Heinrich Maria von Hess

Maler (1798–1863)

Denise Steger (Linz am Rhein)

Heinrich Maria von Hess, Original: Staatliche Graphische Sammlung München, Foto: Franz Hanfstaengl (1804-1877). (Staatliche Graphische Sammlung München)

Hein­rich Ma­ria von Hess war ein His­to­ri­en- und Por­trät­ma­ler der Ro­man­tik und trug im Geist der Na­za­re­ner zur Wie­der­be­le­bung der re­li­giö­sen Mo­nu­men­tal- und Glas­ma­le­rei bei.

Hein­rich Ma­ria von Hess wur­de am 19.4.1798 als Sohn von Karl Chris­toph Hess (1755-1828) und sei­ner Ehe­frau Ma­ria Ka­tha­ri­na (1765-1820/1826), Toch­ter des Düs­sel­dor­fer Ga­le­rie- und Aka­de­mie­di­rek­tors Lam­bert Kra­he (1712-1790), in Düs­sel­dorf ge­bo­ren. Der Va­ter war evan­ge­lisch, die Mut­ter ka­tho­lisch. Ab 1782 war der Va­ter – ein Kup­fer­ste­cher und Zeich­ner - Pro­fes­sor an der Kunst-Aka­de­mie in Düs­sel­dorf und ab 1806 an der Kö­nig­li­chen Aka­de­mie in Mün­chen.

Hein­rich Hess er­hielt sei­nen ers­ten Kunst­un­ter­richt durch sei­nen Va­ter in Düs­sel­dorf und ab 1806 in Mün­chen, wo­hin bald die gan­ze Fa­mi­lie zog. 1813-1817 stu­dier­te er an der Münch­ner Aka­de­mie, ent­schied sich aber ge­gen die klas­si­zis­tisch aus­ge­rich­te­te Aka­de­mie­lei­tung des Jo­hann Pe­ter von Lan­ger (1756-1824) und schloss sich der Kunst­rich­tung der Na­za­re­ner an.

Un­ter sei­nen ers­ten Wer­ken war die Dar­stel­lung ei­ner „Hei­li­gen Fa­mi­lie“, die 1816 von Ca­ro­li­ne Wil­hel­mi­ne von Ba­den (1776-1841, 1806-1825 ers­te Kö­ni­gin Bay­erns), er­wor­ben wur­de; in ih­rem Be­sitz be­fan­den sich auch ei­ne le­bens­gro­ße „Ca­ri­tas“ und zwei Ma­don­nen­bil­der von Hess. Sei­ne fein­füh­li­gen, in­ni­gen Wer­ke aus die­ser Zeit zäh­len zu den Bes­ten der Ro­man­ti­schen Ma­le­rei, dar­un­ter zahl­rei­che Por­träts, so das um 1820/1821 ent­stan­de­ne Bild­nis sei­ner Schwä­ge­rin, Fran­zis­ka (Fan­ny) Gail (1802-1836), Gat­tin sei­nes Bru­ders Pe­ter von Hess (1792-1871), der wie sei­ne bei­den an­de­ren Brü­der Franz (1795-1819) und Carl (1801-1874) Ma­ler war.

Hein­rich Hess er­hielt auf­grund sei­ner Be­ga­bung ein Staats­sti­pen­di­um für ei­nen Stu­di­en­auf­ent­halt in Ita­li­en und traf im No­vem­ber 1821 in Rom ein. Dort wid­me­te er sich, wie vie­le an­de­re deut­sche Künst­ler, dem Stu­di­um der An­ti­ke, den Ma­lern des Quat­tro­cen­to und Raf­fa­el. Hess blieb fünf Jah­re in Rom und knüpf­te Kon­tak­te zu Ber­tel Thor­wald­sen (1770-1844), den er 1823 por­trä­tier­te, dem Bild­hau­er An­to­nio Ca­no­va (1757-1822) und des­sen Schü­ler Kon­rad Eber­hard (1768-1859) so­wie zu be­deu­ten­den Ver­tre­ter des Na­za­ren­er­tums: Carl Jo­seph Be­gas, Ju­li­us Schnorr von Ca­rols­feld (1794-1872), der ein Por­trät von Hess schuf, und Fried­rich Over­beck (1789-1869).

