Gerhard Mercator

Kosmograph (1512-1594)

Peter H. Meurer (Heinsberg)

Gerhard Mercator im Alter von 62 Jahren, Porträt, Kupferstich von Frans Hogenberg, 1574. (LVR-Zentrum für Medien und Bildung)

Der seit 1552 in Duis­burg an­säs­si­ge Ger­hard Mer­ca­tor galt be­reits in den Ge­lehr­ten­krei­sen sei­ner Zeit als der be­deu­tends­te le­ben­de Kar­to­graph. Das von ihm ent­wi­ckel­te Kon­zept „At­las" wur­de ty­pen­bil­dend für ei­ne gan­ze Schrif­ten­gat­tung. Welt­kar­ten in der von ihm ent­wor­fe­nen „Mer­ca­tor-Pro­jek­ti­on" wa­ren bis zum Auf­kom­men des GPS („Glo­bal Po­si­tio­n­ing Sys­tem") für die Na­vi­ga­ti­on in See- und Luft­fahrt un­ver­zicht­bar. Be­mer­kens­wert ist auch die rein pri­vat­wirt­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­form die­ser Wis­sen­schafts­ar­bei­ten.

 

Ger­hard Kre­mer, der sich seit Be­ginn sei­ner Stu­di­en nur noch mit dem la­ti­ni­sier­ten Hu­ma­nis­ten­na­men Ger­hard Mer­ca­tor nann­te, wur­de am 5.3.1512 als äl­tes­ter Sohn des aus Gan­gelt (heu­te Kreis Heins­berg) zu­ge­wan­der­ten Schuh­ma­chers Hu­bert Kre­mer und sei­ner Frau Eme­ren­tia im flan­dri­schen Ru­pel­mon­de (heu­te Teil der Ge­mein­de Krui­be­ke) ge­bo­ren. Mit Un­ter­stüt­zung sei­nes geist­li­chen Gro­ßon­kels Gis­bert Kre­mer (ge­stor­ben um 1544) be­sucht er zu­nächst die Schu­le der Brü­der vom Ge­mein­sa­men Le­ben in ‘s-Her­to­gen­bosch. 1530 be­gann er das Stu­di­um an der Ar­tis­ten­fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Lö­wen, das er 1532 mit dem Ma­gis­ter­ex­amen ab­schloss. Dort fand Mer­ca­tor Zu­gang zu ei­nem Kreis von Per­sön­lich­kei­ten, durch die Lö­wen in je­nen Jah­ren zum Zen­trum ei­nes neu­en Fort­schritts in den ex­ak­ten Wis­sen­schaf­ten um die Ver­mes­sung und bild­li­che Dar­stel­lung der Welt und ih­rer Tei­le wur­de. Hier­zu ge­hör­ten der Ma­the­ma­ti­ker und Ver­mes­sungs­theo­re­ti­ker Reg­nier Gem­ma Fri­si­us (Rei­ner Jem­me, 1508-1555), der Kup­fer­ste­cher und Gold­schmied Ga­s­pard van der Heyden (Ga­s­par a My­ri­ca, um 1496-nach 1549) und Ja­cob van Deven­ter (um 1500-1575), der spä­te­re „Va­ter der nie­der­län­di­schen Kar­to­gra­phie." Hier er­lern­te Mer­ca­tor al­le hand­werk­li­chen und wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen, die für sei­ne spä­te­re Kar­rie­re wich­tig wa­ren.

Gerhard Mercator, Porträt,  Kupferstich von Nicolas de Lamerssin, zwischen 1650 und 1755. (Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg)

 

