emi­grier­ten zahl­rei­che ge­gen­re­vo­lu­tio­nä­re Roya­lis­ten nach Ko­blenz.

Nach den Na­po­leo­ni­schen Krie­gen fie­len die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te von Cle­mens Wen­zes­laus’ Kur­staat an Frank­reich. Wäh­rend der Sä­ku­la­ri­sie­rung ver­lor er 1803 auch den rechts­rhei­ni­schen Teil an Nas­sau, au­ßer­dem sei­ne Fürst­props­tei Ell­wan­gen an Würt­tem­berg und das Hoch­stift Augs­burg an Kur­bay­ern. Be­reits im Herbst 1792 war er vor den an­rü­cken­den fran­zö­si­schen Trup­pen nach Augs­burg ge­flo­hen, wo­hin er sich 1794 end­gül­tig zu­rück­zog. Am 27.7.1812 ver­starb er auf sei­nem Som­mer­schloss in Markt­ober­dorf im All­gäu, wo er auch be­gra­ben liegt, wäh­rend sein Herz in St. Ul­rich und Af­ra in Augs­burg be­stat­tet ist.

Literatur

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Seidl, Edith, Tod, Lei­chen­fei­er­lich­kei­ten und Grab­denk­mä­ler Cle­mens Wen­zes­laus’ von Sach­sen (1739–1812), des letz­ten Kur­fürs­ten von Trier und Fürst­bi­schofs von Augs­burg, in: Jahr­buch des Ver­eins für Augs­bur­ger Bis­tums­ge­schich­te 40 (2006), S. 477-519.
Wüst, Wolf­gang, Fürst­bi­schöf­li­che Amts- und Staats­füh­rung im Hoch­stift Augs­burg un­ter Cle­mens Wen­zes­laus von Sach­sen, 1768-1803, in: Fried, Pan­kraz (Hg.), Mis­cel­lanea Sue­vica Au­gustana. Der Stadt Augs­burg dar­ge­bracht zur 2000-Jahr­fei­er 1985, Sig­ma­rin­gen 1985, S. 129-147.

Online

Just, Leo, Ar­ti­kel „Cle­mens Wen­zes­laus“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 3 (1957), S. 282-283. [On­line]
Kraus, Franz Xa­ver, Ar­ti­kel „Cle­mens Wen­ces­laus“, in: All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­phie 4 (1876), S. 309–314. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/clemens-wenzeslaus-von-sachsen-/DE-2086/lido/57c68d2d367f28.75605388 (13.11.2018)