Jakob Omphal

Kurkölnischer Kanzler (1500-1567)

Martin Bock (Frechen)

Medaille für Jacobus Omphalius (Jakob Omphal), um 1540/1566, Original im Kölnischen Stadtmuseum. (Rheinisches Bildarchiv)

Ja­kob Om­phal war wäh­rend des Re­for­ma­ti­ons­ver­suchs des Köl­ner Kur­fürs­ten und Erz­bi­schofs Her­mann von Wied als Kanz­ler des Erz­stif­tes des­sen wich­tigs­ter po­li­ti­scher Be­ra­ter. Sei­ne Auf­ga­be lag da­bei vor al­lem in der Ver­mitt­lung, wäh­rend die theo­lo­gi­schen Ge­lehr­ten den in­halt­li­chen Dis­kurs führ­ten. Ob­wohl Om­phal sich durch­aus auch auf der Sei­te der Re­for­ma­to­ren po­si­tio­nier­te, er­laub­te ihm sein di­plo­ma­ti­sches Ge­schick, sei­ne Kar­rie­re nach dem Schei­tern Her­manns von Wieds fort­zu­set­zen, wenn­gleich dann in her­zog­lich-jü­li­schen Diens­ten. Hier wirk­te er vor al­lem auf der Reichs­ebe­ne, wo­bei sei­ne Be­deu­tung da­bei erst noch er­forscht wer­den muss und dank der fort­schrei­ten­den Ak­te­ne­di­ti­on der Reichs­ver­samm­lun­gen auch kann. Ei­ne um­fas­sen­de Wür­di­gung des bis­lang vor al­lem we­gen sei­ner staats­recht­li­chen Schrif­ten be­kann­ten Po­li­ti­kers steht al­so noch aus.

Om­phal wur­de am 11.2.1500 in der kur­k­öl­ni­schen Stadt An­der­nach ge­bo­ren. Sei­ne El­tern, Bern­hard Om­phal und Her­mi­ne von Bü­ren, ge­hör­ten zur dor­ti­gen Ober­schicht und hat­ten en­ge ver­wandt­schaft­li­che Bin­dun­gen an die ört­li­che Bür­ger­meis­ter­fa­mi­lie Hil­le­s­heim. „Om­phal(ius)“ als la­ti­ni­sier­te Na­mens­form wur­de erst durch Ja­kob Om­phal selbst ver­wen­det, ein ty­pi­sches Zei­chen für sei­ne hu­ma­nis­ti­sche Bil­dung; der deut­sche Fa­mi­li­en­na­me ist nicht be­kannt, von der grie­chi­schen Wort­be­deu­tung her könn­te es „Na­bel“ (om­pha­los) ge­we­sen sein.

Über Om­phals Aus­bil­dungs­gang ist we­nig be­kannt: er stu­dier­te in Köln, Ut­recht und wahr­schein­lich auch Lö­wen. 1530 er­warb er an der Uni­ver­si­tät Pa­ris den Grad ei­nes Ma­gis­ters. Üb­li­cher­wei­se wur­de die­ser Ab­schluss des Phi­lo­so­phie­stu­di­ums in jün­ge­ren Jah­ren er­reicht, um sich dann den hö­he­ren Stu­di­en von Theo­lo­gie, Rech­ten oder Me­di­zin zu wid­men. Of­fen­bar be­nö­tig­te Om­phal ent­we­der un­ge­wöhn­lich lan­ge für sein Stu­di­um oder konn­te es erst spä­ter als ge­wöhn­lich auf­neh­men. Nach dem Er­werb des Ma­gis­ter­gra­des be­schleu­nig­te sich sei­ne aka­de­mi­sche Kar­rie­re je­doch. Er blieb zu­nächst in Pa­ris, wo er Spre­cher der deut­schen Stu­den­ten wur­de, und pfleg­te re­ge brief­li­che Kon­tak­te mit den füh­ren­den Hu­ma­nis­ten sei­ner Zeit, et­wa mit Eras­mus von Rot­ter­dam (1465-1536), Ju­li­us Cae­sar Sca­li­ger (1484-1558) oder Vig­li­us Zuiche­mus (1507-1577). 1535 pro­mo­vier­te er sich in Tou­lou­se zum Dok­tor der Rech­te, zwei Jah­re spä­ter ver­ließ er Frank­reich, um in sei­ne Hei­mat zu­rück­zu­keh­ren.

