Hugo von Sponheim

Erzbischof von Köln (1137)

Stefan Pätzold (Bochum)

Erzbischof Hugo von Sponheim, undatiert. (public domain)

Hu­gos Amts­zeit als Erz­bi­schof von Köln war kurz; sie dau­er­te kei­ne vier Wo­chen. Am 5.6.1137 wur­de er von Papst In­no­zenz II. (Pon­ti­fi­kat 1130-1143) ge­weiht und ver­starb be­reits am 1. Ju­li des­sel­ben Jah­res. Wohl des­halb wird er in der um 1200 ent­stan­de­nen Fas­sung des Ca­ta­lo­gus ar­chie­pi­sco­po­rum Co­lo­ni­en­si­um als Nach­fol­ger Erz­bi­schof Bru­nos II. (Epis­ko­pat 1131-1137) zwar knapp er­wähnt, nicht aber in der lau­fen­den Zäh­lung der Erz­bi­schö­fe ei­gens be­rück­sich­tigt: Auf Erz­bi­schof Bru­no II. mit der lau­fen­den Num­mer 38 folgt so­gleich Ar­nold I. als Nr. 39. Mag Hu­gos Epis­ko­pat für die Köl­ner Diö­ze­se auch be­deu­tungs­los ge­blie­ben sein, ver­dient er den­noch Auf­merk­sam­keit.

Al­ler Wahr­schein­lich­keit nach war Hu­go ein An­ge­hö­ri­ger der mit­tel­rhei­ni­schen Fa­mi­lie von Spon­heim. Als sei­ne El­tern gel­ten Ste­phan II. (Re­gie­rungs­zeit 1090-1111) und des­sen Gat­tin So­phie (Ehe­schlie­ßung um 1080), die wohl dem Ge­schlecht der Gra­fen von Form­bach aus dem baye­risch-ös­ter­rei­chi­schen Raum ent­stamm­te. Hu­go, der um 1090 ge­bo­ren wor­den sein dürf­te, hat­te meh­re­re Ge­schwis­ter, dar­un­ter Jut­ta (ge­stor­ben 1136), ei­ne Non­ne des be­ne­dik­ti­ni­schen Frau­en­kon­vents auf dem Di­si­bo­den­berg (heu­te Orts­ge­mein­de Odern­heim am Glan), so­wie ei­nen äl­te­ren Bru­der Mein­hard (Me­gin­hard) I. (Re­gie­rungs­zeit 1124-1132), der mit Mecht­hild (be­legt 1124-1127), ei­ner Toch­ter des Gra­fen Adal­bert von Mörs­berg (im süd­li­chen El­sass) (Re­gie­rungs­zeit 1105 bis ca. 1125/26), ver­hei­ra­tet war. Mein­hard be­geg­net in den Quel­len so­wohl als Graf von Spon­heim als auch von Mörs­berg; er stif­te­te un­weit der Burg Spon­heim ei­ne Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei. Die Klos­ter­kir­che wur­de 1123 durch Bi­schof Burchard II. von Worms (Epis­ko­pat 1120-1149) im Auf­trag des Main­zer Erz­bi­schofs ge­weiht; nach Ab­schluss des Grün­dungs­vor­gangs über­trug Mein­hard die Ab­tei 1124 dem Main­zer Me­tro­po­li­ten.

Vie­le De­tails aus Hu­gos Vi­ta sind un­be­kannt. Das gilt für sei­nen Ge­burts­ort eben­so wie für die In­sti­tu­tio­nen, an de­nen er sei­ne Bil­dung er­warb. Auch weiß man nicht, wel­che geist­li­chen Wei­hen er emp­fing. Im­mer­hin las­sen die Quel­len er­ken­nen, dass der Spon­hei­mer spä­tes­tens seit 1127 als De­kan des Köl­ner Dom­ka­pi­tels am­tier­te. Seit 1129 war er zu­dem Propst de­s Aa­che­ner Ma­ri­en­stifts. Im Jahr 1132 folg­te er auf Bru­no von Berg nach des­sen Wahl zum Erz­bi­schof als Propst des Stifts St. Ge­re­on in Köln.

Der Dom­de­kan und Vor­ste­her des Aa­che­ner Ma­ri­en­stifts ver­hielt sich ge­gen­über Kö­nig Lo­thar III. (rö­misch-deut­scher Kö­nig 1125-1137, 1133 Kai­ser) loy­al. Weit­ge­hend un­pro­ble­ma­tisch war of­fen­bar auch Hu­gos Ver­hält­nis zu Bru­no. Als 1131 der Nach­fol­ger des ver­stor­be­nen Erz­bi­schofs Fried­rich I. ge­sucht wur­de, war Hu­go ei­ner der we­ni­gen, der sich, so hat es we­nigs­tens den An­schein, nicht ge­gen Bru­no stell­te. In den fol­gen­den Jah­ren hielt sich Hu­go, selbst wenn er Kon­takt zu man­chen Kri­ti­kern Bru­nos II. pfleg­te, häu­fig am Hof des Erz­bi­schofs auf. Am 5.8.1134 be­ur­kun­de­te Bru­no in Köln, dass der Dom­de­kan be­reits kurz vor dem Tod Erz­bi­schof Fried­richs I. mit des­sen Zu­stim­mung auf sei­nem Al­lod Knecht­ste­den (heu­te Stadt Dor­ma­gen) ei­ne Kir­che er­rich­tet und ein al­lein dem Köl­ner Erz­bi­schof un­ter­stell­tes Prä­mons­tra­ten­ser­stift ge­grün­det ha­be. Im Som­mer 1136 be­glei­te­te Hu­go den Me­tro­po­li­ten im Ge­fol­ge Kai­ser Lo­thars III. nach Ita­li­en.

