Katharina Henot

Opfer der Hexenverfolgung (circa 1570-1627)

Jennifer Striewski (Bonn)

Katharina Henot, Skulptur am Kölner Rathausturm, 1989, Bildhauerin: Marianne Lüdicke. (Stadtkonservator Köln)

Die aus ei­ner Köl­ner Pa­tri­zi­er­fa­mi­lie stam­men­de Ka­tha­ri­na He­not wur­de 1627 der He­xe­rei für schul­dig be­fun­den und hin­ge­rich­tet. Auf­grund ih­rer vor­neh­men Her­kunft war sie das wohl be­kann­tes­te Op­fer der Köl­ner He­xen­ver­fol­gun­gen zwi­schen 1627 und 1630. Der He­not-Pro­zess stell­te den Auf­takt ei­ner Pro­zess­wel­le in der Stadt Köln dar.

Ge­bo­ren zwi­schen 1570 und 1580 als Toch­ter von Ja­kob He­not (cir­ca 1545-1625) und sei­ner ad­li­gen Ehe­frau Adel­heid de Ha­en (ge­stor­ben um 1604), ent­stamm­te Ka­tha­ri­na He­not ei­ner nie­der­län­di­schen Fa­mi­lie, die ver­mut­lich we­gen der re­li­giö­sen Wir­ren, die zum Spa­nisch-Nie­der­län­di­schen Krieg führ­ten, Mit­te des 16. Jahr­hun­derts nach Köln aus­ge­wan­dert war.

Ei­ni­ge der zahl­rei­chen Ge­schwis­ter Ka­tha­ri­nas wähl­ten den geist­li­chen Stand; rang­höchs­ter war der äl­tes­te Bru­der Hart­ger (1571-1631), Dok­tor bei­der Rech­te, Köl­ner Dom­ka­pi­tu­lar, De­kan des Stifts Sankt An­dre­as, Propst des Se­ve­rin­stifts, kai­ser­li­cher und kur­fürst­li­cher Rat so­wie apos­to­li­scher Pro­to­no­tar. Ever­hard, ein wei­te­rer Bru­der, Dok­tor der Theo­lo­gie, war De­kan des Stifts Sankt Ku­ni­bert in Köln, wäh­rend die jün­ge­re Schwes­ter Wil­hel­mi­ne Mar­ga­re­the Fran­zis­ka dem Klos­ter Sankt Kla­ra an der Rö­mer­mau­er in Köln bei­trat.

Ja­cob He­not hat­te sich zu­nächst als Sei­den­fär­ber in Köln nie­der­ge­las­sen und war bald zum Fak­tor der ge­nue­si­schen Han­dels­ge­sell­schaft Ga­ri­bal­di auf­ge­stie­gen. Nach­dem er 1576 das Köl­ner Bür­ger­recht er­wor­ben hat­te, ge­lang es ihm durch die Pro­tek­ti­on der Fürs­ten Se­ra­phin II. (1538-1582) und Leo­nard I. von Ta­xis (1522-1612) – letz­te­rer be­klei­de­te seit 1543 das Amt des Ge­ne­ral­post­meis­ters in Brüs­sel – im Post­we­sen Kar­rie­re zu ma­chen. Im No­vem­ber 1577 er­nann­te Se­ra­phin II. nach er­folg­rei­chen Ver­hand­lun­gen mit dem Köl­ner Rat sei­nen As­sis­ten­ten Jo­hann Men­zin­ger zum Köl­ner Post­ver­wal­ter und mach­te Ja­cob He­not zu des­sen Mit­ar­bei­ter. Im Fe­bru­ar 1578 wur­de Men­zin­ger ver­setzt, so­dass He­not das Amt des Köl­ner Post­meis­ters über­neh­men konn­te.

1579 stieg Ja­kob He­not zum kai­ser­li­chen Post­meis­ter und Post­ver­wal­ter in Köln un­ter der Ho­heit der Ta­xis auf und or­ga­ni­sier­te im kai­ser­li­chen Auf­trag das neue Post­we­sen im Reich. Da He­not je­doch Am­bi­tio­nen auf das Amt des Ge­ne­ral­post­meis­ters hat­te, kam es ab 1595 ver­mehrt zu Kon­flik­ten mit der Fa­mi­lie Ta­xis. 1603 wur­de Ja­kob He­not ge­stürzt und das Amt des Köl­ner Post­meis­ters von La­mo­ral von Ta­xis (1557-1624) an ei­nen der fürst­li­chen Fa­mi­lie na­he ste­hen­den Ver­trau­ten ver­ge­ben. Zwei Jahr­zehn­te lang kämpf­ten Ja­kob, Ka­tha­ri­na und Hart­ger He­not ge­gen die Ab­set­zung, erst 1623 er­teil­te Kai­ser Fer­di­nand II. (Re­gie­rungs­zeit 1619-1637) die An­wei­sung, Ja­kob He­not und sei­ne Er­ben wie­der in das Amt ein­zu­set­zen. Da ihr Va­ter be­reits hoch be­tagt war, führ­ten Ka­tha­ri­na und Hart­ger fort­an die Ge­schäf­te und for­der­ten zu­dem ei­ne ho­he Sum­me Scha­dens­er­satz von den Ta­xis.

