George Desmarées

Hofmaler (1697-1776)

Wilfried Hansmann (Bonn)

George Desmarées, Selbstbildnis, Gemälde, 1729, Original im Schloss Augustusburg, Brühl, Foto: Wilfried Hansmann.

Ge­or­ge Des­ma­rées ge­hört zu den be­deu­tends­ten Por­trät­ma­lern des Ro­ko­ko in Süd­deutsch­land und im Rhein­land. Ge­schult am fran­zö­si­schen Por­träts­til ei­nes Hya­c­in­the Ri­gaud (1659-1743) und ei­nes Ni­co­las de Lar­gil­liè­re (1656-1746), de­nen er sich in sei­nen rei­fen Jah­ren als eben­bür­tig er­wies, ent­wi­ckel­te Des­ma­rées für sei­ne Bild­nis­ma­le­rei ei­ne un­ver­kenn­ba­re ei­ge­ne Hand­schrift. Die meis­ten Jah­re sei­nes Le­bens war er für den kur­baye­ri­schen Hof in Mün­chen, den dor­ti­gen Adel und auch für wohl­ha­ben­de Bür­ger tä­tig. 1745-1749 und noch­mals 1753/1754 stand er in Bonn und Brühl mit sei­ner Werk­statt im Dienst des Köl­ner Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust von Bay­ern. Noch 1759 führt der Kur­k­öl­ni­sche Hof­ka­len­der Des­ma­rées un­ter den Hof­ma­lern an ers­ter Stel­le und als ein­zi­gen mit dem Ti­tel Cons[eil­ler] Ho­nor[ai­re] auf. In der In­schrift auf dem Schab­kunst­blatt von Jo­hann Ja­kob Haid (1704-1767) un­ter dem Bild­nis Des­ma­rées' mit der Pa­let­te, das die­ser mit höchst vir­tuo­ser Hand selbst ge­malt ha­be, lau­tet sein Ti­tel: Re­ve­r­en­dis­si­mi Se­re­nis­si­mi Prin­ci­pis Cle­men­tis Au­gus­ti Elec­to­ris Co­lo­ni­en­sis etc: etc: etc: Con­si­li­a­ri­us et Re­spec­tive ejus­dem au­læ pic­tor.

Ge­bo­ren am 29.10.1697 im schwe­di­schen Gi­mo, ge­tauft am 4.11.1697 in Film/Ös­ter­by, ent­stamm­te Ge­or­ge Des­ma­rées ei­ner ein­ge­wan­der­ten Hu­ge­not­ten­fa­mi­lie. Der Va­ter Jean Des­ma­rées ver­wal­te­te die Ei­sen­wer­ke in Gi­mo und Ös­ter­by. Sei­ne Lehr- und Ge­sel­len­zeit ver­brach­te Ge­or­ge Des­ma­rées in Stock­holm bei dem Ma­ler Mar­tin van Mey­tens dem Äl­te­ren (1648-1738), ei­nem On­kel sei­ner Mut­ter. Von 1720 an sind ers­te Bild­nis­se schwe­di­scher Ade­li­ger und Pa­tri­zi­er be­kannt. Ei­ne Stu­di­en­rei­se 1724 führ­te über Ams­ter­dam nach Nürn­berg, wo Des­ma­rées die Zei­chen­aka­de­mie be­such­te und dem ös­ter­rei­chi­schen Por­trät­ma­ler Jo­hann Ku­pez­ky (1667-1740) be­geg­ne­te. Des­sen le­bens­vol­le Bild­nis­kunst fes­sel­te den jun­gen Des­ma­rées und be­ein­fluss­te sein Schaf­fen. 1725 kam er nach Ve­ne­dig und stu­dier­te un­ter an­de­rem die Por­träts der be­rühm­ten Pas­tell­ma­le­rin Ro­sal­ba Car­ri­e­ra (1675-1757) und die des Ja­co­po Ami­go­ni (1675-1752). Nach­hal­tig wirk­te auf Des­ma­rées die Far­big­keit der ve­ne­zia­ni­schen Ma­le­rei, die spä­tes­tens seit der Zeit in Bonn und Brühl sei­nen Mal­stil - ne­ben fran­zö­si­schen An­re­gun­gen - aus­neh­mend präg­te.