 

Sei­ne Wer­ke wur­den von Kron­prinz Lud­wig von Bay­ern (1786-1868, 1825-1848 Kö­nig Lud­wig I.) über­aus ge­schätzt; un­ter an­de­rem gab er ihm 1824 den Auf­trag für das Bild­nis der Ma­ri­an­na Mar­che­sa Flo­ren­zi (1802-1870), die dem Flo­ren­ti­ni­schen Adel an­ge­hör­te und, li­te­ra­risch und phi­lo­so­phisch hoch­ge­bil­det, 45 Jah­re mit dem Kö­nig be­freun­det war. Hess´ ly­ri­scher Mal­stil in war­mem, har­mo­ni­schem Ko­lo­rit zeigt die Por­trä­tier­te an­nä­hernd le­bens­groß als wun­der­schö­ne selbst­be­wuss­te jun­ge Da­me. Im glei­chen Jahr schuf Hess im Auf­trag Kö­nig Ma­xi­mi­li­ans I. von Bay­ern (1756-1825) das Ge­mäl­de „Apol­lo und die Mu­sen“ und für das Hoch­zeits­al­bum des Kron­prin­zen Fried­rich Wil­helm von Preu­ßen (als Fried­rich Wil­helm IV. 1840-1858 Kö­nig von Preu­ßen) und der Eli­sa­beth von Bay­ern (1801-1873) die „Heim­su­chung Ma­riä“. Wei­te­re Wer­ke sei­ner rö­mi­schen Zeit sind „Pil­ger, Rom er­bli­cken­d“ (1822), das Por­trät der durch ih­re Schön­heit be­rühm­ten Vit­to­ria Cal­do­ni „Al­ba­ne­rin am Brun­nen“ (1823) so­wie die Land­schafts­bil­der „Pon­te No­men­ta­no“ und „Cam­pa­gna“.

Portrait der Marchesa Marianna Florenzi, 1824, Original in der Neuen Pinakothek München.

 

1826 wur­de Hess auf Vor­schlag des Aka­de­mie­di­rek­tors Pe­ter Cor­ne­li­us (1783-1867) von Kö­nig Lud­wig I. als Pro­fes­sor an die Münch­ner Kunst­aka­de­mie be­ru­fen; er ver­ließ Rom am 16.11.1826 und wur­de am 15.1.1827 als Pro­fes­sor für Ma­le­rei ver­pflich­tet. Ne­ben sei­ner Lehr­tä­tig­keit wid­me­te sich Hess auf in­ten­si­ve Wei­se den bei­den, vom Kö­nig in­iti­ier­ten und fi­nan­zi­ell hoch ge­för­der­ten Wie­der­be­le­bungs­kam­pa­gnen der Mo­nu­men­tal- und Glas­ma­le­rei.

Im Auf­trag von Pe­ter Cor­ne­li­us hat­te Hess be­reits das Wand­bild „Apol­lo und Daph­ne“ in der Münch­ner Glyp­to­thek aus­ge­führt. Das gro­ßan­ge­leg­te, im Auf­trag des baye­ri­schen Kö­nigs ab 1820 er­stell­te Fres­ken-Pro­jekt „Die Göt­ter Grie­chen­land­s“ be­inhal­te­te die De­cken- und Wand­ma­le­rei­en in der von Leo von Klen­ze (1784-1864) zwi­schen 1816-1830 er­rich­te­ten Glyp­to­thek, die der hoch­wer­ti­gen An­ti­ken­samm­lung des Kö­nigs ei­ne öf­fent­li­che Prä­sen­ta­ti­ons­flä­che bot.

