Irmina von Trier

Äbtissin und Heilige (gestorben zwischen 706 und 709)

Jennifer Striewski (Bonn)

Ir­mi­na von Trier, auch be­kannt als Ir­mi­na von Oe­ren, war die zwei­te Äb­tis­sin des Trie­rer Klos­ters Oe­ren, Stif­te­rin des Klos­ters Ech­ter­nach und Gön­ne­rin des Mis­sio­nars Wil­li­brord (658-739). Ihr Ge­denk­tag ist der 3. Ja­nu­ar (im Bis­tum Trier und in Lu­xem­burg) be­zie­hungs­wei­se der 24. De­zem­ber.

Ir­mi­na ent­stamm­te ei­nem füh­ren­den au­st­ra­si­schen Adels­ge­schlecht und hat­te ver­wandt­schaft­li­che Be­zie­hun­gen zu den Ar­nul­fin­gern und Pip­pi­ni­den. Ih­re El­tern sind nicht be­kannt. Vor ih­rem Klos­ter­ein­tritt war sie mit dem frän­ki­schen Se­ne­schall und Pfalz­gra­fen Hu­go­bert (ge­stor­ben um 697) ver­hei­ra­tet. Aus der Ehe gin­gen mög­li­cher­wei­se die Töch­ter Plek­trud, Ade­la von Pfal­zel, Ber­tra­da die Äl­te­re, Re­gen­trud (um 660/665-730/740) und Chro­de­lin­de her­vor, je­doch ist die­se Fa­mi­li­en­kon­struk­ti­on in der For­schung nicht un­wie­der­spro­chen ge­blie­ben.

Seit 697/698 ist Ir­mi­na als zwei­te Äb­tis­sin des um 650 von dem Trie­rer Bi­schof Nu­me­ri­an ge­grün­de­ten Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters Oe­ren nach­ge­wie­sen. Das in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft gro­ßer rö­mi­scher Ge­trei­de­spei­cher (hor­rea) im an­ti­ken Trie­rer Ha­fen er­bau­te und der Got­tes­mut­ter Ma­ria ge­weih­te Frau­en­klos­ter war aus­schlie­ß­lich An­ge­hö­ri­gen des frän­ki­schen Adels vor­be­hal­ten. Un­ter Ir­mi­nas Lei­tung wur­de es zu ei­nem kirch­lich-kul­tu­rel­len Zen­trum der Stadt; für lan­ge Zeit galt Oe­ren als das be­deu­tends­te Trie­rer Non­nen­klos­ter. Ir­mi­na war die Nach­fol­ge­rin Mo­d­e­s­tas, der Grün­dungs­äb­tis­sin von Oe­ren. Sie un­ter­hielt en­ge Kon­tak­te zu dem an­gel­säch­si­schen Mis­sio­nar Wil­li­brord, der zeit­wei­lig den Oere­ner Non­nen seel­sor­ge­ri­sche Be­treu­ung und mo­nas­ti­sche Un­ter­wei­sung zu­kom­men ließ. Ih­re en­ge Ver­bun­den­heit mit Oe­ren fand Aus­druck in Ir­mi­nas rei­chen Schen­kun­gen an das Klos­ter.

Nach dem Tod ih­res Man­nes stif­te­te Ir­mi­na im Zu­sam­men­wir­ken mit dem Trie­rer Erz­bi­schof Ba­sin, sei­nem Nef­fen Li­ut­win und mit der Zu­stim­mung ih­res Oere­ner Non­nen­kon­vents 697/698 ein Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter auf ih­rem Ei­gen­gut in Ech­ter­nach, das sie Wil­li­brord, zu des­sen wich­tigs­ten För­de­rern sie zähl­te, über­trug. Durch Ir­mi­nas Un­ter­stüt­zung wur­de Ech­ter­nach zu ei­nem fes­ten Stand­ort für die Mis­si­ons­ar­beit und ent­wi­ckel­te sich zu ei­nem seel­sor­ge­ri­schen Zen­trum. Au­ßer­dem be­tä­tig­ten sich die Mön­che in der Ar­men­pfle­ge und Ar­men­für­sor­ge. 699 schenk­te sie dem Klos­ter Ech­ter­nach lit­ur­gi­sche Ge­wän­der und für den Got­tes­dienst not­wen­di­ge Ge­gen­stän­de, 704 stat­te­te sie es mit wei­te­rem Land­be­sitz aus. Wäh­rend Ir­mi­na vor al­lem für die ma­te­ri­el­le Aus­stat­tung des Klos­ters sorg­te, kam Wil­li­brord wohl die Rol­le des geist­li­chen Grün­ders zu.