1536 hei­ra­te­te Mer­ca­tor die Lö­we­ner Bür­gers­toch­ter Bar­ba­ra Schel­le­ken, die ein Jahr spä­ter das ers­te von ins­ge­samt sechs Kin­dern der Fa­mi­lie ge­bar. Zur Er­näh­rung der Fa­mi­lie war er als In­stru­men­ten­bau­er, Kup­fer­ste­cher, Land­ver­mes­ser und Kar­ten­ma­cher tä­tig. Im Druck er­schie­nen ein Glo­ben­paar (1536/1537, Au­tor Fri­si­us), Wand­kar­ten von Pa­läs­ti­na (1537) und Flan­dern (um 1540), ei­ne ers­te Welt­kar­te (1538), ei­ne Schrift über den Ge­brauch der ita­lie­ni­schen Kur­si­ve in der Re­pro­duk­ti­ons­gra­phik (1540) und ein ei­ge­ner Erd­glo­bus (1541; der zu­ge­hö­ri­ge Him­mels­glo­bus folg­te erst 1551). Die fol­gen­de Lü­cke im Werk ist mit wei­te­ren pri­va­ten Stu­di­en zu er­klä­ren. Über die rei­ne Ma­the­ma­tik hin­aus be­zog Mer­ca­tor Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie in die Kos­mo­gra­phie („Welt­be­schrei­bung") ein. In der kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Bi­bel und der Na­tur­phi­lo­so­phie des Aris­to­te­les (384-322 vor Chris­tus) und ih­ren Wi­der­sprü­chen zum tag­täg­lich Er­kenn­ba­ren in der Na­tur ist er ver­mut­lich mit dem Ge­dan­ken­gut der Re­for­ma­ti­on in Kon­takt ge­kom­men. Neue Sicht­wei­sen der Kos­mo­gra­phie dürf­ten der Grund da­für ge­we­sen sein, dass er 1544 trotz gu­ter Be­zie­hun­gen zum Brüs­se­ler Hof we­gen Hä­re­sie an­ge­klagt und sechs Mo­na­te in­haf­tiert wur­de.

Im März 1552 sie­del­te Mer­ca­tor nach Duis­burg über. Die ver­gleichs­wei­se li­be­ra­le At­mo­sphä­re in den Län­dern Her­zo­g Wil­helms V. mag hier­für ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben. Der Haupt­grund für sei­ne Ent­schei­dung je­doch dürf­ten Hoff­nun­gen auf ei­nen Lehr­stuhl an der kle­vi­schen Lan­des­uni­ver­si­tät ge­we­sen sein, de­ren Grün­dung in Duis­burg in je­nen Jah­ren ma­ß­geb­lich auf Be­trei­ben Wil­helms V. ge­plant wur­de. Ihr wich­tigs­ter geis­ti­ger För­de­rer war der Hu­ma­nist Ge­org Cas­san­der, Be­ra­ter des kle­vi­schen Ho­fes und Freund Mer­ca­tors seit ge­mein­sa­men Stu­di­en­jah­ren in Lö­wen. Die­se Uni­ver­si­täts­grün­dung kam je­doch aus bis heu­te nicht rest­los ge­klär­ten Grün­den nicht zu Stan­de.

Mer­ca­tor konn­te so­mit le­dig­lich ei­ni­ge Jah­re als Ma­the­ma­tik­leh­rer am aka­de­mi­schen Gym­na­si­um un­ter­rich­ten. An­ge­sichts die­ses Man­gels an ört­li­chen Res­sour­cen und Per­spek­ti­ven fand er als ers­ter frei­er Un­ter­neh­mer in der Kar­to­gra­phie­ge­schich­te ei­nen Weg der völ­li­gen Aut­ar­kie. Über 40 Jah­re hat er sei­ne Kar­ten selbst wis­sen­schaft­lich er­ar­bei­tet, dann selbst in Kup­fer ge­sto­chen, auf der ei­ge­nen Pres­se ge­druckt und im ei­ge­nen Ver­lag über ein ei­ge­nes Agen­ten­netz ver­trie­ben. Da­ne­ben bau­te er auch wei­ter as­tro­no­mi­sche und geo­dä­ti­sche Mess­in­stru­men­te und führ­te Ver­mes­sungs­auf­trä­ge für ver­schie­de­ne Auf­trag­ge­ber aus. Die­se brach­ten ihm um 1560 die Er­nen­nung zum her­zog­li­chen Kos­mo­gra­phen ein. Es war dies aber ein rein ti­tu­lä­res Hof­amt, mit dem kei­ne fes­ten Ein­künf­ten ver­bun­den wa­ren.