 

Aus dem Jahr 1729 be­sitzt Schloss Au­gus­tus­burg zu Brühl das Selbst­bild­nis des 32-jäh­ri­gen Des­ma­rées mit Pelz­müt­ze. 1730 wur­de er nach Mün­chen be­ru­fen. 1731 kon­ver­tier­te er zum Ka­tho­li­zis­mus. 1742 be­glei­te­te er wahr­schein­lich den baye­ri­schen Kur­fürs­ten Karl Al­brecht (Re­gie­rungs­zeit 1726-1745) zu des­sen Kai­ser­krö­nung durch sei­nen Bru­der Cle­mens Au­gust nach Frank­furt am Main, wo­bei es - si­cher nicht zum ers­ten Mal - zu ei­ner per­sön­li­chen Be­geg­nung mit dem Kur­fürs­ten von Köln ge­kom­men sein dürf­te. Nach­dem Des­ma­rées in­fol­ge des Ös­ter­rei­chi­schen Erb­fol­ge­kriegs 1745 in Mün­chen kei­ne Auf­trä­ge mehr er­hielt, bot sich ihm die Mög­lich­keit zu künst­le­ri­scher Ent­fal­tung am Ho­fe Cle­mens Au­gusts. Die Auf­trags­la­ge für Künst­ler war hier in den vier­zi­ger und fünf­zi­ger Jah­ren nach lang­jäh­ri­gem Still­stand der kur­fürst­li­chen Bau­un­ter­neh­mun­gen we­gen feh­len­der Fi­nan­zen wie­der güns­tig; bei den un­fer­ti­gen Schlös­sern in Brühl und Pop­pels­dorf (heu­te Stadt Bonn) konn­te die In­nen­aus­stat­tung wei­ter­ge­führt wer­den. 1753 be­gann der Bau des Jagd­schlos­ses Her­zogs­freu­de im Kot­ten­forst na­he Bonn. Für al­le die­se Bau­wer­ke und für die Bon­ner Re­si­denz wa­ren Pa­ra­de­ge­mäl­de zu schaf­fen. Kein zwei­tes Mal konn­te sich Des­ma­rées ei­ner sol­chen Fül­le an Auf­trä­gen er­freu­en wie am Ho­fe Cle­mens Au­gusts. Von der Mit­te der 1750er Jah­re an blieb Des­ma­rées mit kur­zen Un­ter­bre­chun­gen in Mün­chen. Die Zeit­ge­nos­sen schät­zen sei­ne Bild­nis­sen we­gen ih­rer gro­ßen Na­tur­treue. Des­ma­rées starb in Mün­chen am 3.10.1776 und wur­de auf dem Fried­hof der Sal­va­tor­kir­che be­gra­ben.

