Heinrich Sudermann

Hansesyndikus und Politiker (1520-1591)

Volker Henn (Kordel)

Heinrich Sudermann, Kupferstich von Frans Hogenberg (1530-1590), 1576. Original im Kölnischen Stadtmuseum. (Rheinisches Bildarchiv Köln)

Hein­rich Su­der­mann, den der Köl­ner Rats­her­r Her­mann Weins­berg, ein Zeit­ge­nos­se und Stu­di­en­kol­le­ge Su­der­manns, als ma­ger von per­so­nen, nit zu hoich, s­mal von an­ge­sicht und et­was schel­le an ei­nem au­ge be­schrieb, ent­stamm­te ei­ner seit dem 13. Jahr­hun­dert in Dort­mund an­säs­si­gen Pa­tri­zi­er­fa­mi­lie. Ein Zweig die­ser Fa­mi­lie ließ sich zu Be­ginn des 15. Jahr­hun­derts in Köln nie­der. Seit 1415 sind Mit­glie­der der Fa­mi­lie als Rats­her­ren, seit der Mit­te des 15. Jahr­hun­derts als Bür­ger­meis­ter be­zeugt. Auch Hein­richs Va­ter, Her­mann Su­der­mann (ge­stor­ben 1572), und sein Bru­der Hil­de­brand be­klei­de­ten in der zwei­ten Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts mehr­fach das Amt des Bür­ger­meis­ters. Ih­ren Wohl­stand ver­dank­ten so­wohl die Dort­mun­der als auch die Köl­ner Su­der­manns ih­rer Tä­tig­keit im Han­del mit Flan­dern, Bra­bant und Eng­land.

Hein­rich Su­der­mann wur­de am 31.8.1520 als Sohn des Her­mann Su­der­mann und des­sen Frau Ur­su­la Huy­pe, Schwes­ter des Köl­ner Bür­ger­meis­ters Jo­hann Huy­pe, ge­bo­ren. Nach dem Stu­di­um der Ar­tes an der Köl­ner Uni­ver­si­tät von 1538 bis 1541, ver­ließ er sei­ne Hei­mat­stadt, um sich 1543 in Frank­reich (Or­léans) und Ita­li­en (mög­li­cher­wei­se Bo­lo­gna) dem Stu­di­um der Rech­te zu wid­men, das er mit der Pro­mo­ti­on zum Dr. iur. ut­ri­us­que (Dok­tor bei­der Rech­te) be­en­de­te. Prak­ti­sche ju­ris­ti­sche Er­fah­rung sam­mel­te er am Reichs­kam­mer­ge­richt in Spey­er, be­vor er nach Köln zu­rück­kehr­te und hier als ju­ris­ti­scher Be­ra­ter für ver­schie­de­ne Auf­trag­ge­ber tä­tig war. In Köln hei­ra­te­te er An­fang der 1550er Jah­ren Gu­de (ge­stor­ben 1576), ei­ne Toch­ter des Bür­ger­meis­ters Ja­kob von Ro­den­kir­chen. Aus die­ser Ehe gin­gen sechs Kin­der her­vor, dar­un­ter die drei Söh­ne Hein­rich, Her­mann und Eber­hard. Hein­rich schloss wie sein Va­ter das Ju­ra­stu­di­um mit der Pro­mo­ti­on ab und setz­te die Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on im Köl­ner Rat, dem er ab 1595 an­ge­hör­te, fort.

Es war sein Va­ter Her­mann, der Hein­rich Su­der­mann 1552 mit den han­si­schen As­pek­ten der Po­li­tik des Köl­ner Ra­tes ver­traut mach­te und da­mit die Wei­chen für den künf­ti­gen Wer­de­gang sei­nes Soh­nes stell­te. Dies ge­schah in ei­ner Zeit, in der es um die han­sisch-eng­li­schen Be­zie­hun­gen, die ge­ra­de auch für die Köl­ner Kauf­mann­schaft von be­son­de­rer Be­deu­tung wa­ren, nicht zum Bes­ten stand.

