Franz Weber

Dirigent und Musiklehrer (1805-1876)

Björn Thomann (Sankt Augustin)

Franz Weber, Porträtfoto. (Universitätsbibliothek Frankfurt am Main)

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Franz We­ber zähl­te im 19. Jahr­hun­dert zu den prä­gen­den Per­sön­lich­kei­ten des kul­tu­rel­len Le­bens in sei­ner Hei­mat­stadt Köln. Er fun­gier­te un­ter an­de­rem als Di­ri­gent des von ihm mit­be­grün­de­ten Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­eins und be­klei­de­te über ei­nen Zeit­raum von mehr als vier Jahr­zehn­ten die Stel­le des Dom­or­ga­nis­ten.

Franz We­ber wur­de am 26.8.1805 als Sohn des Or­gel­bau­ers Con­stan­tin We­ber in des­sen Haus in der Brei­te Stra­ße 124 in Köln ge­bo­ren. Er be­such­te die Ele­men­tar­schu­le zu St. Pe­ter und er­hielt sei­ne ers­te mu­si­ka­li­sche Aus­bil­dung durch den Gei­ger Wil­helm An­ton Lüt­gen (1781-1857). Be­reits mit 16 Jah­ren wur­de er Or­ga­nist am Köl­ner Fried­rich-Wil­helm-Gym­na­si­um und mach­te ab 1825 auch als Kon­zert­pia­nist auf sich auf­merk­sam. Die Jah­re 1828 und 1829 ver­brach­te er in Ber­lin, wo er un­ter der An­lei­tung des Köl­ner Kom­po­nis­ten Bern­hard Klein (1793-1832) und des Mu­sik­päd­ago­gen Carl Fried­rich Zel­ter (1758-1832) am In­sti­tut für Kir­chen­mu­sik stu­dier­te. Im Or­gel­spiel wur­de er hier von dem re­nom­mier­ten Kom­po­nis­ten Au­gust Wil­helm Bach (1796-1869) un­ter­wie­sen. Dar­über hin­aus wur­de er Mit­glied der Ber­li­ner Sing­aka­de­mie.

Nach der Rück­kehr in sei­ne Hei­mat­stadt ar­bei­te­te We­ber zu­nächst als Mu­sik­leh­rer. Zu sei­nen Wir­kungs­stät­ten zähl­ten das Je­sui­ten-Gym­na­si­um und das Fried­rich-Wil­helm-Gym­na­si­um. Zur glei­chen Zeit trat er als Vio­li­nist in das Köl­ner Dom­or­ches­ter ein. Aus der zu Be­ginn der 1830er Jah­re mit Ka­tha­ri­na Le­der (1804-1887) ge­schlos­se­nen Ehe gin­gen meh­re­re Kin­der her­vor. Un­ter ih­nen er­lang­te Jo­hann Franz We­ber (1833-1910), der im Jahr 1858 den re­nom­mier­ten „Mu­sik­ver­lag We­ber“ grün­de­te und zahl­rei­che po­pu­lä­re Kar­ne­vals­lie­der kom­po­nier­te, die grö­ß­te Be­deu­tung.

Nach­dem Franz We­ber im Jahr 1833 die Stel­le des Dom­or­ga­nis­ten über­tra­gen wor­den war, über­nahm er im De­zem­ber des­sel­ben Jah­res auch das Amt des Kla­vier­re­pe­ti­tors in dem vom Dom­ka­pell­meis­ter Carl Leibl (1784-1870) ge­lei­te­ten Köl­ner Sing­ver­ein. Seit Mit­te der 1830er Jah­re un­ter­stütz­te er die Spen­den­auf­ru­fe zur Er­rich­tung ei­nes Denk­mals für Lud­wig van Beet­ho­ven in Bonn und war zu­dem an der Grün­dung meh­re­rer mu­si­ka­li­scher Ge­sell­schaf­ten be­tei­ligt. Zu­nächst rief er am 7.12.1835 die Köl­ner Sing­aka­de­mie ins Le­ben, ei­nen ge­misch­ten Chor, in wel­chem er auch für die künst­le­ri­sche Lei­tung ver­ant­wort­lich zeich­ne­te. Am 27.4.1842 zähl­te We­ber zu den Grün­dungs­mit­glie­dern des Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­eins und war dar­über hin­aus auch in die Kon­sti­tu­ie­rung der Phil­har­mo­ni­schen Ge­sell­schaft am 12.4.1845 ein­ge­bun­den. In bei­den In­sti­tu­tio­nen wur­de er in das Amt des Di­ri­gen­ten ge­wählt.

