Ferdinand Hiller

Städtischer Musikdirektor (1811-1885)

Nina Sträter (Düsseldorf)

Ferdinand Hiller, Stich, 1865. (Zeitschrift 'Freya', Jg. 05 (1865), nach Seite 240)

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Die Mu­sik Fer­di­nand Hil­lers ist heu­te kaum noch in den Kon­zert­sä­len zu fin­den und auch als Mu­sik­schrift­stel­ler, Ver­le­ger, Päd­ago­ge, Pia­nist und Di­ri­gent ist er prak­tisch nicht mehr im öf­fent­li­chen Be­wusst­sein prä­sent. Ganz an­ders sah es in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts aus. Hil­ler be­klei­de­te da­mals in Köln das Amt des Städ­ti­schen Mu­sik­di­rek­tors und trug mit sei­nem Wir­ken weit über die Gren­zen der Stadt hin­weg zum Auf­stieg Kölns als mu­si­ka­li­schem Zen­trum des Rhein­lan­des bei. Er selbst galt in die­ser Zeit als ei­ne der ein­fluss­reichs­ten Mu­si­ker­per­sön­lich­kei­ten.

In Hil­lers Bio­gra­phie spie­gelt sich ei­ne der ty­pi­schen Mu­sik­erlauf­bah­nen des 19. Jahr­hun­derts wi­der: Am 24.10.1811 wur­de er in Frank­furt a.M. als Sohn des ver­mö­gen­den jü­di­schen Kauf­manns Jus­tus Hil­ler (1760-1833, bis 1814 Isaac Hil­des­hei­mer) und sei­ner Ehe­frau Re­gi­ne Si­chel (1786-1839) ge­bo­ren. Der Va­ter er­kann­te früh die mu­si­ka­li­sche Be­ga­bung des Soh­nes und för­der­te sie nach Kräf­ten. So er­hielt Hil­ler von klein auf re­gel­mä­ßi­gen Kla­vier- und Kom­po­si­ti­ons­un­ter­richt bei an­ge­se­he­nen Leh­rern und mach­te da­bei so rasch Fort­schrit­te, dass er be­reits mit zehn oder elf Jah­ren – hier ist sich die Li­te­ra­tur nicht ei­nig – sein ers­tes öf­fent­li­ches Kon­zert mit Wolf­gang Ama­de­us Mo­zarts (1756-1791) c-moll-Kon­zert ge­ben konn­te, wo­mit er sich den Ruf ei­nes Wun­der­kin­des er­warb. Die Freund­schaft der El­tern mit den In­stru­men­tal­vir­tuo­sen Ignaz Mo­sche­les (1794–1870) und Louis Sp­ohr (1784–1859) trug da­zu bei, dass der jun­ge Hil­ler früh Be­kannt­schaft mit wei­te­ren Be­rühmt­hei­ten sei­ner Zeit mach­te. 1825 emp­fah­len ihn die bei­den Her­ren als Schü­ler an den in Wei­mar le­ben­den Jo­hann Ne­po­muk Hum­mel (1778–1837), der sei­ner­seits bei Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart und An­to­nio Sa­lie­ri (1750-1825) ge­lernt hat­te. Auch wur­de Hil­ler die Eh­re zu­teil, Jo­hann Wolf­gang von Goe­the (1749-1832) vor­ge­stellt zu wer­den, und bei ei­ner Rei­se nach Wien lern­te er Franz Schu­bert (17697-1828) und den be­reits schwer kran­ken Lud­wig van Beet­ho­ven ken­nen. Auch sein Opus 1, ein Kla­vier­quar­tett, wur­de in Wien ver­öf­fent­licht.

