Johann Philipp von Walderdorff

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1756-1768)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Johann Philipp von Walderdorff, Porträt, Gemälde, um 1760. (Stadtmuseum Simeonstift Trier)

Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff, in des­sen Re­gie­rungs­zeit der Sie­ben­jäh­ri­ge Krieg fiel, gilt als um­strit­te­ner Kur­fürst, da er sich in sei­ner Amts­füh­rung in ho­hem Ma­ße von sei­nen zum Teil kor­rup­ten Ver­trau­ten lei­ten ließ; per­sön­lich fromm, trat er auf künst­le­ri­schem Ge­biet als Bau­herr und För­de­rer der Ma­le­rei her­vor.

Der am 24. oder 26.5.1701 auf Schloss Mols­berg bei Mon­ta­baur als ach­tes Kind ge­bo­re­ne Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff stammt im Ge­gen­satz zu den an­de­ren Trie­rer Erz­bi­schö­fen des 18. Jahr­hun­derts aus ei­nem nie­de­rad­li­gen Ge­schlecht der Re­gi­on. Sei­ne El­tern wa­ren der Reichs­frei­herr und kai­ser­li­che Obrist Karl Lo­thar von Wal­der­dorff zu Mols­berg und Isen­berg (ge­stor­ben 1722) und An­na Ka­tha­ri­na Eli­sa­beth Frei­in zu Kes­sel­statt (1671-1733). Die Fa­mi­lie hat­te die Herr­schaft Mols­berg seit 1657 al­s kur­trie­ri­sches Le­hen in­ne. Die Fa­mi­lie be­saß wei­te Ver­zwei­gun­gen in die Reichs­kir­che: Ein Bru­der des Gro­ßva­ters war Erz­bi­schof von Wien, ein Bru­der Bi­schof von Ful­da und ein Nef­fe Bi­schof von Spey­er.

 

Wie an­de­re Bi­schö­fe des 16./17. Jahr­hun­derts durch­lief auch Jo­hann Phil­ipp den „cur­sus ho­no­rum“ dom­ka­pi­tu­la­ri­scher Äm­ter. Nach­dem er 1716 die Ton­sur er­hal­ten hat­te, wur­de er 1718 Do­mi­zel­lar, 1736 dann auch Dom­herr in Trier. Wei­ter er­hielt er ei­ne Pfrün­de am Trie­rer Si­me­ons­stift, wo er 1736 Propst wur­de. In den Jah­ren 1720-1724 ab­sol­vier­te er das für Dom­her­ren vor­ge­schrie­ben zwei­jäh­ri­ge Stu­di­um an der Uni­ver­si­tät Mainz. Da­nach, in den Jah­ren 1722-1724, un­ter­nahm er ei­ne zwei­jäh­ri­ge Ka­va­liers­tour nach Pa­ris. Im Jahr 1724 be­klei­de­te er das Amt ei­nes kur­fürst­li­chen Kam­mer­herrn bei dem Trie­rer Erz­bi­schof Franz Lud­wig von Pfalz-Neu­burg. 1739 er­nann­te ihn des­sen Nach­fol­ger Franz Ge­org von Schön­born z­um Ge­ne­ral­vi­kar des Ober­stifts Trier und zum Prä­si­den­ten des Kon­sis­to­ri­ums. 1742 leg­te Jo­hann Phil­ipp nach sei­ner Wahl zum Dom­de­kan die­se Äm­ter nie­der, wur­de zu­gleich aber kur­fürst­li­cher Statt­hal­ter in Trier.

Um den Erz­bi­schof zu schwä­chen, be­stell­te das Dom­ka­pi­tel Jo­hann Phil­ipp 1754 zum Ko­ad­ju­tor Schön­borns und Ad­mi­nis­tra­tor der Ab­tei Prüm. Am 15.6.1755 emp­fing er in der Ka­pu­zi­ner­kir­che in Eh­ren­breit­stein die Bi­schofs­wei­he. 1756 trat er die Nach­fol­ge des ver­stor­be­nen Erz­bi­schofs an. Des­sen Nach­fol­ger als Fürst­propst von Ell­wan­gen wur­de er je­doch nicht. Auch sei­ne Kan­di­da­tur auf den Hil­des­hei­mer Stuhl zog er zu­rück, wo­für er ei­ne Ent­schä­di­gung er­hielt und bei sei­ner Be­wer­bung in Worms nach­drück­lich un­ter­stützt wur­de, so dass er 1763 oh­ne Schwie­rig­kei­ten zum Bi­schof ge­wählt wur­de.