Apollo und die Musen, 1824, Original in der Neuen Pinakothek München.

 

Als christ­li­ches Äqui­va­lent zu die­sem an­ti­ken Fres­ken­zy­klus er­hielt Hess den kö­nig­li­chen Auf­trag zur Aus­ma­lung der Al­ler­hei­li­gen-Hof­kir­che der Münch­ner Re­si­denz, die ab 1826 von Leo von Klen­ze in An­leh­nung an ita­lie­ni­sche Vor­bil­der in frei­em by­zan­ti­nisch-ro­ma­ni­schem Stil er­baut wur­de. Die­ser ers­te Kir­chen­bau Bay­erns nach der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on von 1803, pro­gram­ma­tisch „al­len Hei­li­gen“ ge­wid­met, wur­de 1837 ge­weiht. Hess ent­warf für die ein­zel­nen Ge­wöl­be­ab­schnit­te ein um­fas­sen­des Ge­samt­pro­gramm, des­sen Kar­tons 1829 in Mün­chen aus­ge­stellt und 1837 bei F. Gy­pen in Mün­chen als Li­tho­gra­phie her­aus­ge­ge­ben wur­den. Die Fres­ken wur­den 1830-1837 von Hess und sei­nen Schü­lern, un­ter an­de­rem Jo­hann von Schrau­dolph (1808-1879), Carl Koch (1806-1900), Jo­hann Bap­tist Mül­ler (1809-1869) und Alex­an­der Ma­xi­mi­li­an Seitz (1811-1888), aus­ge­führt.

Liebe, Glaube, Hoffnung, 1819, Original in der Eremitage St. Petersburg.

 

Dem Stil mit­tel­al­ter­li­cher Mo­nu­men­tal­ge­mäl­de ver­pflich­tet, wur­de Gold als Ge­mäl­de­h­in­ter­grund und reich ver­zier­te Or­na­ment­bän­der, von Jo­sef An­ton Schwarz­mann (1806-1890) ge­malt, als Rah­mung ge­wählt. Die in vier Ab­schnit­te ein­ge­teil­ten Ge­wöl­be­zo­nen zeig­ten, von Wes­ten nach Os­ten: im Mu­sik­chor, ein­ge­schrie­ben in Me­dail­lons, von Um­schrif­ten be­glei­tet, Al­le­go­ri­en der Küns­te und Wis­sen­schaf­ten: hei­li­ge Cä­ci­lia (Mu­sik), hei­li­ger Lu­kas (Ma­le­rei), Kö­nig Sa­lo­mon mit dem Plan des Tem­pels von Je­ru­sa­lem (Bau­kunst), hei­li­ger Papst Gre­gor (Theo­lo­gie), Da­vid als Psal­men­schrei­ber (Dicht­kunst), des Wei­te­ren die vier Kar­di­nal­tu­gen­den Weis­heit, Klug­heit, Mä­ßig­keit und Stär­ke. In der west­li­chen Kup­pel fin­den sich Sze­nen aus dem Al­ten Tes­ta­ment: Im Zen­trum Gott­va­ter, um­ge­ben von Se­ra­phi­men, dar­un­ter die sechs Schöp­fungs­ta­ge, Sün­den­fall und Ver­trei­bung aus dem Pa­ra­dies, und in der un­te­ren Zo­ne die Ge­schich­te Noahs, in den Zwi­ckel­fel­dern Fi­gu­ren der Erz­vä­ter Noah, Abra­ham Isaak und Ja­kob und in den Sei­ten­ge­wöl­ben Sze­nen aus dem Le­ben Abra­hams, Ja­kobs und Mo­ses.

Fresken in der Allerheiligenhofkapelle München, 1827-37, nicht erhalten, 1922.

