Josef Funken

Mitbegründer der Debeka (1866-1935)

Oliver Laux-Steiner (Koblenz)

Der Ko­blen­zer Kom­mu­nal­be­am­te Jo­sef Fun­ken ge­hört zu den In­itia­to­ren der heu­ti­gen De­be­ka-Ver­si­che­rungs­grup­pe, der vor­ma­li­gen Kran­ken­un­ter­stüt­zungs­kas­se für die Ge­mein­de­be­am­ten der R­hein­pro­vinz. 

Jo­sef Fun­ken wur­de am 18.10.1866 als Sohn des Ger­hard Jo­seph Fun­ken (ge­stor­ben 1894) und sei­ner Ehe­frau Ma­ria, ge­bo­re­ne Bel­ten, in Her­zo­gen­rath bei Aa­chen ge­bo­ren. Nach de­m ­Be­such der Volks­schu­le kam er auf die Hö­he­re Schu­le im Au­gus­ti­ner-Chor­her­ren­stift Rol­duc im be­nach­bar­ten Hol­land. Im Al­ter von 15 Jah­ren be­gann er ei­ne Leh­re bei der Stadt­ver­wal­tung Her­zo­gen­rath und ab­sol­vier­te ei­ne durch preu­ßi­sche Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ge­präg­te Aus­bil­dung, die die Grund­la­ge für sein wei­te­res Be­rufs­le­ben als Kom­mu­nal­be­am­ter und ei­ne für je­ne Zeit üb­li­che staats­treue Ge­sin­nung leg­te. 

Den Aus­bil­dungs­jah­ren folg­ten mehr­jäh­ri­ge Tä­tig­kei­ten auf den Bür­ger­meis­ter­äm­tern in Her­zo­gen­rath und Stol­berg. Im Herbst 1891 zog es Fun­ken be­ruf­lich nach Ko­blenz, der Haupt­stadt der Rhein­pro­vinz. Hier lern­te er Ma­ria Ei­sen­beis (1871-1959), ken­nen, die er am 9.5.1898 hei­ra­te­te. Aus der Ehe er­wuch­sen die bei­den Kin­der Leo (ge­bo­ren 1900) und Irm­gard (ge­bo­ren 1903). Fun­kens Toch­ter starb je­doch schon 1917 im Al­ter von 14 Jah­ren an ei­ner Blind­darm­ent­zün­dung, was ne­ben den star­ken Be­las­tun­gen durch den Ers­ten Welt­kriegs ei­nen zu­sätz­li­chen per­sön­li­chen Nie­der­schlag für die Fa­mi­lie Fun­ken mit sich brach­te. 

Fun­ken wur­de in den ers­ten Jah­ren sei­ner Ko­blen­zer Dienst­zeit von Ober­bür­ger­meis­ter Emil Schül­ler (1843-1900, Amts­zeit 1888-1900) so­wohl mit den Auf­ga­ben ei­nes Stan­des­be­am­ten als auch mit der Re­vi­si­on der lo­kal an­ge­sie­del­ten Kran­ken­kas­sen be­auf­tragt. Hier­durch kam er erst­mals mit den Struk­tu­ren und der prak­ti­schen Um­set­zung des Ver­si­che­rungs­ge­dan­kens in Be­rüh­rung, was ihn nach­hal­tig präg­te. 

Die ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Ent­wick­lung von Ta­ri­fen, die recht­li­che Ge­stal­tung von Kran­ken­kas­sen­sat­zun­gen und die Um­set­zung preu­ßi­scher Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten be­stimm­ten fort­an sei­nen Ar­beits­all­tag. Jo­sef Fun­ken zeich­ne­te sich stets durch zu­ver­läs­si­ge und gu­te Ar­beit aus. Sein Ein­satz in der Ko­blen­zer Stadt­ver­wal­tung wur­de da­her re­gel­mä­ßig durch Be­för­de­run­gen und den da­mit ein­her­ge­hen­den grö­ße­ren Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen be­lohnt. 

Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs, der auch für Ko­blenz Zer­stö­rung, Ar­mut und Op­fer mit sich brach­te, er­hielt Fun­ken die Ver­ant­wor­tung für das so ge­nann­te Kriegs­wirt­schafts- und Ver­sor­gungs­amt und trug da­zu bei, die Ent­beh­run­gen und Las­ten des Kriegs für die Ko­blen­zer Be­völ­ke­rung zu mil­dern. In der an­schlie­ßen­den ame­ri­ka­ni­schen und fran­zö­si­schen Be­sat­zungs­zeit über­nahm er die Lei­tung des städ­ti­schen Wirt­schafts­amts. Hier lenk­te er ins­be­son­de­re in den an­ge­spann­ten Jah­ren der In­fla­ti­on und Geld­wert­schwan­kun­gen die Ge­schi­cke der lo­ka­len Wirt­schaft. Be­son­de­re Auf­ga­ben­be­rei­che wa­ren die Si­cher­stel­lung der re­gio­na­len Le­bens­mit­tel­ver­sor­gung, die Pla­nungs­ar­bei­ten zum Aus­bau des Ko­blen­zer Ha­fen­ge­bie­tes und die Be­reit­stel­lung in­dus­tri­ell nutz­ba­rer Flä­chen. Gleich­zei­tig hat­te er zu­dem die durch die mi­li­tä­ri­sche Be­sat­zung re­sul­tie­ren­den Ver­än­de­run­gen im Ko­blen­zer Wirt­schafts­le­ben, un­ter an­de­rem durch die Auf­lö­sung der in Ko­blenz sta­tio­nier­ten Gar­ni­son und der da­mit ein­her­ge­hen­den Ab­wan­derúng tau­sen­der Sol­da­ten und de­ren Fa­mi­li­en, zu be­wäl­ti­gen. Am 1.4.1923 trat Jo­sef Fun­ken im Al­ter von 57 Jah­ren als Bü­ro­di­rek­tor in den Ru­he­stand. 

Ne­ben sei­nen haupt­amt­li­chen Auf­ga­ben en­ga­gier­te sich Fun­ken be­reits früh eh­ren­amt­lich in ver­schie­de­nen Ver­ei­ni­gun­gen für kom­mu­na­le Be­am­te. So grün­de­te er am 19.12.1903 mit Amts­kol­le­gen den „Ver­ein städ­ti­scher Be­am­ter zu Co­blen­z“ und über­nahm des­sen Vor­sitz. Ziel die­ser In­ter­es­sen­ver­tre­tung war es, die An­lie­gen des kom­mu­na­len Be­am­ten­tums, ins­be­son­de­re in Fra­gen der so­zia­len Ab­si­che­rung und Be­am­ten­be­sol­dung, zu dis­ku­tie­ren und ge­gen­über dem Dienst­herrn zu ver­tre­ten. 

Im Rah­men die­ser Ver­eins­tä­tig­keit wur­de Fun­ken wie­der­holt mit dem Wunsch nach ei­ner ei­ge­nen Kran­ken­ver­si­che­rung für Kom­mu­nal­be­am­te kon­fron­tiert. Auf Ver­an­stal­tun­gen und Ta­gun­gen des Ver­bands der Kom­mu­nal­be­am­ten der Rhein­pro­vinz kam im­mer wie­der die Fra­ge nach ei­ner stan­des­ei­ge­nen Kran­ken­un­ter­stüt­zung auf, die die Über­nah­me von Arzt- und Be­hand­lungs­kos­ten der kom­mu­na­len Be­am­te­schaft und de­ren Fa­mi­li­en ga­ran­tie­ren soll­te. Fun­ken, der von Be­rufs we­gen mit der Ma­te­rie des Ver­si­che­rungs­we­sens bes­tens ver­traut war, über­nahm da­her am 3.7.1904, be­auf­tragt von der Lan­des­ver­samm­lung des Ver­ban­des, den Vor­sitz ei­ner Kom­mis­si­on zur Er­rich­tung ei­ner Kran­ken­un­ter­stüt­zungs­kas­se für die Ge­mein­de­be­am­ten der Rhein­pro­vinz. So wur­de er die trei­ben­de Kraft für die am 12.9.1904 ver­öf­fent­lich­ten „Grund­zü­ge für die Er­rich­tung ei­ner Kran­ken­kas­se für den Ver­band der Kom­mu­nal­be­am­ten der Rhein­pro­vin­z“, die ne­ben den Auf­nah­me­kri­te­ri­en ins­be­son­de­re die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen der künf­ti­gen Kas­se the­ma­ti­sier­ten. 

Fun­ken er­füll­te da­mit voll­ends die Er­war­tun­gen sei­ner Be­rufs­ge­nos­sen, so dass we­ni­ge Mo­na­te nach der Er­rich­tung der Kom­mis­si­on mit den Pla­nun­gen für ei­ne of­fi­zi­el­le Er­rich­tung ei­ner Kran­ken­kas­se in­ner­halb des Ver­ban­des be­gon­nen wur­de. Ge­mein­sam mit 26 Be­am­ten aus der ge­sam­ten Rhein­pro­vinz grün­de­te er schlie­ß­lich am 2.7.1905 in St. Jo­hann (heu­te Stadt Saar­brü­cken) ei­ne Kran­ken­un­ter­stüt­zungs­kas­se für Ge­mein­de­be­am­te der Rhein­pro­vinz mit Sitz in Ko­blenz, die ih­ren Ge­schäfts­be­trieb am 1.11.1905 auf­nahm. Fun­ken wur­de zu­m ­Grün­dungs­vor­sit­zen­den ge­wählt. 