Mit 17 Jah­ren brach Hil­ler 1828 zu sei­ner ers­ten gro­ßen Rei­se nach Pa­ris auf, wo er die nächs­ten acht Jah­re als frei­schaf­fen­der Künst­ler leb­te. Dort fand er durch die gu­ten Kon­tak­te sei­nes Leh­rers Hum­mel rasch Zu­gang zu den Pa­ri­ser Sa­lons, ins­be­son­de­re zu dem der Ban­kier­fa­mi­lie Roth­schild, wo er wei­te­re Geis­tes­grö­ßen ken­nen­lern­te. Zu den Mu­si­kern, mit de­nen er bald re­gel­mä­ßig ver­kehr­te, ge­hör­ten Lu­i­gi Che­ru­bi­ni (1760-1842), Gioa­chi­no Ros­si­ni (1792-1868), Gi­a­co­mo Mey­er­beer (1791-1864), Hec­tor Ber­li­oz (1893-1869), Franz Liszt (1811-1886) und Frédé­ric Cho­pin (1810-1849). Aber auch mit Li­te­ra­ten wie Hein­rich Hei­ne, Lud­wig Bör­ne (1786-1837), Ho­no­ré de Balz­ac (1799-1850) und Vic­tor Hu­go (1802-1885) pfleg­te er Kon­tak­te. Durch sei­ne Auf­trit­te als Pia­nist und Di­ri­gent, bei de­nen er ei­ge­ne Kom­po­si­tio­nen, aber auch Wer­ke von an­de­ren Künst­lern auf­führ­te, er­warb sich Hil­ler in Pa­ris rasch gro­ßes An­se­hen. Sei­ne Po­pu­la­ri­tät nutz­te er da­für, um das Pu­bli­kum auch mit bis­her in Frank­reich kaum be­kann­tem Re­per­toire aus der Fe­der von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach (1685-1750) und Lud­wig van Beet­ho­ven be­kannt zu ma­chen. So war er der ers­te, der da­mals in Pa­ris Beet­ho­vens be­rühm­tes Es-Dur-Kla­vier­kon­zert auf­führ­te. Für die Ent­wick­lung sei­ner Ar­beit als Kom­po­nist war die Zeit je­doch we­nig för­der­lich, was 1836 zu Hil­lers Ent­schei­dung mit bei­trug, nach ei­nem kur­zen Auf­ent­halt in sei­ner Hei­mat­stadt nach Ita­li­en zu ge­hen, wo er von 1837 bis 1842 leb­te. 1839 schrieb er dort auf Emp­feh­lung von Ros­si­ni sei­ne ers­te Oper „Ro­milda“, die an der Mai­län­der Sca­la je­doch durch­fiel. Die Jah­re in Ita­li­en nutz­te Hil­ler in­ten­siv für das Stu­di­um klas­si­scher Vo­kal­po­ly­pho­nie und ver­tief­te so sei­ne hand­werk­li­chen Kennt­nis­se als Kom­po­nist.

Un­ter­bro­chen wur­de der Auf­ent­halt in Ita­li­en durch ei­ne Ein­la­dung von Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dys (1809-1847) im Jahr 1840 nach Leip­zig, wo Hil­ler ei­nen gro­ßen Er­folg mit sei­nem Ora­to­ri­um „Die Zer­stö­rung Je­ru­sa­lem­s“ er­ziel­te. Vie­le Jah­re lang stand es als be­lieb­tes Re­per­toire­stück auf den Pro­gram­men zahl­rei­cher Mu­sik­fes­te und galt vie­len als ei­nes von sei­nen bes­ten Wer­ken. Eben­falls in das Jahr 1840 fiel Hil­lers Hei­rat mit der pol­ni­schen Sän­ge­rin An­tol­ka Ho­gée (1820-1896), mit der er ein Jahr spä­ter ge­mein­sam vom jü­di­schen zum pro­tes­tan­ti­schen Glau­ben über­trat. Aus der Ehe gin­gen meh­re­re Kin­der her­vor. 

Noch im Jahr 1840 kehr­te Hil­ler nach Ita­li­en zu­rück und blieb dort bis 1842. Zahl­rei­che wei­te­re Kon­zert­rei­sen, Orts­wech­sel und Aus­lands­auf­ent­hal­te folg­ten. So reis­te er er­neut auf Ein­la­dung Men­dels­sohns 1843 nach Leip­zig, wo er ei­ne Zeit lang des­sen Stell­ver­tre­ter wur­de. Doch auch die­ses Mal blieb er nicht lan­ge, da es mit Men­dels­sohn zum Streit kam. Wäh­rend sei­nes fol­gen­den Auf­ent­hal­tes in Dres­den, wo er mit gro­ßem Er­folg ei­ne Abon­ne­ments­kon­zert­rei­he be­grün­de­te und zwei wei­te­re Opern zur Auf­füh­rung brach­te, ent­stan­den freund­schaft­li­che Kon­tak­te zu Ri­chard Wag­ner (1813-1883) und auch zu Cla­ra un­d Ro­bert Schu­mann. Letz­te­rer wid­me­te dem Freund sein Kla­vier­kon­zert, des­sen Ur­auf­füh­rung die­ser 1845 di­ri­gier­te. Im fol­gen­den Jahr wur­de Hil­ler ei­ner der Tauf­pa­ten von Cla­ras und Ro­berts ers­tem Sohn Emil (1846-1847). Dass er 1856 auch die Grab­re­de auf Ro­bert Schu­mann hielt, un­ter­streicht die en­ge Bin­dung der Ehe­paa­re Schu­mann und Hil­ler.