In Des­ma­rées' Münch­ner Werk­statt, wo ihm vie­le Ge­hil­fen und Schü­ler zur Hand gin­gen, ent­stan­den zahl­rei­che Bild­nis­wie­der­ho­lun­gen, „im­mer ge­die­gen, aber nicht durch­weg von ho­her Qua­li­tät. In den spä­te­ren Jah­ren ist ei­ne Nei­gung zum Stei­fen und Ste­reo­ty­pen nicht zu über­se­hen. Et­wa 30 Bild­nis­se er­rei­chen höchs­te Qua­li­tät“ (Koch). Nach ei­ge­nem Be­kun­den be­nö­tig­te Des­ma­rées für ein neu­es Por­trät nur ei­ne ein­zi­ge Mo­dell­sit­zung, bei der er die Por­trät­zü­ge fest­hielt; al­les üb­ri­ge füg­ten er oder sei­ne Mit­ar­bei­ter in der Werk­statt hin­zu. So er­klärt sich et­wa bei Bild­nis­sen des Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust die stets wie­der­keh­ren­de Ge­sichts­form mit dem Blick nach rechts (vom Be­trach­ter aus ge­se­hen), die al­ler­dings mit zu­neh­men­dem Al­ter des Dar­ge­stell­ten ent­spre­chend mo­di­fi­ziert wird. Der Um­fang von Des­ma­rées' Werk ist bis heu­te nicht ab­zu­schät­zen. Vie­les wur­de zer­stört, an­de­res be­fin­det sich un­zu­gäng­lich in Pri­vat­be­sitz. In den über­aus pro­duk­ti­ven Bon­ner Jah­ren - nach Hern­marck ent­stan­den an die 100 Bil­der für den Hof, da­zu un­ge­zähl­te als Gast­ge­schen­ke des Kur­fürs­ten - brach­te Des­ma­rées sei­ne na­he­zu im­pres­sio­nis­ti­sche Pin­sel­füh­rung ins­be­son­de­re bei der Wie­der­ga­be von Stof­fen zu vol­ler Ent­fal­tung. Er wähl­te kräf­ti­ge hel­le Far­ben, oft zu ge­wag­ten Farb­kon­tras­ten ver­ei­nigt. Die Art, wie Des­ma­rées die Val­eurs von Stoff­qua­li­tä­ten im Zu­sam­men­spiel mit dem Licht zu ge­stal­ten ver­moch­te, blieb von den Zeit­ge­nos­sen zu­meist un­er­reicht. Frap­pie­rend die Ge­nau­ig­keit, mit der De­tails wie Ge­schmei­de, Wür­de­zei­chen, Or­na­ment­sti­cke­rei­en und Spit­zen ge­malt sind.

Im Rhein­land be­wah­ren die Cle­mens-Au­gust-Schlös­ser Au­gus­tus­burg und Fal­ken­lust zu Brühl mit mehr als 20 Ge­mäl­den die grö­ß­te Zahl an Wer­ken von Des­ma­rées' Hand oder aus­ge­führt mit Be­tei­li­gung sei­ner Ge­hil­fen - manch­mal viel­leicht ganz von ih­nen in der Art des Meis­ters. Im Fol­gen­den sind le­dig­lich Bei­spie­le aus Schloss Au­gus­tus­burg ge­nannt, die wand­fest über­kom­men sind:

Ei­gen­hän­dig auf­grund der Si­gna­tur G.De­Ma­reés Pinxit a(nn)o 1746 ist das be­rühm­tes­te le­bens­gro­ße Ganz­fi­gu­ren­por­trät Cle­mens Au­gusts als Hoch­meis­ter des Deut­schen Or­dens im Ka­bi­nett des Som­mer­ap­par­te­ments. Zwei der sel­te­nen Bil­der Des­ma­rées' mit christ­li­chen The­men - „Die Hei­li­ge Fa­mi­lie“ und „Die Bü­ße­rin Ma­ria Mag­da­len­a“ (um 1746) -, im Schloss­in­ven­tar von 1761 als zwey kost­bah­re mah­le­rey...von Des­ma­res cha­rak­te­ri­siert, be­fin­den sich im Schlaf­zim­mer des Som­mer­ap­par­te­ments. Im Au­di­enz­saal des Grü­nen Ap­par­te­ments sind zwei Bild­nis­se von Prin­zes­sin­nen und als Ka­min­bild ein le­bens­gro­ßes Ganz­fi­gu­ren­por­trät des baye­ri­schen Kur­prin­zen Ma­xi­mi­li­an Jo­seph (1727), ei­nes Nef­fen Cle­mens Au­gusts, in der Tracht des St. Ge­orgs­or­dens bis heu­te Be­stand­tei­le der ur­sprüng­li­chen Wand­aus­stat­tung. Aus Schloss Pop­pels­dorf ka­men nach 1761 die Bild­nis­se Kai­ser Karls VII. (1742-1745) und sei­ner Ge­mah­lin Kai­se­rin Ma­ria Ama­lia (bei­des Wie­der­ho­lun­gen, 1742-1745) in den Au­di­enz­saal und ins Zwei­te Vor­zim­mer des Gro­ßen Neu­en Ap­par­te­ments. Aus dem vom nach­fol­gen­den Köl­ner Kur­fürs­ten Max Fried­rich von Kö­nigs­egg-Ro­then­fels un­ge­nutz­ten Jagd­schloss Her­zogs­freu­de wur­de nach 1761 ins Ka­bi­nett die­ser Raum­fol­ge das Ganz­fi­gu­ren­por­trät der baye­ri­schen Kur­fürs­tin Ma­ria An­na So­phie (1728-1797) im leuch­tend ro­ten Kos­tüm der Par­force­jagd (um 1755) über­tra­gen; es ge­hört ne­ben dem Hoch­meis­ter­bild des Cle­mens Au­gust im Som­mer­ap­par­te­ment zu den höchst qua­li­tät­vol­len Schöp­fun­gen Des­ma­rées' un­ter sei­nen Pa­ra­de­por­träts.

