Ferdinand Adolf von Plettenberg

Kurkölnischer Premierminister (1690-1737)

Martin Bock (Frechen)

Ferdinand von Plettenberg, Schabkunstblatt von Peter Martin van Mytens dem Älteren (1648-1736). (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

Graf Fer­di­nand Adolf von Plet­ten­berg eb­ne­te als ehr­gei­zi­ger, auf­grund sei­nes di­plo­ma­ti­schen Ge­schicks je­doch auch über­aus er­folg­rei­cher Be­ra­ter der bay­ri­schen Wit­tels­ba­cher de­ren letz­ten Ver­tre­ter, Cle­mens Au­gust, den Weg auf den Köl­ner Bi­schofs­stuhl. Ein Jahr­zehnt lang blieb Plet­ten­berg der ers­te Mi­nis­ter des wan­kel­mü­ti­gen Kur­fürs­ten. Ob­schon aus West­fa­len und da­mit ei­nem Teil des Kur­fürs­ten­tums stam­mend, ge­lang ihm der po­li­ti­sche Auf­stieg nur durch bay­ri­sche Pro­tek­ti­on, und in glei­cher Wei­se en­de­te sei­ne Kar­rie­re, als er die Gunst Cle­mens Au­gusts ver­lor. Po­li­tisch bald von Cas­par An­ton von Bel­der­busch in den Schat­ten ge­stellt, bleibt Fer­di­nand von Plet­ten­berg vor al­lem sei­ner rei­chen Kunst­samm­lung und sei­nes pracht­vol­len Schlos­ses Nord­kir­chen, des „West­fä­li­schen Ver­sailles“, in Er­in­ne­rung.

Ge­bo­ren wur­de Fer­di­nand am 25. Ju­li 1690 als Sohn des Frei­herrn Jo­hann Adolph von Plet­ten­berg-Len­hau­sen (1655-1695) und der Fran­zis­ka The­re­sia von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht (1616-1668) auf Schloss Len­hau­sen, wo die­se Sei­ten­li­nie des weit ver­brei­te­ten, ur­sprüng­lich aus dem Sau­er­land stam­men­den Adels­ge­schlechts der Plet­ten­ber­ger seit der Mit­te des 15. Jahr­hun­derts an­säs­sig war. Sein Va­ter war erst kurz vor Fer­di­nands Ge­burt, 1689, in den Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben wor­den, hat­te aber be­reits zu­vor als kur­k­öl­ni­scher Käm­me­rer und Ge­hei­mer Rat Zu­gang zum in­ne­ren Macht­be­reich des Erz­stifts ge­habt. Auch sein Gro­ßva­ter müt­ter­li­cher­seits, Frei­herr De­gen­hardt Adolph von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht (1616-1668) hat­te als Ober­stall­meis­ter be­reits in kur­fürst­li­chen Diens­ten ge­stan­den. Sein On­kel, Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg (1644-1706), hin­ter­ließ Fer­di­nand ein be­trächt­li­ches Ver­mö­gen, wel­ches er ins­be­son­de­re seit sei­ner Wahl zum Bi­schof von Müns­ter im Jahr 1688 er­wor­ben hat­te, dar­un­ter auch das Schloss Nord­kir­chen, das Fer­di­nand spä­ter zum grö­ß­ten Was­ser­schloss West­fa­lens er­wei­tern ließ.

Als nach­ge­bo­re­ner Sohn hat­te Plet­ten­berg sich zu­nächst auf ei­ne geist­li­che Lauf­bahn vor­be­rei­tet und be­reits kurz nach sei­ner Ge­burt An­wart­schaf­ten auf Dom­her­ren­stel­len in Müns­ter und Pa­der­born er­hal­ten. In bei­den Fäl­len be­güns­tig­ten die ver­wandt­schaft­li­chen Ver­bin­dun­gen Fer­di­nands schnel­le Auf­nah­me in die je­wei­li­gen Dom­ka­pi­tel: in Müns­ter konn­te sein On­kel Fried­rich Chris­ti­an für ihn ein­tre­ten, und auch in Pa­der­born re­gier­te seit 1683 mit Her­mann Wer­ner von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht (1625-1704) ein Gro­ßon­kel müt­ter­li­cher­seits. Im Jahr 1704 nahm er in bei­den Ka­pi­teln end­gül­ti­ge Re­si­denz, re­si­gnier­te je­doch 1712, nach­dem sein äl­te­rer Bru­der ver­stor­ben war. Noch im glei­chen Jahr hei­ra­te­te er Bern­har­di­na Alex­an­d­ri­na von West­er­holt-Lem­beck (1695-1757). Zwi­schen­zeit­lich hat­te er ju­ris­ti­sche Stu­di­en in Mainz, Gie­ßen und auch Köln auf­ge­nom­men, je­doch nicht zum Ab­schluss ge­bracht.