1847 er­hielt Hil­ler das An­ge­bot, in Düs­sel­dorf die Nach­fol­ge von Ju­li­us Rietz (1812-1877) an­zu­tre­ten, der zwölf Jah­re lang als Städ­ti­scher Mu­sik­di­rek­tor für das Or­ches­ter, den Chor und au­ßer­dem für die über­re­gio­nal be­rühm­ten Nie­der­rhei­ni­schen Mu­sik­fes­te zu­stän­dig ge­we­sen war, die jähr­lich al­ter­nie­rend in Köln, Düs­sel­dorf un­d Aa­chen statt­fan­den. Hil­ler war ein ge­sel­li­ger Mensch, moch­te die rhei­ni­sche Men­ta­li­tät und knüpf­te rasch Freund­schaf­ten; bald war sein Haus ein wich­ti­ger Treff­punkt des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens. An­ders als Rietz wur­de Hil­ler al­ler­dings nicht von der Stadt fest an­ge­stellt, was wohl zu sei­ner Ent­schei­dung bei­trug, nach drei Jah­ren er­neut den Wohn­ort zu wech­seln und ei­nem Ruf nach Köln zu fol­gen, wo er 1850 sess­haft wur­de und die rest­li­chen 35 Jah­re sei­nes Le­bens ver­brach­te. Für die va­kan­te Stel­le in Düs­sel­dorf ver­mit­tel­te er sei­nen Freund Ro­bert Schu­mann als Nach­fol­ger, des­sen Auf­ent­halt je­doch vier Jah­re spä­ter tra­gisch in ei­nem Selbst­mord­ver­such en­de­te.

Mit sei­nem Um­zug nach Köln be­gann für Hil­ler die Zeit, in der ihn sein Wir­ken weit über die Gren­zen der Stadt hin­aus be­kannt mach­te. Er wur­de Städ­ti­scher Mu­sik­di­rek­tor und da­mit Di­ri­gent der Kon­zert­ge­sell­schaft und des Kon­zert­cho­res, wel­che die Gür­ze­nich-Kon­zer­te be­strit­ten, über­nahm als Nach­fol­ger von Hein­rich Dorn (1804-1892) das 1845 ge­grün­de­te Köl­ner Kon­ser­va­to­ri­um und lei­te­te ins­ge­samt zwölf Nie­der­rhei­ni­sche Mu­sik­fes­te. Un­ter sei­ner Lei­tung tra­ten vie­le be­rühm­te Mu­si­ker der Zeit auf, bei­spiels­wei­se die Pia­nis­tin Cla­ra Schu­mann, der Vio­li­nist Jo­seph Joa­chim (1831-1907) und die So­pra­nis­tin Jen­ny Lind (1820-1887). 1877 lud er den Kom­po­nis­ten Giu­sep­pe Ver­di (1813-1901) nach Köln ein, wo die­ser im Rah­men des 54. Nie­der­rhei­ni­schen Mu­sik­fes­tes sein Re­qui­em di­ri­gier­te. Au­ßer­dem kom­po­nier­te Hil­ler wei­ter­hin und war als Schrift­stel­ler und Kri­ti­ker tä­tig. Auch wenn er sich dau­er­haft in Köln nie­der­ge­las­sen hat­te, ging er doch im­mer wie­der auf lan­ge Rei­sen, bei­spiels­wei­se nach Pa­ris, wo er von 1851 bis 1852 die ita­lie­ni­sche Oper lei­te­te, aber auch nach Eng­land, Spa­ni­en, Skan­di­na­vi­en und Russ­land. Sei­ne lang­jäh­ri­ge Tä­tig­keit in Köln ver­lief nicht oh­ne Kon­flik­te, doch ins­ge­samt wur­de er in der Stadt sehr ge­schätzt. Sei­ne wach­sen­de Be­rühmt­heit zeig­te sich auch in der öf­fent­li­chen An­er­ken­nung sei­ner künst­le­ri­schen Leis­tun­gen. Be­reits 1849 war er in die Preu­ßi­sche Aka­de­mie der Küns­te auf­ge­nom­men wor­den, 1868 ver­lieh ihm die Rhei­ni­sche Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät Bonn die Eh­ren­dok­tor­wür­de. 1875 wur­de er durch die Ver­lei­hung des Or­dens der Würt­tem­ber­gi­schen Kro­ne in den per­sön­li­chen, nicht ver­erb­ba­ren Adels­stand er­ho­ben.