Zu sei­nen Haupt­wer­ken zählt fer­ner das Ganz­fi­gu­ren­por­trät des ge­al­ter­ten Cle­mens Au­gust als Kur­fürst und Erz­bi­schof im Bon­ner Rat­haus. Nach ei­ner Ak­ten­no­tiz, die sich of­fen­bar auf die­ses Ge­mäl­de be­zieht und auch die ho­he Wert­schät­zung für ein sol­ches Kunst­werk do­ku­men­tiert, ließ der Rat der Stadt 1754/1755 ein neu­es Por­trät des Kur­fürs­ten auf lei­nen an­fer­ti­gen. Al­lein der ver­gol­de­te Rah­men kos­te­te 180 Reichs­ta­ler (der heu­ti­ge ist nicht ur­sprüng­lich). Als das Ge­mäl­de im fei­er­li­chen Zu­ge zum Rat­haus ge­bracht wur­de, wur­den die Mu­si­kan­ten, die Mit­glie­der der Mat­thi­as-Bru­der­schaft, die Stadt­die­ner und an­de­re mehr mit Brot, Wein und Geld im Wer­te von 20 Reichs­ta­lern re­ga­liert. Um das Bild vor Be­schä­di­gun­gen zu schüt­zen, er­hielt es ei­nen Vor­hang aus Gar­di­nen zum Wer­te von 72 Reichs­ta­lern“ (Holz­hau­sen).

Literatur

Hans­mann, Wil­fried/Knopp,Gis­bert, Stadt Brühl, Ber­lin 1977.

Hern­marck, Carl, Ge­org Des­ma­rées. Stu­di­en über die Ro­ko­ko­ma­le­rei in Schwe­den und Deutsch­land, Upp­sa­la 1933.

Holz­hau­sen, Wal­ter, Kur­k­öl­ni­sche Hof­ma­ler des 18. Jahr­hun­derts, Köln 1957.

Koch, Lau­ren­ti­us, Des­ma­rées (De­ma­rées; [de] Ma­rée[s]; [des] Ma­rets), Ge­or­ges (Ge­org[e]), schwed.-dt. Ma­ler, in: All­ge­mei­nes Künst­ler­le­xi­kon. Band 26, 2000, S. 393-394.

Miersch, Mar­tin, Kur­fürst­li­che Selbst­dar­stel­lung und künst­le­ri­sche Pro­pa­gan­da - Por­träts des Köl­ner Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust, in: Zehn­der, Frank Gün­ter (Hg.), Das Ide­al der Schön­heit. Rhei­ni­sche Kunst in­ Ba­ro­ck un­d Ro­ko­ko, Köln 2000, S. 307-334.

George Desmarées, Schabkunstblatt von Johann Jacob Haid nach einem Selbstbildnis Desmarées, um 1750. (Privatbesitz Wilfried Hansmann)

 
Zitationshinweis

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Hansmann, Wilfried, George Desmarées, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/george-desmar%25C3%25A9es-/DE-2086/lido/57c692f3285a23.69007723 (16.07.2018)