Fritz Henkel

Unternehmer (1848-1930)

Susanne Hilger (Düsseldorf)

Fritz Henkel, Porträtfoto 1876. (Archiv der Henkel KGaA Düsseldorf)

Der Un­ter­neh­mer Fritz Hen­kel leg­te den Grund­stein zu ei­ner der äl­tes­ten und be­deu­tends­ten Mar­ken­ar­ti­kel­fir­men Deutsch­lands. 1876 ge­grün­det, hat die Fir­ma Hen­kel seit 1878 ih­ren Sitz in Düs­sel­dorf. Die Ent­wick­lung von Per­sil, des ers­ten „selbst­tä­ti­gen" Wasch­mit­tels, im Jah­re 1907 er­wies sich als Weg­be­rei­ter für den Auf­stieg zum in­ter­na­tio­na­len Che­mie­kon­zern, der sich bis heu­te mehr­heit­lich in Fa­mi­li­en­hand be­fin­det. Ne­ben un­ter­neh­me­ri­schem Ge­schick steht der Na­me Fritz Hen­kel auch für ei­ne in­no­va­ti­ve und ver­brau­cher­ori­en­tier­te Pro­dukt­po­li­tik.

 

Fried­rich Karl („Fritz") Hen­kel kam am 20.3.1848 als fünf­tes von sechs Kin­dern im nord­hes­si­schen Vöhl zur Welt. Sein Va­ter war der Dorf­leh­rer Jost Hen­kel. Die Mut­ter Jo­ha­net­te Hen­kel, ge­bo­re­ne Jüngst, ent­stamm­te ei­ner hes­si­schen Fa­bri­kan­ten­fa­mi­lie aus der Nä­he von Mar­burg. Nach dem Schul­be­such in Kor­bach ver­ließ der 17-jäh­ri­ge Fritz 1865 sei­ne hes­si­sche Hei­mat, um ei­ne kauf­män­ni­sche Leh­re in der che­mi­schen Fa­brik Ges­sert in El­ber­feld (heu­te Stadt Wup­per­tal) auf­zu­neh­men. Die Wahl des Aus­bil­dungs­plat­zes ent­sprach den ei­ge­nen „leb­haf­ten Nei­gun­gen", denn seit sei­ner Kind­heit ist Hen­kel nach ei­ge­nem Be­kun­den von che­mi­schen Vor­gän­gen fas­zi­niert ge­we­sen. Das Rhein­land und ins­be­son­de­re das Wup­per­tal ge­hör­ten zu die­ser Zeit zu den Zen­tren der syn­the­ti­schen Farb­her­stel­lung, die die „Keim­zel­le" der mo­der­nen che­mi­schen und phar­ma­zeu­ti­schen In­dus­trie bil­de­ten. Auch die Fir­ma Ges­sert stell­te mit Er­folg den syn­the­ti­schen Farb­stoff Aliza­rin her. Nach der Leh­re stieg der Hand­lungs­ge­hil­fe Fritz Hen­kel bis zum Pro­ku­ris­ten, schlie­ß­lich so­gar zum Di­rek­tor auf.

Wirt­schaft­lich wohl si­tu­iert und ge­sell­schaft­lich eta­bliert hei­ra­te­te Hen­kel 1873 in El­ber­feld Eli­sa­beth von den Stei­nen (ge­stor­ben 1904). Vier Kin­der gin­gen aus die­ser Ehe her­vor: Au­gust (1874-1879), Fritz (1875-1930), Hu­go (1881-1952) und Em­my (1884-1941). Nach Grün­dung des ei­ge­nen Haus­stan­des dräng­te es Fritz Hen­kel in die Selb­stän­dig­keit. 1874 wur­de er Teil­ha­ber ei­ner Gro­ßhand­lung für Far­ben in Aa­chen. Wie er je­doch bald fest­stell­te, lag sei­ne be­ruf­li­che Zu­kunft „in der Fa­bri­ka­ti­on". Nur drei Jah­re spä­ter, 1877, ließ er sich sei­nen Ge­schäfts­an­teil aus­zah­len, um in ei­ne in­no­va­ti­ve Wachs­tums­bran­che zu in­ves­tie­ren. Da­bei ging es um an­wen­der­ori­en­tier­te Pro­duk­te für die Haus­halts­wä­sche, die zu die­ser Zeit noch mit meh­re­ren Koch­wasch­gän­gen, mit Spü­len und Blei­chen ei­ne ta­ge­lan­ge und über­aus kräf­te­zeh­ren­de Pro­ze­dur war. Ver­mark­tet wer­den soll­te ei­ne neue, aus dem ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­krieg stam­men­de Waschme­tho­de, die statt auf Sei­fe auf ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus So­da und Was­ser­glas setz­te. In Ver­suchs­rei­hen hat­te sich Hen­kel selbst da­von über­zeugt, „dass ein vor­züg­li­ches und bil­li­ges Wasch­mit­tel her­ge­stellt wer­den konn­te, wenn man Was­ser­glas mit kal­zi­nier­ter So­da meng­te und die­se Ge­meng­sel in pul­ve­ri­sier­ter Form ver­kauf­te",

