Ludwig Mathar

Schriftsteller (1882-1958)

Eva Mathar (Köln)

Ludwig Mathar, 1920er Jahre, Porträtfoto.

Lud­wig Mat­har war ein vor al­lem in den 1920er und 30er Jah­ren pro­duk­ti­ver und er­folg­rei­cher rhei­ni­scher Schrift­stel­ler, be­kannt durch sei­ne Rei­se­be­rich­te, Land­schafts­be­schrei­bun­gen und his­to­ri­schen Ro­ma­ne. Auch re­li­giö­se The­men spiel­ten für den gläu­bi­gen Ka­tho­li­ken ei­ne gro­ße Rol­le.

Ge­bo­ren wur­de er am 5.6.1882 als Sohn des Till­mann Mat­har (1857-1937) und sei­ner Ehe­frau Ma­ria (1859-1930), ge­nannt An­na, ge­bo­re­ne Os­la­en­der, in Mons­chau. Die Mut­ter war Kauf­frau und be­trieb ein Tex­til­ge­schäft, der Va­ter war Buch­hal­ter, Ver­si­che­rungs­agent und Ta­bak­wa­ren­händ­ler. Die Fa­mi­lie war ver­hält­nis­mä­ßig wohl­ha­bend. Der Sohn be­such­te die hö­he­ren Schu­len in Mons­chau, Müns­ter­ei­fel (heu­te Stadt Bad Müns­ter­ei­fel) un­d Aa­chen, wo er 1902 am Kai­ser-Karls-Gym­na­si­um Ab­itur mach­te. Prä­gend für sein spä­te­res Le­ben und Schaf­fen war sein Auf­ent­halt als No­vi­ze 1898/1899 in der Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei Sankt Paul vor den Mau­ern in Rom, wo sein eben­falls aus Mons­chau stam­men­der On­kel Bo­ni­fa­cio Os­la­en­der (1835-1904) Abt war. Auch wenn er sich nicht zum geist­li­chen Be­ruf ent­schlie­ßen konn­te, so hat doch der rö­mi­sche Ka­tho­li­zis­mus sei­ne wei­te­re Ent­wick­lung ma­ß­geb­lich be­ein­flusst.

Lud­wig Mat­har stu­dier­te ab 1903 Ger­ma­nis­tik, Ro­ma­nis­tik und An­glis­tik an den Uni­ver­si­tä­ten Frei­burg im Breis­gau, Mün­chen, Pa­ris un­d Bonn, wo er 1907 die Prü­fung für das Lehr­amt an Hö­he­ren Schu­len ab­leg­te. Den an­schlie­ßen­den Wehr­dienst als Ein­jäh­rig-Frei­wil­li­ger beim In­fan­te­rie­re­gi­ment 160 in Bonn schloss er als Leut­nant der Re­ser­ve ab.

1909 pro­mo­vier­te er an der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen mit dem The­ma „Car­lo Gol­do­ni und das deut­sche Thea­ter des XVIII. Jahr­hun­derts“, wel­ches er in der Lon­do­ner Bri­tish Li­bra­ry re­cher­chiert hat­te, zum Dr. phil. 1911 wur­de er Re­fe­ren­dar an der Ober­re­al­schu­le in Müns­ter­ei­fel und spä­ter Ober­leh­rer/Stu­di­e­n­as­ses­sor in Neuss für Deutsch, Eng­lisch und Fran­zö­sisch.

Die 1912 ge­schlos­se­ne Ehe mit sei­ner lang­jäh­ri­gen Ju­gend­freun­din Mat­hil­de (Til­la) Kühn (1884-1912) aus Mons­chau blieb kin­der­los.