1884 wur­de Hil­ler in den Ru­he­stand ver­setzt. Er starb am 11.5.1885 nach kur­zer, schwe­rer Krank­heit und wur­de auf dem Me­la­ten-Fried­hof in Köln bei­ge­setzt. In Köln-Lin­den­thal ist ei­ne Stra­ße nach ihm be­nannt, in Düs­sel­dorf er­in­nert an ihn der Fer­di­nand-Hil­ler-Weg.

Nach Hil­lers Tod wur­de lan­ge be­rat­schlagt, wer ein wür­di­ger Nach­fol­ger sein könn­te. Sein Freund Jo­han­nes Brahms, an den das Amt her­an­ge­tra­gen wur­de, lehn­te zur Ent­täu­schung der Stadt Köln ab. Nach­fol­ger wur­de schlie­ß­lich der Kom­po­nist Franz Wüll­ner (1832–1902), den Hil­ler selbst ge­för­dert hat­te und der für sei­ne fort­schritt­li­che künst­le­ri­sche Hal­tung be­kannt war.

Fer­di­nand Hil­ler darf als ei­ner der ty­pi­schen Ka­pell­meis­ter des 19. Jahr­hun­derts gel­ten, der meh­re­re Tä­tig­keits­fel­der in ei­ner Per­son ver­ein­te: Be­deut­sam wa­ren da­für die Lauf­bahn als er­folg­rei­cher In­stru­men­ta­list und zu­gleich als Di­ri­gent und Kom­po­nist. Dar­über hin­aus war Hil­ler auch ein wich­ti­ger Leh­rer: Zu sei­nen be­kann­tes­ten Schü­lern ge­hö­ren die Kom­po­nis­ten Ju­li­us Buths (1851-1920), Max Bruch un­d En­gel­bert Hum­per­dinck.

Mit sei­nem Werk steht Hil­ler fest in der früh­ro­man­ti­schen Tra­di­ti­on an der Sei­te Men­dels­sohns und Schu­manns, wo­bei er Stü­cke aus fast al­len mu­si­ka­li­schen Gat­tun­gen ge­schaf­fen hat, un­ter an­de­rem Chor­wer­ke, Kam­mer­mu­sik, Sin­fo­ni­en und sechs Opern. In dem gro­ßen mu­sik­äs­the­ti­schen Streit des 19. Jahr­hun­dert zwi­schen den „Kon­ser­va­ti­ven“ und den so­ge­nann­ten „Neu­deut­schen“, die vor al­lem von Ri­chard Wag­ner, Franz Liszt und Hec­tor Ber­li­oz re­prä­sen­tiert wur­den, wur­de Hil­ler in das La­ger der Kon­ser­va­ti­ven ge­stellt. Die­se Zu­schrei­bung ist – wie es sol­che Ka­te­go­ri­sie­run­gen in den meis­ten Fäl­len sind – zu sim­pel und sche­ma­tisch, um sein ge­sam­tes Werk ein­zu­ord­nen, doch grund­sätz­lich ist es be­rech­tigt zu sa­gen, dass Hil­ler als Kom­po­nist schon früh dem Stil der Ro­man­tik na­he­stand. In jun­gen Jah­ren war er da­für als pro­gres­siv ge­schätzt wor­den, doch da er sei­nem Stil treu blieb, wan­del­te sich sein Image über die Jahr­zehn­te, bis er in der mu­si­ka­li­schen Öf­fent­lich­keit zu­neh­mend als kon­ser­va­tiv wahr­ge­nom­men wur­de.

