Georg Kreuzberg

Gründer des Heilbades Bad Neuenahr (1796-1873)

Jürgen Haffke (Bonn)

Georg Kreuzberg, Porträtfoto, um 1870.

Der Ahr­wei­ler Kauf­mann und Wein­händ­ler Ge­org Kreuz­berg hat Mit­te des 19. Jahr­hun­derts mit der wirt­schaft­li­chen Aus­schöp­fung des von ihm ent­deck­ten Apol­li­na­ris Brun­nens, der Er­boh­rung der Heil­quel­len und dem Auf­bau ei­nes Kur­be­triebs Bad Neue­nahr „ge­grün­de­t“ und da­mit ei­ner struk­tur­schwa­chen Re­gi­on Ar­beit in In­dus­trie und Dienst­leis­tungs­ge­wer­be er­öff­net. Mit „Apol­li­na­ris“ schuf er ei­ne Welt­mar­ke, die bis heu­te ge­fragt ist.

Die bis­he­ri­ge Li­te­ra­tur über die Le­bens­ver­hält­nis­se der Vor­fah­ren von Jo­hann Ge­org Kreuz­berg, die Fa­mi­lie Se­lig­mann, ist von zahl­rei­chen, nicht be­leg­ten Be­haup­tun­gen ge­prägt. Hin­wei­se auf die­se Fa­mi­lie jü­di­schen Glau­bens fin­den sich in Ahr­wei­ler Ar­chi­va­li­en zu­nächst im Zu­sam­men­hang mit Vieh­han­del (so 1746, 1769 und 1771). Aus dem Tauf­buch der Pfar­re St. Lau­ren­ti­us in Ahr­wei­ler geht her­vor, dass die Fa­mi­lie 1763 zum Ka­tho­li­zis­mus kon­ver­tier­te. 1775 wohn­te die Wit­we Sa­rah Se­lig­mann (um 1707-1793), die den Na­men An­na Ma­ria Con­stan­ti­na Kreuz­berg an­nahm, in ei­nem Hin­ter­haus an der Ahr­wei­ler Ahr­hut­stra­ße, wie das Par­zel­len­ver­zeich­nis zur Stadt­kar­te von Gal­li­bert zeigt. Im Tauf­buch ist auch ver­zeich­net. dass ihr Sohn Sam­son (17.8.1755 Ahr­wei­ler – 30.10.1832 Ahr­wei­ler) jetzt Pe­trus Jo­se­phus Fran­zis­cus Kreuz­berg hieß. 1783 hei­ra­te­te er Mar­ga­re­tha Künd­gen (1757–1832). Das Paar be­kam zwi­schen 1784 und 1801 neun Kin­der, dar­un­ter als sieb­tes Kind am 2.8.1796 Jo­hann Ge­org, Ruf­na­me Ge­org.

Die El­tern Kreuz­berg wohn­ten bis 1794 in der „Ahr­gas­se“ zur Mie­te und pach­te­ten dann am Markt­platz 23 ein Kräu­te­rei-, Krä­me­rei- und Lei­nen­tuch­ge­schäft. In die­sem Haus wur­de Sohn Ge­org ge­bo­ren. Seit den 1780er Jah­ren, al­so vor der Sä­ku­la­ri­sie­rung, zahl­te die Fa­mi­lie Steu­ern auf Grund­be­sitz. Pe­ter Jo­sef Kreuz­berg wird nir­gends als un­mit­tel­ba­rer Er­wer­ber von sä­ku­la­ri­sier­tem Kir­chen­gut auf­ge­führt. Je­den­falls war er laut Ur­ka­tas­ter von 1829 Be­sit­zer von fünf Häu­sern in Ahr­wei­ler, fir­mier­te als Wein­händ­ler und stand dem Kir­chen­vor­stand der Pfar­re St. Lau­ren­ti­us vor. Die Fa­mi­lie Kreuz­berg war durch Hei­rats­ver­bin­dun­gen viel­fäl­tig mit dem Ahr­wei­ler Bür­ger­tum ver­sippt. Ge­org dürf­te al­so in ei­nem El­tern­haus her­an­ge­wach­sen sein, das die ur­sprüng­lich recht be­schei­de­nen Ver­hält­nis­se be­reits ein Stück weit hin­ter sich ge­las­sen hat­te.