Mit der vom On­kel er­erb­ten Herr­schaft Nord­kir­chen war das Amt ei­nes Erb­mar­schalls im Fürst­bis­tum Müns­ter ver­bun­den. Die­ser Vor­sitz der Müns­te­ra­ner Rit­ter­schaft trug ihm ein grö­ße­res Jah­res­ein­kom­men ein. 1713 wur­de er von ei­nem wei­te­ren On­kel, Franz Ar­nold von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht (1658-1718), der seit 1704 in Pa­der­born und seit 1707 auch in Müns­ter als Fürst­bi­schof am­tier­te, zum Ge­hei­men Rat er­nannt. Bis zum To­de Franz Ar­nolds hat­te Fer­di­nand ei­nen solch ho­hen Ein­fluss ge­won­nen, dass er für po­ten­ti­el­le Nach­fol­ge­kan­di­da­ten ein wich­ti­ger An­sprech­part­ner war. So trat auch das Haus Wit­tels­bach an ihn her­an, als Cle­mens Au­gust in Müns­ter und Pa­der­born zum Bi­schof ge­wählt wer­den soll­te. Fer­di­nand lenk­te die Dom­ka­pi­tel durch ei­ne zu­rück­hal­ten­de, aber ge­schick­te Di­plo­ma­tie in die ge­wünsch­te Rich­tung, und in bei­den Fäl­len ge­lang die Wahl im Jahr 1719. Vom Ver­hand­lungs­ge­schick des jun­gen Ad­li­gen über­zeugt, ent­sand­te Cle­mens Au­gust Fer­di­nand auch nach Köln, als es dort um die Nach­fol­ge des we­nig be­lieb­ten Kur­fürs­ten Jo­seph Cle­mens ging.

Auch dort ver­lief die Wahl er­folg­reich, weil Plet­ten­berg den jun­gen Wit­tels­ba­cher ent­ge­gen der üb­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten über­zeug­te, so­fort nach Köln zu kom­men und per­sön­lich im Dom­ka­pi­tel Re­si­denz zu neh­men. Das gab Cle­mens Au­gust und Plet­ten­berg Ge­le­gen­heit, die Ka­no­ni­ker und ih­re Wahl­ab­sich­ten ein­zu­schät­zen und, bei Be­darf un­ter Ver­wen­dung ent­spre­chen­der Sub­si­di­en­zah­lun­gen, für sich ein­zu­neh­men. Un­mit­tel­bar nach sei­ner Wahl zum Köl­ner Erz­bi­schof er­nann­te Cle­mens Au­gust Plet­ten­berg zum Pre­mier­mi­nis­ter für das Kur­fürs­ten­tum Köln. Be­reits 1719 hat­te er ihm das Amt des Obrist­käm­me­rers in Pa­der­born ver­lie­hen, und nach dem vier­ten Bis­tum, das der Bay­ern­her­zog durch Fer­di­nands über­zeu­gen­de Vor­ar­beit für sich er­rin­gen konn­te, folg­te 1724 zu­sätz­lich das Amt des Kam­mer­prä­si­den­ten in Hil­des­heim. Im glei­chen Jahr wur­de Fer­di­nand in den Reichs­gra­fen­stand er­ho­ben; durch die üp­pi­gen Ein­künf­te aus sei­nem Er­be und den von Cle­mens Au­gust ver­lie­he­nen Äm­tern konn­te er die Graf­schaft Wit­tem in der nie­der­län­di­schen Pro­vinz Lim­burg und da­mit Sitz und Stim­me im Gra­fen­kol­le­gi­um des Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­krei­ses er­wer­ben. Au­ßer­dem er­laub­te ihm sei­ne Stel­lung ei­nen fürst­li­chen Le­bens­wan­del, der im Aus­bau des Schlos­ses Nord­kir­chen sei­nen ar­chi­tek­to­ni­schen Aus­druck fand und so­gar die Re­prä­sen­ta­ti­ons­for­men sei­nes Dienst­herrn, Erz­bi­schof Cle­mens Au­gust, be­ein­fluss­te. Plet­ten­berg mach­te sich auch als Kunst­samm­ler ei­nen Na­men.

Fer­di­nand re­si­dier­te al­ler­dings über­wie­gend in sei­nem Bon­ner Stadt­pa­lais, von wo aus er die Re­gie­rung der seit 1728 fünf Bis­tü­mer – Os­na­brück brach­te Cle­mens Au­gust den Bei­na­men „Herr von Fünf­kir­chen“ ein – lenk­te. Au­ßen­po­li­tisch setz­te er da­bei zu­nächst den tra­di­tio­nel­len Kurs der en­gen An­bin­dung an Bay­ern und Frank­reich fort. Er hat­te je­doch ins­ge­heim den Ehr­geiz ent­wi­ckelt, am Wie­ner Kai­ser­hof das neu ge­schaf­fe­ne Amt ei­nes Reichs­vi­ze­kanz­lers über­neh­men zu kön­nen und ori­en­tier­te die kur­k­öl­ni­sche Po­li­tik dar­auf­hin stär­ker in Rich­tung Habs­burg. Kur­fürst Cle­mens Au­gust folg­te die­ser Lö­sung von Bay­ern schon al­lei­ne des­halb, weil er sich zeit­le­bens von sei­nem äl­te­ren Bru­der, dem Kur­fürs­ten und spä­te­ren Kai­ser Karl Al­brecht (1697-1745), be­vor­mun­det fühl­te. 1732 er­wirk­te Plet­ten­berg die An­er­ken­nung der „Prag­ma­ti­schen Sank­ti­on“ und da­mit der Erb­fol­ge der Erz­her­zo­gin und spä­te­ren Kai­se­rin Ma­ria The­re­si­as (1717-1780) in den habs­bur­gi­schen Er­b­lan­den zu­nächst bei Kur­fürst Cle­mens Au­gust, dann auch beim gan­zen Reichs­tag. Ma­ria The­re­sia stimm­te dar­auf­hin der Wahl des Köl­ner Erz­bi­schofs zum Hoch­meis­ter des Deut­schen Or­dens zu, und Fer­di­nand wur­de zum Dank für sei­ne Diens­te mit der schle­si­schen Graf­schaft Co­sel be­lehnt so­wie in den vor­neh­men Or­den vom Gol­de­nen Vlies auf­ge­nom­men.