 

Im über­lei­ten­den Gurt­bo­gen wer­den die Pro­phe­ten Je­re­mi­as, Da­ni­el, Isai­as und Eze­chiel prä­sen­tiert, dar­über, vor­be­rei­ten­de Hand­lun­gen zur Er­schei­nung des Mes­sias: Jo­han­nes der Täu­fer in der Wüs­te, Ver­kün­di­gung an Ma­ria und An­be­tung der Hir­ten und der drei Ma­gi­er.

Die öst­li­che Kup­pel zeigt im Zen­trum Chris­tus mit den Wund­ma­len, um­ge­ben von En­geln, dar­un­ter den Kreis der Apos­tel, in den Zwi­ckeln die vier Evan­ge­lis­ten und in den Sei­ten­ge­wöl­ben Sze­nen aus dem Le­ben Chris­ti, Pas­si­on, Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt, im über­lei­ten­den Gurt­bo­gen die vier Kir­chen­vä­ter, die sie­ben Ga­ben des Hei­li­gen Geis­tes und im Zen­trum die Tau­be des Hei­li­gen Geis­tes in ei­ner Glo­rio­le. Das Chor­ge­wöl­be be­inhal­tet den „Tri­umph der Kir­che“: Die sie­ben Sa­kra­men­te und das Drei­fal­tig­keits­bild.

So­gleich nach der Voll­endung der Aus­ma­lung be­gann Hess mit ei­nem wei­te­ren, be­reits 1834 vom Kö­nig in Auf­trag ge­ge­be­nen Pro­jekt in der ab 1837 von Ge­org Fried­rich Zieb­land (1800-1873) als Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei-, Pfarr- und Gra­bes­kir­che Kö­nigs Lud­wigs I. er­rich­te­ten Ba­si­li­ka St. Bo­ni­faz. Die Dar­stel­lun­gen an den Hoch­wän­den des Mit­tel­schiffs schil­der­ten in zwölf gro­ßen und zehn klei­ne­ren Bil­dern das Le­ben des hei­li­gen Bo­ni­fa­ti­us, dar­über wur­de in 36 Sze­nen die Ver­brei­tung des Chris­ten­tums in Deutsch­land dar­ge­stellt, wäh­rend die Zwi­ckel der Ar­chi­vol­ten 34 Papst­por­träts zeig­ten. Im Chor wur­de Chris­tus in der Glo­rio­le zwi­schen Ma­ria und Jo­han­nes, dar­un­ter die Ver­kün­di­ger des Evan­ge­li­ums. Die Fres­ken über den Sei­ten­al­tä­ren be­inhal­te­ten die „Stei­ni­gung des hl. Ste­pha­nu­s“ und „Ma­ria mit Hei­li­gen“. Die Aus­füh­rung, selbst die An­fer­ti­gung der Kar­tons, über­ließ Hess bis auf we­ni­ge Haupt-Dar­stel­lun­gen sei­nen Schü­lern, dar­un­ter Karl Koch, Jo­hann von Schrau­dolph, Clau­di­us Schrau­dolph (1813-1891), Jo­hann Bap­tist Mül­ler und Jo­hann Kas­par (1822-1885). Nach der Voll­endung der Aus­ma­lung 1844 schuf Hess noch ein Fres­ko im be­nach­bar­ten Re­fek­to­ri­um des Be­ne­dik­ti­ner­stifts mit ei­ner Dar­stel­lung des „Letz­ten Abend­mal­s“.

Ein wei­te­res Be­tä­ti­gungs­feld fand Hein­rich Ma­ria von Hess in der seit 1826 be­ste­hen­den Glas­ma­le­rei-Ab­tei­lung der Münch­ner Por­zel­lan-Ma­nu­fak­tur, die von sei­nem Schwa­ger, dem Ar­chi­tek­ten und Bau­meis­ter Ge­org Fried­rich von Gärt­ner (1791-1847) ge­lei­tet wur­de. Die­ser war ab 1822 mit Hess´ Schwes­ter Ka­tha­ri­na (1796-1832) und ab 1834 mit ei­ner wei­te­ren Schwes­ter, Lam­ber­ti­ne (1804-1852), ver­hei­ra­tet.