Die Kern­punk­te der Aus­ein­an­der­set­zung wa­ren die glei­chen, die schon im 14. und 15. Jahr­hun­dert die Be­zie­hun­gen be­las­tet hat­ten: Der Um­gang mit Bu­ten­han­sen (nicht zur Han­se ge­hö­ren­den Kauf­leu­ten) und bu­ten­han­si­schen Wa­ren, die da­mit ver­bun­de­ne, von der Han­se be­wusst im Un­ge­wis­sen be­las­se­ne Fra­ge nach der Mit­glied­schaft in der Han­se, weil de­ren Be­ant­wor­tung den Kreis de­rer be­grenzt hät­te, die zur Nut­zung der vor­teil­haf­ten han­si­schen Pri­vi­le­gi­en in Eng­land be­rech­tigt wa­ren, so­wie das Pro­blem der Gleich­be­hand­lung der eng­li­schen Kauf­leu­te im Han­se­raum, na­ment­lich in den preu­ßi­schen Städ­ten. Of­fen­kun­dig ge­wor­de­ne Fäl­le von Pri­vi­le­gi­en­miss­brauch durch Stal­hof­kauf­leu­te hat­ten da­zu ge­führt, dass die eng­li­schen Mer­chant Ad­ven­tu­rers nicht län­ger ge­willt wa­ren, die be­vor­zug­te Stel­lung der Deut­schen in Eng­land hin­zu­neh­men. Auf ihr Drän­gen hat­te Edu­ard VI. (Re­gie­rungs­zeit 1547-1553) 1552 die han­si­schen Pri­vi­le­gi­en in Eng­land au­ßer Kraft ge­setzt.

In die­ser Si­tua­ti­on be­trat Hein­rich Su­der­mann die han­si­sche Büh­ne, auf der er nicht nur die In­ter­es­sen Kölns auf han­si­schen Tag­fahr­ten ver­trat, son­dern auch ge­samt­han­si­sche In­ter­es­sen ge­gen­über den Pri­vi­le­gi­en­ge­bern, vor­nehm­lich in Eng­land und in den Nie­der­lan­den (ver­stan­den als das Ge­biet der 17 nord- und süd­nie­der­län­di­schen Pro­vin­zen, die Karl V. - Re­gie­rungs­zeit 1519-1556 - 1555 sei­nem Sohn Phil­ipp II. - Re­gie­rungs­zeit 1556-1598 - über­trug). Schon 1553 hat­te Su­der­mann ein Gut­ach­ten über die Mög­lich­kei­ten zur Bei­le­gung des Streits mit Eng­land er­stellt; im sel­ben Jahr wur­de er Mit­glied ei­ner han­si­schen De­le­ga­ti­on, der es zu­nächst auch ge­lang die Re­sti­tu­ti­on der Pri­vi­le­gi­en durch­zu­set­zen, wenn auch nur un­ter Vor­be­hal­ten.

Zwi­schen 1553 und 1556 hat Hein­rich Su­der­mann nach ei­ge­nem Be­kun­den zwei Jah­re und 20 Ta­ge da­mit zu­ge­bracht, im Auf­trag der Stadt Köln han­si­sche Tag­fahr­ten zu be­su­chen und han­si­sche Ge­sandt­schaf­ten vor al­lem nach Eng­land zu be­glei­ten, für die er zahl­rei­che Denk­schrif­ten und Gut­ach­ten zur Rechts­stel­lung der Han­se in Eng­land und zur Gül­tig­keit ih­rer Pri­vi­le­gi­en ver­fasst hat­te. Auch die auf ei­nem Hans­e­tag 1554 be­schlos­se­nen neu­en Sta­tu­ten für das Lon­do­ner Kon­tor gin­gen auf ei­nen Ent­wurf Su­der­manns zu­rück. Sie ziel­ten dar­auf ab, die in Ver­fall ge­ra­te­ne Ord­nung im Kon­tor wie­der­her­zu­stel­len und die miss­bräuch­li­che Nut­zung der Pri­vi­le­gi­en zu ver­hin­dern, in­dem zum Bei­spiel 66 Städ­te be­nannt wur­den, die den kreiß und be­zirckh der … Han­sen aus­mach­ten. In­so­fern soll­ten die re­for­mier­ten Sta­tu­ten nicht nur der Fes­ti­gung der Han­se ins­ge­samt die­nen, son­dern wa­ren auch als ei­ne ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­me ge­gen­über den Eng­län­dern ge­dacht. Doch der Wi­der­stand der Mer­chant Ad­ven­tu­rers ge­gen die be­vor­rech­tig­te Stel­lung der Han­sen ließ sich da­mit nicht bre­chen.