Am 24.5.1823 hei­ra­te­te Ge­org Kreuz­berg die mit ihm ent­fernt ver­wand­te Ma­ria Eli­sa­beth Kreuz­berg (1801–1863); aus der Ehe gin­gen fünf Kin­der her­vor. Kurz nach der Hei­rat mach­te er sich mit ei­ner „Krä­me­rey“ selb­stän­dig, 1831 be­zeich­ne­te er sich selbst als „Ei­sen- und Bord­händ­ler“. 1829-1833 war er Schüt­zen­kö­nig der Ahr­wei­ler Schüt­zen­ge­sell­schaft; da­bei dürf­te er den preu­ßi­schen Kron­prin­zen Fried­rich Wil­helm ken­nen ge­lernt ha­ben, denn die­ser tra­di­ti­ons­rei­chen Ver­ei­ni­gung trat 1833 der Kron­prinz bei, als er von dem fei­er­li­chen Durch­stich des Al­te­n­ah­rer Stra­ßen­tun­nels kam und zum Mit­tag­es­sen in Ahr­wei­ler weil­te. Noch als Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. (Re­gent­schaft 1840-1858) pfleg­te er Kon­takt zu die­ser Ge­sell­schaft.

Ge­org Kreuz­berg be­saß in den 1830er Jah­ren in Ahr­wei­ler vier Häu­ser und ei­ne Viel­zahl klei­ner Wein­berg­spar­zel­len, ei­ni­ge da­von im be­nach­bar­ten Wa­den­heim (heu­te Bad Neue­nahr). 1839 wird er im Ahr­tal­füh­rer von Ernst Wey­den als ei­ner der „vor­züg­lichs­ten Wein­händ­ler Ahr­wei­ler`s“ er­wähnt. Kreuz­berg ge­hör­te 1844 ei­ner vom Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz ein­be­ru­fe­nen Kom­mis­si­on an, die sich mit dem Pro­blem der „Wein­fa­bri­ca­ti­on“, das hei­ßt dem Zu­satz von Zu­cker und an­de­ren Stof­fen, aus­ein­an­der­set­zen muss­te. Der Kauf­mann, Wein­händ­ler und Wein­berg­be­sit­zer Ge­org Kreuz­berg war wohl schon rund 20 Jah­ren ei­ne be­kann­te und ver­gleichs­wei­se wohl­ha­ben­de Per­sön­lich­keit, als er mit 55 Jah­ren ein für ihn völ­lig neu­es Ge­schäfts­feld er­öff­ne­te: die Er­schlie­ßung und Nut­zung von Mi­ne­ral- und Ther­mal­was­ser.

