Johann Conrad Schlaun

Architekt (1695-1773)

Wilfried Hansmann (Bonn)

Johann Conrad Schlaun als münsterischer Artilleriegeneral, Matthias Kappers (1717-1781) zugeschriebenes Gemälde, um 1763/1770, Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif. (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster)

Jo­hann Con­rad Schlaun war im 18. Jahr­hun­dert der be­deu­tends­te west­fä­li­sche Bau­meis­ter des Spät­ba­rock. In sei­ner Früh­zeit und spo­ra­disch in spä­te­ren Jah­ren war er auch im Rhein­land tä­tig. Er ent­wi­ckel­te in West­fa­len ei­nen un­ver­wech­sel­ba­ren Bau­stil durch Ver­schmel­zung der hei­mi­schen Bau­tra­di­ti­on mit in­ter­na­tio­na­len Stil­ten­den­zen. Schlauns Ar­chi­tek­tur zeich­net sich aus durch Klar­heit der Form, wo­bei schmü­cken­de Ele­men­te ge­gen­über der Bau­mas­se sorg­fäl­tig ab­ge­wo­gen sind. 

Jo­hann Con­rad Schlaun wur­de am 5.6.1695 als Sohn des Amt­manns Hein­rich Schlaun (1659-1726) und des­sen Ehe­frau Agnes Be­ren­des (1656-1729) in Nör­de bei War­burg ge­bo­ren und am 8.6.1695 in Os­sen­dorf (heu­te Stadt War­burg) ge­tauft. Nach dem Be­such des Gym­na­si­ums in Pa­der­born trat er 1712 in den Mi­li­tär­dienst und ab­sol­vier­te zeit­gleich ei­ne Aus­bil­dung zum In­ge­nieur. 

Als Ar­til­le­ri­e­leut­nant und Lan­des­in­ge­nieur in Pa­der­born emp­fahl sich der jun­ge Schlaun 1719 dem zum Fürst­bi­schof von Pa­der­born ge­wähl­ten Prin­zen aus dem Hau­se Wit­tels­bach Cle­mens Au­gust mit ei­ner sorg­fäl­tig aus­ge­führ­ten An­sicht der Bi­schofs­stadt an der Pa­der und mit ei­nem Ent­wurf für ein Feu­er­werk, das 1720 bei der fei­er­li­chen In­thro­ni­sie­rung Cle­mens Au­gusts ab­ge­brannt wur­de. Die­ser und sein Mi­nis­ter Fer­di­nand von Plet­ten­berg schick­ten Schlaun 1720/1723 auf­ ei­ne ar­chi­tek­to­ni­sche Bil­dungs­rei­se nach Würz­burg, Rom, viel­leicht Wien und Frank­reich. 

Zwi­schen 1723 und 1733 führ­te Schlaun für Fer­di­nand von Plet­ten­berg an des­sen Bon­ner Pa­lais, dem spä­te­ren (im Zwei­ten Welt­krieg zer­stör­ten) Boe­sel­ager­hof, Um- be­zie­hungs­wei­se Aus­stat­tungs­ar­bei­ten aus. Cle­mens Au­gust, 1723 zum Kur­fürst von Köln ge­wählt, be­auf­trag­te Schlaun 1725 ­mit dem Bau ei­nes Fes­tungs­werks vor der süd­li­chen Haupt­front des kur­fürst­li­chen Re­si­denz­schlos­ses zu Bonn („nou­vel­le en­ce­in­te", 1741/1742 wie­der be­sei­tigt) und be­trau­te ihn mit dem ers­ten her­aus­ra­gen­den Pro­jekt sei­ner jun­gen Ar­chi­tek­ten­kar­rie­re: dem Schloss in Brühl. 

Die Schön­heit des Or­tes und sei­ne güns­ti­ge La­ge für die Fal­ken­jagd, die der Kur­fürst mit Lei­den­schaft be­trieb, ver­an­lass­ten Cle­mens Au­gust zum Bau die­ser An­la­ge an der Stel­le ei­ner 1689 von den Fran­zo­sen bis auf Rui­nen­res­te ge­spreng­ten kur­k­öl­ni­schen Lan­des­burg aus dem Mit­tel­al­ter. 1724 ver­lang­te der Kur­fürst von Guil­lau­me Hau­be­rat (ge­stor­ben um 1749) Ent­wür­fe für den Wie­der­auf­bau der Lan­des­burg­rui­ne als Schloss (im Ar­chiv des LVR-Am­tes für Denk­mal­pfle­ge im Rhein­land, Pul­heim). Hau­be­rats Plä­ne wur­den ver­mut­lich we­gen ih­rer zu tro­cke­nen fran­zö­sisch-klas­si­zis­ti­schen For­men­spra­che ab­ge­lehnt. Cle­mens Au­gust be­vor­zug­te die ita­lie­nisch-wie­ne­risch ge­präg­ten Plä­ne Jo­hann Con­rad Schlauns. 

