Karl von Lothringen

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1711-1715)

Vera Bokeloh (Rheinbreitbach)

Karl von Lothringen, Porträt.

Dem Trie­rer Erz­bi­schof und Kur­fürs­ten aus dem Hau­se Habs­burg war nur ei­ne kur­ze Amts­zeit be­schie­den, in der er sich als ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter und fä­hi­ger Ver­wal­ter sei­ner Bis­tü­mer er­wies.

Karl Jo­seph Ignaz von Loth­rin­gen wur­de am 24.11.1680 als zwei­ter Sohn Her­zog Karls V. von Loth­rin­gen (1643-1690) und der Erz­her­zo­gin Eleo­no­ra Ma­ria von Habs­burg (1653-1697) in Wien ge­bo­ren. Als nach­ge­bo­re­ner Sohn wur­de Karl von Loth­rin­gen für die kirch­li­che Lauf­bahn be­stimmt. Über sein Stu­di­um ist nichts be­kannt. 1687 wur­de er Do­mi­zel­lar und spä­ter Dom­herr in Köln. Es folg­ten wei­te­re Dom­ka­no­ni­ka­te in Os­na­brück (1691), Tri­ent (1692) und Ol­mütz (1692), dann auch in Trier (1702), Müns­ter (1703) und Lüt­tich (1715). Ei­ne stan­des­ge­mä­ße fi­nan­zi­el­le Ver­sor­gung war da­durch si­cher­ge­stellt; dar­über hin­aus war die Mit­glied­schaft in mög­lichst vie­len Dom­ka­pi­teln ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne Kar­rie­re in der Reichs­kir­che. Nach der habs­bur­gi­schen Bis­tums­po­li­tik wa­ren die Loth­rin­ger als Ge­gen­ge­wicht zu den Kan­di­da­ten des kon­kur­rie­ren­den Hau­ses Wit­tels­bach in ei­nem Hoch­stift vor­ge­se­hen. Es lag da­her in habs­bur­gi­schem In­ter­es­se, mög­lichst vie­le Bi­schofs­äm­ter mit ei­nem An­ge­hö­ri­gen ih­rer Dy­nas­tie zu be­set­zen.

Ol­mütz, das ers­te Bis­tum, das Karl von Loth­rin­gen 1695 über­nahm, war von ge­rin­ger Be­deu­tung für ei­ne Kar­rie­re in der Reichs­kir­che. 1698 ge­lang es dem Wie­ner Hof, ihn mit­tels Wahl­be­ste­chung zum Bi­schof von Os­na­brück wäh­len zu las­sen. Die Be­stä­ti­gung durch Papst In­no­zenz XII. (Pon­ti­fi­kat 1691-1700) er­laub­te es Karl Jo­seph, Ol­mütz bei­zu­be­hal­ten, ob­wohl ei­ne Ku­mu­la­ti­on von Bis­tü­mern nicht statt­haft war. In den nächs­ten Jah­ren muss­te er hin­ge­gen auf das päpst­li­che Ent­ge­gen­kom­men ver­zich­ten, was vor al­lem mit der loth­rin­gi­schen Kir­chen­po­li­tik sei­nes Bru­ders zu­sam­men­hing. So ver­wei­ger­te Papst Cle­mens XI (Pon­ti­fi­kat 1700-1721) 1701 die Be­stä­ti­gung der Wahl Karl Jo­sephs zum Ko­ad­ju­tor des Fürst­ab­tes von Sta­blo und Malme­dy. Auch bei der Neu­be­set­zung des Bis­tums Müns­ter kam Karl nicht zum Zu­ge, weil der Papst zu­guns­ten des mehr­heit­lich ge­wähl­ten Franz Ar­nold von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht (1658-1718) ent­schied.

