David Roentgen

Kunstschreiner (1743-1807)

Denise Steger (Linz am Rhein)

David Roentgen, Gemälde eines unbekannten Künstlers, um 1785. (Roentgen-Museum Neuwied)

Da­vid Ro­ent­gen ge­hört zu den be­deu­tends­ten Ebe­nis­ten (Kunst­schrei­ner) des 18. Jahr­hun­derts. Er führ­te die Mö­bel­ma­nu­fak­tur sei­nes Va­ter­s Abra­ham Ro­ent­gen in Neu­wied eu­ro­pa­weit zu grö­ß­ten Er­fol­gen und konn­te die füh­ren­den Kö­nigs­hö­fe für sei­ne Lu­xus­mö­bel be­geis­tern. Sei­ne rund 600 er­hal­te­nen Werk­stü­cke be­fin­den sich heu­te welt­weit in be­deu­ten­den Samm­lun­gen und gro­ßen Mu­se­en.

Da­vid Ro­ent­gen wur­de am 11.8.1743 als ers­ter von fünf Söh­nen des Kunst­tisch­lers Abra­ham Ro­ent­gen und sei­ner Ehe­frau Su­san­na Ma­ria Bausch (1717-1776) in Herrn­haag (bei Bü­din­gen) ge­bo­ren. Ab dem sechs­ten Le­bens­jahr be­such­te er die Herrn­hu­ter Bil­dungs­an­stal­ten in Ma­ri­en­born, Lind­heim und Nies­ky/Ober­lau­sitz und kehr­te 1753 zu sei­nen El­tern nach Neu­wied zu­rück. Durch die ho­he Qua­li­tät die­ser Schul­ein­rich­tun­gen, in der auch die der Brü­der­ge­mei­ne na­he­ste­hen­den Adels­fa­mi­li­en ih­re Kin­der ein­schu­len lie­ßen, er­hielt Da­vid ei­ne Aus­bil­dung, die für ei­nen Tisch­ler­sohn, ja selbst im ge­ho­be­nen Bür­ger­stand, nicht üb­lich war. Der frü­he Kon­takt zum Adel und ent­spre­chen­des Be­neh­men, si­che­res Auf­tre­ten so­wie das Er­ler­nen der fran­zö­si­schen Spra­che soll­ten Da­vid bei sei­nen spä­te­ren Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen bei Hof von gro­ßem Vor­teil sein.

 

Ab 1757 ging Da­vid bei sei­nem Va­ter Abra­ham in die Leh­re. Er reif­te bald zu ei­nem her­aus­ra­gen­den Ebe­nis­ten, der die Mo­del­le sei­nes Va­ters er­fin­dungs­reich wei­ter­ent­wi­ckel­te und mit neu­en Ide­en er­gänz­te, her­an. Je­doch, be­dingt durch die gro­ße Re­zes­si­on nach dem Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756-1763), Au­ßen­stän­de und Kauf­zu­rück­hal­tung hö­fi­scher Krei­se und die gro­ßen Vor­leis­tun­gen in der La­ge­rung ed­ler Höl­zer und wert­vol­ler Ma­te­ria­li­en, kam das Un­ter­neh­men Mit­te der 1760er Jah­re in grö­ß­te fi­nan­zi­el­le Be­dräng­nis. Da­vid Ro­ent­gen ge­lang den­noch in ei­ner am 29.5.1769 in Ham­burg durch­ge­führ­ten Mö­bel­lot­te­rie ein Be­frei­ungs­schlag und so­mit die Ret­tung des Un­ter­neh­mens. Durch sein auf wirt­schaft­li­chen Er­folg kon­zen­trier­tes Han­deln mit Lu­xus­mö­beln fiel Da­vid aber bei der Brü­der­ge­mei­ne in Un­gna­de und wur­de von ihr aus­ge­schlos­sen.