Das Un­te­re Ahr­tal ist reich an koh­len­sau­ren Quel­len, die, ab­ge­se­hen vom Hep­pin­ger Brun­nen am Fuß der Lands­kro­ne, sei­ner­zeit nicht wirt­schaft­lich er­schlos­sen wa­ren. In ähn­li­cher Si­tua­ti­on wie dort gab es am Hang­fuß des Kes­sel­bergs am Ran­de der Wa­den­hei­mer Ge­mar­kung zu Hep­pin­gen An­zei­chen für ein Quell­vor­kom­men. Ge­org Kreuz­berg er­warb dort 1837 zwei ent­spre­chen­de Par­zel­len. Bei der grö­ße­ren, mit ei­nem Stein­bruch ver­se­he­nen Par­zel­le deu­te­te ei­ni­ges auf ei­ne Was­ser­ader hin, bei der klei­ne­ren stell­te er 1851 ei­nen Aus­tritt von Koh­len­säu­re fest. Ge­nau zwi­schen die­sen Par­zel­len er­bohr­te er 1852 die neue Quel­le. Sei­ne Leis­tung liegt da­her mehr in der Ent­schlos­sen­heit, die­se zur Grund­la­ge ei­nes Ver­sand­brun­nens zu ma­chen, als in der „Ent­de­ckun­g“ an sich. Kreuz­berg ver­füg­te über aus­rei­chen­des Ka­pi­tal für wei­te­re Grund­stücks­käu­fe, für die Fas­sung der Quel­le und die Er­rich­tung von Ab­füll­an­la­gen, so dass er 1853 mit dem Ver­sand be­gin­nen konn­te. We­gen der Nach­bar­schaft zu ei­nem in un­mit­tel­ba­rer Nä­he ste­hen­den Bild­stock des Hei­li­gen Apol­li­na­ris am hier vor­bei­füh­ren­den Pil­ger­weg zur Wall­fahrts­kir­che auf dem Apol­li­na­ris­berg (seit 1857 die heu­ti­ge Apol­li­na­ris­kir­che) ober­halb von Re­ma­gen wähl­te er den Na­men „Apol­li­na­ris Brun­nen“. Ei­nes sei­ner Häu­ser „in der Ahr­gas­sen“  in Ahr­wei­ler wur­de die ers­te Ver­triebs­stel­le. Der Apol­li­na­ris Brun­nen stand ab 1863 ei­ni­ge Jah­re lang auch Be­su­chern für kal­te Mi­ne­ral­bä­der of­fen. Nach der Aus­schal­tung der Brun­nen-Kon­kur­ren­ten in Sin­zig 1861 und Hep­pin­gen 1873/1885 so­wie nach be­reits 1864 voll­zo­ge­nen tech­ni­schen In­no­va­tio­nen durch Ab­fül­lung mit quell­ei­ge­ner Koh­len­säu­re er­freu­te sich das Was­ser wach­sen­der Be­liebt­heit im Deut­schen Bund be­zie­hungs­wei­se ab 1871 im Deut­schen Reich, aber auch in Eng­land und selbst in tro­pi­schen Ko­lo­ni­al­ge­bie­ten, ge­adelt ab 1874 als „The Queen of Ta­ble Wa­ter­s“, als das es bis heu­te ei­ne Welt­mar­ke ist.

Das Ahr­tal er­leb­te da­mit den Auf­stieg sei­nes ers­ten In­dus­trie­be­triebs. Nach dem To­de Kreuz­bergs (1873) wan­del­ten sei­ne Er­ben den Be­trieb 1876 in die „Ac­ti­en­ge­sell­schaft Apol­li­na­ris­brun­nen, vor­mals Ge­org Kreuz­ber­g“ um, die 1892 in eng­li­schen Be­sitz ging und sich nach meh­re­ren Ei­gen­tü­mer­wech­seln seit 2006 in den Hän­den von „The Co­ca-Co­la Com­pany“ be­fin­det.

