Georg Otto Eduard Saal

Maler (1817-1870)

Gabriele Häussermann (Freiburg i. B.)

Georg Otto Eduard Saal, Porträt, Ölgemälde von Richert Lauchert (1823-1858), 1853. (Privatbesitz)

Ge­org Saal war zu sei­nen Leb­zei­ten ein er­folg­rei­cher Land­schafts- und Gen­re­ma­ler. Er war ein Schü­ler des be­rühm­ten Land­schafts­ma­ler­s Jo­hann Wil­helm Schir­mer un­d da­mit ein ty­pi­scher Ver­tre­ter der Düs­sel­dor­fer Ma­ler­schu­le. An­er­ken­nung und Wohl­stand er­lang­te Saal vor al­lem durch­ ­s­ei­ne stim­mungs­vol­len Nor­we­gen­land­schaf­ten. Sei­ne Ge­mäl­de der 1840er und 1850er Jah­re zeich­nen sich durch die für Schir­mer so cha­rak­te­ris­ti­sche Span­nung zwi­schen rea­lis­ti­scher Mal­wei­se und ro­man­ti­scher Land­schafts­auf­fas­sung aus. Im letz­ten Dez­en­ni­um sei­nes Schaf­fens wand­te sich Saal dem Na­tu­ra­lis­mus zu. 

Ge­org Ot­to Edu­ard Saal wur­de am 17.3.1817 als zweit­äl­tes­tes von sechs Kin­dern in Ko­blenz ge­bo­ren. Sein Va­ter Ot­to Phil­ipp Saal (1784-1836) be­klei­de­te dort das Amt ei­nes Stadt­die­ners, sei­ne Mut­ter Ka­tha­ri­na (1788-1846), ge­bo­re­ne Sau­er­born, ar­bei­te­te zu­min­dest seit dem Tod ih­res Man­nes als Klei­der­ma­che­rin. Trotz be­schei­de­ner wirt­schaft­li­cher Ver­hält­nis­se be­such­te Saal das Kö­nig­li­che Gym­na­si­um in Ko­blenz. Hier soll er von sei­nem Zei­chen­leh­rer Kon­rad Zick (1773-1836), Spross der be­rühm­ten Ko­blen­zer Ma­l­er­fa­mi­lie Zick und selbst ein be­kann­ter Por­trait- und Land­schafts­ma­ler, sei­nen ers­ten Zei­chen­un­ter­richt er­hal­ten ha­ben. Im Jah­re 1833, ge­ra­de 16-jäh­rig, ver­brach­te Saal ei­ne län­ge­re Zeit bei den Frei­mau­rern in Aa­chen un­d Köln. Kaum ein Jahr spä­ter, am 7.11.1834, brach er sei­ne Schul­aus­bil­dung ab. 

1836 und 1837 stand er in Ko­blenz im Mi­li­tär­dienst bei den Pio­nie­ren. Sei­ne Kom­pa­nie war un­ter dem Kom­man­do Haupt­mann Adam Gott­fried Nau­manns (ge­bo­ren 1792) zum Wie­der­auf­bau der Burg­rui­ne Stol­zen­fels un­weit von Ko­blenz ab­ge­stellt. Nach 1837 ar­bei­te­te Saal in sei­ner Ge­burts­stadt zu­nächst als Ar­chi­tekt. Zeit­gleich be­gann er Land­schafts­stu­di­en und Ge­mäl­de an­zu­fer­ti­gen, mit de­nen er auf re­gio­na­len Aus­stel­lun­gen ers­te Er­fol­ge fei­er­te.

