Ferdinand von Hompesch

Großmeister des Malteserordens (1744-1805)

Wolfgang Löhr (Mönchengladbach)

Ferdinand von Hompesch, Porträt, Gemälde, Öl auf Leinwand, 18. Jahrhundert.

Fer­di­nand von Hom­pesch war der ein­zi­ge aus Deutsch­land stam­men­de Gro­ß­meis­ter des sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­dens. Sein Bild war lan­ge da­durch ge­trübt, dass er 1798 die In­sel Mal­ta den Fran­zo­sen kampf­los über­ge­ben ha­ben soll. Doch hält ein sol­ches Ur­teil ei­ner Über­prü­fung der Tat­sa­chen nicht stand. „We­ni­ge Men­schen in der po­li­ti­schen Ge­schich­te der west­li­chen Welt", so ur­teil­te der mal­te­si­sche His­to­ri­ker Vic­tor Mal­lia-Mi­la­nes, „sind so ver­leum­det wor­den" wie er.

Ge­bo­ren wur­de Fer­di­nand von Hom­pesch, des­sen voll­stän­di­ger Na­me Fer­di­nand Jo­seph Her­mann An­ton von Hom­pesch zu Boll­heim lau­tet, am 9.11.1744 auf dem Schloss sei­ner El­tern Jo­hann Wil­helm von Hom­pesch (1700-1762) und Isa­bel­la von By­landt (1709-1785) in Boll­heim (heu­te Stadt Zül­pich). Noch am sel­ben Tag wur­de er in der Kir­che von Oberel­ve­nich ge­tauft. Er war Spross ei­ner rhei­ni­schen Adels­fa­mi­lie, die sich bis ins 13. Jahr­hun­dert zu­rück­ver­fol­gen lässt und den Na­men ei­ner klei­nen Ort­schaft trägt, die heu­te zur Ge­mein­de Titz (Kreis Dü­ren) ge­hört.

Be­reits mit zwölf Jah­ren wur­de Fer­di­nand von sei­ner Fa­mi­lie ge­trennt und kam als Pa­ge des por­tu­gie­si­schen Gro­ß­meis­ters des Mal­te­ser­or­dens, Ma­nu­el Pin­to de Fon­se­ca (1681-1773, Gro­ß­meis­ter 1741-1773), auf die Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta. In­ner­halb des Or­dens stieg Fer­di­nand schnell auf. Im Al­ter von 24 Jah­ren wur­de er als Mit­glied des deut­schen Prio­rats Prä­si­dent des Ge­richts­hofs. Ab 1770 trug er Mit­ver­ant­wor­tung für die Auf­sicht über die Ga­lee­ren und über die Be­fes­ti­gun­gen des Or­dens und über­nahm 1774 das Amt des Rüs­tungs­kom­mis­sars. Ein Jah­re spä­ter wur­de er Bot­schaf­ter des Wie­ner Hofs auf Mal­ta. 1776 er­hielt er die Wür­de ei­nes Gro­ßkreu­zes, wo­durch er dem stän­di­gen Rat des Or­dens an­ge­hör­te. In die­ser Ei­gen­schaft setz­te er sich er­folg­los für ei­ne An­nä­he­rung an den evan­ge­li­schen Jo­han­ni­ter­or­den un­ter Füh­rung Au­gust Fer­di­nands von Preu­ßen (1730-1813) ein.

Ab 1786 führ­te er als Groß­bail­lie das deut­sche Prio­rat. Zu sei­ner fi­nan­zi­el­len Aus­stat­tung ge­hör­ten die Kom­men­den Ro­then­burg ob der Tau­ber, Reichards­roth und Vil­lin­gen in Ba­den-Würt­tem­berg, Her­ford in Nord­rhein-West­fa­len, La­ge in Nie­der­sach­sen, Ba­sel-St. Jo­hann in der Schweiz so­wie Dorlis­heim, Sulz, Col­mar und Mül­hau­sen im El­sass.

