Lothar von Metternich

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1551-1623)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Erzbischof Lothar von Metternich, Porträt, Kupferstich von Balthasar Moncornet (um 1600-1668), um 1659. (Stadtbibliothek/ Stadtarchiv Trier)

Lo­thar von Met­ter­nich setz­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Trie­rer Erz­bi­schof un­ter schwie­ri­gen Be­din­gun­gen die kirch­li­chen Re­form­be­stre­bun­gen sei­ner Vor­gän­ger fort. Ob­wohl er als Kur­fürst zu den füh­ren­den Reichs­po­li­ti­kern sei­ner Zeit ge­hör­te, schei­ter­te er in sei­nen Be­mü­hun­gen, im Kon­flikt zwi­schen der Ka­tho­li­schen Li­ga und der Pro­tes­tan­ti­schen Uni­on, der 1618 in die Ka­ta­stro­phe des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges mün­de­te, zu ver­mit­teln.

Lo­thar von Met­ter­nich wur­de am 31.8.1551 auf Schloss Vet­tel­ho­ven in Graf­schaft als Sohn des Jo­hann von Met­ter­nich (1500-1562), Herr zu Vet­tel­ho­ven un­d kur­k­öl­ni­scher Amt­mann zu Saf­fen­berg und Sin­zig, und sei­ner drit­ten Frau Ka­tha­ri­na von der Ley­en (1528-1587), ge­bo­ren. Er war ein Nef­fe des Trie­rer Erz­bi­schof­s Jo­hann von der Ley­en und ein Vor­fah­re des Staats­manns Kle­mens Wen­zel Lo­thar von Met­ter­nich.

Nach ei­ner um­fas­sen­den Aus­bil­dung bei den Je­sui­ten in Köln, stu­dier­te Met­ter­nich an den Uni­ver­si­tä­ten Köln (1567-1577), Peru­gia (1577-1579) so­wie Pa­dua (1579-1581) und un­ter­nahm Bil­dungs­rei­sen nach Ita­li­en und Frank­reich. 1570 wur­de er An­wär­ter auf ein Ka­no­ni­kat am Trie­rer Dom, 1575 Dom­ka­pi­tu­lar und 1590 Dom­scho­las­ter. Au­ßer­dem be­klei­de­te er Ka­no­ni­ka­te in Min­den und Müns­ter. 1599 er­nann­te ihn Erz­bi­schof Jo­hann VII. von Schö­nen­berg zu sei­nem Ko­ad­ju­tor. Nach Jo­hanns Tod wähl­te ihn das Trie­rer Dom­ka­pi­tel am 7.6.1599 zu sei­nem Nach­fol­ger als Erz­bi­schof von Trier. Am 13.6.1599 emp­fing er die Pries­ter­wei­he, am 30.7.1600 in Ko­blenz die Bi­schofs­wei­he.

Lo­thars vor­dring­lichs­te Sor­ge galt im welt­li­chen Be­reich der fi­nan­zi­el­len Kon­so­li­die­rung sei­nes wirt­schaft­lich und fi­nan­zi­ell ge­schwäch­ten Ter­ri­to­ri­ums. Neue Zunft-, Steu­er-, Ju­den- und Apo­the­ken­ord­nun­gen konn­ten die wirt­schaft­lich pre­kä­re Si­tua­ti­on des Kur­fürs­ten­tums je­doch nicht ent­schei­dend ver­bes­sern, eben­so we­nig das lan­des­herr­li­che En­ga­ge­ment im Berg­bau oder bei der Neu­fas­sung des Mi­ne­ral­brun­nens in Sel­ters. Um ei­nen Staats­bank­rott zu ver­mei­den, er­hob Met­ter­nich neue Steu­ern und stei­ger­te die Prä­ge­tä­tig­keit der Mün­ze (Kip­per- und Wip­per­zeit). Auch der Bei­tritt zur Ka­tho­li­schen Li­ga 1610 ver­ur­sach­te er­heb­li­che Kos­ten, eben­so mi­li­tä­ri­sche Kon­flik­te und Be­set­zun­gen in den Jah­ren 1601, 1610, 1618 und 1620. Der Aus­bau der Fes­tung Eh­ren­breit­stein, die seit 1603 un­ter dem Ar­chi­tek­ten Ales­san­dro Pas­qua­li­ni ver­grö­ßert wur­de, und die Er­wei­te­rung der Stadt­be­fes­ti­gung von Ko­blenz 1611 er­wie­sen sich als schwe­re fi­nan­zi­el­le Hy­po­the­ken bei der Sa­nie­rung der zer­rüt­te­ten Staats­fi­nan­zen.