1728 war un­ter Schlauns Lei­tung be­reits der Roh­bau fer­tig ge­stellt, als es wohl durch die In­ter­ven­ti­on des baye­ri­schen Kur­fürs­ten Karl Al­brecht (1697-1745), des Bru­ders von Cle­mens Au­gust, zu ei­ner völ­li­gen Plan­än­de­rung kam und Schlaun als Ober­bau­meis­ter in Brühl durch den in Mün­chen tä­ti­gen François de Cu­vil­liés (1695-1768) er­setzt wur­de. Vom Schlaun-Bau blieb ein gro­ßer Teil der Au­ßen­ar­chi­tek­tur, je­doch kei­ner der teil­wei­se schon mit Ma­le­rei­en aus­ge­stat­te­ten In­nen­räu­me er­hal­ten. In der Kunst­ge­schich­te gilt die Brüh­ler Tä­tig­keit zu Un­recht als ei­ne un­glück­li­che Epi­so­de: In den Ent­wurfs­plä­nen er­staunt die ho­he zeich­ne­ri­sche und kom­po­si­to­ri­sche Be­ga­bung Schlauns. Zu­sam­men mit den im Schlaun­schen Duk­tus über­kom­me­nen Fas­sa­den, in de­nen ge­ra­de vor Ort er­kun­de­te Mo­ti­ve ins­be­son­de­re der rö­mi­schen Bau­kunst ver­ar­bei­tet sind, do­ku­men­tie­ren die Brühl-Plä­ne den Auf­stiegs­be­ginn des jun­gen Bau­meis­ters aus pro­vin­zi­el­len An­fän­gen zu eu­ro­päi­schem Rang. Am Büh­ler Schloss ent­fal­te­te Schlaun erst­mals den gan­zen Reich­tum an dem für ihn ty­pi­schen For­men­vor­rat: ab­ge­run­de­te Ge­bäu­de­ecken, au­ßer­ge­wöhn­lich ge­form­te Fens­ter­ein­fas­sun­gen, Blen­den, Wand­schich­tun­gen, ak­zent­haft kon­zen­trier­ter Plas­tik­de­kor. Noch am Erb­dros­ten­hof in Müns­ter und am dor­ti­gen Schloss, in Spät­wer­ken, zi­tier­te Schlaun Mo­ti­ve, die er für die Brüh­ler Schloss­ar­chi­tek­tur kon­zi­piert hat­te.

Auf dem Vor­ge­bir­ge ließ sich der Ober­jä­ger­meis­ter des Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust, der kur­k­öl­ni­sche Ge­heim­rat und Amt­mann von Bonn, Fer­di­nand Jo­seph Frei­herr von Weichs (1695-1765), nach Schlauns Ent­wür­fen 1731 Schloss Rös­berg (Born­heim), ei­ne zwei­ge­schos­si­ge Mai­son de plaisance mit ho­hem Walmdach, in den cha­rak­te­ris­ti­schen Schlaun­schen Bau­for­men mit den ab­ge­run­de­ten Ecken er­rich­ten (1833 ab­ge­brannt, ver­än­dert wie­der auf­ge­baut, 1941 er­neut aus­ge­brannt, um 1995 in der Schlaun­schen Au­ßen­form re­kon­stru­iert). Um 1730 er­rich­te­te Schlaun nach dem Zeug­nis des Fer­di­nand Graf von Schall zu Bell (ge­stor­ben 1783) aus Wahn von 1750 die Gro­ße Burg von Klein­bül­le­s­heim (Eus­kir­chen) im Auf­trag des kur­k­öl­ni­schen Kam­mer­herrn Lo­thar Fried­rich von Bour­scheidt (ge­stor­ben 1743). 

Für den auf H-för­mi­gem Grund­riss er­rich­te­ten Putz­bau mit Man­sarddach ver­ein­fach­te Schlaun die Fas­sa­den­for­men des Brüh­ler Schlos­ses. Ei­nes der no­bels­ten Ge­bäu­de im Typ der Mai­son de plaisance, ein zwei­ge­schos­si­ger Putz­bau mit Man­sarddach, der auf­grund sei­ner Ar­chi­tek­tur­spra­che mit Recht Schlaun zu­ge­schrie­ben wird, ist das Lip­pe­sche Land­haus in Ober­kas­sel (Bonn), er­rich­tet um 1750 für den kur­pfäl­zi­schen Rat und Pfen­nig­meis­ter des west­fä­li­schen Krei­ses Jo­hann Ger­hard Ed­ler von Mein­erz­ha­gen (1682-1761). 

