Jan Baegert

Maler (um 1465-um 1535)

Ulrike Wolff-Thomsen (Kiel)

Triptychon des Jan Baegert, um 1501/1515, Original im Museum und Archiv Cappenberg, Foto: Michael Jeiter. (Bildarchiv Foto Marburg)

Jan Ba­e­gert zählt zu den be­deu­tends­ten Ma­lern des nie­der­rhei­nisch-west­fä­li­schen Raums in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 16. Jahr­hun­derts.

Ba­e­gert, in We­sel als Sohn des west­fä­lisch-nie­der­rhei­ni­schen Ma­lers De­rick Ba­e­gert ge­bo­ren, wur­de lan­ge Zeit in der For­schung mit dem Not­na­men „Meis­ter von Cap­pen­berg" be­legt – ab­ge­lei­tet von dem für die ehe­ma­li­ge Klos­ter­kir­che St. Jo­han­nes zu Cap­pen­berg bei Lü­nen/West­fa­len ge­schaf­fe­nen Tri­pty­chon, des­sen Pro­gramm von der Ge­burt Chris­ti bis zur Ma­ri­en­krö­nung reicht. Wäh­rend der Lehr­zeit bei sei­nem Va­ter wird er ver­mut­lich in den 1480er Jah­ren auch die Nie­der­lan­de be­reist ha­ben. 1492 wird er als Meis­ter in den Rech­nungs­bü­chern der Lieb­frau­en­bru­der­schaft in Kal­kar ge­nannt; in We­sel ist er seit 1495 auch mit ei­ge­nem Haus­halt im Ma­thena-Vier­tel nach­weis­bar.

Sei­nem Früh­werk (um 1490-1510) zu­ge­hö­rig ist die Ta­fel „An­na Selb­dritt mit den Hei­li­gen Ju­das Thad­dä­us und Ja­ko­bus d.Ä. und ei­nem Kar­täu­ser als Stif­ter" (LWL-Lan­des­mu­se­um für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te, Müns­ter), die noch ge­wis­se Schwä­chen in den Kör­per­pro­por­tio­nen der Bild­fi­gu­ren of­fen­bart. Die so ge­nann­te Cle­mens-Hos­pi­tal-Fol­ge (Stadt­mu­se­um Müns­ter), die lan­ge Zeit im Müns­te­ra­ner Cle­mens-Hos­pi­tal auf­be­wahrt wor­den ist, setzt sich aus zwei Al­tar­flü­geln mit 16 Sze­nen aus dem Ma­ri­en­le­ben und der Pas­si­on Je­su Chris­ti zu­sam­men.

Ba­e­gerts Bild­fi­gu­ren sind häu­fig ei­nem Ge­sicht­s­ty­pus mit ho­her Stirn, weit aus­ein­an­der ste­hen­den Au­gen und ei­ner kur­zen Na­se-Mund-Par­tie mit klei­nem Kinn ver­pflich­tet. Zeich­net sich sein Früh­werk durch ei­ne sehr aus­ge­wo­ge­ne, stren­ge Sym­me­trie und Ver­tei­lung we­ni­ger Ak­zen­te aus, so ge­winnt in sei­ner mitt­le­ren Schaf­fens­pha­se (um 1510-1524) der Land­schafts­raum ei­ne grö­ße­re Be­deu­tung. Bei­spiel­haft für die­se Pha­se, die auch durch ei­ne zu­neh­men­de Plas­ti­zi­tät der Fi­gu­ren be­stimmt wird, sind die Ta­fel „An­be­tung der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge" (LWL-Lan­des­mu­se­um für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te , Müns­ter), das schon ge­nann­te Cap­pen­ber­ger Tri­pty­chon so­wie die Flü­gel des An­to­ni­us-Al­tar­re­ta­bels im Xan­te­ner Dom. Der Schrein des An­to­ni­us-Re­ta­bels, der mit sei­nen ge­schnitz­ten Hei­li­gen­fi­gu­ren un­ter auf­wen­dig ge­stal­te­ten Bal­da­chi­nen von ei­nem Schü­ler des Bild­hau­ers Dries Hol­t­huys (vor 1480-nach 1528) ge­schaf­fen wur­de, wird von zwei gro­ßen Flü­geln mit Aus­zug flan­kiert, auf de­nen Ba­e­gert in meh­re­ren Sze­nen die Ge­schich­te des Hei­li­gen An­to­ni­us vi­sua­li­siert. Die Flü­ge­lau­ßen­sei­ten sind Ta­feln mit den Hei­li­gen An­to­ni­us Ab­as, Tho­mas, Ma­ria Mag­da­le­na, Dio­ny­si­us, Vik­tor und He­le­na vor­be­hal­ten.