Mit der Über­sied­lung an den Nie­der­rhein be­gann die frucht­bars­te Zeit im Le­ben Mer­ca­tors. 1554 pu­bli­zier­te er ei­ne be­reits in Lö­wen be­gon­ne­ne Eu­ro­pa-Wand­kar­te (re­vi­dier­te Zweit­auf­la­ge 1572). 1565 folg­te ei­ne Wand­kar­te der Bri­ti­schen In­seln und 1569 schlie­ß­lich die be­rühm­te 18-blätt­ri­ge Wand­kar­te in der nach Mer­ca­tor be­nann­ten Pro­jek­ti­on. Ihr Merk­mal sind par­al­lel in glei­chen Ab­stän­den ver­lau­fen­de Län­gen­gra­de und eben­falls par­al­lel ver­lau­fen­de Brei­ten­gra­de, de­ren Ab­stän­de zu den (nicht dar­ge­stell­ten) Po­len hin wach­sen. Da­durch ent­ste­hen zwar in Be­zug auf die Flä­chen­treue er­heb­li­che Über­deh­nun­gen in hö­he­ren Brei­ten. Der gro­ße Vor­teil von Kar­ten in Mer­ca­tor-Pro­jek­ti­on aber ist, dass bei ihr Li­ni­en mit kon­stant glei­cher Rich­tung (Lo­xo­dro­me oder Kurs­glei­chen) als Ge­ra­den ab­ge­bil­det wer­den und die Län­gen­gra­de im­mer un­ter dem glei­chen Win­kel schnei­den. Dies er­spart bei der Na­vi­ga­ti­on mit Kar­te so­wie mit Kom­pass und Son­nen­stand stän­di­ge und kom­pli­zier­te Um­rech­nun­gen.

Ver­gleich­bar ei­nem Hand­werks­meis­ter hat Ger­hard Mer­ca­tor bei­zei­ten da­für ge­sorgt, dass sein Un­ter­neh­men ei­ne län­ger­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve hat­te und sei­ne drei Söh­ne ei­ne Aus­bil­dung im Me­tier er­hiel­ten. Der Prak­ti­ker Ar­nold Mer­ca­tor (1537-1587) führ­te nach ei­ner Leh­re bei sei­nem Va­ter zahl­rei­che Ver­mes­sungs­ar­bei­ten durch. Sei­ne Kar­tie­run­gen de­s Erz­stifts Trier (1559-1567), des Stadt­ge­biets von Köln (1568-1570) und in Hes­sen (ab 1583) ge­hö­ren zu den bes­ten Lan­des­auf­nah­men des 16. Jahr­hun­derts im deut­schen Raum. Et­wa ab 1580 wuchs er die Rol­le der Fir­men­lei­ters hin­ein. Der zum Ge­lehr­ten be­stimm­te Bar­tho­lo­mä­us Mer­ca­tor (1540-1568) gab ein Lehr­buch zum Kos­mo­gra­phie­un­ter­richt sei­nes Va­ters in Duis­burg („Bre­ves in spha­eram," 1563) her­aus. Zur glei­chen Zeit ar­bei­te­te er an ei­ner Mer­ca­tor­schen Ver­mes­sung Loth­rin­gens mit. Er starb plötz­lich kurz nach Be­ginn sei­nes 1567 auf­ge­nom­me­nen Stu­di­ums in Hei­del­berg. Der jüngs­te Sohn Ru­mold Mer­ca­tor (um 1545/1550-1599) trat 1567 in das Köl­ner Ver­lags- und Buch­han­dels­haus Birck­mann ein. Hier war er bis um 1585 in lei­ten­der Po­si­ti­on in Fi­lia­len in Ant­wer­pen und Lon­don tä­tig. Wei­te­re Lehr­lin­ge des Meis­ters Ger­hard Mer­ca­tor wa­ren der nie­der­rhei­ni­sche Kar­to­gra­ph Chris­ti­an Sgroo­ten und Jo­han­nes Cor­pu­ti­us (1542-1611), Au­tor des 1566 ge­druck­ten ers­ten Stadt­plans von Duis­burg.

Spä­tes­tens seit En­de der 1560er Jah­re ar­bei­te­te Ger­hard Mer­ca­tor kon­zen­triert an der Ver­wirk­li­chung sei­nes gro­ßen Le­bens­wer­kes, dem nach dem my­thi­schen mau­re­ta­ni­schen Kö­nig be­nann­ten Pro­jekt „At­las." Sein Ziel war ei­ne all­um­fas­sen­de Be­schrei­bung von Him­mel und Er­de un­ter Ein­be­zug von Theo­lo­gie und Ge­schich­te in fünf Tei­len oder Sek­tio­nen 

