Karl Baedeker

Verleger (1801-1859)

Klaus Wisotzky (Essen)

Karl Baedeker, Porträt, Lithographie von Breidenbach und Comp., Düsseldorf, um 1850. (Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

Schlagworte

Karl Ba­ede­ker war ein er­folg­rei­cher Ver­le­ger von Rei­se­hand­bü­chern, des­sen Na­me welt­weit zum Syn­onym von Rei­se­füh­rern wur­de.

Karl Ba­ede­ker, ge­bo­ren am 3.11.1801 in Es­sen, stamm­te aus ei­ner Fa­mi­lie, die seit ­dem frü­hen 18. Jahr­hun­dert im Buch­druck und Buch­han­del tä­tig war. Sein Gro­ßva­ter Za­cha­ri­as, der aus Dort­mund kam, war seit 1775 in Es­sen an­säs­sig und be­trieb ne­ben der Dru­cke­rei ei­nen Ver­lag und gab die „Es­sen­di­sche Zei­tung" her­aus. Auch Karl be­rei­te­te sich auf ei­ne Tä­tig­keit im Buch­han­del vor. Nach sei­ner Schul­zeit in Es­sen und Ha­gen ab­sol­vier­te er ei­ne Leh­re bei J. C. B. Mohr in Hei­del­berg und ar­bei­te­te von 1823 bis 1825 bei dem Buch­händ­ler Ge­org An­dre­as Rei­mer in Ber­lin. Ob­wohl er der äl­tes­te Sohn von Gott­schalk Ba­ede­ker und der Buch­händ­ler­s­toch­ter Ma­ri­an­ne Geh­re aus Neu­wied war, trat er nicht ins el­ter­li­che Un­ter­neh­men ein, son­dern er­öff­ne­te am 1.7.1827 ei­ne ei­ge­ne Ver­lags­buch­hand­lung in Ko­blenz. Ver­legt wur­den – wie im Es­se­ner Ge­schäft – vor al­lem Schul­bü­cher.

 

Als Ba­ede­ker 1832 die Ver­lags­buch­hand­lung sei­nes in Kon­kurs ge­gan­ge­nen Ko­blen­zer Kol­le­gen Fried­rich Röh­ling über­nahm, er­wei­ter­te sich die An­ge­bots­pa­let­te er­heb­lich. Ne­ben bel­le­tris­ti­schen Wer­ken wur­den Ge­setz- und Ver­ord­nungs­blät­ter so­wie bal­neo­lo­gi­sche und re­li­giö­se Schrif­ten ge­druckt. Zum Ver­lags­pro­gramm ge­hör­te auch die 1828 er­schie­ne­ne „Rhein­rei­se von Mainz bis Cöln. Hand­buch für Schnell­rei­sen­de", die der Ko­blen­zer Gym­na­si­al­pro­fes­sor Jo­hann Au­gust Klein er­stellt hat­te und die zum Vor­läu­fer der Ba­ede­ker­schen Rei­se­hand­bü­cher wer­den soll­te.

Das Baedeker-Haus in Koblenz am heutigen Görresplatz, um 1840. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Ba­ede­ker er­kann­te die Markt­lü­cke, als sich in der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts ei­ne Vor­form des mo­der­nen Tou­ris­mus ent­wi­ckel­te. Im­mer mehr Bür­ger gin­gen auf Rei­sen, und sie be­nö­tig­ten nicht nur In­for­ma­tio­nen zu den auf der Stre­cke lie­gen­den Se­hens­wür­dig­kei­ten, son­dern vor al­lem zu­ver­läs­si­ge prak­ti­sche Hin­wei­se zu den Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, zu Ho­tels und Gast­hö­fen, zu den ört­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten und In­for­ma­tio­nen über die an­fal­len­den Kos­ten. All das bo­ten die von Ba­ede­ker ver­leg­ten Rei­se­hand­bü­cher, die ab 1846 ver­mehrt in ih­rem cha­rak­te­ris­ti­schen ro­ten Lei­nen­ein­band mit gol­de­ner Schrift er­schie­nen.

