Georg August Ludwig Schmidtborn

Generalsuperintendent der evangelischen Kirche in der Rheinprovinz (1851-1860)

Frank Rudolph (Wetzlar)

Georg August Ludwig Schmidtborn, Porträt, Gemälde. (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland)

Schmidtborn, ein tief from­mer Mann, der fest im lu­the­ri­schen Be­kennt­nis stand, för­der­te in 19 Amts­jah­ren als Pfar­rer in Wetz­lar die Kir­chen­uni­on, wirk­te als Su­per­in­ten­dent des Evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­ses Wetz­lar und ver­trat als Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent neun Jah­re die evan­ge­li­sche Kir­che in der Rhein­pro­vinz.

Lud­wig Schmidtborn wur­de am 2.5.1798 als Sohn des Pfar­rers Jo­hann Lud­wig Gott­fried Ju­li­us Schmidtborn (1765-1823) in Wi­ß­mar bei Gie­ßen ge­bo­ren. Die Tau­fe war ei­nen Tag spä­ter, die Kon­fir­ma­ti­on 1812. Die Mut­ter war Wil­hel­mi­ne Chris­ti­ne Phil­ip­pi­ne ge­bo­re­ne Kurz. Der Va­ter be­rei­te­te den Sohn schu­lisch bis zur Pri­ma des Gym­na­si­ums vor; die­ser be­such­te dann von 1813-1815 das Päd­ago­gi­um in Gie­ßen und ab 1815 die dor­ti­ge Uni­ver­si­tät. Das letz­te Se­mes­ter 1817-1818 ab­sol­vier­te Schmidtborn in Je­na und leg­te 1818 das theo­lo­gi­sche Ex­amen in Ko­blenz ab. 1819-1820 stu­dier­te er am Kö­nig­li­chen Pre­di­ger-Se­mi­na­ri­um in Wit­ten­berg.

1820 wur­de Schmidtborn Vi­kar in Lüt­zel­l­in­den im Kreis Wetz­lar; 1821 folg­te die Or­di­na­ti­on; 1822-1827 war er Pfar­rer in Eck­wei­ler in der Syn­ode Sobern­heim, an­schlie­ßend bis 1832 Pfar­rer in Kirn und von 1832-1851 lu­the­ri­scher Pfar­rer auf der ers­ten der zwei Pfarr­stel­len in Wetz­lar.

Schmidtborn hei­ra­te­te in Eck­wei­ler Ka­tha­ri­na Au­gus­te Frie­de­ri­ke Lau­ten­schlä­ger aus Schwet­zin­gen (1806-1825). Kurz nach dem Tod der Ehe­frau starb auch ihr ge­mein­sa­mes Kind. In Wetz­lar hei­ra­te­te Schmidtborn 1835 So­phie Ama­li­e  Ly­dia Sei­den­sti­cker (1806-1894) aus Her­mann­stein. Aus die­ser Ehe gin­gen sechs Kin­der her­vor.

Der Über­gang der Stadt Wetz­lar an Preu­ßen 1815 brach­te auch für die dor­ti­ge Evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de er­heb­li­che Ver­än­de­run­gen mit sich; bis 1817 ent­stand der Evan­ge­li­sche Kir­chen­kreis Wetz­lar. Bei der Um­set­zung der seit 1817 ge­plan­ten Uni­on der lu­the­ri­schen und der re­for­mier­ten Wetz­la­rer Kir­chen­ge­mein­den wirk­te Schmidtborn ab 1832 ent­schei­dend mit. Als er nach Wetz­lar kam, wa­ren die Uni­ons­ver­hand­lun­gen zu ei­nem Still­stand ge­kom­men. Zu­sam­men mit Chris­ti­an Hof­mann (1782-1857), dem solms-braun­fel­si­schen Kir­chen­rat und Su­per­in­ten­den­tur­ver­wal­ter, über­nahm Schmidtborn die Ver­hand­lun­gen; ge­mein­sam er­ar­bei­te­ten sie ei­nen Ent­wurf, der 1833 an­ge­nom­men wur­de. 1834 ver­ei­nig­ten sich auch die Schu­len der bei­den evan­ge­li­schen Kon­fes­sio­nen und das neue Schul­haus wur­de ein­ge­weiht. Nach der Uni­on wur­de 1834 ein neu­es Ge­sang­buch in Wetz­lar an­ge­schafft. Am 5.3.1835 trat schlie­ß­lich die Rhei­nisch-West­fä­li­sche Kir­chen­ord­nung in Kraft, die Schmidtborn in Wetz­lar um­zu­set­zen hat­te.