  1. Text über die Er­schaf­fung der Welt;

  2. Be­schrei­bung des Kos­mos und des ge­stirn­ten Him­mels;

  3. Be­schrei­bung der Län­der und Mee­re, mit ei­ner wei­te­ren Un­ter­glie­de­rung in:

a) mo­der­ne Geo­gra­phie;

b) Be­schrei­bung der an­ti­ken Welt nach der „Geo­gra­phia" des Clau­di­us Pto­le­ma­eus (2. Jh. n. Chr.);

c) Be­schrei­bung der an­ti­ken Welt auf der Grund­la­ge zeit­ge­nös­si­scher For­schung;

  1. Staa­ten- und Re­gen­ten­ge­schich­te;

  2. all­ge­mei­ne Chro­no­lo­gie 

Die Rea­li­sie­rung des gi­gan­ti­schen Ar­beits­vor­ha­ben ge­schah in Schrit­ten. 1569 er­schien die „Chro­no­lo­gia" (Sek­ti­on 5), ei­ne syn­op­ti­sche Welt­ge­schich­te in fünf par­al­le­len Zeit­rech­nun­gen. 1578 folg­te die Pto­le­ma­eus-Edi­ti­on (Sek­ti­on 3b) mit 28 Kar­ten.

Die Dar­stel­lung der Sek­ti­on 3a ent­warf Mer­ca­tor als Buch mit et­wa 120 Land­kar­ten. Ein sol­ches Kar­ten­werk war nicht das ers­te sei­ner Art. Bei al­len Vor­läu­fern han­del­te es sich aber um Samm­lun­gen von we­nig ver­än­der­ten Ko­pi­en frem­der Vor­la­gen. Das in­no­va­ti­ve Ele­ment des Pro­jek­tes von Mer­ca­tor be­steht im we­sent­lich hö­he­ren Grad von Ori­gi­na­li­tät, Ein­heit­lich­keit, Durch­ar­bei­tung und Sys­te­ma­tik. Je­de der ein­zel­nen Kar­ten ist völ­lig neu er­ar­bei­tet, je­weils un­ter Ver­wen­dung zahl­rei­cher un­ter­schied­li­cher Quel­len. Der Blatt­schnitt des Ge­samt­wer­kes ist von Mer­ca­tor selbst und weit­ge­hend un­ab­hän­gig von Vor­ga­ben be­stimmt. Für al­le Kar­ten ver­wand­te er ei­nen ein­heit­li­chen Zei­chen­schlüs­sel so­wie ei­ne. Al­le Kar­ten ha­ben Län­gen- und Brei­ten­ska­len nach ei­nem eben­so ein­heit­li­chen Ko­or­di­na­ten­sys­tem.

Die Ver­öf­fent­li­chung der „neu­en Geo­gra­phie" be­gann erst 1585 mit drei Teil­bän­den: „Gal­liae ta­bu­lae geo­gra­phi­cae (16 Kar­ten), „Bel­gii In­fe­rio­ris geo­gra­phi­cae ta­bu­lae (9 Kar­ten) und „Ger­ma­niae ta­bu­lae geo­gra­phi­cae (26 Kar­ten). 1589 folg­ten noch die „Ita­liae, Scla­vo­niae, et Gra­eciae ta­bu­lae geo­gra­phi­cae" (22 Kar­ten).

Oh­ne­hin be­reits durch Gicht und Au­gen­lei­den be­hin­dert, er­leb­te Ger­hard Mer­ca­tor in die­sen Jah­ren meh­re­re Schick­sals­schlä­ge. Es star­ben 1586 sei­ne Frau Bar­ba­ra und 1587 der äl­tes­te Sohn und Hoff­nungs­trä­ger Ar­nold. Seit ei­nem Schlag­an­fall 1590 muss­te er das Kar­ten­zeich­nen ein­stel­len. In Wei­ter­ar­beit an den Sek­tio­nen I und II des Ge­samt­plans ge­lang ihm noch der Ab­schluss ei­ner „Evan­ge­li­en­har­mo­nie" (1592) und als Es­senz der Text „Über die Er­schaf­fung und Be­schaf­fen­heit der Welt." Nach wei­te­ren Schlag­an­fäl­len starb Ger­hard Mer­ca­tor am 2.12.1594 in Duis­burg.