Ba­ede­ker hat­te kein Mo­no­pol auf Rei­se­füh­rer, die­se er­schie­nen auch bei Grie­ben oder bei Mey­er – und in Eng­land war John Mur­ray der wich­tigs­te Her­aus­ge­ber –, doch sei­ne Bü­cher zeich­ne­ten sich durch die Viel­zahl der In­for­ma­tio­nen und vor al­lem durch ih­re Zu­ver­läs­sig­keit aus, denn Ba­ede­ker ver­band die Her­aus­ge­ber­schaft mit sei­ner Rei­se­lei­den­schaft. Er blieb sein Le­ben lang ein wiss­be­gie­ri­ger Rei­se­schrift­stel­ler, der die Ein­hei­mi­schen be­frag­te, die Fahr­plä­ne stu­dier­te, Ent­fer­nun­gen maß, die Stu­fen zähl­te und der al­le sei­ne Be­ob­ach­tun­gen pe­ni­bel no­tier­te. Die­se Ge­nau­ig­keit, die sei­ne Le­ser so schätz­ten, fei­er­te Jac­ques Of­fen­bach in sei­ner Ope­ret­te „La Vie Pa­ri­si­en­ne" mit dem oft zi­tier­ten Spruch: „Kings and go­vern­ments may err, but ne­ver Mr. Ba­ede­ker." (Kö­ni­ge und Re­gie­run­gen kön­nen sich ir­ren, aber nie­mals Herr Ba­ede­ker.)

Da al­le In­for­ma­tio­nen von Ba­ede­ker – oder von aus­ge­such­ten Ver­trau­ens­per­so­nen – zu­sam­men­ge­tra­gen wur­den, be­schränk­ten sich die ers­ten Rei­se­bü­cher auf Mit­tel­eu­ro­pa. Ne­ben der mehr­fach über­ar­bei­te­ten Rhein­rei­se – Ak­tua­li­tät war ein wei­te­res Kenn­zei­chen der Ba­ede­ker­schen Bü­cher – er­schie­nen zu­nächst die Bän­de über Bel­gi­en und Hol­land. Dann folg­te 1842 das „Hand­buch für Rei­sen­de durch Deutsch­land und den Oe­s­ter­rei­chi­schen Kai­ser­staat", das in der Fol­ge­zeit we­gen sei­nes Um­fangs in meh­re­re Bän­de auf­ge­teilt wer­den muss­te, und 1844 der Rei­se­füh­rer zur Schweiz.

Fer­ner lie­gen­de Län­der wur­den erst nach dem To­de Karl Ba­ede­kers be­han­delt. Auch die Über­set­zun­gen ins Eng­li­sche setz­ten erst 1861 ein. Ei­ne fran­zö­sisch­spra­chi­ge Aus­ga­be der Rhein­rei­se war al­ler­dings be­reits 1832 er­schie­nen.

Als Karl Ba­ede­ker am 4.10.1859 in Ko­blenz ver­starb (sein Grab be­fin­det sich auf dem dor­ti­gen Haupt­fried­hof), hat­te sich der Ruf sei­ner Hand­bü­cher als über­sicht­lich auf­ge­bau­te, in­for­ma­ti­ons­rei­che und zu­ver­läs­si­ge Rei­se­be­glei­ter ver­fes­tigt.

Literatur

Ba­ede­ker. Ein Na­me wird zur Welt­mar­ke, Ost­fil­dern 1998.
Früh­auf, Hel­mut, Das Ver­lags­haus Ba­ede­ker in Ko­blenz 1827-1872, Ko­blenz 1992.
Hin­rich­sen, Alex W., Ba­ede­ker’s Rei­se­hand­bü­cher 1832-1990. Bi­blio­gra­phie 1832-1944. Ver­zeich­nis 1948-1990. Ver­lags­ge­schich­te mit Abb. und zu­sätz­li­chen Über­sich­ten, 2. Auf­la­ge, Be­vern 1991.
Mül­ler, Su­san­ne, Die Welt des Ba­ede­ker. Ei­ne Me­di­en­kul­tur­ge­schich­te des Rei­se­füh­rers 1830-1945, Frank­furt 2012.

Fassade des zerstörten Baedeker-Haus in Koblenz, 1946. (Stadtarchiv Koblenz)

 
Zitationshinweis

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Wisotzky, Klaus, Karl Baedeker, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/karl-baedeker/DE-2086/lido/582081b7b41596.92060966 (23.05.2018)