Schmidtborn nahm dar­über hin­aus wei­te­re Auf­ga­ben im Rah­men der evan­ge­li­schen Kir­che in Wetz­lar wahr; so er ge­hör­te er zu den Grün­dern des Jo­hann Da­vid Wink­ler´schen Wai­sen­fonds 1833 und war Mit­un­ter­zeich­ner der ers­ten Sat­zung. 1837-1839 wur­de das pro­tes­tan­ti­sche Kir­chen­schiff des seit 1561 si­mul­tan ge­nutz­ten Wetz­la­rer Do­mes - der Chor­raum steht der ka­tho­li­schen Ge­mein­de zur Ver­fü­gung – re­no­viert. Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. von Preu­ßen (Re­gent­schaft 1797-1840) un­ter­stütz­te die Maß­nah­me 1837 mit 1.500 Ta­lern. Über die Re­no­vie­rung kam es zu Kon­flik­ten und Pro­zes­sen mit der Ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de, in die Schmidtborn als Ober­pfar­rer und Su­per­in­ten­dent in­vol­viert war. Als sich 1838/1839 die 1819 ge­grün­de­te Bi­bel­ge­sell­schaft im Kir­chen­kreis Wetz­lar neu kon­sti­tu­ier­te, wur­de Schmidtborn ihr Prä­si­dent. Spä­ter er­wei­ter­te sich die Ge­sell­schaft zur „Bi­bel- und Mis­si­ons­ge­sell­schaf­t“, in­dem sie sich mit dem Wetz­la­rer „Hülfs-Mis­si­ons­ver­ein für In­ne­re und Äu­ße­re Mis­si­on“ ver­band. Auch an den fol­gen­den Vor­gän­gen, die in Schmidtborns Wetz­la­rer Zeit als Pfar­rer und Su­per­in­ten­dent fal­len, dürf­te er be­tei­ligt ge­we­sen sein: Das Wetz­la­rer Hos­pi­tal be­gann, die Be­zeich­nung „Evan­ge­li­sches Bür­ger­hos­pi­tal zum Hei­li­gen Geis­t“ zu füh­ren. Im Hos­pi­tal wur­de 1843 ei­ne Klein­kin­der­schu­le durch ei­nen Frau­en­ver­ein ge­grün­det, der der Kir­chen­ge­mein­de na­he stand. 1845 wur­de der Wetz­la­rer Zweig­ver­eins des Gus­tav-Adolf-Wer­kes ge­grün­det und die ers­ten Dia­ko­nis­sen aus Kai­sers­werth ka­men nach Wetz­lar. Schmidtborn un­ter­rich­te­te auch am Wetz­la­rer Gym­na­si­um und war Schul­in­spek­tor.

1836 be­gann Schmidtborn, ei­ne Pfarr- und Rek­tor­stel­le in Wetz­lar ein­zu­rich­ten, in ers­ter Li­nie für die Bür­ger­schu­le. 1849 ge­neh­mig­te die Re­gie­rung dem Rek­tor der evan­ge­li­schen Bür­ger­schu­le das Pre­di­gen. Die Rek­to­ren wa­ren zu­gleich Pre­digt­amt­skan­di­da­ten.

1832 wur­de Schmidtborn Su­per­in­ten­dent des Evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­ses Wetz­lar und lei­te­te ab 1835 die Kreis­syn­oden. Seit der Ein­füh­rung der Rhei­nisch-West­fä­li­schen Kir­chen­ord­nung 1835 ge­hör­te Schmidtborn als Su­per­in­ten­dent den Pro­vin­zi­al­syn­oden an. Als die Pro­vin­zi­al­syn­ode 1847 zu­sam­men­kam, fehl­te ihr Mo­dera­men. Das Kon­sis­to­ri­um wähl­te ei­nen un­ge­wöhn­li­chen und in der Kir­chen­ord­nung nicht vor­ge­se­he­nen Weg und ließ die recht­mä­ßi­gen Mit­glie­der der letz­ten Pro­vin­zi­al­syn­ode schrift­li­chen ab­stim­men, wer die Ver­samm­lung 1847 lei­ten sol­le. So wur­de Schmidtborn Prä­ses und lei­te­te von 1847 bis 1850 Pro­vin­zi­al­syn­oden. Et­wa seit 1846 wur­de in der rhei­nisch-west­fä­li­schen Pro­vin­zi­al­kir­che die Fra­ge nach dem Be­kennt­nis der Pro­vin­zi­al­kir­che dis­ku­tiert. Schmidtborn setz­te ei­ne Dis­kus­si­on in Gang, die zu den Be­kennt­nis­pa­ra­gra­phen führ­ten, die 1850 in die rhei­nisch-west­fä­li­sche Kir­chen­ord­nung ein­ge­fügt wur­den.