Auf­grund sei­nes gro­ßen En­ga­ge­ments, in­ten­siv ge­pfleg­ter Netz­wer­ke zu lo­ka­len und über­re­gio­na­len Be­am­ten­ver­ei­ni­gun­gen und sei­ner zu­kunfts­ge­rich­te­ten Blick­rich­tung wei­te­te sich die Kas­se in­ner­halb von fünf Jah­ren so­wohl geo­gra­phisch als auch in Form von stei­gen­den Mit­glie­der­zah­len schnell aus. Schon 1906 dehn­te die ur­sprüng­lich auf die Rhein­pro­vinz be­schränk­te Un­ter­stüt­zungs­kas­se ih­ren Ak­ti­ons­ra­di­us auf ganz Preu­ßen aus und öff­ne­te sich 1910 für al­le Kom­mu­nal­be­am­ten des Deut­schen Reichs. Zehn Jah­re nach der Grün­dung - 1915 - hat­te die Kas­se mehr als 1.300 Mit­glie­der. 

Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs und der Nach­kriegs­jah­re führ­te Fun­ken die Kas­se si­cher und struk­tu­riert durch die viel­fäl­ti­gen wirt­schaft­li­chen, so­zia­len und po­li­ti­schen Un­wäg­bar­kei­ten, so dass sie wei­ter­hin ei­nen kon­ti­nu­ier­li­chen Mit­glie­der­zu­wachs zu ver­zeich­nen hat­te. Bis 1925 stieg die Zahl der Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge auf über 240.000 mit Bei­trags­ein­nah­men von rund 9 Mil­lio­nen Reichs­mark an. Zu­gleich be­schäf­tig­te die Kas­se, die in den ers­ten Jah­ren nach ih­rer Grün­dung rein eh­ren­amt­lich ge­führt und auf­ge­baut wur­de, in der Mit­te der 1920er Jah­re schon 170 haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter. Die Kas­se war da­mit die grö­ß­te deut­sche Be­am­ten-Kran­ken­ver­si­che­rung. 

Mit dem Ein­tritt in den Ru­he­stand trat Fun­ken auch in die zwei­te Rei­he der Kran­ken­kas­sen­füh­rung zu­rück. 1923 über­gab er nach 18 Jah­ren die Lei­tung der Kas­se in jün­ge­re Hän­de und ließ sich von der Mit­glie­der­ver­samm­lung zum zwei­ten Vor­sit­zen­den in den neu ge­bil­de­ten Auf­sichts­rat wäh­len. Die­ser Rück­zug mag nicht nur sei­nem gleich­zei­ti­gen Ein­tritt in den Ru­he­stand ge­schul­det sein, viel­mehr wa­ren es auch ge­sund­heit­li­che Grün­de, die ihn zwan­gen, die Ar­beit an sei­nem Le­bens­werk ein­zu­schrän­ken. 

Am 26.6.1935 starb Fun­ken im Al­ter von 69 Jah­ren im Krei­se sei­ner Fa­mi­lie in Ko­blenz. 

Wäh­rend sei­ner ak­ti­ven Zeit, als Vor­sit­zen­der der Kran­ken­kas­se wie als lei­ten­de Per­sön­lich­keit in­ner­halb der Ko­blen­zer  Ver­wal­tung, streb­te Fun­ken of­fen­sicht­lich nie­mals da­nach, in den Blick­punkt der Öf­fent­lich­keit zu rü­cken. Viel­mehr kann er als ein stil­ler Ver­tre­ter sei­ner Zunft be­zeich­net wer­den, der zum ge­sund­heit­li­chen Woh­le sei­ner Be­rufs­ge­nos­sen weit über die Gren­zen der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz hin­aus tä­tig war und ma­ß­geb­lich am frü­hen Er­folg der Kran­ken­un­ter­stüt­zungs­kas­se mit­wirk­te. Jo­sef Fun­ken kann heu­te als ei­ner der er­folg­rei­chen Vor­rei­ter des Selbst­hil­fe­ge­dan­kens deut­scher Be­am­ten be­zeich­net wer­den. 

Quellen

Stadt­ar­chiv Ko­blenz, Be­stand 623: Stadt Ko­blenz.

Literatur

75 Jah­re De­be­ka. Fest­schrift zum Ju­bi­lä­um und zur Ein­wei­hung des neu­en Ver­wal­tungs­ge­bäu­des, Ko­blenz 1980.

 
Zitationshinweis

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Laux-Steiner, Oliver, Josef Funken, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/josef-funken/DE-2086/lido/57c6c2e897f8b2.18346117 (21.07.2018)