Noch in Rom er­hielt Hess Nach­richt von sei­nem Schwa­ger, dass der Kö­nig von ihm Ent­wür­fe für ei­ne ge­plan­te Neu­ver­gla­sung der Re­gens­bur­ger Dom­fens­ter wün­sche. Aus der Glas­ab­tei­lung der Ma­nu­fak­tur ging 1827 un­ter der Lei­tung von Max Ema­nu­el Ain­mil­ler (1807-1870) die „Kö­nig­li­che Glas­ma­le­rei­an­stal­t“ her­vor. Hier wur­den, nach Vor­la­gen der Na­za­re­ner, ent­schei­den­de Neue­run­gen auf dem Feld far­bi­ger Ver­gla­sung von Kir­chen­fens­tern ent­wi­ckelt. Hess, der Ain­mil­ler als künst­le­ri­scher Lei­ter zur Sei­te stand, und 1837 die Nach­fol­ge von Gärt­ner an­trat, lie­fer­te aber bis auf zwei Aus­nah­men (Lau­ren­ti­us­fens­ter, 1850 und Pa­tro­na Ba­va­riae-Fens­ter, 1852) nur die Ide­en­skiz­zen zu ei­ner Rei­he von Glas­ge­mäl­den im Re­gens­bur­ger Dom, die Kar­tons stamm­ten un­ter an­de­rem von den Cor­ne­li­us-Schü­lern Chris­toph Chris­ti­an Ru­be (1805-1875) und Karl Schorn (1802-1850).

Noli me tangere, Detail der Fresken in der Allerheiligenhofkapelle München, 1827-37, nicht erhalten, 1922.

 

Des Wei­te­ren kon­zi­pier­te Hess die Glas­ge­mäl­de für die Ma­ria Hilf-Kir­che in Au, die zwi­schen 1831-1839 von Jo­sef Da­ni­el Ohl­mül­ler (1791-1839) und Ge­org Fried­rich Zieb­land als ers­ter neo­go­ti­scher Hal­len­bau Mün­chens er­rich­tet wur­de und für de­ren Bau und Ver­gla­sung Kö­nig Lud­wig I. 100.000fl. be­reit­stell­te.

Von Hess stamm­te auch das Ge­samt­kon­zept für die von Kö­nig Lud­wig I. ge­stif­te­ten Blei­glas­fens­ter, den so ge­nann­ten „Bay­ern­fens­ter“ im süd­li­chen Sei­ten­schiff des Köl­ner Doms, die fünf Sze­nen aus der An­fangs­zeit des Chris­ten­tums zei­gen und 1846-1848 rea­li­siert wur­den; beim so ge­nann­ten „Gör­res­fens­ter“ des Köl­ner Doms, 1856 ein­ge­setzt, war Hess auch als Ent­wer­fer tä­tig.

Wei­te­re Fens­ter, die nach den Kar­tons von Hess rea­li­siert wur­den, wa­ren un­ter an­de­rem das be­deu­ten­de, knapp 30 Me­ter ho­he Auf­er­ste­hungs­fens­ter für die Haupt­ap­sis der St. Pe­ters­bur­ger Isaaks-Ka­the­dra­le (1841-1843) und ein Quer­haus­fens­ter in der Glas­gow-Ca­the­dral.

Im Zu­ge der Neu­er­rich­tung der Glas­ma­le­rei­an­stalt an der Münch­ner Lui­sen­stra­ße 1846 ließ Hess sich auf dem Nach­bar­grund­stück ein ei­ge­nes Haus bau­en.