Als nach den Er­eig­nis­sen des Jah­res 1848 die freie Kir­chen­ver­fas­sung in Fra­ge ge­stellt wur­de, ge­hör­te er zu de­nen, die sich an die preu­ßi­sche Zwei­te Kam­mer der Ab­ge­ord­ne­ten wand­ten. Ziel war die freie Kir­chen­ver­fas­sung und ei­ne Kir­che, die ih­re An­ge­le­gen­hei­ten selb­stän­dig ord­net und kei­ne frem­den Ein­flüs­se zu­lässt. Am 29.4.1851 wur­de Schmidtborn Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent der Rhein­pro­vinz in Ko­blenz und ver­ließ Wetz­lar. Der Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent war dem Kon­sis­to­ri­um bei­ge­ord­net und hat­te ei­ne bi­schöf­li­che Stel­lung; er war der Ver­tre­ter des staat­li­chen Kir­chen­re­gi­ments, und wur­de vom Kö­nig er­nannt. Als höchs­ter Geist­li­cher üb­te er die geist­li­che Lei­tung aus und war das Ge­gen­über des syn­odal ge­wähl­ten Prä­ses der Pro­vin­zi­al­syn­ode.

Als Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent weih­te er auch Kir­chen ein, so zum Bei­spiel die Chris­tus­kir­che in Bop­pard oder die Chris­tus­kir­che in Mön­chen­glad­bach. 1853 er­hielt Schmidtborn die theo­lo­gi­sche Eh­ren­dok­tor­wür­de der Uni­ver­si­tät Bonn, 1858 wur­de ihm der preu­ßi­sche Ro­te Ad­ler­or­den zwei­ter Klas­se ver­lie­hen. Schmidtborn blieb Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent bis zu sei­nem Tod am 8.2.1860 in Ko­blenz als Fol­ge ei­nes Herz­schla­ges. Nach sei­nem Tod wur­de ei­ne Stif­tung mit sei­nem Na­men ein­ge­rich­tet, aus de­ren Zin­sen evan­ge­li­sche Theo­lo­gen ein Stu­di­ens­ti­pen­di­um er­hiel­ten. In ei­nem Nach­ruf wird Schmidtborn als tief from­mer Mann ge­schil­dert, der fest auf dem lu­the­ri­schen Be­kennt­nis stand, die Re­for­mier­ten ach­te­te und die Uni­on för­der­te

Literatur

Renk­hoff, Ot­to, Nas­saui­sche Bio­gra­phie. Kurz­bio­gra­phi­en aus 13 Jahr­hun­der­ten, 2. Auf­la­ge, Wies­ba­den 1992, S. 710.
Ru­dolph, Frank, 200 Jah­re evan­ge­li­sches Le­ben. Wetz­lars Kir­chen­ge­schich­te im 19. und 20. Jahr­hun­dert, Mar­burg 2009.
Ru­dolph, Frank, 200 Jah­re Kin­der­gar­ten. Wetz­lars evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­den und ih­re Kin­der­gar­ten­ar­beit 1803-2003, Mar­burg 2008.
Zur Er­in­ne­rung an den Ge­ne­ral-Su­per­in­ten­den­ten Dr. Schmidtborn, ge­stor­ben zu Co­blenz den 8. Fe­bru­ar 1860, Ko­blenz 1860.

Georg August Ludwig Schmidtborn, Porträt, Gemälde. (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland)

 
Zitationshinweis

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Rudolph, Frank, Georg August Ludwig Schmidtborn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-august-ludwig-schmidtborn/DE-2086/lido/57c9480321d388.01960962 (26.04.2018)