Triptychon des Jan Baegert, um 1501/1515, Original im Museum und Archiv Cappenberg, Foto: Michael Jeiter. (Bildarchiv Foto Marburg)

 

In sei­nem Spät­werk (um 1524-1535) neh­men – be­dingt durch rei­che Re­nais­sance-De­ko­ra­tio­nen und ei­ne kla­re Kom­po­si­ti­on – Mo­nu­men­ta­li­tät und Re­prä­sen­ta­ti­on zu. Bei­spiel­haft hier­für ste­hen die bei­den Flü­gel des ehe­ma­li­gen An­nen-Al­tar­re­ta­bels von 1524 im Xan­te­ner Dom.

Ba­e­gert blieb in der ei­gen­stän­di­gen Bil­der­fin­dung schwach, ver­stand es aber, viel­fäl­ti­ge An­re­gun­gen aus den Ar­bei­ten sei­nes Va­ters und aus der zeit­ge­nös­si­schen Gra­phik und an­de­ren Quel­len auf­zu­neh­men. Nach den er­hal­te­nen Wer­ken zu ur­tei­len, kon­zen­trier­te er sich auf re­li­giö­se The­men, ob­wohl ihm auch au­to­no­me Por­traits und Land­schafts­bil­der mög­lich ge­we­sen wä­ren.

Literatur

Ap­p­uhn, Horst, Jan Ba­e­gert, Der Meis­ter von Cap­pen­berg, Ka­ta­log des Mu­se­um für Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te der Stadt Dort­mund, Dort­mund 1972.
Jás­zai, Ge­za, Ba­e­gert, Jan, in: All­ge­mei­nes Künst­ler­le­xi­kon, Band 6, 1992, S. 233-234.
Ma­renk, Gi­se­la (Red.), Jan Ba­e­gert. Die Hei­li­ge Sip­pe, Ka­ta­log des Mu­se­um für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te Dort­mund, Dort­mund 2009.
Mar­tens, Di­dier/Mund, Hé­lè­ne, Un frag­ment in­é­dit de Jan Ba­e­gert. Ana­ly­se sty­lis­tique, ico­no­gra­phi­que et ty­po­lo­gi­que, in: Jaar­bo­ek Ko­nin­k­li­jk Mu­se­um voor Scho­ne Kuns­ten 1997, S. 9-43.
Ro­elen, Mar­tin Wil­helm, Der We­seler Ma­ler Jan Ba­e­gert, in: Mit­tei­lun­gen der His­to­ri­schen Ver­ei­ni­gung We­sel 126 (2008), S. 5-8; 127 (2009), S. 2-5.
Tschi­ra van Oyen, Gun­du­la, Ein Fund aus dem Spät­werk von Jan Ba­e­gert, in: West­fa­len. Hef­te für Ge­schich­te, Kunst und Volks­kun­de 77 (1999), S. 470-489.

Triptychon des Jan Baegert, Geburt Christi, um 1501/1515, Original im Museum und Archiv Cappenberg, Foto: Michael Jeiter. (Bildarchiv Foto Marburg)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Wolff-Thomsen, Ulrike, Jan Baegert, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/jan-baegert-/DE-2086/lido/57c5723d366292.47763602 (10.11.2018)