Die Lei­tung des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men über­nahm nach dem plötz­li­chen Tod Ar­nolds (1587) der heim­ge­ru­fe­ne Ru­mold Mer­ca­tor. Ein­ge­ar­bei­tet wa­ren be­reits auch die drei Söh­ne Ar­nolds: Jo­han­nes Mer­ca­tor (um 1562-nach 1595), Ger­hard II. Mer­ca­tor (um 1563-1627) und Mi­cha­el Mer­ca­tor (um 1570-1614). Ih­nen ge­lan­gen noch die Edi­ti­on ei­ner Wand­kar­te des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches (1590) und ei­ner wei­te­ren neu­en Lie­fe­rung des Haupt­wer­kes un­ter dem Ti­tel „At­lan­tis pars al­te­ra" mit 29 Kar­ten der Kon­ti­nen­te, Skan­di­na­vi­ens, Ost­eu­ro­pas und der Bri­ti­schen In­seln (1595). Eben­falls 1595 brach­ten sie ei­ne Ge­samt­aus­ga­be mit al­lem bis da­hin Er­schie­ne­nen auf den Markt mit fol­gen­der Glie­de­rung:

> Auf den Haupt­ti­tel „At­las si­ve cosmo­gra­phi­cae me­di­ta­tio­nes de fa­bri­ca mun­di et fa­bri­ca­ti fi­gu­ra" fol­gen Wid­mun­gen, ver­schie­de­ne Elo­gen, die Mer­ca­tor-Bio­gra­phie sei­nes Freun­des Wal­ter Ghim, Mer­ca­tors ei­ge­nes Vor­wort und schlie­ß­lich sein 30­sei­ti­ger Text „De mun­di crea­tio­ne ac fa­bri­ca li­ber."

> Ein zwei­ter Teil mit ei­ge­nen Ti­tel „At­lan­tis pars al­te­ra" ent­hält die 107 Kar­ten.

Im Hau­se Mer­ca­tor stand der Be­griff „At­las" al­so für um­fas­sen­de „Be­trach­tun­gen über die Er­schaf­fung der Welt und die Ge­stalt des Ge­schaf­fe­nen", in de­ren Rah­men die Kar­ten nur ei­nen „an­de­ren Teil" aus­mach­te.

Es zeig­te sich, dass das Un­ter­neh­men Mer­ca­tor doch im We­sent­li­chen vom Ge­nie des Fir­men­grün­ders ge­lebt hat. Die noch feh­len­den Re­gio­nal­k­ar­ten et­wa zu Spa­ni­en und Ame­ri­ka sind nie er­schie­nen. Be­reits vor dem Tod Ru­molds 1599 gin­gen er und sei­ne Nef­fen ge­trenn­te We­ge. 1602 ge­lang noch­mals ei­ne Duis­bur­ger Neu­auf­la­ge der Sam­me­l­aus­ga­be von 1595. 1604 aber ver­kauf­te Ger­hard II Mer­ca­tor na­mens der Fa­mi­lie den ge­sam­ten Plat­ten­be­stand an den Ams­ter­da­mer Ver­le­ger Cor­ne­lis Cla­esz (um 1546-1609). Zu­sam­men mit dem Kup­fer­ste­cher Jo­do­cus Hon­di­us (1563-1612) brach­te Cla­esz ab 1606 zahl­rei­che wei­te­re Auf­la­gen des Mer­ca­tor-At­las auf den Markt und fes­tig­te da­mit die Stel­lung Ams­ter­dams als neu­es Zen­trum des Kar­ten­ma­chens. Die­se Aus­ga­ben ver­zich­ten auf den Zwi­schen­ti­tel „At­lan­tis pars al­te­ra" und spä­ter auch auf die Vor­tex­te. Erst da­mit wur­de „At­las" zu ei­nem Be­griff für ei­ne buch­för­mi­ge Samm­lung nur von Land­kar­ten.

Quellen und Werkausgaben

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Krü­cken, Wil­helm / Milz,  Jo­seph (Hg.), Ger­hard Mer­ca­tor. Welt­kar­te ad usum na­vi­gan­ti­um, Duis­burg 1569, Duis­burg 1994.

de Smet, An­toi­ne (Hg.), Les sphè­res ter­rest­re et cé­les­te de Gé­r­ard Mer­ca­tor 1541 et 1551, Brüs­sel 1968.

Literatur

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Online

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Gerhard Mercator, Porträt, Kupferstich von Friedrich Wilhelm Bollinger (1777-1825), um 1823. (LVR-Zentrum für Medien und Bildung)

 
Zitationshinweis

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Meurer, Peter H., Gerhard Mercator, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/gerhard-mercator/DE-2086/lido/57c94d4f0123a4.67069187 (23.06.2018)