1772 be­ab­sich­tig­te Abra­ham Ro­ent­gen das Un­ter­neh­men ge­gen ei­ne jähr­li­che Leib­ren­te sei­nem Sohn Da­vid zu über­tra­gen. Die­ser hei­ra­te­te am 19.4.1773 Ka­tha­ri­na Do­ro­thea Scheu­rer (1749-1825), Toch­ter des Pfar­rers Em­ma­nu­el Scheu­rer aus Sund­ho­fen im El­sass und des­sen Ehe­frau Ma­ria Sa­lo­me Fau­del. Aus der Ehe gin­gen sechs Kin­der her­vor, von de­nen je­doch nur drei Söh­ne das Er­wach­se­nen­al­ter er­reich­ten: Phil­ipp Ja­kob, Pre­di­ger und Leh­rer (1777-1855), Gott­fried Leon­hard Au­gust von Ro­ent­gen (1781-1865), Di­plo­mat, Ge­sand­ter, Mi­nis­ter und Ge­org Hein­rich (1787-1811), Bio­lo­ge und Afri­ka­for­scher.

Katharina Dorothea Roentgen, Gemälde von Heinrich Foelix, 1792. (Roentgen-Museum Neuwied)

 

Da­vid Ro­ent­gen be­trieb in der Fol­ge­zeit den kon­se­quen­ten Aus­bau des Un­ter­neh­mens: 1774 wur­de ihm das Fürst­lich Wie­di­sche Fa­bri­ken-Pri­vi­le­gi­um zu­er­kannt: Kein Zunft­zwang, freie An­zahl von An­ge­stell­ten, Steu­er­be­frei­ung, auch für sei­ne Mit­ar­bei­ter, kos­ten­lo­ser Bau­platz für neue Ge­bäu­de und zehn­jäh­ri­ge Grund­zins­be­frei­ung. Bald dar­auf ließ Da­vid ein neu­es Wohn-, Werk- und Ge­schäfts­haus in der Neu­wie­der Pfarr­stra­ße 30 er­rich­ten, schräg ge­gen­über sei­nem El­tern­haus, au­ßer­halb des Herrn­hu­ter Be­zirks ge­le­gen.

Für die Per­fek­tio­nie­rung sei­ner Mö­bel such­te er die Zu­sam­men­ar­beit mit wich­ti­gen Künst­lern: dem in Pa­ris le­ben­den Ver­gol­der François Ré­mond (um 1747-1812), dem kur­trie­ri­schen Hof­ma­ler Ja­nu­a­ri­us Zick und dem Neu­wie­der Uhr­ma­cher Pe­ter Kin­zing (1745-1816), ne­ben sei­nem Va­ter Chris­ti­an Kin­zing (1707-1804) ein her­aus­ra­gen­der Spe­zia­list für den Bau von Pen­del- und as­tro­no­mi­schen Uh­ren, Flö­ten-, Har­fen-, Glo­cken­spie­len und Kla­vie­ren. In­ner­halb der Ma­nu­fak­tur konn­te sich Da­vid auf die Fer­tig­kei­ten des Ma­lers Jo­han­nes Juncker (1751-1817) und die des In­tar­si­en­schnei­ders Jo­hann Mi­cha­el Rum­mer (1747-1812) ver­las­sen.

En­de Au­gust 1774 reis­te Da­vid erst­mals nach Pa­ris, zum ei­nen, um die neu­en Stil­rich­tun­gen vor Ort zu stu­die­ren, zum an­de­ren um Ab­satz­mög­lich­kei­ten sei­ner Er­zeug­nis­se zu er­for­schen. Der ein­fluss­rei­che Kup­fer­ste­cher Jo­hann Ge­org Wil­le (1715-1808) führ­te auf Emp­feh­lung von Ja­nu­a­ri­us Zick Da­vid Ro­ent­gen in die Pa­ri­ser Ge­sell­schaft ein.