Als sich die Han­se 1556 ent­schloss, zum ers­ten Mal in ih­rer Ge­schich­te ei­nen Syn­di­kus als stän­di­gen, ge­schäfts­füh­ren­den „Be­am­ten" zu be­ru­fen, der der han­si­schen Com­mu­ne und der­sel­ben Con­to­re Ge­dei­hen, Bes­tes und From­men al­ler We­ge mit mög­lichs­tem Fleis­se be­wah­ren und för­dern soll­te, lag es na­he, Hein­rich Su­der­mann, der sei­ne Be­fä­hi­gung be­reits un­ter Be­weis ge­stellt hat­te, mit die­sem Amt, zu­nächst auf sechs Jah­re, zu be­trau­en. Kon­kret be­stan­den sei­ne Auf­ga­ben im re­gel­mä­ßi­gen Be­such der han­si­schen Tag­fahr­ten, in der Teil­nah­me an han­si­schen Ge­sandt­schaf­ten, in der Er­ar­bei­tung schrift­li­cher Vor­la­gen für die Be­ra­tun­gen, schlie­ß­lich auch in der Zu­sam­men­stel­lung der wich­tigs­ten Pri­vi­le­gi­en und Tag­fahrts­be­schlüs­se. In der Fol­ge­zeit ist der Ver­trag mit Su­der­mann im­mer wie­der ver­län­gert wor­den, zu­letzt 1576 auf Le­bens­zeit. Bei die­ser Ge­le­gen­heit wur­de der Auf­ga­ben­ka­ta­log des Syn­di­kus um die Er­ar­bei­tung ei­nes „Chro­ni­con der han­se­städ­ti­schen gro­ß­mäch­ti­gen Ta­ten" auf der Grund­la­ge der Re­zes­se so­wie den Ent­wurf ei­nes han­si­schen See­rechts er­wei­tert.

Hein­rich Su­der­mann hat sich den neu­en Auf­ga­ben mit gro­ßem En­ga­ge­ment und ho­hem per­sön­li­chen Ein­satz ge­wid­met. Ins­be­son­de­re ging es ihm dar­um, durch die Re­or­ga­ni­sa­ti­on der Kon­to­re in Lon­don und Brüg­ge / Ant­wer­pen den sich ab­zeich­nen­den Nie­der­gang der Han­se auf­zu­hal­ten und sie zu ih­rer al­ten wirt­schaft­li­chen Blü­te zu­rück­zu­füh­ren. Al­ler­dings stan­den sei­ne Be­mü­hun­gen un­ter kei­nem gu­ten Stern: Die Be­zie­hun­gen zu Eng­land wa­ren ge­prägt durch fort­ge­setz­te wech­sel­sei­ti­ge Be­hin­de­run­gen des Han­dels durch Zol­ler­hö­hun­gen und Be­schrän­kun­gen der Tuch­ex­por­te sei­tens der Eng­län­der oder ge­ne­rel­le Ver­bo­te des Han­dels mit eng­li­schen Tu­chen sei­tens der Han­se. Ei­ne Lö­sung des Kon­flikts im Sin­ne der Han­se, für die sich Su­der­mann un­er­müd­lich ein­setz­te, war je­doch nicht in Sicht. An­ge­sichts der Un­ei­nig­keit der Städ­te un­ter­ein­an­der und der man­geln­den Be­reit­schaft Dan­zigs, den For­de­run­gen der eng­li­schen Kauf­leu­te ent­ge­gen­zu­kom­men auf der ei­nen und der an den na­tio­na­len In­ter­es­sen ori­en­tier­ten Wirt­schafts­po­li­tik der eng­li­schen Kö­ni­gin Eli­sa­beth I. (Re­gie­rungs­zeit 1558-1603) auf der an­de­ren Sei­te, konn­ten we­sent­li­che Hemm­nis­se nicht über­wun­den wer­den. Eli­sa­beth I. war nicht ge­willt, den han­si­schen Kauf­leu­ten Han­dels­ver­güns­ti­gun­gen zum Nach­teil der eng­li­schen Mer­chant Ad­ven­tu­rers ein­zu­räu­men.