Dies war der Zweck der Fir­ma Hen­kel & Cie., die Fritz Hen­kel ge­mein­sam mit den bei­den In­ha­bern der Rhei­ni­schen Was­ser­glas­fa­brik Her­zo­gen­rath, Ot­to Schef­fen und Ot­to Di­cker, be­reits 1876 in Aa­chen ge­grün­det hat­te. In ei­ner ehe­ma­li­gen Schuh­fa­brik an der Ru­dolf­stra­ße im Nord­os­ten Aa­chens wur­de nach die­ser Re­zep­tur das so ge­nann­te „Uni­ver­sal-Wasch­mit­tel" her­ge­stellt, dass al­ler­dings in der Wir­kung noch nicht über­zeu­gen konn­te, denn es griff die tex­ti­len Fa­sern an, hin­ter­ließ Lö­cher im Ge­we­be und war au­ßer­dem in den Her­stel­lungs­kos­ten zu hoch. An­ge­sichts die­ser we­nig ver­hei­ßungs­vol­len Aus­sich­ten zog sich der ers­te der bei­den üb­ri­gen Teil­ha­ber Hen­kels be­reits 1877 aus der Fir­ma zu­rück.

Ein ver­bes­ser­tes Pro­dukt kam im Früh­jahr 1878 auf den Markt. Un­ter der Be­zeich­nung „Hen­kel’s Bleich-So­da" wur­de es zum ers­ten Mar­ken­ar­ti­kel des Un­ter­neh­mens, das Hen­kel zu ei­nem Pio­nier des mo­der­nen Kon­sum­gü­ter-Mar­ke­ting­s­mach­te. In­dem er das Wasch­mit­tel bei gleich blei­ben­der Qua­li­tät zu ei­nem gleich blei­ben­den Preis ver­kauf­te und die Ver­pa­ckung mit ei­nem Mar­ken­zei­chen, dem hes­si­schen Lö­wen, ver­sah, ver­lieh Hen­kel sei­nen Pro­duk­ten ei­ne un­ver­wech­sel­ba­re Iden­ti­tät. Da­bei kom­bi­nier­te er Wer­be­maß­nah­men und Ver­kaufs­or­ga­ni­sa­ti­on so ge­schickt, dass der Pro­duk­t­um­satz zu­se­hends stieg.

Doch auch für ein auf­stre­ben­des Un­ter­neh­men ist es wich­tig, die Kos­ten­si­tua­ti­on im Blick zu hal­ten. Um die ho­hen Trans­port­kos­ten zu re­du­zie­ren, die die Preis­kal­ku­la­ti­on er­heb­lich be­ein­träch­tig­ten, zog die Fir­ma im Som­mer 1878 von Aa­chen nach Düs­sel­dorf um. Die gu­te Ver­kehrs­an­bin­dung der ehe­ma­li­gen Re­si­denz­stadt am Rhein, nicht nur zu Was­ser, son­dern auch das ent­ste­hen­de Netz von Ei­sen­bahn­ver­bin­dun­gen, hat­ten den Aus­schlag für die­se Ent­schei­dung ge­ge­ben. Die Hen­kel-Wer­ke gel­ten mit ih­rem Leit­pro­dukt Per­sil (ei­ne Wort­schöp­fung aus den bei­den wich­tigs­ten che­mi­schen Be­stand­tei­len Per­bo­rat und Si­li­kat) bis heu­te als ei­nes der wich­tigs­ten Mar­ken­zei­chen der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf.