1839 schloss sich We­ber mit Franz Hart­mann (1809-1855), Franz Der­kum (1812-1872) und sei­nem Ber­li­ner Stu­di­en­freund Bern­hard Jo­seph Breu­er (1808-1877) zum „Köl­ni­schen Streich­quar­tett“ zu­sam­men, in wel­chem er den Part des Brat­schis­ten ein­nahm. Das En­sem­ble sah sich höchs­ten künst­le­ri­schen An­sprü­chen ver­pflich­tet und spiel­te be­vor­zugt Wer­ke von Beet­ho­ven, Jo­seph Haydn (1732-1809) und Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart (1756-1791). Nach der er­folg­rei­chen Kon­zert­pre­mie­re am 19.11.1839 ent­wi­ckel­te es sich zu ei­nem der an­ge­se­hens­ten Quar­tet­te im deutsch­spra­chi­gen Raum. Franz We­ber ver­ließ das En­sem­ble im Jahr 1846 und wur­de durch den jun­gen Gei­ger Jo­hann Pe­ters (1820-1870) er­setzt.

Der Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­ein avan­cier­te un­ter der Lei­tung We­bers zu ei­nem der re­nom­mier­tes­ten Chö­re in Eu­ro­pa. Die Sie­ge bei den Sän­ger­wett­strei­ten in Gent (1844) und Brüs­sel (1845) tru­gen zu die­sem Ruf eben­so bei, wie die aus­ge­dehn­ten und von der in­ter­na­tio­na­len Pres­se ge­fei­er­ten Kon­zert­rei­sen. Im Wech­sel mit Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy (1809-1847) di­ri­gier­te Franz We­ber auch die Kon­zer­te des Deutsch-Flä­mi­schen Sän­ger­fes­tes, das vom 14.-17.6.1846 in Köln statt­fand. Mit über 2.300 Mit­wir­ken­den stell­te die von na­tio­na­lem Pa­thos ge­tra­ge­ne Ver­an­stal­tung ne­ben dem Dom­bau­fest von 1842 das zwei­te städ­ti­sche Gro­ße­reig­nis des Vor­märz dar.

Trotz sei­ner ho­hen künst­le­ri­schen Re­pu­ta­ti­on be­warb sich We­ber mehr­fach oh­ne Er­folg um das Amt des städ­ti­schen Ka­pell­meis­ters. Bei der Ein­rich­tung der Stel­le im Jahr 1840 gab der Köl­ner Stadt­rat dem re­nom­mier­ten Di­ri­gen­ten Con­ra­din Kreut­zer (1780-1849) den Vor­zug. Auch bei der Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger im Jahr 1842 fand We­ber kei­ne Be­rück­sich­ti­gung. Statt sei­ner wur­de der bis da­hin als Mu­sik­di­rek­tor in Ri­ga tä­ti­ge Hein­rich Dorn (1804-1892) be­ru­fen. Die­ser be­grün­de­te 1845 nicht nur die Mu­si­ka­li­sche Lehr­an­stalt für Köln und die Rhein­pro­vinz, son­dern über­nahm auch de­ren Lei­tung. We­bers Ver­su­che, den über­aus po­pu­lä­ren Ri­va­len durch ge­ziel­te In­tri­gen zu des­avou­ie­ren und den Stadt­rat zu des­sen Ab­set­zung zu be­we­gen, schei­ter­ten kläg­lich.

