Heinz Risse

Schriftsteller (1898-1989)

Erika Steinhausen (Weilerswist)

Heinz Ris­se war ein be­deu­ten­der deut­scher Ro­man­cier, Er­zäh­ler, Es­say­ist und Hör­spiel­au­tor. Mit sei­nen ge­sell­schafts- und kul­tur­kri­ti­schen Wer­ken ge­hör­te er auch in­ter­na­tio­nal zu den er­folg­reichs­ten deut­schen Au­to­ren der Nach­kriegs­zeit.

Heinz Ris­se wur­de am 17.7.1898 in Düs­sel­dorf als Sohn ei­nes Arz­tes ge­bo­ren. In sei­ner Hei­mat­stadt ab­sol­vier­te er das Gym­na­si­um, mel­de­te sich mit 17 Jah­ren als Frei­wil­li­ger an die West­front und war bis zum En­de des Ers­ten Welt­kriegs Sol­dat. Da­nach stu­dier­te er in Mar­burg, Frank­furt und Hei­del­berg Na­tio­nal­öko­no­mie und Phi­lo­so­phie und pro­mo­vier­te bei dem Hei­del­ber­ger So­zio­lo­gen Al­fred We­ber (1868-1958). Ab 1922 leb­te und ar­bei­te­te er vie­le Jah­re im Aus­land. 1932 kehr­te er nach Deutsch­land zu­rück und wohn­te nach Zwi­schen­sta­ti­on in Bay­ern bis zu sei­nem To­de in So­lin­gen.

Erst mit 50 Jah­ren be­gann er ne­ben sei­nem Be­ruf als Wirt­schafts­prü­fer als Schrift­stel­ler zu ar­bei­ten. Zeit­le­bens war er stolz dar­auf, nicht aus­schlie­ß­lich Schrift­stel­ler zu sein, da er Schrei­ben und Dich­ten nicht als Zweck be­trach­te­te, son­dern als ein Mit­tel zur Selbst­ver­wirk­li­chung. Und ob­wohl er erst sehr spät mit der Schrift­stel­le­rei be­gon­nen hat, ist der Um­fang sei­nes Wer­kes be­acht­lich. Sein ers­tes Buch war der No­vel­len­band „Irr­fah­rer" (1948), kurz dar­auf er­schien „Wenn die Er­de bebt" (1950), der Re­chen­schafts­be­richt ei­nes Un­ter­su­chungs­ge­fan­ge­nen; ein Jahr spä­ter folg­te „So frei von Schuld", die Ge­schich­te ei­nes Jus­tiz­irr­tums, in der ein Un­schul­di­ger nach der Straf­ver­bü­ßung den Mord be­geht, we­gen dem er un­schul­dig im Ge­fäng­nis ge­ses­sen hat. Ris­ses er­folg­reichs­ter Ro­man wur­de „Dann kam der Tag" (1953), in dem ein Ge­ne­ral­di­rek­tor an sei­nem 70. Ge­burts­tag die Bi­lanz sei­nes Le­bens zieht, dann sein Geld ver­schleu­dert und sei­ne Fa­brik in Brand steckt. In der Fol­ge­zeit ver­öf­fent­lich­te Ris­se fast je­des Jahr min­des­tens ein Buch. Heinz Ris­se hat sich ein­ge­reiht in den Olymp der deut­schen Er­zäh­ler und Es­say­is­ten. Sein Er­zähl­werk ist zeit­los gül­tig . Sein An­spruch an Mo­ral bei An­de­ren, aber vor al­lem auch bei sich selbst, war au­ßer­or­dent­lich hoch und wur­de von ihm im­mer wie­der in sei­nen Ro­ma­nen, No­vel­len, Er­zäh­lun­gen und Es­says the­ma­ti­siert. Dar­über hin­aus ver­fass­te er Hör­spie­le und Ge­sprä­che für den Rund­funk (Ra­dio Bre­men). Sei­ne The­men wa­ren die mensch­li­chen Grund­pro­ble­me wie Schuld, Süh­ne, Frei­heit, Recht oder Wahr­heit, die er oh­ne Il­lu­sio­nen, aber mit gro­ßer Lo­gik und Kon­se­quenz span­nend, manch­mal auch rei­ße­risch sei­ne Prot­ago­nis­ten er­le­ben und be­wäl­ti­gen ließ. Da­bei war ihm das pri­va­te Schick­sal nur Gleich­nis für das Schick­sal des Men­schen über­haupt, des­sen ein­zi­ge Richt­li­nie für sein Han­deln nur das ei­ge­ne Ge­wis­sen sein konn­te. Dar­über hin­aus pran­ger­te Heinz Ris­se, der ein sehr kri­ti­scher Mensch war, nicht nur den pri­va­ten wie ge­sell­schaft­li­chen Ma­te­ria­lis­mus, son­dern die hoh­le Be­trieb­sam­keit des öf­fent­li­chen Le­bens an.

Er war auch selbst­kri­tisch und mach­te sich zum Bei­spiel in ei­ner fin­gier­ten Fest­re­de „Drei­und­drei­ßig sei­nes­glei­chen erst ein Fra­ge­zei­chen? Oder Die Band­wurm­weis­heit" (1985) über sich selbst, aber vor al­lem über den Li­te­ra­tur­be­trieb und die Li­te­ra­tur­kri­tik lus­tig, von de­nen er im­mer ver­sucht hat­te, sich fern­zu­hal­ten. Die Re­de ver­fass­te er in ei­ner auf­bau­schen­den "Ju­bel­spra­che", die er in sei­nem Es­say „Das Zeit­al­ter der Ju­bel­spra­che" (1959) iro­nisch ein „Phä­no­men der Leis­tungs­ge­sell­schaft" nann­te.

Von 1952 bis 1962 und er­neut von 1965 bis 1984 war Heinz Ris­se Mit­glied des PEN-Zen­trums der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die Mit­glied­schaft be­en­de­te er je­weils durch Aus­tritt. 1956 er­hielt er den Im­mer­mann Li­te­ra­tur­preis der Stadt Düs­sel­dorf, 1974 den Kul­tur­preis der Stadt So­lin­gen. Zu sei­nem 90. Ge­burts­tag stif­te­te er ei­nen Preis für Li­te­ra­tur­kri­tik, der sei­nen Na­men trägt.

Heinz Ris­se starb am 17.7.1989 in So­lin­gen.

Werke (Auswahl)

Ber­ke­ley und der De­mi­urg (1983).

Dann kam der Tag (1953).

Das Zeit­al­ter der Ju­bel­spra­che (1959).
Die Schiff­schau­kel (1959).
Drei­und­drei­ßig sei­nes­glei­chen erst ein Fra­ge­zei­chen? Oder Die Band­wurm­weis­heit (1985).
Es hät­te an­ders aus­ge­hen sol­len (1988).
Irr­fah­rer (1948). So frei von Schuld (1951).
So­zio­lo­gie des Sports (1921).
Wenn die Er­de bebt (1950).

Literatur

Lenn­artz, Franz, Deut­sche Schrift­stel­ler des 20. Jahr­hun­derts im Spie­gel der Kri­tik, Band 3, Stutt­gart 1984, S. 1425-1426.

 
Zitationshinweis

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Steinhausen, Erika, Heinz Risse, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinz-risse/DE-2086/lido/57cd205c6941a8.50270161 (24.04.2018)