Fer­di­nands Wahl zum 71. Gro­ß­meis­ter am 17.7.1797 er­folg­te ein­stim­mig. Sein Vor­gän­ger, Em­ma­nu­el de Ro­han (1725-1797, Gro­ß­meis­ter 1775-1797), soll ihn emp­foh­len ha­ben. Ent­schei­dend wa­ren aber die Zer­strit­ten­heit der ver­schie­de­nen Prio­ra­te und die Pro­tek­ti­on des deut­schen Kai­sers Franz II. (Re­gie­rungs­zeit 1792-1806). Als Fer­di­nand die Lei­tung des Or­dens über­nahm, stand die­ser we­gen des Ver­lusts sei­ner Gü­ter in Frank­reich, Bel­gi­en, Ita­li­en und auf dem lin­ken Rhein­ufer als Fol­ge der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on vor dem wirt­schaft­li­chen Ru­in. Hin­zu kam ei­ne Zu­nah­me der stän­di­gen Aus­ga­ben für den Un­ter­halt der Rit­ter auf Mal­ta, die mit­tel­los vom Fest­land auf die In­sel ge­flo­hen wa­ren. Schon 1792 hat­te die Na­tio­nal­ver­samm­lung in Pa­ris be­schlos­sen, al­le Be­sit­zun­gen des Or­dens zu Na­tio­nal­ei­gen­tum zu er­klä­ren.

Au­ßer­dem deu­te­te das re­vo­lu­tio­nä­re Frank­reich die An­nä­he­rung des Or­dens an den rus­si­schen Za­ren Paul I. (Re­gie­rungs­zeit 1796-1801) un­ter Gro­ß­meis­ter Em­ma­nu­el de Ro­han und sei­ne Er­nen­nung zum „Pro­tek­tor des Mal­te­ser­or­dens" als Auf­ga­be sei­ner Neu­tra­li­tät und arg­wöhn­te, dass sich Russ­land auf der stra­te­gisch be­deu­ten­den In­sel fest­set­zen wür­de. Auch Groß­bri­tan­ni­en fürch­te­te, der sich als Mal­te­ser­rit­ter füh­len­de Zar kön­ne es auf Mal­ta ab­ge­se­hen ha­ben. Im Ge­gen­satz zu Frank­reich wur­de es je­doch zu die­sem Zeit­punkt nicht mi­li­tä­risch ge­gen Mal­ta ak­tiv.

Als Na­po­le­on Bo­na­par­te (1769-1821) am 12.4.1798 zu sei­nem Ägyp­ten-Feld­zug auf­brach, er­hielt er vom Di­rek­to­ri­um zu­sätz­lich den Auf­trag, Mal­ta zu be­set­zen. Ob Fer­di­nand schon vor­ab ge­warnt wor­den ist, scheint un­wahr­schein­lich und ge­hört wohl zu den vie­len Le­gen­den, die sich um die Lan­dung der Fran­zo­sen auf Mal­ta ran­ken. An­de­rer­seits hat­ten die Fran­zo­sen schon ei­nen Mo­nat zu­vor, am 3. März, ers­te Schrit­te un­ter­nom­men. Ein fran­zö­si­sches Ge­schwa­der un­ter Kon­ter­ad­mi­ral François Paul Bru­eys (1753-1798) er­schien vor Mal­ta und woll­te im Ha­fen von Va­let­ta an­kern. Fer­di­nand ver­wei­ger­te ihm den Ein­lass, wo­bei er sich auf den Ver­trag von Ut­recht von 1713 be­rief, der die Auf­nah­me von mehr als vier Kriegs­schif­fen ei­ner Na­ti­on im Ha­fen un­ter­sag­te. Ei­nen Über­fall auf Mal­ta, des­sen Trup­pen mo­bi­li­siert wor­den wa­ren, wag­te der fran­zö­si­sche Kon­ter­ad­mi­ral nicht. Fer­di­nand ließ sich da­von täu­schen und glaub­te, die Ge­fahr sei vor­über. Er hoff­te, zu­künf­tig wür­den die Eng­län­der un­ter Ad­mi­ral Ho­ra­tio Nel­son (1758-1805) die Fran­zo­sen dar­an hin­dern, Mal­ta zu neh­men.