Als Dorn im Herbst 1849 aus frei­en Stü­cken von sei­nen Äm­tern zu­rück­trat und Ka­pell­meis­ter am kö­nig­li­chen Hof­thea­ter in Ber­lin wur­de, ent­schied der Stadt­rat aber­mals ge­gen We­ber. Auf Dorn folg­te der noch von ihm selbst vor­ge­schla­ge­ne Di­ri­gent Fer­di­nand von Hil­ler (1811-1885), der bis 1884 in Per­so­nal­uni­on als städ­ti­scher Ka­pell­meis­ter und als Di­rek­tor der Mu­sik­schu­le fun­gier­te. An­ders als sei­ne Vor­gän­ger soll­te es ihm je­doch ge­lin­gen, sich dau­er­haft mit We­ber zu ar­ran­gie­ren. Im Kol­le­gi­um der Mu­sik­schu­le über­nahm We­ber im Jahr 1850 nicht nur die Stel­le des Or­gel­leh­rers, son­dern auch die des stell­ver­tre­ten­den Di­rek­tors.

In den Jahr­zehn­ten zwi­schen der Re­vo­lu­ti­on von 1848/1849 und der 1871 er­fol­gen­den Grün­dung des Deut­schen Rei­ches avan­cier­te We­ber ne­ben Hil­ler zur do­mi­nie­ren­den Per­sön­lich­keit des Köl­ner Mu­sik­we­sens. Un­ter sei­ner Lei­tung un­ter­nahm der Män­ner­ge­sang­ver­ein in den Som­mer­mo­na­ten der Jah­re 1853 und 1854 zwei Kon­zert­rei­sen nach Groß­bri­tan­ni­en. Für Auf­se­hen sorg­ten da­bei nicht nur die aus­ver­kauf­ten und von der Pres­se ge­fei­er­ten of­fi­zi­el­len Vor­stel­lun­gen, son­dern auch zwei Pri­vat­auf­trit­te für Kö­ni­gin Vic­to­ria (1819-1901, Re­gent­schaft 1837-1901) im Lon­do­ner Bucking­ham-Pa­last.

Auch in der Fol­ge­zeit ge­lang es We­ber, das ho­he An­se­hen und die füh­ren­de Stel­lung des Män­ner­ge­sang­ver­eins zu be­haup­ten. Ei­nen Teil sei­ner Kon­zert­ein­nah­men stell­te der Ver­ein wohl­tä­ti­gen und „va­ter­städ­ti­schen“ Ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung. Hier­zu zähl­te auch der Cen­tral-Dom­bau-Ver­ein, des­sen Vor­stand We­ber seit 1853 an­ge­hör­te und zu des­sen Eh­ren­mit­glied er am 25.4.1867 er­nannt wur­de. An der Spit­ze des Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­eins war We­ber auch an der Grün­dung des Rhei­ni­schen Sän­ger­ver­eins im April 1863 ma­ß­geb­lich be­tei­ligt, der im Ge­gen­satz zu dem 1862 kon­sti­tu­ier­ten Rhei­ni­schen Sän­ger­bund kei­ne na­tio­nal­po­li­ti­schen Ziel­set­zun­gen ver­folg­te, son­dern aus­schlie­ß­lich auf ein mu­si­ka­li­sches Zu­sam­men­wir­ken auf höchs­tem künst­le­ri­schen Ni­veau fo­kus­sier­te.

Ne­ben sei­nem Wir­ken als Mu­sik­leh­rer und Di­ri­gent hin­ter­ließ We­ber zahl­rei­che ei­ge­ne Kom­po­si­tio­nen. Zu Be­ginn der 1830er Jah­re kom­po­nier­te er die Mu­sik zu der ro­man­ti­schen Oper „Die Berg­knap­pen“ von Theo­dor Kör­ner (1791-1813). Das Er­geb­nis sei­ner Be­mü­hun­gen be­zeich­ne­te er spä­ter selbst­kri­tisch als „Ju­gend­sün­de“. Zu sei­nen Schöp­fun­gen zäh­len dar­über hin­aus zahl­rei­che Män­ner­chor­lie­der, Du­et­te und Mo­tet­ten. Pa­trio­ti­sche Stü­cke wie die Kan­ta­te „Gruß an den Reichs­ver­we­ser“ (1848) oder das „Rhein­preu­ßi­sche Krie­ger­lie­d“ (1831) ver­lei­hen dem mu­si­ka­li­schen Ge­samt­werk We­bers ihr cha­rak­te­ris­ti­sches Ge­prä­ge. 

