Louis-Lazare Hoche

General der französischen Revolutionstruppen (1768-1797)

Sabine Graumann (Köln/Bonn)

Louis-Lazare Hoche, Porträt von François Gérard (1770-1837). (Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon, Versailles)

Louis-La­za­re Hoche war ei­ner der her­aus­ra­gen­den Ge­ne­rä­le der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen. Ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung für das Rhein­land hat­te er als Ober­kom­man­die­ren­der der Sam­bre- und Maas­ar­mee (1797). Er för­der­te die rhei­ni­sche Frei­heits­be­we­gung und sorg­te für die ad­mi­nis­tra­ti­ve Neu­or­ga­ni­sa­ti­on in dem von den fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen seit 1792/1794 be­setz­ten Land. Sein frü­her Tod in Wetz­lar mach­ten al­le Plä­ne der rhei­ni­schen Frei­heits­an­hän­ger zu­nich­te. 1798 wur­de das lin­ke Rhein­ufer von Frank­reich an­nek­tiert.

Louis-La­za­re Hoche wur­de am 24.6.1768 in Mon­treuil bei Ver­sailles (heu­te Quar­tier Ver­sailles) als Sohn von Louis Hoche und An­ne Mer­liè­re ge­bo­ren. Sein Va­ter hat­te als Sol­dat und Pfer­de­wär­ter im Jagd­stall Kö­nig Lud­wigs XV. (Re­gie­rungs­zeit 1715-1774) ge­dient. Mit 14 Jah­ren wur­de Hoche Stall­jun­ge in den kö­nig­li­chen Stal­lun­gen und kam zwei Jah­re spä­ter in das Re­gi­ment der Gar­des françai­ses (Fran­zö­si­sche Gar­den). Der fran­zö­si­schen Ar­mee dien­te er von 1784 bis 1797.

 

Zu Be­ginn der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on 1789 war Hoche zum Ser­gean­ten auf­ge­stie­gen und wur­de 1792 Leut­nant bei der In­fan­te­rie. Er war be­geis­tert für die neu­en Frei­heits­ide­en und wid­me­te sich in­ten­siv dem Stu­di­um der Kriegs­wis­sen­schaf­ten.

Ver­hei­ra­tet war Hoche seit 1794 mit der da­mals 16-jäh­ri­gen An­ne Adé­laï­de De­chaux aus Thion­vil­le (Di­eden­ho­fen). Aus der Ehe ging die Toch­ter Jen­ny (1796-1867) her­vor.

Wäh­rend der krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen dem re­vo­lu­tio­nä­ren Frank­reich und sei­nen eu­ro­päi­schen Geg­nern, al­len vor­an Ös­ter­reich und Preu­ßen, kämpf­te Hoche im Ers­ten Ko­ali­ti­ons­krieg (1792-1797) auf Sei­ten Frank­reichs ge­gen das eu­ro­päi­sche Mäch­te­kon­zert. Die krie­ge­ri­schen Er­eig­nis­se er­mög­lich­ten ihm ei­ne stei­le mi­li­tä­ri­sche Lauf­bahn, wie sie vor 1789 un­denk­bar ge­we­sen wä­re. Im be­la­ger­ten Thion­vil­le im Mo­sel­de­par­te­ment an der nord­öst­li­chen Gren­ze Frank­reichs er­leb­te Hoche 1792 erst­mals den Krieg und wur­de Haupt­mann. Er zeich­ne­te sich in Thion­vil­le eben­so aus wie bei den Be­la­ge­run­gen von Na­mur und Maas­tricht so­wie in der Schlacht von Nee­r­win­den. Im Ver­lauf des Jah­res 1793 wur­de er zum Flü­ge­l­ad­ju­tan­ten sei­nes mi­li­tä­ri­schen Lehr­meis­ters, des Ge­ne­rals Le­ve­neur (Alexis Paul Mi­chel Tan­ne­guy Le Ve­neur de Til­liè­res, 1746-1833).