Kaum ei­nen Mo­nat spä­ter, am 9.6.1798, lag er­neut ei­ne fran­zö­si­sche Flot­te un­ter dem Ober­be­fehl Na­po­le­ons vor Mal­ta. Sie um­fass­te 15 Li­ni­en­schif­fe, 14 Fre­gat­ten, 72 klei­ne­re Ein­hei­ten so­wie et­wa 400 Trans­port­schif­fe und hat­te 54.000 Mann an Bord. Mit ei­ner sol­chen Ar­ma­da hat­te Fer­di­nand nicht ge­rech­net. Wie­der­um ver­wei­ger­te er den Schif­fen die Ein­fahrt in den Ha­fen, wor­auf Na­po­le­on fest­stell­te, nun be­trach­te er Mal­ta als feind­li­che Macht. Der für die Fi­nan­zen zu­stän­di­ge fran­zö­si­sche Rit­ter Jean de Bos­re­don-Ran­cijat (1743-1812) er­klär­te so­fort, er wer­de ge­gen sei­ne Lands­leu­te nicht kämp­fen. Fer­di­nand ließ ihn ver­haf­ten und ord­ne­te die Mo­bi­li­sie­rung an. Des­sen un­ge­ach­tet lan­de­ten am Tag dar­auf 15.000 fran­zö­si­sche Sol­da­ten an elf ver­schie­de­nen Plät­zen auf der In­sel.

Ei­ne kon­zen­trier­te Ver­tei­di­gung der Fes­tung Va­let­ta und der Ver­such, ei­ner Be­la­ge­rung stand­zu­hal­ten, fan­den nicht statt. Das lag dar­an, dass Fer­di­nand von Hom­pesch nur et­wa 300 kampf­fä­hi­ge Rit­ter zur Ver­fü­gung hat­te, von de­nen er nicht ein­mal wuss­te, ob er sich auf sie un­ein­ge­schränkt ver­las­sen konn­te. Noch schlech­ter sah es bei der mal­te­si­schen Mi­liz aus, die teil­wei­se den Be­fehl ver­wei­ger­te. Es kam zu blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen: Rit­ter wur­den vom Mob er­schla­gen, grie­chi­sche See­leu­te, die man für Sym­pa­thi­san­ten der Fran­zo­sen hielt, eben­so um­ge­bracht wie frei­ge­kauf­te tür­ki­sche Skla­ven. Den­noch ver­tei­dig­ten sich vier Forts tap­fer, dar­un­ter das Fort Ti­g­né un­ter dem deut­schen Rit­ter Jo­sef Ma­ria von Rech­berg (1769-1833), der sich erst nach dem drit­ten An­griff er­ge­ben muss­te. Die Ver­tei­di­gung blieb ins­ge­samt un­ko­or­di­niert. Vie­le Ka­no­nen funk­tio­nier­ten nicht, weil die Mu­ni­ti­on durch Sa­bo­ta­ge un­brauch­bar ge­macht wor­den war.

Nach 36 Stun­den bat der Gro­ß­meis­ter un­ter Zu­stim­mung des Gro­ß­rats um ei­nen Waf­fen­still­stand. Na­po­le­on gab sich er­staunt, dass es über­haupt Wi­der­stand ge­ge­ben hat­te. Am Abend des 11. Ju­ni wur­de un­ter Füh­rung des frei­ge­las­se­nen Jean de Bos­re­don ei­ne sechs­köp­fi­ge De­le­ga­ti­on auf Na­po­le­ons Ad­mi­rals­schiff L’Ori­ent ent­sandt, wel­che die Ka­pi­tu­la­ti­on un­ter­schrieb. Sie sah die Über­ga­be Mal­tas an Frank­reich und für Fer­di­nand ei­ne Ent­schä­di­gung mit ei­nem an­de­ren Fürs­ten­tum vor. Er­satz­wei­se war ei­ne Jah­res­pen­si­on von 300.000 Fran­ken vor­ge­se­hen. So­fort er­hielt er 600.000 Fran­ken, von de­nen die Hälf­te nach Ver­rech­nung sei­ner Schul­den aus­ge­zahlt wur­de.

