Franz Egon von Fürstenberg

Kurkölnischer Politiker (1626-1682)

Martin Bock (Frechen)

Franz Egon von Fürstenberg, Kupferstich, um 1665. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

Ge­mein­sam mit sei­nem jün­ge­ren Bru­der Wil­helm Egon zählt Graf, seit 1664 Fürst Fran­z E­gon von Fürs­ten­berg-Hei­li­gen­berg zu den do­mi­nie­ren­den po­li­ti­schen Fi­gu­ren Kur­k­ölns in der zwei­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts. Im Na­men des schwa­chen, an den Re­gie­rungs­ge­schäf­ten nicht in­ter­es­sier­ten Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern ent­fal­te­ten die ­Fürs­ten­ber­ger ei­ne ehr­gei­zi­ge, aber ge­fähr­li­che Au­ßen­po­li­tik, die ih­re hoch flie­gen­den Plä­ne schlie­ß­lich zu­nich­te mach­te. 

Franz Egon von Fürs­ten­berg wur­de am 16.4.1626 auf dem Stamm­sitz sei­ner Fa­mi­lie, Schloss Hei­li­gen­berg am Bo­den­see, ge­bo­ren. Sein Va­ter, Graf Egon VIII. von Fürs­ten­berg-Hei­li­gen­berg (1588-1635), war als Ge­ne­ral­feld­zeug­meis­ter in baye­ri­schen Diens­ten ein be­deu­ten­der Heer­füh­rer der ka­tho­li­schen Li­ga wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges. Die Mut­ter, Grä­fin An­na Ma­ria von Ho­hen­zol­lern-Hechin­gen (1603-1652), stamm­te aus der ka­tho­lisch ge­blie­be­nen Stamm­li­nie des bran­den­bur­gi­schen Kur­fürs­ten­ge­schlechts. Nach dem frü­hen Tod des Va­ters ka­men die ins­ge­samt elf Kin­der des Paa­res an den Mün­che­ner Hof. Franz Egon wur­de dem nur we­ni­ge Jah­re äl­te­ren Prin­zen Ma­xi­mi­li­an Hein­rich, des­sen ei­ge­ne Ge­schwis­ter den kränk­li­chen und un­ter ei­ni­gen Fehl­bil­dun­gen lei­den­den Jun­gen häu­fig ver­spot­te­ten, als Ge­sell­schaf­ter zu­ge­teilt. Prak­tisch wuch­sen die bei­den zu­sam­men auf und wur­den ge­mein­sam er­zo­gen; sie ent­wi­ckel­ten ei­ne en­ge Freund­schaft, die erst nach Franz Egons Flucht nach Frank­reich kurz vor sei­nem Tod zer­brach. Bis da­hin soll­te der 1650 zum Köl­ner Erz­bi­schof und Kur­fürst ge­wähl­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich dem Fürs­ten­ber­ger mit der Re­gie­rung sei­nes Erz­stif­tes be­trau­en. 

 

Be­vor Franz Egon sich je­doch in kirch­li­che Diens­te be­gab und ei­ne geist­li­che Lauf­bahn ein­schlug, streb­te er ei­ne mi­li­tä­ri­sche Kar­rie­re an. Zwar hat­te er be­reits im Al­ter von neun Jah­ren die An­wart­schaft auf ei­ne Dom­her­ren­stel­le in Köln er­hal­ten und ein gu­tes Jahr­zehnt spä­ter, 1644, die nie­de­ren Wei­hen emp­fan­gen, doch der jun­ge Ad­li­ge ei­fer­te lie­ber sei­nem Va­ter nach und trat in den kai­ser­li­chen Kriegs­dienst ein. An wel­chen Schlach­ten in der End­pha­se des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges er tat­säch­lich be­tei­ligt war, ist un­klar; je­doch stieg er im­mer­hin bis zum Gar­de­haupt­mann auf. Nach dem for­mel­len Kriegs­schluss beim West­fä­li­schen Frie­den im Ok­to­ber 1648 sam­mel­te er ers­te po­li­ti­sche und di­plo­ma­ti­sche Er­fah­run­gen, in­dem er als Ge­sand­ter des al­ten Köl­ner Kur­fürs­ten und Fürst­bi­schofs von Müns­ter, Fer­di­nand von Bay­ern, am Nürn­ber­ger Exe­ku­ti­ons­ta­g 1649/1650 teil­nahm. Da­bei lern­te der ge­ra­de 24-jäh­ri­ge zahl­rei­che Fürs­ten und de­ren Ver­tre­ter aus dem gan­zen Reich, aber auch aus Frank­reich ken­nen. Die ers­ten Ver­bin­dun­gen, die er dort­hin knüpf­te, soll­ten sei­ne Po­li­tik prä­gen und be­stim­men, als er im Jahr 1650 sei­nem nun­mehr kur­fürst­li­chen Freund nach Köln folg­te, um dort das Amt des Obris­t­hof­meis­ters zu über­neh­men. 

