Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1716-1729)

Wolfgang Schmid (Winningen)

. (o.A.)

Franz Lud­wig, der oh­ne zu hö­he­ren Wei­hen ge­langt zu sein im Lau­fe sei­nes Le­bens vier Bi­schofs­stüh­le be­setz­te, trat in der Reichs­kir­che der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts durch Re­for­men des Rechts- und Ver­wal­tungs­we­sens, sein Be­kennt­nis zur Ge­gen­re­for­ma­ti­on und sein Mä­ze­na­ten­tum her­vor.

Am 24.7.1664 wur­de Franz Lud­wig als neun­tes Kind des Kur­fürs­ten Phil­ipp Wil­helm von der Pfalz (Re­gie­rungs­zeit als Pfalz­graf 1653-1690, ab 1685 als Kur­fürst) und der Eli­sa­beth Ama­lia Mag­da­le­na von Hes­sen-Darm­stadt (1635-1709) in Neu­burg an der Do­nau ge­bo­ren. Franz Lud­wigs El­tern be­trie­ben ei­ne re­ge Reichs­kir­chen­po­li­tik, als de­ren Er­geb­nis von 17 Kin­dern sechs Söh­ne ins­ge­samt 21 Bi­schofs­äm­ter und mehr als 40 Pfrün­den in sechs Klös­tern und Stif­ten be­klei­de­ten.

Franz Lud­wig er­hielt sei­ne hu­ma­nis­ti­sche Er­zie­hung am Hof sei­nes Va­ters in Düs­sel­dorf und bei den Je­sui­ten in Neu­burg. 1678 er­hielt er 14-jäh­rig ei­nen An­spruch als Do­mi­zil­lar in Ol­mütz, ein Jahr spä­ter er­lang­te er Dom­ka­no­ni­ka­te in Müns­ter, Spey­er und Straß­burg. Sein Bru­der Wolf­gang Ge­org Fried­rich war für das Amt des Fürst­bi­schofs von Bres­lau vor­ge­se­hen, starb je­doch vor der Wahl 1683. Mit nach­drück­li­cher Un­ter­stüt­zung des Wie­ner Ho­fes – Franz Lud­wigs Schwes­ter Eleo­no­re Mag­da­le­ne (1655-1720) war die drit­te Ehe­frau Kai­ser Leo­polds I. (Re­gie­rungs­zeit 1658-1705) – wur­de Franz Lud­wig am 30.6.1683 zum Fürst­bi­schof von Bres­lau ge­wählt. Zwei Jah­re spä­ter ver­ließ er die Stadt und wur­de kai­ser­li­cher Ober­lan­des­haupt­mann von Schle­si­en, wo­mit er für Jahr­zehn­te die Aus­übung der obers­ten geist­li­chen und welt­li­chen Macht in sei­ner Per­son ver­ei­nig­te. In die­sen Jah­ren konn­te er um­fang­rei­che Ver­wal­tungs­er­fah­rung sam­meln. Erst 1687 er­folg­te in Köln sei­ne Sub­dia­ko­nats­wei­he; hö­he­re Wei­he­gra­de hat er nicht er­reicht. 1694 ord­ne­te er das Pries­ter­se­mi­nar für das Fürst­bis­tum Bres­lau neu. Acht. In Bres­lau grün­de­te er das „Or­pha­notro­pheum“ ge­nann­te kur­fürst­li­che Wai­sen­haus und 1711 das Hos­pi­tal der Barm­her­zi­gen Brü­der. Wäh­rend sei­ner Bres­lau­er Zeit wur­de 1702 die dor­ti­ge Je­sui­ten­uni­ver­si­tät ge­grün­det, die nach Kai­ser Leo­pold I. be­nann­te „Leo­pol­di­na“. 1729 ließ er in Neis­se das Kreuz­her­ren­stift und 1729 den Neu­bau der bi­schöf­li­chen Re­si­denz er­rich­ten. In Ott­mach­au wur­de un­ter sei­ner Herr­schaft die bau­fäl­li­ge Pfarr­kir­che St. Ni­ko­laus ab­ge­ris­sen und ei­ne neue Ba­rock­kir­che er­baut so­wie 1706–1707 das so ge­nann­te Nie­der­schloss er­rich­tet.

1694 wur­de Franz-Lud­wig Fürst­bi­schof von Worms und da­mit Amts­nach­fol­ger sei­nes Bru­ders Lud­wig-An­ton (1660-1694, Epis­ko­pat 1691-1694). 1698 ließ er den im Pfäl­zi­schen Erb­fol­ge­krieg aus­ge­brann­ten Dom re­stau­rie­ren; zu sei­nen wei­te­ren Ver­diens­ten zählt un­ter an­de­rem die Stif­tung ei­nes Wai­sen­hau­ses. Be­reits 1694 war er – als Nach­fol­ger sei­nes jün­ge­ren Bru­ders Lud­wig An­ton und oh­ne die Pro­fess ab­zu­le­gen - Hoch­meis­ter des Deut­schen Or­dens ge­wor­den, den er re­or­ga­ni­sier­te. Da Bran­den­burg ein Le­hen des Deut­schen Or­dens war, kämpf­te er au­ßer­dem ge­gen die Er­he­bung des Kur­fürs­ten von Bran­den­burg zum Kö­nig von Preu­ßen. Des Wei­te­ren stif­te­te er das kai­ser­li­che In­fan­te­rie-Re­gi­ment Pfalz-Neu­burg „Teutsch­meis­ter“ und ba­ro­cki­sier­te im Jahr 1730 das Main­zer Deut­schor­dens­haus.

