Friedrich Bayer

Industrieller, Mitgründer der Bayer AG (1825–1880)

Michael Pohlenz (Leverkusen)

Friedrich Bayer, Gemälde von K. Wurz, 1859. (Bayer AG)

Fried­rich Bay­er war Grün­der­va­ter und Na­mens­ge­ber des Bay­er-Kon­zerns. Mit sei­nem Kom­pa­gnon Fried­rich Wes­kott be­gann er in (Wup­per­tal)-Bar­men die Her­stel­lung und den Ver­trieb syn­the­ti­scher Farb­stof­fe, Die Keim­zel­le der spä­te­ren Bay­er AG wur­de am 1.8.1863 un­ter der Be­zeich­nung "Friedr. Bay­er et comp." in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.

Fried­rich Bay­er wur­de am 6.6.1825 in Bar­men (heu­te Stadt Wup­per­tal) ge­bo­ren. Er war evan­ge­li­scher Kon­fes­si­on. Sei­ne Vor­fah­ren, die Fa­mi­lie Bey­er, stamm­ten ur­sprüng­lich aus der Ober­lau­sitz und spä­ter aus Nörd­lin­gen in Bay­ern. Dort war sein Ur­gro­ßva­ter Fär­ber und Tuch­händ­ler ge­we­sen. Sein Gro­ßva­ter Ge­org Fried­rich, ein We­ber, hat­te sich 1775 in Bar­men nie­der­ge­las­sen. Sein Va­ter Pe­ter Hein­rich Fried­rich (1776-1839) ar­bei­te­te als Sei­den­wir­ker; die Mut­ter war Ma­ria Ca­tha­ri­na Uter­mann (1781-1861). Nach dem frü­hen Tod des Va­ters be­gann der 14-jäh­ri­ge Fried­rich ei­ne Leh­re in der Bar­me­ner Che­mi­ka­li­en­hand­lung We­sen­feld und Co. mit dem Ziel, Kauf­mann zu wer­den. Mit An­fang Zwan­zig war er trotz sei­nes jun­gen Al­ters be­reits Stell­ver­tre­ter des Fir­men­in­ha­bers und hät­te oh­ne wei­te­res in der Fir­ma Kar­rie­re ma­chen kön­nen, doch er mach­te sich selbst­stän­dig und grün­de­te als Farb­stoff­händ­ler ein ei­ge­nes Un­ter­neh­men.

 

Im Au­gust 1849 än­der­te der Jung­un­ter­neh­mer sei­nen Nach­na­men in "Bay­er“, um ei­ne Ver­wechs­lung mit ei­nem stadt­be­kann­ten Be­trü­ger glei­chen Nach­na­mens aus­zu­schlie­ßen, da sich die Na­men­si­den­ti­tät mit ei­nem Kri­mi­nel­len be­reits ne­ga­tiv auf sein im Auf­bau be­grif­fe­nes Ge­schäft aus­zu­wir­ken be­gann. Fried­rich Bay­er han­del­te zu­nächst nur mit den ihm ver­trau­ten Che­mi­ka­li­en. Aber bald er­wei­ter­te er sei­ne Pro­dukt­pa­let­te um Na­tur­farb­stof­fe und Hilfs­pro­duk­te für die lo­ka­len Fär­be­rei­en und ging da­zu über, aus Farb­höl­zern Ex­trak­te her­zu­stel­len. Das Ge­schäft flo­rier­te und er wur­de bin­nen ei­nes Jahr­zehnts ein wohl­ha­ben­der Mann, des­sen Ge­schäf­te sich bis nach Ame­ri­ka und Russ­land er­streck­ten.

Als sich An­fang der 1860er Jah­re die kurz zu­vor ent­deck­ten syn­the­tisch her­ge­stell­ten Farb­stof­fe durch­setz­ten, be­schränk­te sich Fried­rich Bay­er nicht nur auf den Han­del mit den neu­en, aus Stein­koh­len­te­er ge­won­ne­nen Farb­stof­fen, son­dern be­gann selbst Anil­in­far­ben und Fuch­sin un­ter ein­fachs­ten Be­din­gun­gen in der Wasch­kü­che sei­nes Hau­ses her­zu­stel­len. In dem Fär­ber­meis­ter Jo­hann Fried­rich Wes­kott (1821–1876) fand er ei­nen Kom­pa­gnon mit aus­ge­präg­ten tech­ni­schen Fach­kennt­nis­sen. Wes­kott über­prüf­te die neu­en Farb­stof­fe auf ih­re Qua­li­tät und brach­te durch sei­ne Kon­tak­te und ex­zel­len­ten Kennt­nis­se der Farb­stoff­pro­duk­ti­on bes­te Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne er­folg­ver­spre­chen­de ge­schäft­li­che Part­ner­schaft mit.

Friedrich Bayer, um 1876, Porträtfoto. (Bayer AG)

 