Ver­mut­lich be­stan­den be­reits zu die­sem Zeit­punkt gu­te Kon­tak­te zum Köl­ner Kur­fürs­ten und Erz­bi­schof Her­mann von Wied, je­den­falls ent­sand­te die­ser ihn als Bei­sit­zer zum Reichs­kam­mer­ge­richt in Spey­er. Hier lern­te er Ge­org Sig­mund Seld (1516-1565) ken­nen, der ab 1550 als Reichs­vi­ze­kanz­ler am­tier­te und Om­phals Rück­halt am Kai­ser­hof be­för­der­te. 1539 hei­ra­te­te Om­phal Eli­sa­beth, die Toch­ter des Köl­ner Stadt­syn­di­kus Pe­ter Bel­ling­hau­sen, und fand da­mit Zu­gang zum stadt­köl­ni­schen Pa­tri­zi­at. Die­se Stel­lung er­leich­ter­te 1540 si­cher­lich auch sei­nen Ein­tritt in den kur­k­öl­ni­schen Hof­rat. 1544 ver­trat er Her­mann von Wied auf dem Reichs­tag zu Spey­er. Hier hat­te er ei­ne heik­le Mis­si­on zu er­fül­len, denn ein Jahr zu­vor hat­te der Köl­ner Erz­bi­schof mit dem „Ein­fäl­ti­gen Be­den­ken“ ei­nen stark von Phil­ipp Me­lan­chthon (1497-1560) und Mar­tin Bu­cer be­ein­fluss­ten Re­for­ma­ti­ons­ent­wurf ver­öf­fent­licht. Es ge­lang Om­phal, die ei­gent­lich fäl­li­gen Ge­gen­maß­nah­men der kai­ser­lich-ka­tho­li­schen Sei­te zu ver­zö­gern, und beim fol­gen­den Worm­ser Reichs­tag 1545 ge­wann er Karl V. (Re­gie­rungs­zeit 1519-1558) so­gar für ein per­sön­li­ches Ge­spräch mit Her­mann von Wied, um ei­nen Kom­pro­miss im schwe­len­den Re­li­gi­ons­streit zu su­chen. Wahr­schein­lich aus Dank­bar­keit und in An­er­ken­nung die­ses Er­folgs wur­de er zum kur­k­öl­ni­schen Kanz­ler er­nannt. Das Ge­spräch blieb al­ler­dings er­geb­nis­los, und Her­mann von Wied wur­de 1547 schlie­ß­lich als Kur­fürst und Erz­bi­schof ab­ge­setzt. Om­phal blieb als ju­ris­ti­scher Be­ra­ter mit sei­nem ehe­ma­li­gen Herrn bis zu des­sen Tod im Jahr 1552 in Ver­bin­dung, trat je­doch 1551 in die Diens­te Her­zog Wil­helms V. von Jü­lich-Kle­ve-Berg, für den er wie­der­um an zahl­rei­chen Reichs- und Reichs­de­pu­ta­ti­ons­ta­gen so­wie an der Kai­ser­wahl Ma­xi­mi­li­an II. (Re­gie­rungs­zeit 1562-1576) im Jah­re 1564 teil­nahm. 1559 er­nann­te Her­zog Wil­helm Om­phal zum Syn­di­kus des Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­krei­ses und er­mög­lich­te ihm die Er­he­bung in den Reich­sa­dels­stand. Mit der No­bi­li­tie­rung soll­ten vor al­lem Rangstrei­tig­kei­ten ver­mie­den wer­den, die dem bür­ger­li­chen Om­phal im Um­gang mit den an­de­ren, häu­fig zu­min­dest nie­de­rad­li­gen De­pu­tier­ten der üb­ri­gen Reichs­krei­se hät­ten ent­ste­hen kön­nen.