Franz Egon von Fürstenberg, Kupferstich von P. Aubry, Frankfurt. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

 

Der West­fä­li­sche Frie­de hat­te das habs­bur­gi­sche Kai­ser­tum ge­schwächt, die eu­ro­päi­schen Mäch­te Frank­reich, Schwe­den und die Nie­der­lan­de ge­stärkt und da­mit das kon­ti­nen­ta­le Mäch­te­sys­tem ent­ste­hen las­sen. Gleich­zei­tig wa­ren die deut­schen Ter­ri­to­ri­en un­ab­hän­gi­ger ge­wor­den – ei­ne Vor­aus­set­zung et­wa für den spä­te­ren Auf­stieg Bran­den­burg-Preu­ßens zur Gro­ß­macht. Auch die klei­nen und mitt­le­ren Län­der such­ten nach ei­ner ei­gen­stän­di­gen au­ßen­po­li­ti­schen Rol­le und Be­deu­tung, um nicht zwi­schen den kon­kur­rie­ren­den Staa­ten zer­rie­ben zu wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund ent­wi­ckel­te Franz Egon von Fürs­ten­berg als wich­tigs­ter Ver­trau­ter des schwa­chen Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an Hein­rich ei­ne ehr­gei­zi­ge di­plo­ma­ti­sche Ak­ti­vi­tät, die das Erz­stift dau­er­haft vor al­lem zwi­schen Frank­reich und Habs­burg sta­bi­li­sie­ren und da­mit sei­ne Au­to­no­mie und Be­deu­tung si­chern soll­te. Der zen­tra­le Feh­ler die­ser Po­li­tik war al­ler­dings, dass sie ein­sei­tig auf fran­zö­si­scher Un­ter­stüt­zung und Dul­dung ba­sier­te: so­bald die­ser Pfei­ler weg­brach, trat für das Köl­ner Kur­fürs­ten­tum die Ka­ta­stro­phe in Ge­stalt des Pfäl­zi­schen Erb­fol­ge­kriegs ein, den Franz Egon al­ler­dings nicht mehr er­le­ben soll­te. Die en­ge Bin­dung an Frank­reich hat­te Fürs­ten­berg am 4.6.1658 in Form ei­nes ge­hei­men Ver­tra­ges mit dem fran­zö­si­schen Kö­nig Lud­wig XIV. (Re­gie­rungs­zeit 1643-1715) fi­xiert. Die­ser griff nach der Kai­ser­kro­ne und such­te sei­ne Chan­ce nach dem To­de Fer­di­nands III. (1608-1657), des­sen Sohn und de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Fer­di­nand IV. (1633-1654) plötz­lich ver­stor­ben war. Erst­mals seit lan­ger Zeit wähl­te der Frank­fur­ter Kur­fürs­ten­tag da­mit den Rö­mi­schen Kai­ser nicht viv­en­te im­pe­ra­to­re; die habs­bur­gi­sche Nach­fol­ge war in Ge­fahr. Ge­mein­sam mit sei­nem jün­ge­ren Bru­der Wil­helm Egon si­cher­te Fürs­ten­berg als Ver­tre­ter des Kur­fürs­ten von Köln dem Al­ler­christ­lichs­ten Kö­nig Un­ter­stüt­zung in al­len Reichs­an­ge­le­gen­hei­ten und da­mit auch bei des­sen Kan­di­da­tur zu. Im Ge­gen­zug er­hielt er das Bis­tum Metz und die Zu­sa­ge fran­zö­si­scher Bei­hil­fe bei künf­ti­gen Bi­schofs­wah­len im Reich. Da­bei hat­te Fürs­ten­berg es ins­be­son­de­re auf die Nach­fol­ge im Köl­ner Erz­stift ab­ge­se­hen, wel­ches er ja oh­ne­hin fak­tisch re­gier­te.  