Das ge­naue To­des­da­tum Ir­mi­nas ist eben­so wie ih­re letz­te Ru­he­stät­te un­be­kannt, als To­des­tag gilt der 24. De­zem­ber. Ab 710 er­scheint ih­re Nach­fol­ge­rin Ana­sta­sia in den Quel­len des Klos­ters Oe­ren als Äb­tis­sin, so­dass man da­von aus­ge­hen muss, dass Ir­mi­na vor oder um 710 ver­starb. Ei­ner Le­gen­de nach wur­de sie in der 1284 ge­weih­ten Ma­ri­en­ka­pel­le des el­säs­si­schen Klos­ters Wei­ßen­burg (Wis­sem­bourg) in ei­nem Hoch­grab bei­ge­setzt, nach­dem ih­re Re­li­qui­en vor­her im Hoch­al­tar der dor­ti­gen Kir­che auf­be­wahrt wor­den wa­ren. Wahr­schein­li­cher ist je­doch, dass sie in Oe­ren starb und dort ih­re letz­te Ru­he­stät­te fand. Die Ges­ta Tre­ver­o­rum be­rich­ten, dass Ir­mi­na im 12.Jahr­hun­dert im Klos­ter Oe­ren be­er­digt war und ihr Grab ver­ehrt wur­de. Von hier aus ge­lang­ten ei­ni­ge ih­rer Re­li­qui­en nach Spon­heim und Wei­ßen­burg, wo noch im 15. Jahr­hun­dert ei­ne Ver­eh­rung Ir­mi­nas nach­zu­wei­sen ist.

Seit dem 11.Jahr­hun­dert wur­de Ir­mi­na als Toch­ter Da­go­berts I. (Re­gie­rungs­zeit 629–639) so­wie Grün­de­rin und Lo­kal­pa­tro­nin des Trie­rer Non­nen­klos­ters Oe­ren ver­ehrt. Ihr zu Eh­ren wur­de das Klos­ter in St. Ir­mi­nen um­be­nannt. Gro­ßen An­teil hier­an dürf­te die vor 1081 durch den Ech­ter­nach­er Mönch und spä­te­ren Abt Thio­frid (Amts­zeit 1081/1083-1110) ver­fass­te Vi­ta der hei­li­gen Ir­mi­na ge­habt ha­ben. Die Vi­ta stellt Ir­mi­na als Toch­ter Da­go­berts I. dar, die sich nach dem Tod ih­res Ver­lob­ten Chris­tus ver­spro­chen ha­be. Un­ter­stützt durch ih­ren Va­ter grün­de­te sie der Le­gen­de nach das Klos­ter Oe­ren und wur­de des­sen ers­te Äb­tis­sin. Ei­ne of­fi­zi­el­le Ka­no­ni­sa­ti­on Ir­mi­nas ist nicht be­zeugt.

Quellen

Chro­ni­con Ep­ter­na­cen­se auc­to­re Theo­de­ri­co mo­na­cho. Vi­ta sanc­tae Ir­mi­nae (MGH SS XXIII, S. 48-50), be­arb. von Lud­wig Wei­land, Han­no­ver 1874.

Ges­ta Tre­ver­o­rum (MGH SS VIII, S. 111-260), be­arb. von Ge­org Waitz, Han­no­ver 1858.

Pon­ce­let, Al­bert (Be­arb.), De fon­ti­bus Vi­tae sanc­tae Ir­mi­nae, in: Analec­ta Bol­lan­dia 8 (1889), S. 285-286.

Wam­pach, Ca­mil­le (Be­arb.), Ge­schich­te der Grund­herr­schaft Ech­ter­nach im Früh­mit­tel­al­ter. Un­ter­su­chun­gen über die Per­son des Grün­ders, über die Klos­ter- und Wirt­schafts­ge­schich­te auf­grund des li­ber au­reus ep­ter­na­cen­sis (698-1222), 2 Bän­de, Lu­xem­burg 1929-1930.

Literatur

Kni­chel, Mar­ti­na, Ir­mi­na von Oe­ren. Sta­tio­nen ei­nes Kul­tes, in: Crusi­us, Ire­ne (Hg), Stu­di­en zum Ka­no­nis­sen­stift, Göt­tin­gen 2001, S. 185-201.

Schmidt-Som­mer, Irm­gard Ger­trud, Dunk­le Zei­ten-hel­le We­ge. Frau­en des frü­hen Mit­tel­al­ters ge­stal­ten Kir­che und Welt, Trier 1998, S. 113-125.

Wer­ner, Mat­thi­as, Adels­fa­mi­li­en im Um­kreis der Ka­ro­lin­ger: die Ver­wandt­schaft Ir­mi­nas von Oe­ren und Ade­las von Pfal­zel. Per­so­nen­ge­schicht­li­che Un­ter­su­chun­gen zur früh­mit­tel­al­ter­li­chen Füh­rungs­schicht im Maas-Mo­sel-Ge­biet, Sig­ma­rin­gen 1982.

Wer­ner, Mat­thi­as, Zu den An­fän­gen des Klos­ters St. Ir­mi­nen-Oe­ren in Trier, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 42 (1978), S. 1-51.

Wes­se­ling, Klaus-Gun­ther, Ar­ti­kel „Ir­mi­na von Trier", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 2 (1990), Sp. 1336.

Online

Die di­gi­ta­len Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca (dmgh) [Für ei­ne Re­cher­che in­ner­halb der dmgh sie­he die je­wei­li­gen An­ga­ben un­ter der Ru­brik Quel­len]. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Striewski, Jennifer, Irmina von Trier, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/irmina-von-trier/DE-2086/lido/57c92a88804f65.71944847 (20.10.2018)