Fritz Hen­kel wur­de 1879 zum al­lei­ni­gen In­ha­ber der Fir­ma. 1880 ließ sich der Un­ter­neh­mer an der Ger­res­hei­mer Stras­se in Düs­sel­dorf-Ober­bilk nie­der. Als Her­stel­ler von Mar­ken­ar­ti­keln ging es dem Fa­bri­kan­ten dar­um, Roh­stof­fe von stets gleich­blei­ben­der Qua­li­tät zu ei­nem kon­stan­ten Preis zu ver­ar­bei­ten. Des­halb ver­folg­te er das Ziel, sich mög­lichst von den Roh­stoff-Zu­lie­fe­rern und so von den qua­li­ta­ti­ven wie quan­ti­ta­ti­ven Schwan­kun­gen des Roh­stoff­be­zu­ges un­ab­hän­gig zu ma­chen und sämt­li­che Pro­duk­ti­ons­schrit­te un­ter ei­nem Dach zu ver­ei­nen. Aus die­sem Grun­de er­folg­te seit Mit­te der 1880er Jah­re die Er­rich­tung von ein­zel­nen Roh­stoff- und Pro­duk­ti­ons­ab­tei­lun­gen wie et­wa der Was­ser­glas­fa­brik vor Ort, so dass es auf dem Ge­län­de an der Ger­res­hei­mer Stra­ße bald eng wur­de. Das Ge­län­de in Holt­hau­sen bei Düs­sel­dorf (1929 ein­ge­mein­det), das Hen­kel im Ju­li 1899 kauf­te, ging al­ler­dings mit fast 55.000 Qua­drat­me­tern zu An­fang er­heb­lich über die räum­li­chen Be­dürf­nis­se des klei­nen Wasch­mit­tel­her­stel­lers hin­aus. Doch soll­te sich die­ser Schritt bald schon als vor­aus­schau­end er­wei­sen, denn spä­tes­tens mit der Ent­wick­lung von Per­sil, dem ei­gent­li­chen Leit­pro­dukt, im Jah­re 1907 soll­te die Fir­ma Aus­deh­nungs­flä­chen für die An­sied­lung von wei­te­ren Pro­duk­ti­ons­vor­stu­fen, Fer­ti­gungs-, Ab­fül­lungs- und Ver­pa­ckungs­ein­rich­tun­gen drin­gend be­nö­ti­gen.

Bis heu­te hat die Fir­ma Hen­kel ih­ren Stamm­sitz in Düs­sel­dorf-Holt­hau­sen bei­be­hal­ten, wo un­ter an­de­rem ein Gro­ß­teil der deut­schen Wasch­mit­tel-Pro­duk­ti­on des Un­ter­neh­mens kon­zen­triert ist. Der Un­ter­neh­mens­grün­der en­ga­gier­te sich zwi­schen 1911 und 1919 im Ge­mein­de­rat von Ben­rath (1929 nach Düs­sel­dorf ein­ge­mein­det), wo­zu sein Un­ter­neh­men da­mals ge­hör­te, und wur­de 1928 zum Eh­ren­bür­ger der Stadt Düs­sel­dorf er­nannt.

Fritz Hen­kel se­ni­or war mehr als nur ein Kauf­mann. Er war ein Pio­nier­un­ter­neh­mer, der mit Weit­sicht und Wa­ge­mut ei­nem in­no­va­ti­ven Pro­dukt den Weg in den Markt bahn­te. Eben­so wie den Haus­frau­en, den wich­tigs­ten Ab­neh­mern sei­nes Pro­duk­tes, und dem Han­del als „Ab­satz­mitt­ler" maß der Un­ter­neh­mer den Mit­ar­bei­tern ei­ne zen­tra­le Rol­le zu. Da­her soll­ten ein um­fang­rei­ches So­zi­al­an­ge­bot, das vom Werks­woh­nungs­bau bis zur Bi­blio­thek reich­te, eben­so wie Weih­nachts­fei­ern und Ju­bi­lä­ums­ak­tio­nen als be­son­de­re Fest­ver­an­stal­tun­gen zur Iden­ti­fi­ka­ti­on der Be­leg­schaft mit Werk und Un­ter­neh­mer­fa­mi­lie bei­tra­gen und die Fluk­tua­ti­on ge­ring hal­ten. Die Er­nen­nung zum Kö­nig­lich Preu­ßi­schen Kom­mer­zi­en­rat 1911 be­deu­te­te ei­ne An­er­ken­nung der un­ter­neh­me­ri­schen Leis­tung von Fritz Hen­kel wie auch ei­ne Wür­di­gung sei­nes En­ga­ge­ments für das Ge­mein­wohl über die Werks­gren­zen hin­aus. Die Un­ter­neh­mer­vil­la im Düs­sel­dor­fer Zoo­vier­tel und der Land­sitz in Rengs­dorf bei Neu­wied am Rhein spie­gel­ten den ge­sell­schaft­li­chen Rang des Un­ter­neh­mers und sei­ne Zu­ge­hö­rig­keit zum Düs­sel­dor­fer Wirt­schafts­bür­ger­tum wi­der.