Kri­ti­sche Äu­ße­run­gen Hoch­es über den Zu­stand der Ar­mee führ­ten im Au­gust 1793 zu sei­ner Ver­haf­tung. Er wur­de nach kur­zer Zeit frei­ge­spro­chen und nach Dün­kir­chen ver­setzt. Als Ge­ne­ral­ad­ju­tant wur­de er dort er­folg­reich mit der Ver­tei­di­gung ge­gen die Eng­län­der be­traut. Hoche stieg zum Bri­ga­de­ge­ne­ral, dann zum Di­vi­si­ons­ge­ne­ral auf und er­hielt im An­schluss das Ober­kom­man­do über die Mo­sel­ar­mee. Mit der Mo­sel­ar­mee griff er En­de No­vem­ber 1793 die Preu­ßen bei Kai­sers­lau­tern an. Hoche sta­tio­nier­te ein Korps an der Saar und mar­schier­te mit 12.000 Mann über die Vo­ge­sen, um zu­sam­men mit der Rhein­ar­mee zu ope­rie­ren. Am 25.12.1793 wur­de ihm das Ober­kom­man­do über die Mo­sel- und Rhein­ar­mee über­tra­gen. Nach meh­re­ren er­folg­rei­chen Sie­gen Hoch­es muss­ten die Ös­ter­rei­cher und Preu­ßen das El­saß räu­men.

An­schlie­ßend er­hielt er das Kom­man­do über die Ita­li­en­ar­mee. Auf An­ord­nung des Pa­ri­ser Wohl­fahrtsau­schus­ses wur­de Hoche je­doch er­neut ver­haf­tet und kam erst durch den Sturz Ma­xi­mil­li­en Ro­bes­pierres (1758-1794) im Ju­li 1794 wie­der frei. Ein Jahr spä­ter wur­de er 1795 vom Kon­vent ge­gen die An­hän­ger der Roya­lis­ten in die west­li­chen Pro­vin­zen Frank­reichs ge­schickt. Es ge­lang ihm, sie durch um­sich­ti­ges Han­deln zur Nie­der­le­gung der Waf­fen zu be­we­gen. Er­neut wur­de Hoche im De­zem­ber 1795 vom Di­rek­to­ri­um der Ober­be­fehl über die West­ar­mee über­tra­gen. Er ließ al­le wich­ti­gen Punk­te der Ven­dée be­set­zen und stell­te durch ge­schick­tes Tak­tie­ren die Ru­he wie­der her. Da­für er­hielt er den Na­men „Pa­ci­fi­ca­teur de la Ven­dée" (Frie­dens­stif­ter der Ven­dée). Hoche zog mit 15.000 Mann über die Loire und be­ru­hig­te An­jou, Mai­ne, die Bre­ta­gne und die Nor­man­die.

Im De­zem­ber 1796 stach er mit 18.000 Mann in Brest ge­gen Ir­land in See. Durch ei­nen Sturm wur­de sein Schiff vor der iri­schen Küs­te von den an­de­ren Schif­fen ge­trennt, so dass Hoche nach Frank­reich flie­hen muss­te. In Pa­ris wur­de er am 24.1.1797 zum Ober­kom­man­dan­ten der 80.000 Mann star­ken Sam­bre- und Maas­ar­mee er­nannt und über­nahm da­durch für das von den Fran­zo­sen seit 1792/1794 be­setz­te Rhein­land ei­ne zen­tra­le Rol­le. Am 18.4.1797 er­öff­ne­te Hoche mit sei­nem spek­ta­ku­lä­ren Rhein­über­gang bei Neu­wied sei­ne Ent­las­tungs­of­fen­si­ve ge­gen den ös­ter­rei­chi­schen Kai­ser und wur­de da­bei un­ter an­de­rem von Bri­ga­de­ge­ne­ral Mi­chel Ney un­ter­stützt. Hoche er­rang meh­re­re Sie­ge über die Ös­ter­rei­cher, drang bis Wetz­lar vor und er­hielt schlie­ß­lich den Ober­be­fehl über die Ar­mee an den deut­schen Gren­zen.