Die jun­ge und auf­stre­ben­de che­mi­sche In­dus­trie boom­te An­fang der 1860er Jah­re im Wup­per­ta­ler Raum. Be­reits 1861 pro­du­zier­ten al­lein in Bar­men 17 Che­mie­be­trie­be, in El­ber­feld im­mer­hin noch fünf. Die meis­ten die­ser neu­en che­mi­schen Pro­duk­ti­ons­stät­ten ver­dank­ten ih­re Exis­tenz der im Wup­per­tal tra­di­tio­nell star­ken Tex­til­in­dus­trie, die in den An­fangs­jah­ren auch Haupt­ab­neh­mer der neu­en syn­the­ti­schen Farb­stof­fe wur­de. In die­se Zeit der „che­mi­schen Re­vo­lu­ti­on“ fiel die Fir­men­grün­dung der „Friedr. Bay­er et comp.“ am 1.6.1863. Fried­rich Bay­er brach­te sein Ver­triebs­netz in die neue Fir­ma ein. En­de des Jah­res be­schäf­tig­te das jun­ge Un­ter­neh­men be­reits zwölf Mit­ar­bei­ter. Man ex­pan­dier­te - in Bar­men-Rit­ters­hau­sen wur­de ei­ne klei­ne Fuchs­in­fa­brik zur Her­stel­lung ei­nes nach der Zier­pflan­ze Fuch­sie ge­nann­ten blau­ro­ten Farb­stoffs er­rich­tet. Doch bald wur­den auch Ani­l­in­vio­lett, Licht­grün und an­de­re Anil­in­farb­stof­fe her­ge­stellt. Die Fuchs­in­fa­brik er­wies sich schon nach kur­zer Zeit als zu klein, so dass 1866 am Wes­ten­de von El­ber­feld ein wei­te­res Grund­stück für neue Pro­duk­ti­ons­an­la­gen er­wor­ben wur­de. Fünf Jah­re spä­ter wur­de für den flo­rie­ren­den und aus al­len Näh­ten plat­zen­den Anil­in­far­ben­be­trieb eben­falls ein Er­wei­te­rungs­ge­län­de in Hecking­hau­sen ge­fun­den.

Auch im Aus­land war Bay­er ak­tiv. Be­reits zwei Jah­re nach der Fir­men­grün­dung streck­te das neue Un­ter­neh­men sei­ne Füh­ler in Rich­tung USA aus. Au­ßer­dem wur­den Ver­kauf­sagen­tu­ren, Ver­tre­tun­gen, Nie­der­las­sun­gen und Pro­duk­ti­ons­stand­or­te in Eng­land, Frank­reich, der Schweiz und Ös­ter­reich so­wie 1876 ei­ne Fa­brik für Aliza­rin in Mos­kau ein­ge­rich­tet. 1878 wur­de der Haupt­sitz von „Friedr. Bay­er er comp.“ von Bar­men nach El­ber­feld ver­legt. Auch in­ter­na­tio­nal wur­den die Leis­tun­gen der jun­gen Fir­ma ho­no­riert; 1876 er­hielt sie die Bron­ze­ne Me­dail­le für Farb­stof­fe auf der In­ter­na­tio­na­len Aus­stel­lung in Phil­adel­phia/USA, nach­dem Bay­er-Farb­stof­fe be­reits neun Jah­re zu­vor auf der Pa­ri­ser Welt­aus­stel­lung mit der be­gehr­ten Sil­ber­nen Me­dail­le aus­ge­zeich­net wor­den wa­ren.

Mit­ten in die­se Zeit ste­ti­ger Neue­run­gen und ei­nes har­ten Ver­drän­gungs­wett­be­werbs auf dem Farb­stoff­sek­tor fiel der Tod der Fir­men­grün­der: Wes­kott starb 1876, Fried­rich Bay­er er­lag im Al­ter von 54 Jah­ren am 6.5.1880 in Würz­burg den Fol­gen ei­ner Rip­pen­fell­ent­zün­dung. Er hin­ter­ließ ne­ben sei­ner Ehe­frau Ca­ro­li­ne Ju­lia­ne (Ju­lie) Bay­er (1829–1899), ei­nen Sohn, Fried­rich (1851–1920), so­wie drei Töch­ter, Cla­ra (1854-1839, Ade­le (1856–1925) und Hed­wig (1865–1914). Ein Jahr spä­ter wur­de die Fir­ma „Friedr. Bay­er et comp.“ mit ih­ren über 100 Farb­pro­duk­ten, ih­ren viel­fäl­ti­gen Pro­duk­ti­ons­be­trie­ben und ih­ren über 300 Be­schäf­tig­ten in die Ak­ti­en­ge­sell­schaft „Far­ben­fa­bri­ken vorm. Friedr. Bay­er & Co.“ um­ge­wan­delt.

In Wup­per­tal, Le­ver­ku­sen und im lip­pi­schen La­ge er­in­nern Stra­ßen an Fried­rich Bay­er, in Le­ver­ku­sen trägt au­ßer­dem ein Platz sei­nen Na­men; auch Schu­len sind nach ihm be­nannt. Sei­ne Grab­stät­te be­fin­det sich auf dem evan­ge­li­schen Fried­hof Hoch­stra­ße in Wup­per­tal-El­ber­feld.

Literatur

Köll­mann, Wolf­gang, Fried­rich Bay­er (1825-1880), in: Bei­trä­ge zur Ge­schich­te und Hei­mat­kun­de des Wup­per­tals, Band 4: Wup­per­ta­ler Bio­gra­phi­en, 1. Fol­ge, Wup­per­tal 1958.
Verg, Erik/Plum­pe, Gott­fried/Schult­heis, Heinz, Mei­len­stei­ne, 125 Jah­re Bay­er 1863–1988, Le­ver­ku­sen 1988.
Wes­kott, Ri­chard, Fried­rich Wes­kott (1821-1876), in: Bei­trä­ge zur Ge­schich­te und Hei­mat­kun­de des Wup­per­tals, Band 5: Wup­per­ta­ler Bio­gra­phi­en, 2. Fol­ge, Wup­per­tal 1960.

Stammhaus von Friedrich Bayer an der Heckinghauser Straße in (Wuppertal-)Barmen (rechts), in der Bildmitte das Wohnhaus, um 1900. (Bayer AG)

 
Zitationshinweis

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Pohlenz, Michael, Friedrich Bayer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/friedrich-bayer-/DE-2086/lido/57c57624d53298.74665813 (23.05.2018)