Fritz Hen­kel starb am 1.3.1930 im Al­ter von 81 Jah­ren auf sei­nem Al­ters­sitz in Rengs­dorf. Die Lei­tung des Un­ter­neh­mens hat der Un­ter­neh­mens­pa­tri­arch bis zu sei­nem Tod 1930 selbst wahr­ge­nom­men. Sei­ne bei­den Söh­ne, Fritz Hen­kel ju­ni­or (1875-1930) und Dr. Hu­go Hen­kel (1879-1951) un­ter­stütz­ten ihn früh­zei­tig. Fritz ju­ni­or nahm 1893 ei­ne kauf­män­ni­sche Leh­re im vä­ter­li­chen Un­ter­neh­men auf, er­hielt 1899 Pro­ku­ra und wur­de 1904 zum per­sön­lich haf­ten­den Ge­sell­schaf­ter er­nannt. Sein jün­ge­rer Bru­der Hu­go stu­dier­te Che­mie und stieg nach der Pro­mo­ti­on 1908 zum per­sön­lich haf­ten­den Ge­sell­schaf­ter auf. Ih­re Schwes­ter Em­my hat­te 1904 den Kauf­mann Ernst Lüps ge­hei­ra­tet. Sie wur­de 1911 eben­falls per­sön­lich haf­ten­de Ge­sell­schaf­te­rin, oh­ne je­doch an der Ge­schäfts­füh­rung ak­tiv be­tei­ligt zu sein.

Das Ziel des Un­ter­neh­mens­grün­ders war es, den Be­stand der Fir­ma über die ers­te und zwei­te Fa­mi­li­en­ge­ne­ra­ti­on hin­aus zu si­chern. Tes­ta­men­ta­risch leg­te er fest, dass je­weils 40% des Fir­men­ka­pi­tals den bei­den Söh­nen Fritz und Hu­go und 20% der Toch­ter Em­my (bzw. je­weils de­ren Nach­kom­men) zu­ste­hen, al­le drei je­doch über die glei­chen Mit­spra­che­rech­te im Un­ter­neh­men ver­fü­gen soll­ten. Die­se Vor­ga­ben sind bis heu­te be­stim­mend für das Ver­hält­nis der Hen­kel­schen „Fa­mi­li­en­stäm­me" un­ter­ein­an­der, ob­wohl mitt­ler­wei­le fa­mi­li­en­frem­de Ma­na­ger das Ta­ges­ge­schäft bei Hen­kel über­nom­men ha­ben.

Literatur

Fel­den­kir­chen, Wil­fried / Hil­ger, Su­san­ne, Men­schen und Mar­ken. 125 Jah­re Hen­kel, Düs­sel­dorf 2001.

Schö­ne, Man­fred, Die An­fän­ge der Fir­ma Hen­kel in Aa­chen und Düs­sel­dorf, Düs­sel­dorf 1973.

Wil­den, Jo­sef, Fritz Hen­kel. Ein deut­scher Un­ter­neh­mer, Düs­sel­dorf 1933.

Wil­den, Jo­sef, Fritz Hen­kel, in: Rhei­nisch-West­fä­li­sche Wirt­schafts­bio­gra­phi­en 2 (1937), S. 329-340.

Online

Klinckow­s­tro­em, Carl Graf v., Ar­ti­kel "Hen­kel, Fritz", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 8 (1969), S. 527-528.

Un­ter­neh­mens­ge­schich­te (In­for­ma­ti­on auf der Home­page des Hen­kel-Kon­zerns). 

Fritz Henkel, Porträtfoto 1928. (Archiv der Henkel KGaA Düsseldorf)

 
Zitationshinweis

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Hilger, Susanne, Fritz Henkel, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/fritz-henkel-/DE-2086/lido/57c82b71ab0fe1.35248876 (07.12.2018)