Hoche war im Fe­bru­ar 1797 im Rhein­land ein­ge­trof­fen. Die Ver­sor­gungs­la­ge der Ar­mee war durch das Durch­ein­an­der der be­ste­hen­den, we­nig ef­fek­ti­ven mi­li­tä­ri­schen und zi­vi­len Ver­wal­tun­gen ka­ta­stro­phal. Hoche wur­de vom Pa­ri­ser Di­rek­to­ri­um ne­ben der mi­li­tä­ri­schen auch die zi­vi­le Ver­wal­tung in dem Ge­biet zwi­schen Maas und Rhein und Rhein und Mo­sel über­tra­gen. Mit Wir­kung vom 21.3.1797 wur­den auf In­itia­ti­ve Hoch­es die be­ste­hen­den fran­zö­si­schen Ver­wal­tungs­ein­rich­tun­gen in den er­ober­ten Ge­bie­ten auf­ge­löst. Die al­ten Lan­des­re­gie­run­gen und un­te­ren Ver­wal­tungs­be­hör­den soll­ten ih­re Tä­tig­keit wie­der auf­neh­men. In Bonn setz­te Hoche als obers­te zen­tra­le Be­hör­de ei­ne aus fünf fran­zö­si­schen Mit­glie­dern be­ste­hen­de Com­mis­si­on in­ter­mé­diai­re (Mit­tel­kom­mis­si­on) ein. Sie hat­te of­fi­zi­ell nur knapp sie­ben Mo­na­te Be­stand und wur­de am 5.10.1797 vom Pa­ri­ser Di­rek­to­ri­um ab­ge­schafft, am­tier­te je­doch noch bis Fe­bru­ar 1798.

Wäh­rend sei­ner Zeit im Rhein­land stieß Hoche 1797 auf die Be­we­gung der rhei­ni­schen Pa­trio­ten. Die rhei­ni­sche Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung hat­te sich im An­schluss an die re­vo­lu­tio­nä­ren Er­eig­nis­se ge­bil­det. Seit An­fang April 1797 lie­fen Über­le­gun­gen zur Grün­dung ei­nes sich an Frank­reich ori­en­tie­ren­den rhei­ni­schen Staa­tes, der Cis­rhen­a­ni­schen Re­pu­blik. Hoche be­für­wor­te­te die­se In­itia­ti­ve und för­der­te sie nach­hal­tig. Das Pa­ri­ser Di­rek­to­ri­um si­gna­li­sier­te sei­ne Zu­stim­mung. Am 5.7.1797 wur­de erst­mals die Rhei­ni­sche Re­pu­blik in Rhein­bach aus­ge­ru­fen. Es folg­ten ent­spre­chen­de Pro­kla­ma­tio­nen in Bonn, Ko­blenz und Köln. An vie­len Or­ten wur­den Frei­heits­bäu­me ge­pflanzt, in Bonn wur­de ein Ge­ne­ral­ko­mi­tee der cis­rhen­a­ni­schen Be­we­gung ge­bil­det. Der neue Staat über­leb­te in­des nicht lan­ge. Nach dem Staats­streich vom 4.9.1797 in Pa­ris hat­te die Re­gie­rung an­de­re Plä­ne mit dem Rhein­land, es soll­te Frank­reich an­ge­glie­dert wer­den.

Hoche als en­ga­gier­ter Be­für­wor­ter des se­pa­ra­ten Staa­tes im Rhein­land ver­starb am 19. 9.1797 im Al­ter von nur 29 Jah­ren in sei­nem Haupt­quar­tier in Wetz­lar, ver­mut­lich an ei­ner fort­ge­schrit­te­nen Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se. Sein Nach­fol­ger ver­kün­de­te am 27.10.1797 das En­de der Cis­rhen­a­ni­schen Re­pu­blik.