Da Jü­lich-Kle­ve das kreis­aus­schrei­ben­de, al­so ge­schäfts- und fe­der­füh­ren­de Her­zog­tum war, kam Om­phal als lei­ten­dem Ju­ris­ten ei­ne zen­tra­le Rol­le zu. Be­reits 1562 ver­un­glück­te er bei ei­nem Reit­un­fall je­doch schwer, wor­auf­hin er sich auf sein Land­gut Wies­dorf in der Nä­he des heu­ti­gen Le­ver­ku­sen zu­rück­zog. Schon des­we­gen ist es un­wahr­schein­lich, dass er bis 1565 ei­ne an­geb­lich be­reits 1540 über­nom­me­ne Rechts­pro­fes­sur an der Köl­ner Uni­ver­si­tät in­ne­hat­te, wie ge­le­gent­lich ge­schrie­ben wird. Si­cher ist je­doch, dass er in sei­ner Köl­ner Zeit Pri­vat­vor­le­sun­gen hielt und ju­ris­ti­sche Gut­ach­ten im Auf­trag des Köl­ner Ra­tes ver­fass­te. Ja­kob Om­phal starb am 25.10.1567 in­fol­ge sei­ner er­lit­te­nen Ver­let­zun­gen, oh­ne wie­der po­li­tisch und rechts­be­ra­tend tä­tig ge­wor­den zu sein.

Om­phal war ein ty­pi­scher Ver­tre­ter des ge­lehr­ten Ra­tes, wie er sich im Lau­fe des 16. Jahr­hun­derts her­aus­bil­de­te. Im geist­li­chen Fürs­ten­tum Kur­k­öln ge­hör­te er gleich­zei­tig zu den frü­hes­ten Ver­tre­tern die­ser neu­en Be­am­ten­ge­ne­ra­ti­on, für die Re­li­gi­on im Üb­ri­gen nur ein Ele­ment der Po­li­tik war. Ganz an­ders als der schrof­fe Ge­gen­satz zwi­schen den Kon­fes­sio­nen es ver­mu­ten lie­ße, war Om­phal in re­li­giö­sen Din­gen eher in­dif­fe­rent. Er blieb zeit­le­bens nach au­ßen hin ka­tho­lisch, sym­pa­thi­sier­te aber wohl durch­aus auch per­sön­lich mit den Re­form­vor­stel­lun­gen Her­mann von Wieds und Wil­helms von Jü­lich-Kle­ve-Berg. Viel­mehr als de­ren Kanz­ler und Rat ist er je­doch sei­ner zahl­rei­chen ju­ris­ti­schen und phi­lo­lo­gi­schen Schrif­ten we­gen in Er­in­ne­rung ge­blie­ben. In jün­ge­ren Jah­ren be­schäf­tig­te Om­phal sich da­bei über­wie­gend mit an­ti­ker Rhe­to­rik und ver­öf­fent­lich­te Text­aus­ga­ben von Ci­ce­ro- und Plau­tus­re­den. Mit „De elo­cu­tio­nis imi­ta­tio­ne“ leg­te er 1537 ein in 15 Aus­ga­ben viel­fach re­zi­pier­tes Stan­dard­werk über die ge­lehr­te Re­de vor. In „De usur­pa­tio­ne le­gum“ setz­te er sich mit der theo­re­ti­schen Be­grün­dung von Ge­rech­tig­keit und Rich­ter­tum aus­ein­an­der; in die­sem vor al­lem an Stu­den­ten der Rech­te ge­rich­te­ten Lehr­buch stütz­te er sich auf ei­ne Viel­zahl an­ti­ker Rechts­quel­len und ver­warf ge­wohn­heits­recht­li­che Ge­pflo­gen­hei­ten. Sei­ne wis­sen­schaft­li­che-sys­te­ma­ti­sche Ar­beit er­leb­te ih­ren Hö­he­punkt im Fürs­ten­spie­gel „De of­fi­cio et po­testa­te prin­ci­pis“. Durch die Be­schrei­bung von Auf­ga­ben und Amts­ge­walt des Fürs­ten ent­wi­ckel­te er ei­ne Herr­schafts­theo­rie, die nicht mehr von der per­so­na­li­sier­ten, son­dern der funk­tio­na­len Fürs­ten­herr­schaft aus­ging, und die noch lan­ge Zeit ma­ß­geb­lich die ju­ris­ti­sche Aus­bil­dung an­ge­hen­der fürst­li­cher Rä­te be­ein­fluss­te. Om­phals Söh­ne setz­ten die vom Va­ter be­grün­de­te Tra­di­ti­on fort. Bern­hard (ge­stor­ben 1580) ver­öf­fent­lich­te be­reits kurz nach Om­phals Tod des­sen Kor­re­spon­denz, was auf sei­ne Be­deu­tung und An­er­ken­nung un­ter den Zeit­ge­nos­sen schlie­ßen lässt. Er voll­zog die in­ne­re Hin­wen­dung des Va­ters zum Pro­tes­tan­tis­mus auch äu­ßer­lich, konn­te aber trotz­dem bis 1578 Mit­glied des Köl­ner Ra­tes blei­ben. Auch die Söh­ne Ja­kob und Kas­par er­reich­ten ein­träg­li­che Po­si­tio­nen, konn­ten sich da­bei aber auch im­mer auf das um­fang­rei­che vä­ter­li­che Ver­mö­gen stüt­zen.