Als im Zu­ge der spa­nisch / nie­der­län­disch-eng­li­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen den eng­li­schen Kauf­leu­ten die Tuch­ex­por­te in die Nie­der­lan­de und die Nut­zung ih­rer dor­ti­gen Sta­pel­plät­ze, na­ment­lich Ant­wer­pen und Ber­gen-op-Zoom, ver­bo­ten wur­den, fan­den sie ge­gen den Wi­der­stand der Han­se und trotz ein­dring­li­cher War­nun­gen Su­der­manns, der die Exis­tenz der ge­sam­ten löb­li­chen So­cie­tät in Ge­fahr sah, in Em­den (1564) und Ham­burg (1567), spä­ter auch in Elbing (1579) und Sta­de (1587) Auf­nah­me. 1577 beug­te sich Ham­burg dem Druck der Han­se und ver­wei­ger­te den Eng­län­dern die Ver­län­ge­rung ih­rer Pri­vi­le­gi­en; die eng­li­sche Ant­wort ließ nicht lan­ge auf sich war­ten: 1579 wur­den die han­si­schen Pri­vi­le­gi­en durch kö­nig­li­ches De­kret auf­ge­ho­ben und der Han­del der han­si­schen Kauf­leu­te den­sel­ben Be­din­gun­gen un­ter­wor­fen, die auch für al­le an­de­ren Frem­den gal­ten. Die Be­mü­hun­gen Su­der­manns, die Un­ter­stüt­zung des Kai­sers und des Rei­ches zu ge­win­nen, führ­ten 1582 zu ei­nem halb­her­zi­gen Reichs­tags­be­schluss, der deut­schen Kauf­leu­ten jeg­li­che Han­dels­be­zie­hun­gen mit Eng­land un­ter­sag­te.

Die­ser blieb aber eben­so wir­kungs­los wie der Boy­kott­be­schluss ei­ner Lü­be­cker Tag­fahrt 1579, des­sen Um­set­zung an den wi­der­strei­ten­den Ei­gen­in­ter­es­sen der Städ­te schei­ter­te. Auch die Be­mü­hun­gen Su­der­manns und der Han­se in den 1580er Jah­ren, doch noch ei­ne Re­sti­tu­ti­on der Pri­vi­le­gi­en zu er­rei­chen, blie­ben er­folg­los, weil die han­si­schen Vor­stel­lun­gen von der un­er­schüt­ter­li­chen Gül­tig­keit der Pri­vi­le­gi­en mit dem eng­li­schen Ver­ständ­nis mo­der­ner Staat­lich­keit nicht ver­ein­bar wa­ren und die Schwä­chen der Han­se den Be­ra­tern der Kö­ni­gin sehr wohl be­kannt wa­ren.