An Öl­ge­mäl­den sind aus je­ner Zeit nur we­ni­ge über­lie­fert; dar­un­ter das Por­trät sei­ner Frau als Braut. 1830 oder 1831 hat­te Hein­rich Ma­ria Hess An­toi­net­te (1811-1892), Toch­ter von Lud­wig Rit­ter von Lang­lois (1773-1856), baye­ri­scher Ka­bi­netts­rat, und Au­gus­te von Hei­li­gen­stein, ge­hei­ra­tet. Aus der Ehe gin­gen un­ter an­de­ren drei Kin­der her­vor, die eben­falls Künst­ler wur­den, Au­gust (1834-1893), Bild­nis­ma­ler in Mün­chen, An­ton (1838-1909), Bild­hau­er in Mün­chen und Ma­rie (ge­stor­ben 1915), Ma­le­rin.

Von 1847-1849 über­nahm Hess, der 1844 mit dem Ver­dienst­or­den der Baye­ri­schen Kro­ne (Rit­ter­kreuz) in den Adels­stand er­ho­ben wor­den war, die In­te­rims­lei­tung der Münch­ner Aka­de­mie, zu de­ren Re­or­ga­ni­sa­ti­on er ent­schei­dend bei­trug. Er leg­te aber, nach­dem Wil­helm von Kaul­bach (1805-1874) zum Aka­de­mie­di­rek­tor er­nannt wor­den war, sei­ne Pro­fes­sur nie­der und wur­de zum Di­rek­tor der Ver­ei­nig­ten Kunst-Samm­lun­gen des Staa­tes er­nannt.

Görres-Fenster im Kölner Dom, 1856, Foto: Reinhard Matz und Axel Schenk. (Dombauarchiv Köln)

 

Zu sei­nen Spät­wer­ken ge­hört un­ter an­de­rem das im Auf­trag Kö­nig Ma­xi­mi­li­ans II. (1811-1864) ge­schaf­fe­ne Mo­nu­men­tal-Ge­mäl­de „Thro­nen­de Ma­don­na mit den vier Kir­chen­vä­tern und den Pa­tro­nen der von Kö­nig Lud­wig I. er­bau­ten Kir­chen“ (1853), ein Por­trät des Ab­tes Paul Bir­ker (1854) und ei­ne „Flucht nach Ägyp­ten“ für das so­ge­nann­te Kö­nig-Lud­wig-Al­bum (1850).

Ein von Lud­wig I. 1862 in Auf­trag ge­ge­be­nes, cir­ca 4 mal 6 Me­ter gro­ßes „Abend­mahl“ blieb un­voll­endet.

Antoinette von Langlois als Braut, 1830-31, nicht erhalten.

Auferstehungsfenster in der Isaakskathedrale St. Petersburg, 1841-43, 2005, Foto: Heidas.

 

Am 29.3.1863 ver­starb Hess kurz vor sei­nem 65. Ge­burts­tag in Mün­chen. Sei­ne Por­trät­büs­te aus Mar­mor von Ar­nold Her­mann Los­s­ow (1805-1874) fand Auf­stel­lung an der rech­ten Sei­ten­wand der Münch­ner Ruh­mes­hal­le.

Werke (Auswahl)

_**Ge­mäl­de vor dem Ro­mauf­ent­halt

**_ 1814 – Por­trät des Fräu­leins von Hahn.

1814 - Por­trät sei­nes Bru­ders, Pe­ter Hess.

1816 - Hei­li­ge Fa­mi­lie.

1816 - Por­trät ei­nes jun­gen Man­nes in Uni­form.

1816-1820 – Christ­nacht, ver­mut­lich im Auf­trag des Ban­kiers Si­mon Frei­herr von Eich­thal (1787-1854).

1816-1820 – Ca­ri­tas.

Um 1816 - Por­trät ei­nes jun­gen Mäd­chens, Mün­chen, Städ­ti­sche Ga­le­rie im Len­bach­haus.