Werke (Auswahl)

De elo­cu­tio­nis imi­ta­tio­ne ac ap­pa­ra­tu, 1537.

Pro­le­go­me­na in M. T. Ci­ce­ro­nis pro A. Cae­ci­na ora­tio­nem, 1538.

De sus­pi­ci­en­da rei­pu­bli­cae pro­pugna­tio­ne, 1538.

Epis­to­lae de dis­si­diis re­li­gio­nis, 1539.

De usur­pa­tio­ne le­gum et eo­rum stu­diis, qui ju­ris­pru­den­tiae pro­fes­sio­nem si­bi su­munt, 1550.

De Of­fi­cio Et po­testa­te Prin­ci­pis in Re­pu­bli­ca be­ne ac sanc­te ge­ren­da, 1550.

De ci­vi­li po­li­tia li­bri tres, 1563.

Literatur (Auswahl)

Ahl, Ing­mar, Hu­ma­nis­ti­sche Po­li­tik zwi­schen Re­for­ma­ti­on und Ge­gen­re­for­ma­ti­on. Der Fürs­ten­spie­gel des Ja­kob Om­pha­li­us, Stutt­gart 2004.

Bers, Gün­ter, An­mer­kun­gen zu den Wid­mungs­re­den ei­nes Köl­ner Hu­ma­nis­ten. Zur li­te­ra­ri­schen Tä­tig­keit des Ja­co­bus Om­pha­li­us, in: Mehl, Ja­mes (Hg.), Hu­ma­nis­mus in Köln / Hu­ma­nism in Co­lo­gne, Köln 1991, S. 175-208.

Schnei­der, An­dre­as, Der Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­sche Reichs­kreis im 16. Jahr­hun­dert. Ge­schich­te, Struk­tur und Funk­ti­on ei­nes Ver­fas­sungs­or­ga­nes des al­ten Rei­ches, Düs­sel­dorf 1985.

Sin­ger, Bru­no, Die Fürs­ten­spie­gel in Deutsch­land im Zeit­al­ter des Hu­ma­nis­mus und der Re­for­ma­ti­on, Mün­chen 1981.

 
Zitationshinweis

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Bock, Martin, Jakob Omphal, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/jakob-omphal/DE-2086/lido/57c956a3481ac2.60717129 (16.07.2018)