Gleich­zei­tig zum Aus­bau des Apol­li­na­ris Brun­nens in­ves­tier­te Ge­org Kreuz­berg in ein wei­te­res Was­ser­pro­jekt. Im Ver­trau­en auf die herr­schen­de Kon­junk­tur von Kur­auf­ent­hal­ten setz­te er ab 1852 auf die Er­schlie­ßung seit lan­gem be­kann­ter war­mer Mi­ne­ral­quel­len für die Grün­dung ei­nes Kur­be­triebs rechts der noch un­be­gra­dig­ten Ahr. Sei­ne Be­zie­hun­gen zu ver­mö­gen­den Per­sön­lich­kei­ten im Rhein­land, sei­ne Vor­sicht hin­sicht­lich des Um­fan­ges der In­ves­ti­tio­nen und sein Durch­set­zungs­ver­mö­gen kenn­zeich­nen Ge­org Kreuz­berg als gro­ßen Un­ter­neh­mer. Im Un­ter­schied zu kon­kur­rie­ren­den Pro­jek­ten an­de­ren­orts (bei­spiels­wei­se Sin­zig, Tö­nis­stein, Go­des­berg) be­saß er den nö­ti­gen Sach­ver­stand für die Be­schaf­fung von Fremd­ka­pi­tal zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Vor­ha­bens, das sei­ne ei­ge­nen Mög­lich­kei­ten über­stieg. Die 1857 ge­grün­de­te Kom­man­dit­ge­sell­schaft wur­de 1860 zur „Ak­ti­en­ge­sell­schaft Bad Neue­nahr“. Am 28.7.1858 weih­te Prin­zes­sin Au­gus­ta von Preu­ßen (1811-1890), Ge­mah­lin des nach­ma­li­gen Kö­nigs und Kai­sers Wil­helm I. (Re­gent­schaft ab 1858/1861, als deut­scher Kai­ser 1871-1888), die Quel­len ein und ver­lieh dem jun­gen „Heil­bad Neue­nahr bei Beul im Ahrtha­le“ höchs­te Re­pu­ta­ti­on. Aus den Dör­fern Wa­den­heim, Beul und Hem­mes­sen wur­de erst 1875 die Ge­mein­de Neue­nahr ge­bil­det, der 1927 der Ti­tel „Ba­d“ ver­lie­hen und die 1951 zur Stadt er­ho­ben wur­de.

Am En­de sei­ner Amts­zeit als Neue­nahrs ers­ter Kur­di­rek­tor (30.6.1863) konn­te Ge­org Kreuz­berg ei­ne stol­ze Bi­lanz auf­wei­sen: Ein flo­rie­ren­der „Apol­li­na­ris Brun­nen“, den er auch wei­ter­hin lei­te­te, ein wach­sen­der Kur­bade­be­trieb mit er­gie­bi­gen Quel­len, zwei Ba­de­häu­ser, ein Gast­hof und gro­ßes Park­ge­län­de, so­wie ei­ne Viel­zahl pri­va­ter In­ves­ti­tio­nen ins Un­ter­kunfts­ge­wer­be (14 Ho­tels und sie­ben Pri­vat­pen­sio­nen mit über 600 Gäs­te­bet­ten). In An­er­ken­nung sei­ner Ver­diens­te er­hielt Ge­org Kreuz­berg 1868 von Kö­nig Wil­helm I. den Kro­nen­or­den vier­ter Klas­se ver­lie­hen.

Ge­org Kreuz­berg starb am 24.12.1873 im Al­ter von 77 Jah­ren in Ahr­wei­ler. Sei­ne Grab­stät­te wird heu­te vom „Apol­li­na­ris Brun­nen“ ge­pflegt. Ei­ne Ge­denk­ta­fel am Ge­burts­haus in Ahr­wei­ler (seit 1958), ei­ne Denk­mal­an­la­ge am Apol­li­na­ris Brun­nen (seit 1875), ei­ne Büs­te im Kur­park Bad Neue­nahr (seit 1883), ein Stra­ßen­na­me in Bad Neue­nahr (seit 1902) und im Grun­de ge­nom­men ganz Bad Neue­nahr er­in­nern an den Kauf­mann, Wein­händ­ler und gro­ßen „Was­ser-Un­ter­neh­mer“ Ge­org Kreuz­berg.

Literatur

Frick, Hans, Die Quel­len­wei­he vor 100 Jah­ren und die elf­jäh­ri­ge Grün­dungs­ge­schich­te des Ba­des Neue­nahr, Bad Neue­nahr 1958.

Kreuz­berg, Joa­chim, Die Nach­kom­men der Ahr­wei­ler Fa­mi­li­en Kreuz­berg–Kreutz­berg, 1993.

Haff­ke, Jür­gen/Rit­ter, Hans-Jür­gen, Ge­org Kreuz­berg (1796-1873). Le­gen­den und Tat­sa­chen, er­scheint in: Hei­mat­jahr­buch Kreis Ahr­wei­ler 70 (2013).

 
Zitationshinweis

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Haffke, Jürgen, Georg Kreuzberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-kreuzberg/DE-2086/lido/57c93a280b6638.54221596 (23.06.2018)