Am 18.6.1798 be­stieg Fer­di­nand zu­sam­men mit 16 Rit­tern ein ös­ter­rei­chi­sches Han­dels­schiff und be­gab sich nach Tri­est auf ös­ter­rei­chi­sches Ge­biet. Es ver­gin­gen kei­ne fünf Mo­na­te, bis Zar Paul I. von ei­ni­gen we­ni­gen Mal­te­ser­rit­tern, die Fer­di­nand rechts­wid­rig ab­setz­ten, zum Gro­ß­meis­ter ge­wählt wur­de. Der Kai­ser ließ Fer­di­nand aus po­li­ti­schen Grün­den fal­len. Dar­auf­hin ver­zich­te­te er auf sei­ne Gro­ß­meis­ter­wür­de und ging 1804 nach Mont­pel­lier ins fran­zö­si­sche Exil. Dort kauf­te er ei­nes der schöns­ten Häu­ser der Stadt. Frank­reich zahl­te ihm nun­mehr erst­mals sei­ne Jah­res­ren­te von 300.000 Fran­ken. Am 12.5.1805 ver­starb Fer­di­nand von Hom­pesch. Er wur­de in der Kir­che Sain­te Eula­lie in Mont­pel­lier bei­ge­setzt. Die Grab­stel­le ist un­be­kannt. Sein Ver­mö­gen erb­ten sei­ne Nef­fen.

Der frü­her er­ho­be­ne Vor­wurf, Fer­di­nand ha­be sich ge­gen­über Na­po­le­on fei­ge ver­hal­ten, ist nicht mehr auf­recht zu er­hal­ten, eben­so we­nig wie die Be­haup­tung, er ha­be Mal­ta we­gen der ihm in Aus­sicht ge­stell­ten Ent­schä­di­gung sang- und klang­los ver­las­sen. Sein Schick­sal ist je­doch nicht frei von Tra­gik: Als er Gro­ß­meis­ter wur­de, wa­ren die Glanz­zei­ten des Or­dens längst vor­bei. An ei­ner Auf­recht­er­hal­tung der Sou­ve­rä­ni­tät des Or­dens schie­nen die eu­ro­päi­schen Mäch­te kaum noch in­ter­es­siert. Groß­bri­tan­ni­en war der spä­te­re Nutz­nie­ßer der Er­obe­rung der In­sel durch die Fran­zo­sen: Als die­se 1800 von der mal­te­si­schen Be­völ­ke­rung ver­trie­ben wur­den, be­set­zen die Bri­ten die In­sel. 1964 wur­de Mal­ta wie­der un­ab­hän­gig.

Quellen

Mäh­ri­sches Staats­ar­chiv Brünn, Fa­mi­li­en­ar­chiv Hom­pesch (G 143), ins­be­son­de­re Nr. 1649 (Schrei­ben an Fer­di­nands Bru­der Franz Karl von Hom­pesch).

Haus- Hof- und Staats­ar­chiv Wien, Staa­ten­ab­tei­lung Mal­ta, (ent­hält un­ter an­de­rem Be­rich­te Fer­di­nands aus Mal­ta).

Literatur

Brad­ford, Ern­le, Kreuz und Schwert, 2. Auf­la­ge, Frank­furt (Main) 1999.

Ebe, Jo­seph A. / Ga­lea, Mi­cha­el, Fer­di­nand Frei­herr von Hom­pesch, Pa­der­born 1985.

Emi­nyan, Mau­rice, (Hg.), Hom­pesch and Mal­ta, Mal­ta 1999.

Ga­lea, Mi­cha­el, Ger­man Knights of Mal­ta, Mal­ta 1986.

Löhr, Wolf­gang, Fer­di­nand von Hom­pesch, in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 18 (2000), S. 99-116.

Spran­ger, Ta­de Mat­thi­as, Ar­ti­kel "Hom­pesch zu Boll­heim, Fer­di­nand Jo­seph Her­mann An­ton von", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 20 (2002), Sp. 773-778.

Online

  1. Jah­res­tag des To­des von Gro­ß­meis­ter von Hom­pesch(In­for­ma­ti­on auf der Home­page des Mal­te­ser­or­dens).
 
Zitationshinweis

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Löhr, Wolfgang, Ferdinand von Hompesch, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ferdinand-von-hompesch/DE-2086/lido/57c832d1dfb961.67878129 (26.04.2018)