Im Ok­to­ber 1842 schrieb sich Saal an der kö­nig­lich-preu­ßi­schen Kunst­aka­de­mie in Düs­sel­dorf ein. Sie zähl­te da­mals zu den re­nom­mier­tes­ten künst­le­ri­schen Aus­bil­dungs­stät­ten Eu­ro­pas. Saal be­such­te in sei­nem ers­ten Schul­jahr (1842/1843) ne­ben der Land­schaf­ter­klas­se ­Wil­helm Schir­mers  auch die ­Ar­chi­tek­tur­klas­se Ru­dolf Wieg­manns (1804-1865). Be­reits in sei­nem zwei­ten Schul­jahr (1843/1844) kon­zen­trier­te er sich je­doch aus­schlie­ß­lich auf sei­ne Aus­bil­dung bei Wil­helm Schir­mer. Von ihm er­hielt Saal die ent­schei­den­den Im­pul­se für sein künf­ti­ges Schaf­fen. Jo­hann Wil­helm Schir­mer hat­te ge­mein­sam mit sei­nem Freund und Ma­ler­kol­le­gen Carl Fried­rich Les­sing (1808-1880) die Land­schafts­ma­le­rei in Düs­sel­dorf zur Blü­te ge­bracht. Er pro­pa­gier­te ei­ne neue, bahn­bre­chen­de Ein­stel­lung zur Na­tur nach dem Mot­to, „daß man al­les in Got­tes schö­ner Na­tur dar­stel­len dür­fe, wenn man es nur recht treu und ge­nau aus­füh­re." Die­se Auf­fas­sung setz­te er al­ler­dings nur in sei­nen Stu­di­en, nicht aber in sei­nen Ge­mäl­den um. An­ge­regt durch Schir­mers Cre­do er­forsch­te Saal auf zahl­rei­chen Ex­kur­sio­nen (Ei­fel, Lahn, Schwarz­wald) die Na­tur und hielt sie in un­zäh­li­gen Frei­licht­stu­di­en fest. Im Früh­som­mer 1847 be­glei­te­te er sei­ne Ma­ler­kol­le­gen Au­gust Be­cker (1821-1887), Au­gust Leu (1819-1897) und An­dre­as Whelp­dale für ei­ni­ge Mo­na­te nach Nor­we­gen. Die wil­de, un­be­rühr­te Na­tur die­ses Lan­des be­stimm­te von nun an über vie­le Jah­re die Mo­tiv­welt sei­ner Bil­der. Wei­te­re Rei­sen Saals in den ho­hen Nor­den folg­ten 1850 und 1854. Zu­rück in Düs­sel­dorf be­such­te er seit Sep­tem­ber 1847 die Meis­ter­klas­se Wil­helm von Scha­dows, der seit 1826 die dor­ti­ge Kunst­aka­de­mie lei­te­te. Un­ge­ach­tet der Re­vo­lu­ti­onsun­ru­hen 1848 und sei­ner Mit­glied­schaft im Of­fi­zier­s­corps der Düs­sel­dor­fer Bür­ger­wehr un­ter­nahm Saal im Sep­tem­ber des Jah­res ei­ne mehr­tä­gi­ge Stu­di­en­rei­se nach Mün­chen und Neu Ulm. Nur we­nig spä­ter kehr­te er Düs­sel­dorf den Rü­cken und sie­del­te nach Hei­del­berg über. Hier soll er un­ter an­de­rem als His­to­ri­en­ma­ler tä­tig ge­we­sen sein.   

Um 1849/1851 lern­te er in der Ne­ckar­stadt sei­ne spä­te­re Frau Su­san­ne Lang ken­nen, die er am 16.10.1852 hei­ra­te­te. En­de 1852, An­fang 1853 zog das Ehe­paar nach Ba­den-Ba­den und grün­de­te ei­ne Fa­mi­lie. Aus der Ehe gin­gen vier Kin­der her­vor. Saal mie­te­te ein Ate­lier und fei­er­te als frei­schaf­fen­der Ma­ler Tri­um­phe. Sein Re­nom­mee grün­de­te sich vor al­lem auf sei­ne nor­we­gi­schen Land­schaf­ten, die we­gen ih­res wild­ro­man­ti­schen Stim­mungs­ge­hal­tes von Pu­bli­kum und Kri­tik hoch ge­schätzt wur­den. Zu lu­kra­ti­ven Bild­ver­käu­fen und ei­ner Viel­zahl hoch ge­lob­ter Aus­stel­lungs­be­tei­li­gun­gen im In- und Aus­land ge­sell­ten sich zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen. Im Sep­tem­ber 1852 et­wa wur­de er zum frei­en Eh­ren­mit­glied der Kai­ser­li­chen Aka­de­mie der Küns­te von St. Pe­ters­burg er­nannt. Nur ein Jahr spä­ter, am 22.9.1853, ver­lieh ihm Prinz­re­gent Fried­rich I von Ba­den (1826-1907) den Eh­ren­ti­tel „gro­ßher­zog­li­cher Hof­ma­ler".

Seit Mit­te der 1850er Jah­re eta­blier­te sich Saal auch in der fran­zö­si­schen Kunst­sze­ne. Ei­nen ers­ten gro­ßen Er­folg er­rang er 1855, als ei­nes sei­ner Ge­mäl­de zum be­deu­tends­ten Kunst­er­eig­nis Frank­reichs, dem Pa­ri­ser Sa­lon, zu­ge­las­sen und mit ei­ner „lo­ben­den Er­wäh­nung" be­dacht wur­de. Wei­te­re Sa­lon­teil­nah­men folg­ten in den Jah­ren 1859, 1863, 1864, 1866 und 1868. 1857 mie­te­te Saal ei­ne Ate­lier­woh­nung in Pa­ris, die im Lau­fe der Jah­re für sei­ne Fa­mi­lie und ihn zur zwei­ten Hei­mat wur­de. Im Sep­tem­ber 1858 be­such­te er für meh­re­re Wo­chen Bar­bi­zon. Das klei­ne, et­wa 60 Ki­lo­me­ter süd­öst­lich von Pa­ris ge­le­ge­ne Dorf am Wald­rand von Fon­tai­ne­bleau war seit den 1830er Jah­ren Treff­punkt zahl­rei­cher avant­gar­dis­ti­scher Ma­ler und wur­de zur Wie­ge der na­tu­ra­lis­ti­schen Frei­licht­ma­le­rei.