Das Amt des Fürst­props­tes von Ell­wan­gen über­nahm er eben­falls 1794 und wie­der­um als Nach­fol­ger Lud­wig An­tons. Wie in al­len sei­nen Herr­schafts­ge­bie­ten ist er nicht nur als Bau­herr, son­dern auch als Re­for­mer von Ver­wal­tung, Fi­nan­zen, Jus­tiz und Wirt­schaft her­vor­ge­tre­ten: Zu sei­nen dor­ti­gen Ver­diens­ten zäh­len ei­ne Jus­tiz­re­form, ei­ne Wald- und Jagd­ord­nung so­wie die Er­neue­rung der Hof­rats­ord­nung. In sei­ner Amts­zeit er­folg­ten in den Jah­ren 1702-1729 die Er­rich­tung des Je­sui­ten­kol­legs und der Je­sui­ten­kir­che so­wie der Wie­der­auf­bau der Wall­fahrts­kir­che auf dem Schö­ne­berg zwi­schen 1709 und 1729.

Auf mas­si­ven kai­ser­li­chen Druck wur­de Franz Lud­wig am 20.2.1716 au­ßer­dem zum Erz­bi­schof von Trier ge­wählt. We­gen sei­ner gründ­li­chen Ver­wal­tungs­kennt­nis­se konn­te er trotz sei­ner zahl­rei­chen Äm­ter in­ten­si­ve Re­for­men im kirch­li­chen wie im welt­li­chen Be­reich vor­neh­men. In sei­ner Trie­rer Re­gie­rungs­zeit wur­de die Ge­richts­bar­keit des Kur­fürs­ten­tums re­or­ga­ni­siert, 1721 die Mo­sel­brü­cke in Trier wie­der auf­ge­baut und der durch ein Feu­er be­schä­dig­te Trie­rer Dom 1723-1733 um­ge­baut und ba­ro­cki­siert. Auch hier ent­fal­te­te er sei­ne ad­mi­nis­tra­ti­ve Be­ga­bung in ei­ner Viel­zahl von Ord­nun­gen des Hof- und Re­vi­si­ons­ge­richts, der Steu­er- und der Forst­ver­wal­tung. Ei­ne neue Stu­di­en­ord­nung re­or­ga­ni­sier­te 1722 die Ju­ris­ti­sche Fa­kul­tät der Trie­rer Uni­ver­si­tät. Sie leg­te Lehr- und Stun­den­plä­ne fest, setz­te Stra­fen für die Pro­fes­so­ren fest, die ih­re Vor­le­sun­gen aus­fal­len lie­ßen, und ver­lieh ih­nen im Ge­gen­zug die Vor­rech­te und Frei­hei­ten ei­nes Hof­rats. Auch das geist­li­che Le­ben re­or­ga­ni­sier­te er mit neu­en Syn­odal­sta­tu­ten, der Ein­füh­rung ei­ner in­ten­si­ven Prü­fung der Kan­di­da­ten bei der Be­set­zung von Pfarr­stel­len und der For­de­rung nach re­gel­mä­ßi­gen Ex­er­zi­ti­en für den ge­sam­ten Kle­rus. Als Weih­bi­schof un­ter­stütz­te ihn da­bei Jo­hann Mat­thi­as von Eyss (Epis­ko­pat 1708-1729).

Nach­dem Franz Lud­wig be­reits 1710 zum Ko­ad­ju­tor des Erz­bis­tums Mainz be­stellt wor­den war, wur­de er 1729 in der Nach­fol­ge von Lo­thar Franz von Schön­born (Epis­ko­pat 1694-1729) Erz­bi­schof von Mainz, da­mit aber­mals Kur­fürst und da­zu Reich­serz­kanz­ler. Da das Reichs­recht die Ver­ei­ni­gung von zwei Kur­hü­ten auf ei­ner Per­son ver­bot und auch der Papst ei­ner Ku­mu­la­ti­on wi­der­sprach, muss­te er das Trie­rer Bi­schofs­amt auf­ge­ben (3.3.1729). Wie schon zu­vor setz­te er sich auch auf dem Main­zer Stuhl für Ver­wal­tungs- und Jus­tiz­re­for­men ein, konn­te al­ler­dings in den we­ni­gen Jah­ren bis zu sei­nem Tod nur noch we­nig durch­set­zen.

Am 18.4.1732 starb Franz Lud­wig von Pfalz-Neu­burg auf der Rück­rei­se von Wien nach Bres­lau. Sei­ne letz­te Ru­he fand er im dor­ti­gen Dom, wo er sich nach Plä­nen des ös­ter­rei­chi­schen Ba­rock­ar­chi­tek­ten Jo­hann Bern­hard Fi­scher von Er­lach (1656-1723) in den Jah­ren 1716-1724 schon zu Leb­zei­ten die Kur­fürs­ten-Ka­pel­le als Be­gräb­nis­stät­te hat­te er­rich­ten las­sen.

Literatur

Gatz, Er­win/Ko­piec, Jan, Ar­ti­kel „Franz Lud­wig, Pfalz­graf am Rhein zu Neu­bur­g“, in: Gatz, Er­win (Hg.), Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. 1648-1803. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1990, S. 124-127.

Online

Brück, An­ton, Ar­ti­kel „Franz Lud­wi­g“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 5 (1961), S. 369-370.  [On­line]

Franz Lud­wig von Pfalz-Neu­bur­g (Bio­gra­fie in den Saar­län­di­schen Bio­gra­fi­en) [On­line]

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-ludwig-von-pfalz-neuburg/DE-2086/lido/57c6bec6931e15.14925823 (24.04.2018)