Auch in den Nie­der­lan­den bot die Si­tua­ti­on der Han­se beim Amts­an­tritt Su­der­manns ein we­nig er­freu­li­ches Bild. Das Brüg­ger Kon­tor hat­te 1531 de fac­to auf­ge­hört zu be­ste­hen, nach­dem sich die Kauf­leu­te schon seit dem aus­ge­hen­den 15. Jahr­hun­dert zu­neh­mend in Ant­wer­pen nie­der­ge­las­sen hat­ten. Su­der­mann war da­von über­zeugt, dass nur durch den Bau ei­ner ge­mein­sa­men Re­si­denz die Han­se ih­re al­te Gel­tung in den Nie­der­lan­den wie­der­er­lan­gen und der Ge­mein­sinn der Kauf­leu­te un­ter­ein­an­der zum Nut­zen al­ler ge­stärkt wer­den könn­te. Mit gro­ßem Ei­fer ver­folg­te er des­halb die­sen Plan und ver­leg­te zeit­wei­se so­gar sei­nen Wohn­sitz nach Ant­wer­pen. In zä­hen Ver­hand­lun­gen mit den städ­ti­schen Be­hör­den, der Re­gie­rung in Brüs­sel und den Han­se­städ­ten, die die Hälf­te der Bau­kos­ten über­neh­men soll­ten, ge­lang es ihm, die Über­tra­gung der Brüg­ger Pri­vi­le­gi­en auf die Nie­der­las­sung in Ant­wer­pen durch­zu­set­zen (1562) und die fi­nan­zi­el­le Be­tei­li­gung der Schel­de­stadt an den Bau­kos­ten si­cher­zu­stel­len (1563).

Zwi­schen 1564 und 1568 ent­stand das neue, pracht­vol­le Han­sehaus, das eher ei­nem fürst­li­chen Pa­last als ei­nem Kon­t­or­ge­bäu­de glich. Aber der teu­re, schul­den­fi­nan­zier­te Bau er­wies sich als gran­dio­ser Fehl­schlag, zu­mal vie­le Kauf­leu­te nicht be­reit wa­ren, zu den ri­gi­den Be­din­gun­gen der von Su­der­mann ent­wor­fe­nen Ord­nung in dem neu­en Haus Quar­tier zu be­zie­hen. Au­ßer­dem ent­stand Streit um die Schoss­zah­lun­gen. Hin­zu kam, dass die Si­cher­heit der Kauf­leu­te we­gen der zum Teil ge­walt­sam aus­ge­tra­ge­nen kon­fes­sio­nel­len Ge­gen­sät­ze, die sich mit dem nie­der­län­di­schen Be­frei­ungs­kampf ver­ban­den, zu­neh­mend ge­fähr­det war. Als im No­vem­ber 1576 spa­ni­sche Trup­pen Ant­wer­pen über­fie­len und das neue Han­sehaus mehr­fach ge­plün­dert wur­de, je­doch Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen – von ei­ni­gen Zoll­be­frei­un­gen ab­ge­se­hen – bei der spa­ni­schen Statt­hal­ter­schaft nicht durch­setz­bar wa­ren, hat­te Ant­wer­pen sei­ne Be­deu­tung als Ziel­ort des han­si­schen Han­dels ver­lo­ren.

Ne­ben den Be­mü­hun­gen, über die Neu­ord­nung der Kon­to­re ei­ne Stär­kung der Han­se zu er­rei­chen, fie­len in die Amts­zeit Hein­rich Su­der­manns auch Be­stre­bun­gen, den bün­di­schen Cha­rak­ter der Han­se wie­der zu be­le­ben. 1557 und 1579 wur­den des­halb „Kon­fö­de­ra­ti­ons­no­teln" be­sie­gelt, in de­nen die Mit­glieds­städ­te be­nannt und de­ren ge­samt­han­si­sche Ver­pflich­tun­gen fest­ge­schrie­ben wur­den. Grund­la­ge der Be­ra­tun­gen dar­über wa­ren von Su­der­mann ver­fass­te Gut­ach­ten, in de­nen er zur Über­win­dung der er­barm­li­chen le­uff­te und zeit­ten die Ei­nig­keit und So­li­da­ri­tät der Städ­te be­schwor.