„À la mo­de“- auf der Hö­he sei­ner Zeit, voll­zog Da­vid, un­ter vor­läu­fi­ger Bei­be­hal­tung der kunst­vol­len In­tar­si­en und In­nen­ein­rich­tun­gen sei­ner Mö­bel, Schritt für Schritt die Hin­wen­dung zum klas­si­zis­ti­schen Stil.

David Roentgen, Schreibschrank, Mahagoni, im klassizistischen Stil mit Säulchen, Abtreppungen, Balustraden und Vasen, ausziehbare Tischplatte, ausfahrbares Stehpult, Geheimfächer, 1785-90. (Roentgen-Museum, Neuwied)

 

1775 wand­te sich Da­vid oh­ne Emp­feh­lung nach Brüs­sel, an den Statt­hal­ter der ös­ter­rei­chi­schen Nie­der­lan­de, Prinz Karl Alex­an­der von Loth­rin­gen (1712-1780), und er­hielt auf An­hieb Ein­fuhr­pri­vi­le­gi­en für sei­ne Mö­bel, hier­zu ge­hör­ten un­ter an­de­rem 1776 ein über drei Me­ter ho­her, reich ge­schmück­ter Schreib­schrank für den Prin­zen so­wie 1778 zwei 3,60 mal 3,73 Me­ter gro­ße Mar­ke­te­rie-Ta­feln für des­sen Au­di­enz-Ka­bi­nett, zu dem Ja­nu­a­ri­us Zick die Vor­la­gen, Sze­nen aus der rö­mi­schen Ge­schich­te, schuf. Für sei­ne Ver­diens­te er­hielt Da­vid den Eh­ren­ti­tel „Ar­tis­te-ebe­nis­te et ma­chi­nis­te du prin­ce“.

Der An­spruch, sich mit sei­ner „ein­ge­leg­ten Ar­beit“ der „voll­kom­me­nen Ma­le­rey“ an­zu­nä­hern und sich „oh­ne Scheu in An­se­hung der gu­ten Zeich­nung, Schat­tie­rung und Cou­leu­ren der Cri­tique ei­nes Kunst-Mah­lers frey un­ter­wer­fen“ zu kön­nen (zu­erst ge­äu­ßert im Ver­trag des Prin­zen Karl von Loth­rin­gen mit Da­vid Ro­ent­gen vom 21.2.1778, ab­ge­druckt in Huth, 1974, Nr. 33, S. 98), war nicht zu hoch ge­grif­fen. Mit sei­ner bis zur Per­fek­ti­on ver­fei­ner­ten Her­stel­lung der „pein­ture en bo­is“, je­ner fi­gür­li­chen und or­na­men­ta­len Mar­ke­te­ri­en, in de­nen ein Bild oh­ne Bin­nen­zeich­nung oder Gra­vur aus­schlie­ß­lich mit ver­schie­den­far­bi­gen oder far­big ge­beiz­ten Fur­nier­höl­zern „à la mo­sai­que“ um­ge­setzt wird, um dann die An­sichts­flä­chen der Mö­bel oder auch gan­zer Wän­de zu zie­ren, mach­te Da­vid Ro­ent­gen un­über­trof­fen.

David Roentgen, Verwandlungstisch, Mahagoni, Kirschbaum, Eiche, Beine abschraubbar, um 1785, Roentgen-Museum Neuwied, Leihgabe des Förderkreises der Abraham- und David-Roentgen-Stiftung Neuwied, Foto: Manfred Bogner.