Lud­wig XIV. wur­de je­doch 1658 nicht ge­wählt, son­dern mit Leo­pold I. (1640-1705) wie­der­um ein Habs­bur­ger. Mit der fran­zö­si­schen Un­ter­stüt­zung im Rü­cken er­leb­ten die Fürs­ten­ber­ger aber im fol­gen­den Jahr­zehnt ei­ne vor­über­ge­hen­de Blü­te und Ent­fal­tung ih­rer per­sön­li­chen Macht. So häuf­te Franz Egon ei­ne Rei­he geist­li­cher Wür­den an, wo­für er sich am 16.10.1660 auch zum Pries­ter wei­hen ließ. Das Bis­tum Metz al­ler­dings, das er 1658 im­mer­hin von ei­nem be­rühm­ten Vor­gän­ger, dem Kar­di­nal und fran­zö­si­schen Pre­mier­mi­nis­ter Ju­les Ma­za­rin (1602-1661) über­nom­men hat­te, über­ließ er kaum fünf Jah­re spä­ter sei­nem jün­ge­ren Bru­der. Im Ge­gen­zug wur­de er selbst zum Fürst­bi­schof von Straß­burg ge­wählt. Kur­fürst Ma­xi­mi­li­an Hein­rich hat­te ihm be­reits im Jahr 1660 die Fürst­ab­tei Sta­blo ver­lie­hen, und eben­falls 1663 er­hielt er die ein­träg­li­che Köl­ner Dom­props­tei als Pfrün­de. We­ni­ge Wo­chen spä­ter emp­fing er schlie­ß­lich die Bi­schofs­wei­he, nicht aus Über­zeu­gung, son­dern um die päpst­li­che Be­stä­ti­gung als Bi­schof von Straß­burg er­hal­ten zu kön­nen. 1664 wur­de er vom Gra­fen- in den Fürs­ten­stand er­ho­ben – ein er­folg­lo­ser Ver­such des Kai­sers, die bei­den Brü­der auf sei­ne Sei­te zu zie­hen. 

Franz Egon ver­lor je­doch al­le Äm­ter, als er An­fang 1674 nach Frank­reich flie­hen muss­te. Zwei Jah­re zu­vor hat­te Lud­wig XIV. die Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de an­ge­grif­fen und da­mit den Hol­län­di­schen Krieg aus­ge­löst, in dem Frank­reich ge­gen Habs­burg, Spa­ni­en und die Nie­der­lan­de stand. Nach an­fäng­li­chen Ver­lus­ten ge­lang den al­li­ier­ten Trup­pen die Ge­gen­of­fen­si­ve, und seit dem 3.11.1673 wur­de Bonn als Haupt­stadt des durch­ ­Fürs­ten­bergs di­plo­ma­ti­sche Tä­tig­keit mit Frank­reich ver­bün­de­ten Kur­k­öln be­la­gert. Kur­fürst Ma­xi­mi­li­an Hein­rich floh in die schüt­zen­den Mau­ern der neu­tra­len Reichs­stadt Köln, wo er sich für ein Jahr­zehnt in der ­Ab­tei St. Pan­ta­le­on auf­hielt. Sein Pre­mier­mi­nis­ter hin­ge­gen flüch­te­te in die Fes­tung Kai­sers­werth (heu­te Stadt Düs­sel­dorf) und von dort aus in sein Bis­tum ­Straß­burg, nach­dem Ma­xi­mi­li­an Hein­rich ei­nem Frie­dens­ver­trag mit dem Kai­ser zu­ge­stimmt hat­te. 