Den­noch be­gann un­ter dem Epis­ko­pat Lo­thars von Met­ter­nich ab 1615 der kost­spie­li­ge Neu­bau der Trie­rer Re­si­denz, der je­doch erst un­ter sei­nem Nach­fol­ger Phil­ipp von Sö­tern fer­tig ge­stellt wur­de. Der Main­zer Ar­chi­tekt Ge­org Ri­din­ger (1568-1617) er­rich­te­te un­ter Ein­be­zie­hung der spät­an­ti­ken Pa­lastau­la ei­nen präch­ti­gen Re­nais­sance­bau in Form ei­ner Vier­flü­gel­an­la­ge mit ei­nem Hoch­schloss im Sü­den und ei­nem Nie­der­schloss im Nor­den, die ei­nen qua­dra­ti­schen Hof um­schlos­sen. Lo­thar von Met­ter­nich en­ga­gier­te sich in­ten­siv in der Reichs­po­li­tik, fehl­te bei kei­ner be­deut­sa­men Reichs­ver­samm­lung und nahm an den Wah­len der Kai­ser Mat­thi­as (Re­gie­rungs­zeit 1612-1619) und Fer­di­nand II. (Re­gie­rungs­zeit 1619-1637) teil. Auf di­plo­ma­ti­scher Ebe­ne er­wies er sich den­noch als we­nig er­folg­reich; so schei­ter­te er in sei­nen Be­mü­hun­gen, die Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen der Pro­tes­tan­ti­schen Uni­on und der Ka­tho­li­schen Li­ga zu schlich­ten.

Als Erz­bi­schof setz­te Lo­thar von Met­ter­nich die Re­form­tä­tig­keit sei­ner Vor­gän­ger fort, in­dem er vor al­lem die Pries­ter­aus­bil­dung för­der­te und am Schul­un­ter­richt ver­stärkt An­ge­hö­ri­ge der neu­en Or­den be­tei­lig­te. So konn­ten sich Je­sui­ten, Ka­pu­zi­ner (Trier, Bern­kas­tel, Co­chem, Lu­xem­burg), Fran­zis­ka­ner-Ob­ser­van­ten (An­der­nach, Saar­burg-Be­u­rig) und die aus Eng­land ver­trie­be­nen Schwes­tern der Ma­ry Ward (Eng­li­sche Fräu­lein, 1610 in Trier) im Kur­fürs­ten­tum nie­der­las­sen, wo sich der Erz­bi­schof be­müh­te, ih­nen an­ge­mes­se­ne Un­ter­künf­te zu ver­schaf­fen. So wur­de un­ter an­de­rem 1611 bis 1614 in Trier das neue Kol­le­gi­en­ge­bäu­de der Je­sui­ten er­rich­tet. Er re­for­mier­te das Stift St. Ge­org in Lim­burg und ließ das von Papst Cle­mens VIII. (Pon­ti­fi­kat 1592-1605) zum Ju­bel­jahr er­ho­be­ne Jahr 1600 fei­ern. 1608 führ­te er ein Trie­rer Mis­sa­le und 1622 die „Con­sti­tu­tio­nes" ein, ei­ne Art geist­li­ches Tes­ta­ment.