 

Die feu­da­le Ge­sell­schaft pfleg­te re­ge zu kor­re­spon­die­ren, Schreib­ti­sche und Schreib­schrän­ke ge­hör­ten dem­entspre­chend zu den wich­tigs­ten Mö­bel­ty­pen. Mit zahl­lo­sen Schub­la­den, spie­geln­dem In­nen­le­ben, raf­fi­niert zu öff­nen­den Ge­heim­fä­chern, mit auf­klapp­ba­ren oder auf­roll­ba­ren Schreib- und Zei­chen­flä­chen so­wie ein­ge­bau­ten Uh­ren, mu­si­ka­li­schen Spiel­wer­ken und fi­gür­li­chen Auf­sät­zen, wa­ren sie ei­ner kom­ple­xen, wan­del­ba­ren Ar­chi­tek­tur ver­gleich­bar, der nicht zu­letzt Jo­hann Wolf­gang von Goe­the (1749-1832) nach ei­nem Be­such in der Ro­ent­gen-Werk­statt am 19.7.1774 in sei­ner No­vel­le „Die schö­ne Me­lu­si­ne“ (Wil­helm Meis­ters Wan­der­jah­re, 1807) und den „Un­ter­hal­tun­gen deut­scher Aus­ge­wan­der­ten“ (1795) Be­wun­de­rung zoll­te.

1779 reis­te Da­vid, auf Emp­feh­lung des ös­ter­rei­chi­schen Bot­schaf­ters in Pa­ris, Reichs­graf Flo­ri­mond Mer­cy d´Ar­gen­te­au (1727-1794), mit ei­nem Kon­tin­gent sei­ner Lu­xus­mö­bel an den fran­zö­si­schen Hof und konn­te sich mit sei­ner Wa­re der Gunst von Ma­rie An­toi­net­te (1755-1793) und Lud­wigs XVI. (1743-1793, Re­gie­rungs­zeit 1774-1792) si­cher sein. Zu den an­ge­kauf­ten Prunk­stü­cken ge­hör­ten ein ho­her, kost­bar aus­ge­stat­te­ter Ka­bi­nettschrank, ver­gleich­bar dem in Brüs­sel, so­wie Kom­mo­den und Roll­schreib­ti­sche. Die Zu­frie­den­heit des Kö­nigs­paa­res drück­te sich auch in dem Eh­ren­ti­tel „Ebé­nis­te mé­ca­ni­ci­en du Roi et de la Rei­ne“ aus, der Da­vid ver­lie­hen wur­de.

Zu­gleich rich­te­te Da­vid ei­ne Zweig­nie­der­las­sung in Pa­ris ein, de­ren Aus­stel­lung, ne­ben sei­nem Er­folg bei Ho­fe, viel Auf­merk­sam­keit in der Pres­se fand und ihm zahl­rei­che Kun­den aus dem fran­zö­si­schen Hoch­adel brach­te. Sei­ne bis da­to markt­be­herr­schen­den Pa­ri­ser Kon­kur­ren­ten konn­te er mit dem Er­werb des fran­zö­si­schen Meis­ter­ti­tels 1780 und als Zunft­mit­glied der „Me­nu­si­ers-Ebe­nis­tes“ in Schach hal­ten.

Da­vid Ro­ent­gens nächs­tes Ziel war der rus­si­sche Za­ren­hof. Auf Emp­feh­lung des Ba­rons Fried­rich Mel­chi­or von Grimm (1723-1807) lud Za­rin Ka­tha­ri­na II. (1729-1796, Re­gie­rungs­zeit 1762-1796) Da­vid Ro­ent­gen nach St. Pe­ters­burg ein. Da­vid lie­fer­te auf ins­ge­samt fünf Fahr­ten (Herbst 1783, Früh­jahr 1784, Früh­jahr 1786, Herbst-Früh­jahr 1787-1788 und Herbst-Win­ter 1788-1790) Hun­der­te sei­ner feu­da­len Mö­bel an den Za­ren­hof und an den rus­si­schen Hoch­adel, zum Bei­spiel an Groß­fürs­tin Ma­ria Feo­do­row­na (1759-1828), Fürst Di­mi­tri Go­li­zyn (1721-1793) und Graf Iwan Schu­wa­low (1727-1797).