Saal, der in sei­nem Her­zen und dank Schir­mers Un­ter­richt in sei­nen Stu­di­en längst Na­tu­ra­list war, schloss sich in Bar­bi­zon der neu­en Kunst­be­we­gung be­geis­tert an. Dies ver­ra­ten fol­gen­de Zei­len vom No­vem­ber 1858: „... der Auf­ent­halt in dem Wal­de von Fon­tai­ne­bleau hat mir durch die fleis­si­gen Stu­di­en, die ich dort mach­te, die Au­gen sehr ge­öff­net. Ich ha­be erst seit Bar­bi­zon recht se­hen ge­lernt ...." Bar­bi­zon be­deu­te­te den Bruch mit den Prin­zi­pi­en der Düs­sel­dor­fer Ma­ler­schu­le. Le­dig­lich an der dort ge­pfleg­ten fein­tei­li­gen Mal­wei­se hielt Saal in vie­len sei­ner Ge­mäl­de wei­ter­hin fest. Mo­ti­visch trat nun die wil­de Na­tur Nor­we­gens zu­guns­ten lieb­li­che­rer Land­schaf­ten in den Hin­ter­grund. Zu­gleich wand­te sich Saal auch der Gen­re- und Por­trait­ma­le­rei zu.

Die wohl grö­ß­te künst­le­ri­sche Wert­schät­zung in Frank­reich er­fuhr Saal im Jah­re 1863. An­fang Ju­li kauf­te der fran­zö­si­sche Kai­ser Na­po­lé­on III. (1808-1873) das Ge­mäl­de 'La Ma­re Ap­pia' (Lou­vre, Pa­ris) für stol­ze 6.000 Francs für sei­ne Pri­vat­samm­lung. Die­ser Aus­zeich­nung folg­te 1866 ei­ne Gold­me­dail­le im Pa­ri­ser Sa­lon. 

In den letz­ten zwölf Jah­ren sei­nes Le­bens un­ter­nahm Saal wei­ter­hin vie­le Rei­sen. Ne­ben Stu­di­en­auf­ent­hal­ten in der Schweiz, Sa­vo­yen und in Eng­land ver­brach­te er viel Zeit im Schwarz­wald. Im Früh­som­mer 1869 er­litt er in Ba­den-Ba­den ei­nen schwe­ren Schlag­an­fall. Doch be­reits En­de Sep­tem­ber 1869 konn­te er wie­der nach Pa­ris rei­sen. Schlag­ar­tig be­en­det wur­de die­ser Auf­ent­halt durch den Aus­bruch des deutsch-fran­zö­si­schen Krie­ges am 19.7.1870. Als im Sep­tem­ber 1870 die Kriegs­wir­ren Pa­ris er­reich­ten, muss­te Saal die Stadt über­stürzt ver­las­sen. Er kehr­te nach Ba­den-Ba­den zu­rück. Hier starb er am 3.10.1870 an den Fol­gen ei­nes zwei­ten Schlag­an­falls. Zwei Ta­ge spä­ter wur­de er auf dem dor­ti­gen Stadt­fried­hof bei­ge­setzt. Erst nach Be­en­di­gung des deutsch-fran­zö­si­schen Krie­ges 1871 lös­te sei­ne Wit­we Su­san­ne Saal das Ate­lier ih­res Man­nes in Pa­ris auf. 

Literatur

Häus­ser­mann, Ga­brie­le, Le­ben und Werk des ba­di­schen Hof­ma­lers Ge­org Ot­to Edu­ard Saal (1817-1870), Dis­ser­ta­ti­ons­schrift, Frei­burg 2004.

Horsthem­ke, Ste­fan, Ge­org Edu­ard Ot­to Saal, in: Le­xi­kon der Düs­sel­dor­fer Ma­ler­schu­le. 1819-1918, Band 3, Mün­chen 1998, S. 168-170.

Pütt­ner, Eli­se, Ge­org Saal. Ein deut­scher Ma­ler in Pa­ris, in: Der Sa­lon für Li­te­ra­tur, Kunst und Ge­sell­schaft, Band 1, Leip­zig 1871, S. 1307-1311.

Staerk, Franz H., Drei Künst­ler­ge­ne­ra­tio­nen in Ba­den-Ba­den. Ge­org Saal, bad. Hof­ma­ler, 1817-1870/Vik­tor Pu­hon­ny, 1839-1909/Ivo Pu­hon­ny, geb. 19.7.1876, Frei­burg i. B. 1937, S. 114-126.

Georg Otto Eduard Saal, Porträt, Ölgemälde von Richert Lauchert (1823-1858), 1853. (Privatbesitz)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Häussermann, Gabriele, Georg Otto Eduard Saal, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-otto-eduard-saal/DE-2086/lido/57c941402e3b19.99908137 (19.10.2018)