Heu­te wer­den von Zeit zu Zeit ein­zel­ne von Hil­lers Kom­po­si­tio­nen in den Kon­zert­sä­len wie­der­ent­deckt, bei­spiels­wei­se sei­ne Sin­fo­nie e-moll, das Kla­vier­kon­zert Nr. 2, das Kla­vier­quar­tett Nr. 3, ei­ne Kan­ta­te mit dem Ti­tel „Lo­re­ley“ und ei­ni­ge Ver­to­nun­gen von Ge­dich­ten Hein­rich Hei­nes. Hil­ler ist der ein­zi­ge Kom­po­nist, für den Hei­ne selbst Ge­dich­te zur Ver­to­nung zu­sam­men­ge­stellt hat. Ei­ner ge­wis­sen Po­pu­la­ri­tät bei fest­lich-re­li­giö­sen An­läs­sen er­freut sich au­ßer­dem das Ge­bet „Herr, den ich tief im Her­zen tra­ge“ nach ei­nem Text von Ema­nu­el Gei­bel (1815-1884). Dass Hil­lers Werk, ab­ge­se­hen von sol­chen we­ni­gen Aus­nah­men im 20. Jahr­hun­dert, über­wie­gend von den Spiel­plä­nen ver­schwun­den ist, wur­de auch da­durch be­för­dert, dass die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ihn als Sohn ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie ab 1933 um­ge­hend aus den Kon­zert­sä­len ver­bann­ten.

Ab­schlie­ßend lässt sich fest­hal­ten, dass es in Hil­lers Werk und sei­ner Bio­gra­phie viel zu ent­de­cken gibt, was Ein­bli­cke in das kul­tu­rel­le und ge­sell­schaft­li­che Le­ben des 19. Jahr­hun­derts er­laubt. So spie­geln sei­ne Pu­bli­ka­tio­nen und sei­ne um­fang­rei­che Kor­re­spon­denz mit Künst­lern wie Hei­ne, Men­dels­sohn, Ros­si­ni, Ver­di und dem Ehe­paar Schu­mann Strö­mun­gen des Geis­tes­le­bens sei­ner Zeit wi­der. Auch wenn Hil­ler nicht zu den gro­ßen Ge­nies und Vi­sio­nä­ren des 19. Jahr­hun­derts ge­zählt wird, ist er doch als viel­sei­ti­ger Künst­ler zu se­hen, der sein Hand­werk auf ho­hem Ni­veau be­herrsch­te und der auf die Ent­wick­lung des Kon­zert­we­sens, des Mu­sik­le­bens und auf des­sen Über­lie­fe­rungs­ge­schich­te im Rhein­land gro­ßen Ein­fluss ge­nom­men hat. 

Werke (Auswahl)

WoO - Ou­ver­tu­re in Form der Hän­del­schen; für Streich­quin­tett (1826)
Op. 2 - Duo con­cer­tant für Vio­lon­cel­lo und Kla­vier (Fried­rich Kalk­bren­ner ge­wid­met)
Op. 16 - Neu­er Früh­ling: Lie­der­kreis von zwölf Ge­sän­gen von Hein­rich Hei­ne
WoO – Ro­mil­da; Oper in 2 Ak­ten
Op. 18 - 6 Lie­der von Fr. Rück­ert
Op. 24 - Die Zer­stö­rung Je­ru­sa­lems, Ora­to­ri­um
Op. 36 - Ge­sang der Geis­ter über den Was­sern; für Chor und Or­ches­ter
Op. 47 - Pia­no So­na­ta No.1
Op. 49 - O weint um sie nach den he­bräi­schen Ge­sän­gen des Lord By­ron; für So­pran, Chor und Or­ches­ter
Op. 56 - 24 Es­quis­ses et étu­des rhyth­mi­ques
Op. 60 - Psalm 125, Die auf den Herrn hof­fen
Op. 65 - Psalm 119 Wohl de­nen, die oh­ne Wan­del
Op. 80 - Saul; Ora­to­ri­um
Op. 83 - Die Wall­fahrt nach Kev­laar
Op. 97 - Zur Gui­tar­re; für Kla­vier
Op. 102 - Palm­sonn­tag­mor­gen; für So­pran und Frau­en­chor mit Or­ches­ter
Op. 106 - Ope­ret­te oh­ne Text für Kla­vier zu 4 Hän­den
Op. 116 - 8 Ge­dich­te von Hein­rich Hei­ne
Op. 120 - Der De­ser­teur; Oper in 3 Ak­ten
Op. 145 - Over­tü­re zu Schil­lers 'De­me­tri­us'
Op. 151 - Is­ra­el's Sie­ges­ge­sang - Hym­ne für So­pran, ge­misch­ten Chor und Or­ches­ter
Op. 173 - 50 klei­ne Im­promp­tus
Op. 183 - In­stru­men­tal­stü­cke und Chö­re zum dra­ma­ti­sche Mär­chen Prinz Pa­pa­gei von Gör­ner
Op. 200 - Ri­chard Lö­wen­herz - Bal­la­de für Chor, Te­nor so­lo und Or­ches­ter
WoO - Bal­la­den vom Pa­gen und der Kö­nigs­toch­ter; Me­lo­dram (1893)