In sei­nen letz­ten Jah­ren mach­te sich Franz Egon von Fürs­ten­berg ganz von Lud­wig XIV. ab­hän­gig; so soll er bei der Un­ter­wer­fung der frei­en Reichs­stadt Straß­burg un­ter fran­zö­si­sche Herr­schaft ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben. Da­für wur­de er am Ran­de der Frie­dens­ver­trä­ge von Ni­j­me­gen 1678/1679 voll­stän­dig re­sti­tu­iert und er­hielt sei­ne Pfrün­den und Wür­den zu­rück. Die Freund­schaft Ma­xi­mi­li­an Hein­richs konn­te er in­des nicht wie­der ge­win­nen. Ob die­ser ihm sei­ne in der Flucht of­fen­bar ge­wor­de­ne Ängst­lich­keit und Hilf­lo­sig­keit, die sei­nen Cha­rak­ter al­lem di­plo­ma­ti­schen Ei­fer zum Trotz zu be­stim­men schie­nen, ver­übel­te oder viel­mehr der Welt um ihn her­um schon zu fremd ge­wor­den war – der Kur­fürst brach mit sei­nem lang­jäh­ri­gen Ge­fähr­ten und be­raub­te die­sen der letz­ten Chan­ce, doch noch die Nach­fol­ge im Erz­stift an­tre­ten zu kön­nen. Erst nach lan­gem Drän­gen und kurz vor sei­nem Tod ließ er sich über­re­den, Wil­helm Egon von Fürs­ten­berg zum Ko­ad­ju­tor zu neh­men. Franz Egon leb­te zu die­sem Zeit­punkt je­doch be­reits nicht mehr; er ver­starb am 1.4.1682 in Köln, wo er im Dom in sei­ner Ei­gen­schaft als Dom­herr bei­ge­setzt wur­de. 

Literatur

Brau­bach, Max, Mi­nis­ter und Kanz­ler, Kon­fe­renz und Ka­bi­nett in Kur­k­öln im 17. und 18. Jahr­hun­dert, in: An­na­len des His­to­ri­schen Ver­eins für den Nie­der­rhein 144/145 (1947), S. 141-156.

Chât­tel­lier, Louis, Fürs­ten­berg, Franz Egon Reichs­graf, in: Gatz, Er­win (Hg.), Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches 1648-1803. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1990, S. 138-140.

Fran­zen, Au­gust, Die In­for­ma­tiv­pro­zes­se an­lä­ß­lich der Bi­schofs­wei­hen des Köl­ner Weih­bi­schofs Ge­org Paul Stra­vi­us und der Straß­bur­ger Bi­schö­fe Franz Egon und Wil­helm Egon von Fürs­ten­berg, in: An­na­len des His­to­ri­schen Ver­eins für den Nie­der­rhein 155/156 (1954), S. 320-372.

Lei­feld, Mar­cus, Macht und Ohn­macht der Köl­ner Kur­fürs­ten um 1700. Vier kur­k­öl­ni­sche „Ers­te Mi­nis­ter“ als po­li­ti­sche Be­deu­tungs­trä­ger, in: Zehn­der, Frank Gün­ter (Hg.), Im Wech­sel­spiel der Kräf­te. Po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen des 17. und 18. Jahr­hun­derts in Kur­k­öln, Köln 1999, S. 62-95.

Li­vet, Ge­or­ges, L’in­ten­dance d’Al­sace sous Louis XIV 1648-1715, Pa­ris/Straß­burg 1956.

Online

Brau­bach, Max, Franz Egon Graf, seit 1664 Fürst von Fürs­ten­berg, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie (1961), S. 368-369. [On­line]

Franz Egon von Fürstenberg, Kupferstich von P. Aubry, Frankfurt. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

 
Zitationshinweis

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Bock, Martin, Franz Egon von Fürstenberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-egon-von-fuerstenberg/DE-2086/lido/57c6c18db46881.03269028 (18.07.2018)