Auch in sei­ner Re­gie­rungs­zeit zo­gen mehr­fach aus­län­di­sche Trup­pen durch das Trie­rer Erz­stift, das zu­dem am Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg teil­nahm und ei­ne fran­zö­si­sche Gar­ni­son auf Eh­ren­breit­stein dul­den muss­te. Ter­ri­to­ri­al konn­te Jo­hann Phil­ipp das Erz­stift 1766 um die Herr­schaft Ober­stein und die Me­diatherr­schaft Val­len­dar ver­grö­ßern. Der la­bi­le und we­nig ent­schluss­kräf­ti­ge Erz­bi­schof stand wäh­rend sei­ner gan­zen Re­gie­rungs­zeit un­ter dem Ein­fluss des Dom­de­kans und Re­gie­rungs­prä­si­den­ten Karl Lud­wig Boos von Wal­deck und des Hof­kanz­lers Jo­hann Ge­org Münch von Bel­ling­hau­sen. Kor­rup­ti­on und Miss­wirt­schaft mach­ten sich breit. Der Kir­chen­fürst in­ter­es­sier­te sich mehr für die Jagd und den Wein als für die Re­gie­rungs­ge­schäf­te. Auch an den kir­chen­po­li­ti­schen Kon­tro­ver­sen sei­ner Zeit (Je­sui­ten ge­gen Ge­org Chris­toph Nel­ler, Fe­bro­ni­us) be­tei­lig­te er sich nicht. Den fran­zö­si­schen und lu­xem­bur­gi­schen An­sprü­chen auf die ter­ri­to­ria­le Kir­chen­ho­heit trat er nur un­ent­schlos­sen ent­ge­gen. Al­ler­dings ent­zog er aus Rück­sicht auf Frank­reich den Je­sui­ten 1764 fast al­le Lehr­stüh­le an der Uni­ver­si­tät und setz­te An­ge­hö­ri­ge der Trie­rer Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei­en ein. Für al­le Or­dens­pries­ter wur­de ein zwei­jäh­ri­ges Uni­ver­si­täts­stu­di­um vor­ge­schrie­ben. Auch ge­gen die Frei­mau­rer un­ter­nahm er Schrit­te.

Ak­ti­ver war Jo­hann Phil­ipp auf re­li­giö­sem Ge­biet. Er ze­le­brier­te oft per­sön­lich, ver­fass­te Ge­be­te und för­der­te die Ma­ri­en­wall­fahrts­or­te. 1766 ver­öf­fent­lich­te er ein „Ri­tua­le Tre­vi­ren­se“. 1762 führ­te er das Ewi­ge Ge­bet ein, und 1765 ließ er den Hei­li­gen Rock aus­stel­len. Die ma­ß­geb­li­che Kraft war je­doch auch hier sein Weih­bi­schof Jo­hann Ni­ko­laus von Hont­heim.

Auch als Bau­herr ist Jo­hann Phil­ipp her­vor­ge­tre­ten. Ab 1758 ließ er durch Jo­hann Seiz (1717-1779) das Jagd­schloss En­gers bei Neu­wied neu er­rich­ten. 1756 bis 1761 ent­stand der Ro­ko­koflü­gel des kur­fürst­li­chen Pa­las­tes in Trier und das re­prä­sen­ta­ti­ve Pa­lais Wal­der­dorff am Dom­frei­hof. In Witt­lich er­bau­te er das 1689 zer­stör­te Schloss Ot­ten­stein neu und be­nann­te es in Phil­ipps­freu­de um.

Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff starb am 12.1.1768 auf Eh­ren­breit­stein. In der dor­ti­gen Hei­lig-Kreuz-Kir­che wur­den sein Herz und sei­ne Ein­ge­wei­de be­stat­tet. Der Kör­per ruht im Trie­rer Dom, in dem ein Epi­taph an ihn er­in­nert. Erst nach sei­nem Tod leg­te das Dom­ka­pi­tel ei­nen Platz für das Grab­mal fest. Erb­strei­tig­kei­ten und Schul­den des Ver­stor­be­nen ver­zö­ger­ten die Her­stel­lung. Erst 1775 wur­de mit dem Trie­rer Bild­hau­er Jean-Bap­tis­te Si­mar ein Ver­trag ge­schlos­sen; 1777 er­folg­te die letz­te Zah­lung. Das Mo­nu­ment be­steht aus ei­nem Sar­ko­phag aus schwar­zem Mar­mor, auf dem ei­ne Fi­gur des Ver­stor­be­nen liegt, die sich, von ei­nem Kis­sen im Rü­cken ge­stützt, halb auf­rich­tet. Mit der lin­ken Hand hält sie ein auf­ge­schla­ge­nes Buch, in dem der Erz­bi­schof liest, um sich auf ei­nen wür­di­gen Tod vor­zu­be­rei­ten. An der Rück­sei­te ist ein drei­sei­ti­ger Obe­lisk an­ge­bracht, der von ei­ner Va­se be­krönt wird und auf dem ein Put­to sitzt. An dem Obe­lisk ist die In­schrift Ec­ce Ho­ra est (Sie­he, die Stun­de ist ge­kom­men) ein­gra­viert. Ein To­ten­ge­rip­pe aus wei­ßem Mar­mor steht ne­ben dem Obe­lisk. Mit sei­ner Rech­ten stützt es sich auf ei­ne Sen­se, mit der Lin­ken zeigt es auf die In­schrift.

Literatur

Ba­ckes, Ma­gnus, Der Wal­der­dorf­fer Hof in Eh­ren­breit­stein. Ein ver­ges­se­nes Bau­werk von Jo­hann Chris­toph Se­bas­tia­ni und Ge­org Seitz, in: Em­bach, Mi­cha­el (Hg.), Sanc­ta Tre­ve­ris. Bei­trä­ge zu Kir­chen­bau und bil­den­der Kunst im al­ten Erz­bis­tum Trier. Fest­schrift für Franz J. Ro­nig zum 70. Ge­burts­tag, Trier 1999, S. 11-31.

Groß Mor­gen, Mar­kus, Das Grab­mal des Trie­rer Erz­bi­schofs Jo­hann Phil­ipp von Wal­der­dorff. Ein Werk des Bild­hau­ers Jean Bap­tis­te Si­mar, in: Neue For­schun­gen und Be­rich­te zu Ob­jek­ten des Bi­schöf­li­chen Dom  und Diö­ze­san­mu­se­ums Trier, Trier 1994, S. 121 152.

Jür­gens­mei­er, Fried­helm (Hg.), Die von Wal­der­dorff. Acht Jahr­hun­der­te Wech­sel­be­zie­hun­gen zwi­schen Re­li­gi­on - Reich - Kir­che und ei­nem rhei­ni­schen Adels­ge­schlecht, Köln 1998.

Sei­brich, Wolf­gang, Ar­ti­kel „Wal­der­dorff, Jo­hann Phil­ipp, Reichs­frei­herr von“, in: Gatz, Er­win (Hg.), Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. 1648-1803. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1990, S. 547-550.

Online

End­ru­lat, Bern­hard Fer­di­nand Ju­li­us, Ar­ti­kel „Jo­hann IX. Phil­ip­p“, in: All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­phie 14 (1881), S. 430. [On­line]

Jo­hann Phil­ipp von Schön­born (Ar­ti­kel in den Saar­land-Bio­gra­fi­en). [On­line]

Johann Philipp von Walderdorffs Grabmal im linken Seitenschiff des Trierer Doms. (Foto: Berthold Werner)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Schmid, Wolfgang, Johann Philipp von Walderdorff, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-philipp-von-walderdorff/DE-2086/lido/57c8315e115828.62860247 (12.12.2018)