Als Ja­kob He­not am 17.11.1625 im Al­ter von 94 Jah­ren starb, be­schloss die Fa­mi­lie, den Tod des Fa­mi­li­en­ober­haup­tes zu­nächst ge­heim zu hal­ten, um die Ge­schäf­te nicht er­neut an die Ta­xis ab­tre­ten zu müs­sen. Da­für fälsch­ten die Kin­der so­gar die Un­ter­schrift ih­res Va­ters. Als der Schwin­del auf­ge­deckt und be­kannt wur­de, dass Ja­kob He­not kein or­dent­li­ches Be­gräb­nis er­hal­ten hat­te, be­fan­den sich sei­ne Kin­der er­neut im Nach­teil. Zwar streng­ten Ka­tha­ri­na und Hart­ger ei­nen Pro­zess an, um als Er­ben die Post­meis­te­rei wei­ter­füh­ren zu dür­fen, doch am 19.10.1626 er­ging das end­gül­ti­ge kai­ser­li­che Ur­teil zu Guns­ten der Fürs­ten von Ta­xis.

Ne­ben die wirt­schaft­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen tra­ten ab 1626 Ge­rüch­te, die Ka­tha­ri­na He­not als He­xe be­zich­tig­ten und wel­che zu ei­nem viel ge­fähr­li­che­ren Pro­blem zu wer­den droh­ten.

Im Köl­ner Kla­ris­sen­klos­ter, in dem au­ßer Ka­tha­ri­nas Schwes­ter auch Ka­tha­ri­nas Toch­ter An­na Ma­ria leb­te, wa­ren Fäl­le von an­geb­li­cher Be­ses­sen­heit auf­ge­tre­ten. Die be­trof­fe­nen Frau­en hat­ten beim Ex­or­zis­mus an­ge­ge­ben, Ka­tha­ri­na He­not ha­be sie ver­hext und sie könn­ten nur ge­ne­sen, wenn mit al­ler Schär­fe ge­gen die He­xe und Teu­fels­buh­le vor­ge­gan­gen wer­de. Ob­wohl Ka­tha­ri­na als from­me Frau be­kannt war und als an­ge­se­he­nes Mit­glied der Ober­schicht rei­che Schen­kun­gen mach­te, wur­den die Ge­rüch­te bald zum Stadt­ge­spräch.

En­de Au­gust 1626 wies die Be­schul­dig­te in ei­ner Ver­tei­di­gungs­schrift an den Köl­ner Ge­ne­ral­vi­kar Jo­han­nes Ge­le­ni­us und die kur­fürst­li­chen Kom­mis­sa­re die Vor­wür­fe zu­rück und droh­te den De­nun­zi­an­tin­nen mit ge­richt­li­chen Schrit­ten. Da die Ge­rüch­te je­doch im­mer wei­te­re Krei­se zo­gen, wand­te sich Ka­tha­ri­na En­de Ok­to­ber an den Köl­ner Kur­fürs­ten und Erz­bi­schof Fer­di­nand von Bay­ern und bat um die Ein­set­zung ei­ner Kom­mis­si­on zur Un­ter­bin­dung der Vor­wür­fe. Dies wur­de je­doch ab­ge­lehnt und Ka­tha­ri­na He­not an das welt­li­che Ge­richt ver­wie­sen. Des­halb ließ Ka­tha­ri­na He­not, stets un­ter­stützt von ih­rem Bru­der Hart­ger, durch ih­ren An­walt ei­nen so ge­nann­ten Pur­ga­ti­ons­pro­zess ein­lei­ten, der ih­re Un­schuld be­wei­sen soll­te.

In der Zwi­schen­zeit ging An­fang 1627 beim Rat je­doch ei­ne förm­li­che He­xe­rei­an­kla­ge ein, die zur Ver­haf­tung der He­not führ­te. Zu den be­kann­ten und weit ver­brei­te­ten Ge­rüch­ten und zu der kon­kre­ten An­kla­ge ei­ner Lai­en­schwes­ter des Kla­ris­sen­klos­ters ka­men die Be­schul­di­gun­gen wei­te­rer Schwes­tern des Klos­ters, fer­ner das Ge­ständ­nis ei­ner un­ter He­xe­rei­ver­dacht in Le­che­nich (heu­te Erft­stadt) in­haf­tier­ten ehe­ma­li­gen Schwes­ter des Klos­ters, die Ka­tha­ri­na als Mit­he­xe be­schul­dig­te.

En­de Ja­nu­ar 1627 ließ der Rat auf­grund der In­di­zi­en Ka­tha­ri­na He­not an das Ge­richt über­füh­ren; da sie wei­ter­hin ih­re Un­schuld be­teu­er­te, wur­de sie An­fang Fe­bru­ar zum ers­ten Mal ge­fol­tert. Un­ter­des­sen be­müh­te sich ih­re Fa­mi­lie ver­geb­lich um die Frei­las­sung oder Haft­ver­scho­nung der Be­klag­ten. Pe­ti­tio­nen an den Kur­fürs­ten wie Ein­ga­ben an den Rat blie­ben er­folg­los. Zu­dem war En­de Ja­nu­ar 1627 auch Ka­tha­ri­nas Schwes­ter Wil­hel­mi­ne Mar­ga­re­the Fran­zis­ka in­haf­tiert und un­ter dem Ver­dacht der He­xe­rei ver­hört wor­den.