Hoche wur­de zu­nächst im Fort Mar­ceau auf dem Pe­ters­berg in Ko­blenz-Lüt­zel bei­ge­setzt und ruh­te dort bis 1919. In je­nem Jahr wur­de er nach Wei­ßen­thurm am Rhein auf den Frau­en­berg, we­ni­ge Ki­lo­me­ter un­ter­halb An­der­nachs, ge­gen­über von Neu­wied über­führt. Dort er­in­nert ein be­reits 1797 ge­plan­tes Denk­mal an den Über­gang der fran­zö­si­schen Trup­pen über den Rhein, der vom Frau­en­berg aus durch Hoche be­feh­ligt wor­den war. Auch in Ver­sailles und Qui­be­ron in Frank­reich wur­den ihm Denk­mä­ler er­rich­tet. 1797/1798 wur­de von Alex­and­re Rous­se­lin (1773-1847) auf Staats­kos­ten die ers­te Bio­gra­phie Hoch­es ver­fasst. Sie wur­de mehr­fach auf­ge­legt und über­setzt und zeugt von der zeit­ge­nös­si­schen Po­pu­la­ri­tät des be­rühm­ten Re­vo­lu­ti­ons­ge­ne­rals. Der Na­me Hoch­es steht wie der al­ler gro­ßen Ge­ne­rä­le Na­po­le­ons (1769-1821) auf dem Arc de Triom­phe (Tri­umph­bo­gen) in Pa­ris.

Quellen

Han­sen, Jo­seph (Hg.), Quel­len zur Ge­schich­te des Rhein­lan­des im Zeit­al­ter der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on 1780-1801, Bän­de 3-4, Bonn 1934, 1938, Nach­druck Düs­sel­dorf 2004.

Literatur (Auswahl)

Bon­necho­se, Émi­le de, La­za­re Hoche, gé­né­ral en chef des ar­mées de la Mo­sel­le, d'Ita­lie, des cô­tes de Cher­bourg, de Brest, et de l'océan, de Sam­bre-et-Meu­se et du Rhin, sous la Con­ven­ti­on et le Di­rec­toire, 1793-1797, 2. Auf­la­ge, Pa­ris 1869.

Cla­va­det­scher, Pe­ter, Des Elends Sohn: La­za­re Hoche, 1768-1797, Lu­zern 2007.

Gar­nier, Ro­bert, La­za­re Hoche ou l’hon­neur des ar­mes, Pa­ris 1986.

Grif­fiths, Ar­thur Ge­or­ge Fre­de­rick, French re­vo­lu­tio­na­ry ge­ne­rals, Lon­don 1891.

Ru­ders­dorf, Jo­chem, Der letz­te Feld­zug des fran­zö­si­schen Ge­ne­rals La­za­re Hoche und das En­de des 1. Ko­ali­ti­ons­krie­ges 1797, in: Nas­saui­sche An­na­len 109 (1998), S. 229-264.

Rous­se­lin, Alex­and­re [Alex­and­re Charles Omer Comte Rous­se­lin Cor­beau de Saint Al­bin], Vie de La­za­re Hoche, Band 1-2, Pa­ris an VI (1797/98), 5. Auf­la­ge, Pa­ris 1800.

Online

Quel­len/Do­ku­men­te über Louis-La­za­re Hoche(In­for­ma­ti­ons­an­ge­bot des Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­tes Gal­li­ca der Fran­zö­si­schen Na­tio­nal­bi­blio­thek, in fran­zö­si­scher und eng­li­scher Spra­che).

Louis-Lazare Hoche, Stahlstich von Bosselmann, Ende 18. Jahrhundert.

 
Zitationshinweis

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Graumann, Sabine, Louis-Lazare Hoche, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/louis-lazare-hoche/DE-2086/lido/57c830c885c390.49239399 (22.05.2018)