Als Franz We­ber im Jahr 1875 zum Pro­fes­sor er­nannt wur­de, zeich­ne­te sich be­reits ei­ne er­heb­li­che Ver­schlech­te­rung sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des ab. Wie­der­holt muss­te er sich in sei­ner Funk­ti­on als Di­ri­gent des Män­ner­ge­sang­ver­eins vom Lei­ter des Dom­kna­ben­chors Jo­hann Hin­sen (1831-1890) ver­tre­ten las­sen. Im Früh­jahr 1876 schien er sich je­doch auf dem We­ge der Bes­se­rung zu be­fin­den und konn­te auch an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung des Män­ner­ge­sang­ver­eins am 27. April teil­neh­men. An­läss­lich ei­ner Lie­der­ta­fel am 23.6.1876 di­ri­gier­te er den Chor letzt­ma­lig.

Am 17.9.1876 er­litt Franz We­ber auf dem Weg zum Köl­ner Dom ei­nen Schlag­an­fall. Er wur­de in sei­ne Woh­nung in der Brei­te Stra­ße 128 A ge­bracht, wo er noch am glei­chen Abend starb. Der Trau­er­zug und die Bei­set­zung auf dem Fried­hof Me­la­ten am 20. Sep­tem­ber fan­den un­ter gro­ßer An­teil­nah­me der Be­völ­ke­rung statt. In der Chro­nik des Män­ner­ge­sang­ver­eins wur­de hier­zu ver­merkt: „Sel­ten hat Köln ei­nen solch im­po­san­ten Lei­chen­zug ge­se­hen.“ We­ni­ge Wo­chen nach We­bers Tod ent­schied der Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­ein, sei­nem „un­ver­gess­li­chen Di­ri­gen­ten“ ein re­prä­sen­ta­ti­ves Grab­denk­mal zu er­rich­ten. Im Zen­trum des am 4.10.1879 ein­ge­weih­ten und bis heu­te er­hal­te­nen Mo­nu­ments steht ei­ne vom Bild­hau­er An­ton Wer­res (1830-1900) ge­stal­te­te Mar­mor­büs­te Franz We­bers, die von ei­ner im klas­si­zis­ti­schen Stil ge­stal­te­ten Ädi­ku­la ar­chi­tek­to­nisch ein­ge­rahmt wird.

Literatur

Ei­sen, Franz Carl, Der Köl­ner Män­ner-Ge­sang-Ver­ein un­ter Lei­tung des kö­nig­li­chen Mu­sik-Di­rek­tors Franz We­ber, Köln 1852.

Kör­ner, Klaus, Franz We­ber, in: Käm­per, Diet­rich (Hg.), Rhei­ni­sche Mu­si­ker, 7. Fol­ge, Köln 1972, S. 128-131 [mit Werk­ver­zeich­nis].

Kör­ner, Klaus, Das Mu­sik­le­ben in Köln um die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, Köln 1969.

Paf­frath, Her­bert, Der Cä­ci­li­en­ver­ein 1855 Köln-Mül­heim. Ein Bei­trag zur Mül­hei­mer Mu­sik­ge­schich­te, Köln 1955.

Schil­ling, Gus­tav (Hg.), En­cy­clo­pä­die der ge­samm­ten mu­si­ka­li­schen Wis­sen­schaf­ten oder Uni­ver­sal-Le­xi­con der Ton­kunst, Stutt­gart 1842, S. 118-119.

Online

Wag­ner, R., Die Köl­sche han im­mer jän je­sun­ge - 170 Jah­re Köl­ner Män­ner-Ge­sang-Ver­ein (Kurz­dar­stel­lung der Ge­schich­te des Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­eins auf mu­se­en­koeln.de). [On­line]

Ge­schich­te des Köl­ner Män­ner­ge­sang­ver­eins, Band 3, Köln 1889 (Di­gi­ta­le Samm­lun­gen der Uni­ver­si­tät zu Köln). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Franz Weber, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-weber/DE-2086/lido/57c8334a50f4f5.71465799 (25.05.2018)