Wäh­rend der Haft be­teu­er­te Ka­tha­ri­na He­not stand­haft ih­re Un­schuld. Ins­ge­samt wur­de sie min­des­tens drei Mal ge­fol­tert, leg­te je­doch kein Ge­ständ­nis ab und hät­te da­her ei­gent­lich frei­ge­las­sen wer­den müs­sen. Zu­dem war es ih­rem Bru­der Hart­ger in­zwi­schen vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt ge­lun­gen, ein Man­dat zu ih­ren Guns­ten zu er­wir­ken.

Trotz­dem ver­ur­teil­te das Ho­he Welt­li­che Ge­richt in Köln Ka­tha­ri­na He­not we­gen Scha­dens­zau­ber mit To­des­fol­ge in fünf Fäl­len, Scha­dens­zau­ber in der Na­tur, Ver­brei­tung von Zank, ma­gi­schen Prak­ti­ken, Ru­ten­gän­ge­rei und Un­zucht mit ade­li­gen Her­ren zum To­de und dräng­te auf ei­ne schnel­le Voll­stre­ckung des Ur­teils. Des­halb pran­ger­te Hart­ger He­not den Fall spä­ter als Jus­tiz­mord an, da Ka­tha­ri­na He­not oh­ne Ge­ständ­nis hät­te frei kom­men müs­sen. Es ist je­doch nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sie mehr als die er­laub­ten drei Mal ge­fol­tert wor­den war und noch ein Ge­ständ­nis ab­ge­legt hat­te.

Am 19.5.1627 wur­de Ka­tha­ri­na He­not auf der Richt­stät­te Me­la­ten vor den Mau­ern Kölns vom Scharf­rich­ter er­würgt und ih­re Lei­che an­schlie­ßend auf dem Schei­ter­hau­fen ver­brannt.

Ka­tha­ri­na He­nots Pro­zess und Tod ste­hen am An­fang ei­ner in­ten­si­ven He­xen­ver­fol­gung in der Reichs­stadt Köln, die zwi­schen 1627 und 1630 zu 33 Pro­zes­sen führ­te und der min­des­tens 24 Frau­en zum Op­fer fie­len.

Im Fi­gu­ren­pro­gramm des Köl­ner Rat­haus­turms wur­de Ka­tha­ri­na He­not 1989 ein Denk­mal ge­setzt (Bild­haue­rin: Ma­ri­an­ne Lü­di­cke). In Köln tra­gen au­ßer­dem ei­ne Stra­ße und ei­ne Ge­samt­schu­le ih­ren Na­men.

Literatur

Fran­ken, Ire­ne /Ho­er­ner, Ina (Hg.), He­xen. Ver­fol­gung in Köln, Köln 2000.

Beh­rin­ger, Wolf­gang, Köln als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum um 1600. Die An­fän­ge des Köl­ner Post- und Zei­tungs­we­sens im Rah­men der früh­neu­zeit­li­chen Me­di­en­re­vo­lu­ti­on, in: Mö­lich, Ge­org/ Schwer­hoff, Gerd (Hg.), Köln als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum, Köln 2000, S. 183-210.

Schor­mann, Gerd, Der Krieg ge­gen die He­xen. Das Aus­rot­tungs­pro­gramm des Kur­fürs­ten von Köln, Göt­tin­gen 1991.

Schwer­hoff, Gerd, He­xen­ver­fol­gung in ei­ner früh­neu­zeit­li­chen Groß­stadt: das Bei­spiel der ­Reichs­stadt­ ­K­öln, in: in: Ste­phan Lenn­artz (Red.)He­xen­ver­fol­gung im Rhein­land, Ber­gisch Glad­bach 1996, S.13-56.

Sie­bel, Fried­rich Wil­helm, Die He­xen­ver­fol­gung in Köln, Diss. jur., Bonn 1959.

Online

Be­cker, Tho­mas, He­not, Ka­tha­ri­na, In: Le­xi­kon zur Ge­schich­te der He­xen­ver­fol­gung hg. von Ge­drun Gers­mann, Kat­rin Mo­el­ler und Jür­gen-Mi­cha­el Schmidt, in: his­to­ri­cum.net.

Schwer­hoff, Gerd, He­xen­ver­fol­gung in ei­ner früh­neu­zeit­li­chen Groß­stadt: das Bei­spiel der Reichs­stadt Köln, in: Ste­phan Lenn­artz (Red.), He­xen­ver­fol­gung im Rhein­land, Ber­gisch-Glad­bach 1996, S. 13-56 (PDF-Da­tei auf der Web­site der TU Dres­den).

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Striewski, Jennifer, Katharina Henot, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/katharina-henot/DE-2086/lido/57c82b951aab93.67871848 (22.05.2018)