Am 29.5.1137 starb Erz­bi­schof Bru­no II. in Apu­li­en. Rund ei­ne Wo­che spä­ter wur­de Hu­go von Spon­heim in Ba­ri durch In­no­zenz II. zum Bi­schof ge­weiht. Zu­gleich er­hielt er aus der Hand des Paps­tes das Pal­li­um. In den we­ni­gen Ta­gen zwi­schen Bru­nos Tod und Hu­gos Or­di­na­ti­on war der Köl­ner Dom­de­kan of­fen­sicht­lich zum neu­en Erz­bi­schof be­stellt wor­den. Dar­über be­rich­ten die Quel­len nur äu­ßerst knapp. So hei­ßt es in der Köl­ner Kö­nig­schro­nik la­pi­dar: „Dort [in Ba­ri] starb der Köl­ner Erz­bi­schof Bru­no; ihm folg­te der De­kan des hl. Pe­trus”. We­der die Kö­nig­schro­nik noch an­de­re his­to­rio­gra­phi­sche Tex­te er­wäh­nen De­tails die­ses Vor­gangs. Ob hin­rei­chend vie­le Köl­ner Prio­ren in Apu­li­en wa­ren, so dass ei­ne ka­no­nisch-recht­lich kor­rek­te Wahl durch das Prio­ren­kol­leg ab­ge­hal­ten wer­den konn­te, oder ob Hu­go an­ge­sichts der be­son­de­ren Um­stän­de kur­zer­hand von Kai­ser Lo­thar in Über­ein­stim­mung mit dem an­we­sen­den Papst und in Ge­gen­wart man­cher Prio­ren in das ho­he geist­li­che Amt be­ru­fen wur­de, ist un­klar. Oh­ne Zwei­fel wird aber Lo­thar III. Hu­gos Be­stel­lung zum Erz­bi­schof do­mi­niert ha­ben.

Hu­go be­klei­de­te die Wür­de ei­nes Me­tro­po­li­ten nur rund drei Wo­chen. Sei­ne Ka­the­dra in Köln zu be­stei­gen, war ihm nicht ver­gönnt. Am 1.7.1137 starb er in Mel­fi an den Fol­gen ei­nes Ader­las­ses. Dort wur­de er auch be­stat­tet. Die Grün­dungs­ge­schich­te des Stifts Knecht­ste­den wür­digt Hu­go als ei­nen Mann, der durch sei­ne lie­bens­wür­di­gen Um­gangs­for­men, sei­ne No­bles­se, sei­ne Gro­ßzü­gig­keit und vie­le be­deut­sa­me und ei­nes Bi­schofs wür­di­ge Stif­tun­gen her­aus­rag­te.

Quellen

Ca­ta­lo­gus ar­chie­pi­sco­po­rum Co­lo­ni­en­si­um, hg. v. Her­mann Car­dauns (Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca SS 24), Han­no­ver 1879, Rez. I, S. 341.
Re­ges­ta Im­pe­rii [RI], Band 4: Lo­thar III. und äl­te­re Stau­fer 1125-1197, 1. Abt.: Die Re­ges­ten des Kai­ser­rei­ches un­ter Lo­thar III. und Kon­rad III., Teil. 1: Lo­thar III. 1125 (1075)-1137, be­arb. v. Wolf­gang Pet­ke, Köln [u.a.] 1994, Nr. 585.
Die Re­ges­ten der Erz­bi­schö­fe von Köln im Mit­tel­al­ter, Band 2: 1100-1205, be­arb. v. Ri­chard Knip­ping, Bonn 1901. 

Literatur

Be­cker-Hu­ber­ti, Man­fred/Fin­ger, Heinz, Kölns Bi­schö­fe von Ma­ter­nus bis Meis­ner, Köln 2013, S. 94.
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Mötsch, Jo­han­nes, Ge­nea­lo­gie der Gra­fen von Spon­heim, in: Jahr­buch für west­deut­sche Lan­des­ge­schich­te 13 (1987), S. 63-179, bes. S. 75-77 [mit ge­nea­lo­gi­scher Ta­fel S. 96].
Nau­mann-Hum­beck, An­ne­lie­se, Stu­di­en zur Ge­schich­te der Gra­fen von Spon­heim vom 11. bis 13. Jahr­hun­dert, Bad Kreuz­nach 1983.
Oedi­ger, Fried­rich Wil­helm, Das Bis­tum Köln von den An­fän­gen bis zum En­de des 12. Jahr­hun­derts (Ge­schich­te des Erz­bis­tums Köln 1), 2. Auf­la­ge, Köln 1971, Nach­druck 1991, S. 143.
Se­ries epi­sco­po­rum eccle­siae ca­tho­li­cae oc­ci­den­ta­lis V.1: Ar­chie­pi­sco­pa­tus Co­lo­ni­en­sis, hg. v. Odi­lo En­gels/Ste­fan Wein­fur­ter, Stutt­gart 1982, S. 31-32.

 
Zitationshinweis

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Pätzold, Stefan, Hugo von Sponheim, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/hugo-von-sponheim/DE-2086/lido/5db1b8e7a74890.47177774 (abgerufen am 16.11.2019)