Sein po­li­ti­scher und so­zia­ler Auf­stieg nahm 1733 ein jä­hes En­de, als ei­ner von Plet­ten­bergs ent­fern­te­ren Ver­wand­ten, der Frei­herr Fried­rich Chris­ti­an von Be­ver­för­de-Wer­ries (1702-1768), ei­nen Freund und Ver­trau­ten Cle­mens Au­gusts, den Frei­herrn Jo­hann Bap­tist von Roll (1685-1733), im Du­ell er­stach. Bei­de, Plet­ten­berg und Be­ver­för­de, wur­den so­fort aus den kur­k­öl­ni­schen Diens­ten ent­las­sen; im Fal­le Fer­di­nands scheint da­hin­ter je­doch ei­ne Hof­in­t­ri­ge ge­stan­den zu ha­ben, um den ein­fluss­rei­chen Pre­mier­mi­nis­ter zu ent­mach­ten. Cle­mens Au­gust je­den­falls war über den Tod Rolls un­tröst­lich und hielt Plet­ten­berg für mit­schul­dig. Mög­li­cher­wei­se spiel­te auch sei­ne fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on ei­ne Rol­le, denn trotz sei­ner Ein­künf­te hat­te Fer­di­nand auf­grund sei­ner auf­wän­di­gen Le­bens­füh­rung zum Zeit­punkt sei­nes Stur­zes Schul­den in Hö­he von rund 250.000 Ta­lern an­ge­häuft.

Nach sei­ner Ent­las­sung ging Fer­di­nand von Plet­ten­berg nach Wien. Zwar nahm ihn Ma­ria The­re­sia in ih­re Diens­te, be­auf­trag­te ihn je­doch nur mit po­li­tisch un­be­deu­ten­den Mis­sio­nen und nicht mit den er­hoff­ten di­plo­ma­ti­schen Spit­zen­po­si­tio­nen. Zu­nächst blieb er als kai­ser­li­cher Be­voll­mäch­tig­ter beim Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis in sei­ner Hei­mat­re­gi­on, über­sie­del­te dann aber 1735 ganz nach Wien, wo er zum Bot­schaf­ter beim Hei­li­gen Stuhl er­nannt wur­de. Be­vor er die­ses Amt je­doch tat­säch­lich an­tre­ten konn­te, ver­starb er am 18. März 1737 und wur­de in der Wie­ner Mi­no­ri­ten­kir­che bei­ge­setzt.

Literatur (Auswahl)

Brau­bach, Max, Fer­di­nand von Plet­ten­berg (1690-1737), in: West­fä­li­sche Le­bens­bil­der 9 (1962), S. 34-51.
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Lei­feld, Mar­cus, Macht und Ohn­macht der Köl­ner Kur­fürs­ten um 1700. Vier kur­k­öl­ni­sche „Ers­te Mi­nis­ter“ als po­li­ti­sche Be­deu­tungs­trä­ger, in: Zehn­der, Frank Gün­ter (Hg.), Im Wech­sel­spiel der Kräf­te. Po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen des 17. und 18. Jahr­hun­derts in Kur­k­öln (= Der Riss im Him­mel, Bd. 2), Köln 1999, S. 62-95.
Mum­men­hoff, Karl-Eu­gen, Schloß Nord­kir­chen. Die Bau­ten Schlauns für Fer­di­nand von Plet­ten­berg, in: Bu­ß­mann, Klaus u. a. (Hg.), Jo­hann Con­rad Schlaun 1695-1773. Ar­chi­tek­tur des Spät­ba­rock in Eu­ro­pa, Stutt­gart 1995, S. 238-297.

Online

Lei­feld, Mar­cus, Wil­helm Fer­di­nand Graf zu Plet­ten­berg und Wit­tem, in: NDB 20 (2001), S. 536-537. [On­line]
Deth­lefs, Gerd, Plet­ten­berg zu Nord­kir­chen/Wit­tem, Fer­di­nand, in: In­ter­net-Por­tal „West­fä­li­sche Ge­schich­te“. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Bock, Martin, Ferdinand Adolf von Plettenberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ferdinand-adolf-von-plettenberg/DE-2086/lido/57c95ae014f695.55810485 (14.11.2018)