Für den 1727 ab­ge­brann­ten West­flü­gel des Je­sui­ten­gym­na­si­ums Tri­co­ro­na­tum in Köln ent­warf Schlaun 1728 den Plan für ei­nen Neu­bau (1912 ab­ge­ris­sen). E­ben­falls nicht er­hal­ten ist die Schlaun zu­ge­schrie­be­ne Kir­che des Wel­sch­non­nen­klos­ters zu Bonn (1908 ab­ge­ris­sen); er­hal­ten sind nur die Ent­wür­fe Schlauns für die Or­gel­em­po­re, zu­gleich Non­nen­em­po­re. 

Schlaun hei­ra­te­te 1725 in ers­ter Ehe die Toch­ter ei­nes Köl­ner Ratherrn aus ei­ner Eu­pe­ner Tex­til­un­ter­neh­mer­fa­mi­lie, Ma­ria Ca­tha­ri­na Bou­rell (1695-1738). Ihr war durch Erb­schaft zu ei­nem Fünf­tel das kur­k­öl­ni­sche Lehn­gut Sülz­hof in Nie­ven­heim (Dor­ma­gen) zu­ge­fal­len. Schlaun er­warb 1732 mit dem Geld sei­ner Frau das ge­sam­te Gut und da­mit das Recht der Wap­pen­füh­rung, ei­ner ei­ge­nen Bank in der Pfarr- und Wall­fahrts­kir­che St. Sal­va­tor zu Nie­ven­heim so­wie das Erb­be­gräb­nis für sich und sei­ne Fa­mi­lie in die­ser Kir­che. Für ih­ren Neu­bau (ge­weiht 1743) zeich­ne­te Schlaun nach Vor­bil­dern des Ita­lie­ners An­drea Poz­zo (1642-1709) Haupt- und Ne­ben­al­tä­re, aus­ge­führt durch den Tisch­ler Ägi­di­us Rhein­dorf und den Schnit­zer Jo­hann Chris­toph Mans­kirch. Den süd­li­chen Ne­ben­al­tar, mit dem das Pri­vi­leg des Erb­be­gräb­nis­ses vor dem Al­tar ver­bun­den war, stif­te­ten (laut um 1900 über­stri­che­ner In­schrift) Schlaun als Sei­ner Durch­laucht des Kur­fürs­ten von Köln (...) Oberst der Müns­te­ri­schen Trup­pen und Kom­man­dant der Ar­til­le­rie, Bri­ga­de­kom­man­deur und Chef des Pro­vi­ant­we­sens und sei­ne zwei­te Ge­mah­lin An­na Ca­tha­ri­na Rehr­mann (ge­bo­ren 1709). 

Nach der Be­stä­ti­gung sei­nes Le­hens durch Kur­fürs­t Ma­xi­mi­li­an Fried­rich 1761 er­rich­te­te Schlaun den Sülz­hof 1766 neu als rau­ten­för­mi­gen Vier­flü­gel­an­la­ge in schlich­ten ­For­men mit Wirt­schafts­ge­bäu­den, quar­tier wan der Herr hin­kombt und des Half­fens (Päch­ters) quar­tier. Ar­chi­tek­to­nisch ein we­nig an­spuchs­vol­ler ge­stal­te­te Schlaun nur die korb­bo­gi­ge Tor­ein­fahrt in den Hof mit Wap­pen­stei­nen; sie zei­gen das Schlaun­sche Wap­pen, die In­itia­len JCS und den Wahl­spruch „IN DEO SPES MEA" mit der Da­tie­rung 1766. In­itia­len und Wap­pen tra­gen ei­ne Adels­kro­ne ob­wohl Schlaun den be­gehr­ten Adels­ti­tel nie er­lang­te. 

Jo­hann Con­rad Schlaun starb am 21.10.1773 zu Müns­ter. Er wur­de in der dor­ti­gen Über­was­ser­kir­che be­stat­tet.

Literatur

Aders, Ger­hard, Bonn als Fes­tung. Ein Bei­trag zur To­po­gra­phie der Stadt und zur Ge­schich­te ih­rer Be­la­ge­run­gen, Bonn 1973, S. 120-131.
Bu­ß­mann, Klaus/Matz­ner, Flo­ri­an/Schul­ze, Ul­rich (Hg.), Jo­hann Con­rad Schlaun 1695-1773. Ar­chi­tek­tur des Spät­ba­rock in Eu­ro­pa, Stutt­gart 1995.
Matz­ner, Flo­ri­an/Schul­ze, Ul­rich, Jo­hann Con­rad Schlaun 1695-1773. Das Ge­samt­werk, 2 Bän­de, Stutt­gart 1995.

Johann Conrad Schlaun als münsterischer Artilleriegeneral, Matthias Kappers (1717-1781) zugeschriebenes Gemälde, um 1763/1770, Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif. (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster)

 
Zitationshinweis

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Hansmann, Wilfried, Johann Conrad Schlaun, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-conrad-schlaun/DE-2086/lido/57c9473b01b711.87704582 (22.04.2018)