Nachlass

His­to­ri­sches Ar­chiv der Stadt Köln (Best. 1051): Brie­fe, fer­ner das be­deu­ten­de Au­to­gra­phen­al­bum mit Ver­sen Goe­thes, Cho­pins Ma­zur­ka op. 6/1 so­wie die seit 1842 ge­führ­ten Ta­ge­bü­cher Hil­lers, er­schlos­sen durch: Ver­zeich­nis von Rein­hold u. M. Sietz, Köln 1970.
Ro­bert-Schu­mann-Hau­ses Zwi­ckau: Au­to­gra­phe der frü­hen Kom­po­si­ti­ons­pha­se (1828-1839).
Teil­nach­läs­se: Hein­rich-Hei­ne-In­sti­tut Düs­sel­dorf, Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz (wei­te­re 92 Brie­fe, Mu­sik­au­to­gra­phe).
Kom­po­si­to­ri­scher Nach­lass: Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Frank­furt am Main: 74 Mu­sik­hand­schrif­ten, dar­un­ter 21 Sam­mel­hand­schrif­ten, 278 Hand­ex­em­pla­ren der ge­druck­ten Stü­cke, teil­wei­se Mehr­fach­ex­em­pla­re. Die Sam­mel­hand­schrif­ten ent­hal­ten ne­ben Kom­po­si­tio­nen auch Skiz­zen, Frag­men­te und Kon­tra­punkt­stu­di­en, ins­ge­samt sind 188 der 207 Ope­ra Hil­lers vor­han­den. – Die Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Frank­furt be­wahrt auch Brie­fe Hil­lers in ver­schie­de­nen an­de­ren Nach­läs­sen auf: im Nach­lass Ju­li­us Stock­hau­sen 17 Brie­fe und ein Por­trät, im Nach­lass En­gel­bert Hum­per­dinck je ein Brief von und an Hil­ler, ei­ne wei­te­re Fo­to­gra­phie so­wie ein Zeug­nis sei­nes Leh­rers. Wei­te­re Brie­fe von und an Hil­ler sind ent­hal­ten in den Samm­lun­gen Mans­kopf, Gutz­kow und Bör­ne. 

Quellen

Sietz, Rein­hold (Hg.), Aus Fer­di­nand Hil­lers Brief­wech­sel, 7 Bän­de, Köln 1958-1970.

Literatur

Acker­mann, Pe­ter/Ja­cob­sha­gen, Ar­nold/Scoc­cimar­ro, Ro­ber­to/Stein­beck, Wolf­ram (Hg.), Fer­di­nand Hil­ler. Kom­po­nist, In­ter­pret, Mu­sik­ver­mitt­ler, Kas­sel 2014.
Bock­holdt, Ru­dolf, Hil­ler, Fer­di­nand von, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 9 (1972), S. 152-153.
Sietz, Rein­hold, Fer­di­nand Hil­ler, in: Fel­le­rer, Karl Gus­tav (Hg.), Rhei­ni­sche Mu­si­ker, 1. Fol­ge, Köln 1960, S. 115-122.  

 
Zitationshinweis

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Sträter, Nina, Ferdinand Hiller, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ferdinand-hiller/DE-2086/lido/5dd2b0d8567c90.91931306 (abgerufen am 12.12.2019)