David Roentgen, Bodenstanduhr, Nussbaummaserholz auf Eiche, gestufter Aufbau gleich einem klassizistischen Monument, Chronos aus Bronze hält das Zifferblatt auf der linken Schulter, auf dem emaillierten Zifferblatt bezeichnet: 'Roentgen& Kinzing/ A Neuwied', Bekrönung: Apollofigur auf dem Parnass, sämtlicher Bronzeschmuck feuervergoldet von François Rémond, ehemals im Besitz der Gräfin Schuwalowa in St. Petersburg, 1785. (Roentgen-Museum Neuwied)

 

Zwi­schen­zeit­lich pfleg­te Da­vid Ro­ent­gen auch sei­ne Be­zie­hun­gen zum deut­schen Adel, an der Spit­ze Prinz Fried­rich Wil­helm von Preu­ßen (1744-1797, ab 1786 Kö­nig), dem er 1779 ei­nen drit­ten mo­nu­men­ta­len Ka­bi­nettschrank ver­kauf­te und dem er nach der Thron­be­stei­gung als Fried­rich Wil­helm II. 1786 wei­te­re Be­stel­lun­gen ver­dank­te. Da­ne­ben be­lie­fer­te er un­ter an­de­rem die Mark­grä­fin Ca­ro­li­ne Loui­se von Ba­den-Dur­lach (1723-1783) in Karls­ru­he, den Her­zog Ernst Fried­rich von Sach­sen-Co­burg-Saal­feld (1724-1800), Her­zo­gin An­na Ama­lia (1739-1807) und Her­zog Karl Au­gust (1757-1828) in Wei­mar, den Fürs­ten Fried­rich Alex­an­der zu Wied-Neu­wied (1706-1791) und Land­graf Fried­rich II. von Hes­sen-Kas­sel (1720-1785).

Die Nach­richt von der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on 1789 be­deu­te­te das En­de der her­vor­ra­gen­den Ge­schäfts­be­zie­hun­gen zu Pa­ris, die Da­vid durch be­deu­ten­de Lie­fe­run­gen 1784 und 1787 auf­recht­er­hal­ten hat­te. Auch der rus­si­sche Markt war 1790 er­schöpft.

Nach­dem Da­vid Ro­ent­gen be­reits 1782 zum Fürst­lich-Wie­di­schen Kom­mer­zi­en­rat er­nannt wur­de, er­hob ihn von Kö­nig Fried­rich Wil­helm II. von Preu­ßen am 23.2.1791 zum „Ge­hei­men Kom­mer­zi­en­ra­t“ und am 24.11.1791 zum „kö­nig­li­chen Agen­ten am Nie­der­rhein“. Der Be­such des Kö­nigs am 7.11.1792 be­deu­te­te ei­ne wei­te­re ho­he Aus­zeich­nung. Im März 1794 ging das letz­te be­deu­ten­de Mö­bel­stück an den Kö­nig nach Ber­lin (Flach­schreib­tisch aus Ma­ha­go­ni).

Auf­grund der Zu­spit­zung der mi­li­tä­ri­schen La­ge in Neu­wied schloss Da­vid Ro­ent­gen sei­ne Ma­nu­fak­tur im Som­mer 1794 und such­te mit sei­ner Fa­mi­lie Asyl in Herrn­hu­ter Ge­mei­nen, hielt sich über Jah­re vor al­lem in Neu­die­ten­dorf in Thü­rin­gen auf. Da­vid nutz­te die Zeit, den Rest­be­stand an Mö­beln zu ver­kau­fen und Au­ßen­stän­de ein­zu­trei­ben.

Der Son­der­frie­den zwi­schen Frank­reich und dem Fürs­ten­tum Wied 1799 eb­ne­te die Rück­kehr Da­vid Ro­ent­gens 1801 nach Neu­wied, nach­dem er die Fa­brik­grün­dung sei­nes Meis­ters Chris­ti­an Här­der (1760-1828) in Braun­schweig in die We­ge ge­lei­tet hat­te. Ne­ben Här­der konn­ten sich Nach­fol­ge-Werk­stät­ten durch Jo­hann Da­vid Ha­cker (1748-1801) in Ber­lin und Jo­hann Wil­helm Kron­rath (1750-1890) in Wei­mar eta­blie­ren.