1817 – Grab­le­gung Chris­ti (für die Sei­ten­ka­pel­le der Münch­ner Thea­ti­ner­kir­che).

Um 1818-1821 - Por­trät ei­ner jun­gen Frau, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek.

1819 – Lie­be, Glau­be, Hoff­nung, St. Pe­ters­burg, Ere­mi­ta­ge.

1820-1821 - Por­trät der Fan­ny Gail, Schwein­furt, Mu­se­um Ge­org Schä­fer.

1821 - Lu­kas malt die Ma­don­na.

**Ge­mäl­de aus der rö­mi­schen Zeit
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1822 – Flucht nach Ägyp­ten.

1822 – Pil­ger, Rom er­bli­ckend, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek. 

1823 – Por­trait der Vit­to­ria Cal­do­ni, „Al­ba­ne­rin am Brun­nen“. Lü­beck, Mu­se­um Behn­haus Drä­ger­haus.

1823 – Bild­nis des Ber­tel Thor­wald­son, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek.

1824 – Apol­lo und die Mu­sen, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek.

1824 – Por­trät der Mar­che­sa Ma­ri­an­na Flo­ren­zi, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek.

1824 – Heim­su­chung Ma­riä für das Hoch­zeits­al­bum des Kron­prin­zen Fried­rich Wil­helm von Preu­ßen.

1822-1826 – Pon­te No­men­ta­no, Ham­burg, Kunst­hal­le.

1822-1826 – Cam­pa­gna-Land­schaft, Ham­burg, Kunst­hal­le.
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Ge­mäl­de nach dem Ro­mauf­ent­halt 

** 1829 – Heim­su­chung.

1830 - Al­ba­ne­rin­nen, nach Rom pil­gernd, ehe­mals Be­sitz S.K.H. Kron­prinz Rupp­recht von Bay­ern (nicht er­hal­ten), über­lie­fert durch ei­ne Li­tho­gra­phie von Franz Hanf­sta­engl.

1830-1831 – Por­trät der Gat­tin von Hess, An­toi­net­te von Lang­lois, als Braut (nicht er­hal­ten), Ab­bil­dung in: Wolf, Ge­org Ja­cob: Ver­lo­re­ne Meis­ter­wer­ke Deut­scher Ro­man­ti­ker, Mün­chen 1931.

1834 – Bild­nis des Ber­tel Thor­wald­sen, 2. Fas­sung (nicht er­hal­ten).

1835 – Der Ein­zug Kö­nigs Ot­to von Grie­chen­land in Nau­p­lia.

1850 – Flucht nach Ägyp­ten, Blatt 126 aus dem Kö­nig-Lud­wig-Al­bum, Aqua­rell auf Pa­pier, Mün­chen, Staat­li­che Gra­phi­sche Samm­lung, Inv.-Nr. K.L.A. 126.

1853 - Thro­nen­de Ma­don­na mit den vier Kir­chen­vä­tern und den Pa­tro­nen der von Kö­nig Lud­wig I. er­bau­ten Kir­chen, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek.

1854 – Por­trät von Abt Pau­lus Bir­ker, Klos­ter St. Bo­ni­faz.

1862-1863 – Abend­mahl, un­voll­endet, Mün­chen, Neue Pi­na­ko­thek.

**Wand­ge­mäl­de 

** 1820/1821 oder 1826 – „Apol­lo und Daph­ne“ nach ei­nem Kar­ton von Pe­ter Cor­ne­li­us, Mün­chen, Glyp­to­thek. 

1829-1837 – Bild­pro­gramm, Mün­chen Al­ler­hei­li­gen Hof­ka­pel­le.

1837-1844 – Bild­pro­gramm, Mün­chen, St. Bo­ni­faz.

1846 – „Abend­mahl“, Mün­chen, Re­fek­to­ri­um Be­ne­dik­ti­ner­stift St. Bo­ni­faz.
Sämt­li­che Fres­ken wur­den im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört.
 