Lo­thar von Met­ter­nich galt als hoch­in­tel­li­gen­ter und be­le­se­ner Mann mit freund­li­chen Um­gangs­for­men und ho­her, stren­ger Sitt­lich­keit. Papst Paul V. (Pon­ti­fi­kat 1605-1621) soll ihn da­her als das Mus­ter ei­nes Bi­schofs („ex­emp­lum es­pi­sco­pi") be­zeich­net ha­ben. Zu­letzt be­zog Lo­thar, des­sen nach­las­sen­de Ge­sund­heit ihn zu­neh­mend an der Aus­übung der Amts­ge­schäf­te hin­der­te, sei­nen Nef­fen Karl von Met­ter­nich (ge­stor­ben 1636) mehr und mehr in die Re­gie­rungs­ge­schäf­te mit ein. Sein Ver­such, die­sen zum Ko­ad­ju­tor zu er­nen­nen schei­ter­te, ob­wohl sie­ben An­ge­hö­ri­ge sei­ner Fa­mi­lie Mit­glie­der des Trie­rer Dom­ka­pi­tels wa­ren. Statt­des­sen wur­de der Dom­propst Phil­ipp von Sö­tern zum Erz­bi­schof ge­wählt; die Fa­mi­lie Met­ter­nich spiel­te je­doch wei­ter­hin im Dom­ka­pi­tel ei­ne wich­ti­ge Rol­le, was zu jah­re­lan­gen tief grei­fen­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen führ­te.

Lo­thar von Met­ter­nich starb am 17.9.1623 in der bi­schöf­li­chen Burg in Ko­blenz nach schwe­rer Krank­heit. Sei­nem Wunsch ent­spre­chend wur­de er im süd­li­chen Sei­ten­schiff des Trie­rer Doms vor dem Al­ler­hei­li­gen­al­tar bei­ge­setzt, den er 1614 von dem Trie­rer Bild­hau­er Hans Ru­precht Hoff­mann hat­te er­rich­ten las­sen. Der mo­nu­men­ta­le Gra­bal­tar er­in­nert an ei­nen ge­wal­ti­gen Flü­gel­al­tar, in des­sen Mit­tel­punkt der vom hei­li­gen Mi­cha­el be­schüt­ze Erz­bi­schof in „ewi­ger An­be­tung" vor der Him­mels­kö­ni­gin kniet. In sie­ben Eta­gen sind zahl­lo­se Hei­li­ge so­wie Fi­gu­ren des Al­ten und des Neu­en Tes­ta­ments dar­ge­stellt, die ein en­zy­klo­pä­di­sches theo­lo­gi­sche Pro­gramm ver­bild­li­chen. Lo­thars Herz wur­de in der Trie­rer Je­sui­ten­kir­che be­gra­ben, mit der er sich zu Leb­zei­ten be­son­ders ver­bun­den ge­fühlt hat­te. Be­reits 1600 hat­te er den Kreuz­tra­gungs­al­tar in der Pfarr­kir­che in Hei­mers­heim zum An­denken an sei­ne El­tern ge­stif­tet.

Literatur

Bro­em­ser, Fer­di­nand, Zur Ge­schich­te der Fa­mi­lie Met­ter­nich mit den drei Mu­scheln und mit dem Lö­wen­wap­pen bis um das Jahr 1700, An­der­nach 1988.

Lauf­ner, Ri­chard, Po­li­ti­sche Ge­schich­te, Ver­fas­sungs- und Ver­wal­tungs­ge­schich­te 1580-1794, in: Düwell, Kurt / Ir­sig­ler, Franz (Hg.), Trier in der Neu­zeit, Trier 1996, S. 15-21.

Schwarz, Pe­ter, Die ­Land­stän­de ­des Erz­stifts Trier un­ter Lo­thar von Met­ter­nich von 1599-1623, Trier 1915.

Sei­brich, Wolf­gang, Ar­ti­kel „Lo­thar von Met­ter­nich", in: Gatz, Er­win (Hg.), Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. 1448 bis 1648, Ber­lin 1996, S. 470-472.

Online

Christ, Gün­ther, Ar­ti­kel „Lo­thar v. Met­ter­nich", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 15 (1987), S. 230-232. [On­line]
Con­rad, Joa­chim, Met­ter­nich Lo­thar von, in: Saar­län­di­sche Bio­gra­fi­en On­line. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Lothar von Metternich, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/lothar-von-metternich/DE-2086/lido/57c94ddfa0e8e8.77062523 (23.06.2018)