Da­vid Ro­ent­gen selbst, der sich letzt­lich vor al­lem aus re­li­giö­sen Grün­den von sei­nem zeit­wei­se über 100 Mit­ar­bei­ter zäh­len­den Un­ter­neh­men ge­trennt hat­te, wid­me­te sich, 1791 wie­der in die Herrn­hu­ter Brü­der­ge­mei­ne auf­ge­nom­men, eh­ren­amt­lich de­ren Be­lan­gen und starb auf ei­ner Ver­mitt­lungs­rei­se in Wies­ba­den in der Nacht vom 12.2.1807 an ei­nem Lun­gen­lei­den.

Da­vid Ro­ent­gen wur­de in Wies­ba­den auf dem Fried­hof „An der Hei­den­mau­er“ bei­ge­setzt. Nach Auf­las­sung des Fried­hofs 1937 wur­de der Grab­stein nach Neu­wied trans­fe­riert und am Nord­ein­gang des Neu­en Fried­hofs auf­ge­stellt. Die la­tei­ni­sche In­schrift lau­tet:

D. RÖNT­GEN/ NA­TUS XI. AUG. AO MDCCXLIII IN WET­TERA­VIAE/ PA­GO/ PER SUM­MAS EU­RO­PAE UR­BES AR­TE ET/ IN­GE­NIO CE­LE­BER OBIIT/ XII. FEB MDCCCVII

(Da­vid Ro­ent­gen / ge­bo­ren am 11.Au­gust 1743 in der Wet­terau / in al­len Städ­ten Eu­ro­pas be­rühmt durch sein über­ra­gen­des Ta­lent / starb am 12. Fe­bru­ar 1807).

Literatur

Do­de­rer-Wink­ler, Me­la­nie, Abra­ham und Da­vid Ro­ent­gen (1711-1793; 1743-1807), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 17, Köln 1997, S. 57-78.

Fa­bi­an, Diet­rich, Abra­ham und Da­vid Ro­ent­gen. Das noch auf­ge­fun­de­ne Ge­samt­werk ih­rer Mö­bel- und Uh­ren­kunst in Ver­bin­dung mit der Uhr­macher­fa­mi­lie Kin­zing in Neu­wied, Bad Neu­stadt/Saa­le 1996.

Gre­ber, Jo­sef Ma­ria, Abra­ham und Da­vid Ro­ent­gen. Mö­bel für Eu­ro­pa, Wer­de­gang, Kunst und Tech­nik ei­ner deut­schen Ka­bi­nett-Ma­nu­fak­tur, Text- und Ta­fel­band, Starn­berg 1980.

Huth, Hans, Abra­ham und Da­vid Ro­ent­gen und ih­re Neu­wie­der Mö­bel­werk­statt, Mün­chen 1974.

Thill­mann, Wolf­gand/Will­scheid, Bernd (Hg.), Mö­bel De­sign – Ro­ent­gen, Tho­net und die ­Mo­der­ne, Aus­stel­lungs­ka­ta­log Ro­ent­gen-Mu­se­um Neu­wied, 2011.

David Roentgen, Bodenstanduhr, Mahagoni auf Eiche, in Form eines Obelisken, das Vierstunden-Zifferblatt ist eine Erfindung von Benjamin Franklin, Roentgen und Kinzing, mit deren Namen die Uhr signiert ist, wandelten die Erfindung in eigene Produkte um, 1785-1790. (Roentgen-Museum Neuwied)

 
Zitationshinweis

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Steger, Denise, David Roentgen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/david-roentgen/DE-2086/lido/57cd22a4bcdbd6.57820956 (22.04.2018)