**_Glas­ge­mäl­de

_** _Re­gens­bur­ger Dom

_ 1826-1627 – Evan­ge­lis­ten und sechs Brust­bil­der (Ent­wurf).

1827 – Drei­kö­nigs­fens­ter (Kon­zep­ti­on).

1830 – Jo­han­nes­fens­ter (Kon­zep­ti­on).

1850 – Lau­ren­ti­us­fens­ter (Ent­wurf).

1852 – Pa­tro­na Ba­va­riae-Fens­ter (Ent­wurf).

**_Sons­ti­ge Glas­ge­mäl­de

_** 1839 – Glas­ge­mäl­de in der Ma­ria Hilf-Kir­che in Mün­chen-Au (Kon­zep­ti­on), im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört.

1846-1848 – „Bay­ern­fens­ter“ im süd­li­chen Sei­ten­schiff des Köl­ner Doms (Kon­zep­ti­on).

1841-1843 – „Auf­er­ste­hungs­fens­ter“ in der St. Isaaks-Ka­the­dra­le St. Pe­ters­burg (Ent­wurf).

Um 1850 – Quer­haus­fens­ter in der Glas­gow Ca­the­dral (Ent­wurf).

Um 1840 - Rund­fens­ter im süd­li­chen Quer­haus­gie­bel der ka­tho­li­schen Pfarr­kir­che St. Pe­trus und Mar­cel­li­nus in Val­len­dar mit Dar­stel­lung der Ma­riä Him­mel­fahrt (Ent­wurf).

Um 1855 - Me­mo­ri­al Win­dow, Ost­fens­ter des Nord­flü­gels der Kir­che St. John the Bap­tist in Ruy­ton-XI-Towns, an­läss­lich des frü­hen To­des der Kin­der von Revd. Ge­or­ge Hunt in den Jah­ren 1831-1832 mit der Dar­stel­lung „Chris­tus seg­net die Kin­der“. (Ent­wurf).

1856 – „Gör­res­fens­ter“ im Köl­ner Dom (Ent­wurf).**
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Literatur

Kuhn, Al­bert P., O.S.B., All­ge­mei­ne Kunst-Ge­schich­te, 2. Halb­band, New York/Cin­cin­na­ti/Chi­ca­go 1909, S. 1126-1128.

Ol­den­bourg, Ru­dolf, Die Münch­ner Ma­le­rei im 19. Jahr­hun­dert, Teil 1, Die Epo­che Max Jo­sephs und Lud­wigs I., Mün­chen 1922, neu hg. v. Eber­hard Ruh­mer, Mün­chen 1983, S. 190-197.

Schrö­ter, Gott­lieb Hein­rich von, Die Fres­co­ma­le­rei­en der Al­ler­hei­li­gen-Ca­pel­le in Mün­chen, Mün­chen 1836.

Vaas­sen, El­gin, Die Glas­ge­mäl­de des 19. Jahr­hun­derts im Dom zu Re­gens­burg, Stif­tun­gen Kö­nig Lud­wigs I. von Bay­ern 1827-1857, Re­gens­burg 2007.

Onlline

Schmidt, Hein­rich, Heß, Hein­rich von, in: NDB 9 (1972), S. 3.

Schrö­ter, Gott­lieb v., Die Fres­co­ma­le­rei­en­ ­der Al­ler­heil­li­gen­ka­pel­le in Mün­chen.

Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen: Hein­rich Ma­ria von Hess. 

Heinrich Maria von Hess, Marmor-Büste von Arnold Hermann Lossow (1805-1874) in der Ruhmenshalle München, 2006. (Dominik Hundhammer)

 
Zitationshinweis

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Steger, Denise, Heinrich Maria von Hess, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinrich-maria-von-hess/DE-2086/lido/57c82eee38a599.20249804 (22.04.2018)