Doch auch oh­ne die voll­stän­di­ge Ver­söh­nung des Hau­ses Loth­rin­gen mit der rö­mi­schen Ku­rie hat­te Karl Jo­seph bald wie­der mehr Er­folg. Nach­dem die Hoff­nung auf das Bis­tum Müns­ter zer­schla­gen war, rück­te Trier in das Blick­feld der Loth­rin­ger. 1710 ge­lang es der Fa­mi­lie, ihn zur Wahl zum Ko­ad­ju­tor des Trie­rer Erz­bi­schofs auf­stel­len zu las­sen. Ho­he Geld­sum­men und ver­mut­lich auch die loth­rin­gi­sche neu­tra­le Hal­tung wäh­rend des Spa­ni­schen Erb­fol­ge­kriegs spiel­ten bei der Ent­schei­dung des Trie­rer Dom­ka­pi­tels zu­guns­ten Karl Jo­sephs ei­ne Rol­le. Sein Ein­zug in die von den Fran­zo­sen be­setz­te Stadt Trier er­folg­te am 20.11.1710. Als Erz­bi­schof Jo­hann Hu­go von Ors­beck be­reits ein Jahr spä­ter starb, trat der Loth­rin­ger die Nach­fol­ge an. Als Erz­bi­schof von Trier war er nun zu­gleich Kur­fürst des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. Das ein­träg­li­che Bis­tum Ol­mütz muss­te er auf­ge­ben, da der Papst die Ku­mu­la­ti­on von drei Hoch­stif­ten nicht zu­ließ und die Auf­ga­be des Bis­tums Os­na­brück des­sen Aus­lie­fe­rung an die Pro­tes­tan­ten be­deu­tet hät­te. In der Fol­ge­zeit hielt sich Karl Jo­seph ab­wech­selnd in Os­na­brück, Lun­é­vil­le, Wien und Trier auf. Auf­grund der fran­zö­si­schen Be­sat­zung war es ihm zu­nächst nicht mög­lich, dau­er­haft in Trier zu re­si­die­ren. So ver­leg­te er 1713 sei­ne Re­si­denz nach Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz). In Trier konn­te er erst im De­zem­ber 1714 nach Be­en­di­gung des Spa­ni­schen Erb­fol­ge­kriegs und dem Ab­zug der fran­zö­si­schen Be­sat­zung ein­zie­hen.

Sei­ne Auf­ga­ben als Kur­fürst konn­te er be­reits kur­ze Zeit nach sei­ner Amts­über­nah­me wahr­neh­men, als Kai­ser Jo­seph I. (Re­gie­rungs­zeit 1705-1711) am 17.4.1711 starb und Karl VI. (Re­gie­rungs­zeit 1711-1740) zum Nach­fol­ger ge­wählt wur­de. Auch an den Krö­nungs­fei­er­lich­kei­ten im Herbst des­sel­ben Jah­res in Frank­furt nahm Karl Jo­seph teil.

Für die Stadt Trier er­ließ er meh­re­re Ver­ord­nun­gen zum Schut­ze des ein­hei­mi­schen Hand­werks; 1713 ver­öf­fent­lich­te er die von sei­nem Vor­gän­ger über­ar­bei­te­te Fas­sung des kur­trie­ri­schen Land­rechts. 1714 kam es zur Ei­ni­gung zwi­schen den geist­li­chen und welt­li­chen Stän­den des Erz­stifts über die je­wei­li­gen An­tei­le an den Lan­des­steu­ern. Sei­ne kirch­li­chen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men zei­gen, dass er die Auf­ga­ben als Ver­wal­ter sei­ner Bis­tü­mer pflicht­be­wusst wahr­nahm. So er­schien 1712 für das Erz­bis­tum Trier ei­ne Kir­chen- und Schul­ord­nung. 1713 ver­pflich­te­te er die Geist­li­chen zum Be­such der De­ka­nats­ka­pi­tel, un­ter­sag­te die Aus­wüch­se bei Kirch­weih­fes­ten und ver­leg­te die Jahr­märk­te auf Wo­chen­ta­ge. 1714 führ­te er im Erz­bis­tum Trier den Ka­te­chis­mus des Volks­mis­sio­nars und Je­sui­ten Phil­ip­pe de Scou­vil­le (1622-1701) ein.

Karl Jo­seph von Loth­rin­gen starb am 4.12.1715 – ver­mut­lich an den Po­cken – in Wien und wur­de dort in der Ka­pu­zi­ner­gruft bei­ge­setzt.

Literatur

Her­sche, Pe­ter, Die deut­schen Dom­ka­pi­tel im 17. und 18. Jahr­hun­dert, 3 Bän­de, Bern 1984.

Sei­brich, Wolf­gang, Karl Jo­seph Ignaz von Loth­rin­gen, in: Gatz, Er­win (Hg.), Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches 1648 bis 1803. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1990, S. 218-220.

Schnei­der, Bern­hard, Die Trie­rer Erz­bi­schö­fe im 17. und 18. Jahr­hun­dert, in: Schnei­der, Bern­hard (Hg.), Kir­chen­re­form und Kon­fes­si­ons­staat 1500-1801 (Ge­schich­te des Bis­tums Trier 3), Trier 2010, S. 88-90.

Wolf, Hu­bert, Die Reichs­kir­chen­po­li­tik des Hau­ses Loth­rin­gen (1680-1715). Ei­ne Habs­bur­ger ­Se­kun­do­ge­ni­tur im Reich?, Stutt­gart 1993. 

Online

Con­rad, Joa­chim, Loth­rin­gen Karl III. Jo­seph von, in: Saar­län­di­sche Bio­gra­fi­en On­line. [On­line ]

End­ru­lat, Bern­hard, Ar­ti­kel „Karl Jo­seph von Loth­rin­gen", in: All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­phie 15 (1882), S. 365-366. [On­line ]

 
Zitationshinweis

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Bokeloh, Vera, Karl von Lothringen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/karl-von-lothringen/DE-2086/lido/57c9329776ffd6.37490056 (23.06.2018)