35 Jah­re hat Su­der­mann in Diens­ten der Han­se ge­stan­den und in die­ser Zeit fast 50 Ge­sandt­schafts­rei­sen (un­ter an­de­rem nach Ant­wer­pen, Brüs­sel, Lon­don, Prag, Augs­burg, Frank­furt, Worms) un­ter­nom­men. Hin­zu ka­men zahl­rei­che Rei­sen zu den han­si­schen Tag­fahr­ten, die zu­meist in Lü­beck statt­fan­den. Aber die Han­se hat sei­nen rast­lo­sen Ein­satz nicht ho­no­riert: We­der wur­de das bei sei­ner An­stel­lung (und den spä­te­ren Ver­trags­ver­län­ge­run­gen) ver­ein­bar­te Jah­res­ge­halt aus­be­zahlt, noch wur­den ihm ent­stan­de­ne Aus­la­gen er­stat­tet. Seit 1569 hat er mehr­fach und mit zu­neh­men­der Ver­bit­te­rung ver­sucht, die Zah­lung der aus­ste­hen­den Sum­men – zu­letzt be­lie­fen sich sei­ne For­de­run­gen auf mehr als 20.000 Ta­ler – durch­zu­set­zen. Doch auf mehr als wert­lo­se Schuld­ver­schrei­bun­gen und lee­re Ver­spre­chun­gen lie­ßen sich die Städ­te nicht ein.

Hein­rich Su­der­mann starb am 31.8.1591 - sei­nem 71. Ge­burts­tag - in Lü­beck. Ob­wohl er hu­ma­nis­ti­schen und re­form­theo­lo­gi­schen Krei­sen um Ge­org Cas­san­der (1513-1566), Cor­ne­li­us Va­le­ri­us (1512-1578) oder den kle­vi­schen Kanz­ler Hein­rich Olis­le­ger (um 1500-1575) na­he stand, woll­te er doch nicht im pro­tes­tan­ti­schen Lü­beck, son­dern in sei­ner ka­tho­li­schen Va­ter­stadt be­stat­tet wer­den. In ei­ner aben­teu­er­li­chen Ak­ti­on muss­te des­halb der Leich­nam nach Köln über­führt wer­den, wo er am 27.10.1591 in der Mi­no­ri­ten­kir­che bei­ge­setzt wur­de. Zur Er­in­ne­rung an Su­der­manns Be­deu­tung, so­wohl für die Han­se als auch für Köln, wur­de ihm 1994 ei­ne Fi­gur am Köl­ner Rat­haus­turm ge­wid­met (Bild­hau­er: Er­win Nö­then).

Quellen

In­ven­ta­re han­si­scher Ar­chi­ve des 16. Jahr­hun­derts, Band 1: Köl­ner In­ven­tar I (1531-1571), be­arb. von Kon­stan­tin Höhl­baum und Her­mann Keus­sen, Leip­zig 1896, Band 2: Köl­ner In­ven­tar II (1572-1591), be­arb. von Kon­stan­tin Höhl­baum, Leip­zig 1903, Band 3: Dan­zi­ger In­ven­tar (1531-1591), be­arb. von Paul Sim­son, Mün­chen 1913.

Literatur

En­nen, Leon­hard, Der han­si­sche Syn­di­kus Hein­rich Su­der­mann aus Köln, in: Han­si­sche Ge­schichts­blät­ter 6 (1876), S. 1-58.
Fried­land, Klaus, Der Plan des Dr. Hein­rich Su­der­mann zur Wie­der­her­stel­lung der Han­se. Ein Bei­trag zur Ge­schich­te der han­sisch-eng­li­schen Be­zie­hun­gen im 16. Jahr­hun­dert, in:, Gra­ß­mann, Ant­je­kath­rin u.a. (Hg.), Mensch und See­fahrt zur Han­se­zeit, Köln 1995, S. 37-102.
Lan­ger, Her­bert, Ge­stal­ten der Spät­zeit: Die Syn­di­ci der Han­se, in: Kat­tin­ger, Det­lef/Wer­ni­cke, Horst (Hg.), Ak­teu­re und Geg­ner der Han­se – Zur Pro­so­po­gra­phie der Han­se­zeit, Wei­mar 1998, S. 219-230.
Wriedt, Klaus, Hein­rich Su­der­mann (1520-1591), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 10 (1985), S. 31-45.

Online

Keus­sen, Her­mann, "Su­der­mann, Hein­rich", in: All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­phie 37 (1894), S. 121-127. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Henn, Volker, Heinrich Sudermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinrich-sudermann/DE-2086/lido/57c9595c96bad6.60738451 (10.12.2018)