Mit dem Ein­tritt des Deut­schen Rei­ches in den Ers­ten Welt­krieg am 1.8.1914 wur­de Mat­har zum Kriegs­dienst ein­ge­zo­gen und kämpf­te an der West- und Ost­front. Im Sep­tem­ber 1914 wur­de er in der Schlacht bei Se­dan durch Bauch­durch­schuss schwer ver­wun­det. Am 2.10.1914 wur­de er mit dem Ei­ser­nen Kreuz aus­ge­zeich­net. Durch die Ver­wun­dung für den Front­kampf un­taug­lich, war er wäh­rend des wei­te­ren Kriegs­ver­laufs Leh­rer an den Of­fi­ziers­schu­len in Lok­stedt (heu­te Stadt Ham­burg), Li­bau und Ber­lin; 1918 wur­de er Dol­met­scher beim Nach­rich­ten­dienst des Hee­res in Straß­burg. Am 22.11.1918 wur­de er als Ober­leut­nant aus dem Hee­res­dienst ent­las­sen. Im April 1919 kam er als Stu­di­en­rat an das Gym­na­si­um in der Kreuz­gas­se in Köln.

Lud­wig Mat­hars li­te­ra­ri­sches Schaf­fen be­gann 1915 mit zeit­ge­nös­si­scher Kriegs­ly­rik, dem Ge­dicht­band „Auch ich war da­bei“. Au­ßer­dem ver­öf­fent­lich­te er die Kriegs­no­vel­le „Deich­bruch“. Nach vie­len Ein­zel­auf­sät­zen, zu­meist über his­to­ri­sche und hu­mo­ri­ge Er­eig­nis­se, er­schien ab dem 17.2.1922 in der „Köl­ni­schen Volks­zei­tun­g“ sein ers­ter Ro­man „Lex Mar­ti­ni“ (ver­schlüs­selt für Lütz Mat­har) in Fort­set­zun­gen und un­ter dem Ti­tel „Die Monschäu­er“ auch gleich­zei­tig als Buch. Da­mit be­grün­de­te Mat­har sei­nen Ruf als rhei­ni­scher Schrift­stel­ler. Mit dem im sel­ben Jahr ver­öf­fent­lich­ten Kunst­band „Der Nie­der­rhein, Bil­der von Land, Volk und Kunst“ be­gann er ei­ne Rei­he von Land­schafts­por­träts, fach­kun­di­ge und de­tail­lier­te Be­schrei­bun­gen vor al­lem von re­li­giö­ser Kunst und Ar­chi­tek­tur, die er mit der Dar­stel­lung der Ge­schich­te der Land­schaf­ten ver­band.

Die nächs­ten zehn Jah­re wa­ren für Lud­wig Mat­har ei­ne Zeit schrift­stel­le­ri­scher Er­fol­ge. In der rhei­ni­schen Schrift­stel­ler­sze­ne war er ak­tiv in den Ver­ei­ni­gun­gen Bund rhei­ni­scher Dich­ter und den Köl­ner Pro­gres­si­ven; so trat er un­ter an­de­rem bei der der künst­le­ri­schen Avant­gar­de zu­ge­wand­ten Li­te­ra­ri­schen Ge­sell­schaft auf. Zeit­wei­se war er auch Mit­ar­bei­ter der WER­AG, ei­nem Vor­läu­fer des WDR.

Sei­nem Ta­ge­buch ist zu ent­neh­men, dass er mit den Schrift­stel­lern Jo­sef Pon­ten (1883–1940) - ein Mita­b­itu­ri­ent, mit dem er ent­fernt ver­wandt war -, Ja­kob Kneip (1881-1951), Ot­to Bru­es, Franz Her­wig (1880-1931), Hein­rich Fe­de­rer (1866-1926), Fan­ny Wib­mer-Pe­dit (1890-1967) und Al­fons Paquet (1881-1944) gut be­kannt war.

Auch Künst­ler wie Fritz von Wil­le, Pe­ter He­cker (1884-1971), Hein­rich Win­del­schmidt (1984-1963) , Franz M. Jan­sen (1885-1958), Theo Blum (1883-1963), Paul Sie­bertz (1915-1997), Cur­ti­us Schul­ten (1893-1967), Lud­wig E. Ro­nig (1885-1959) und der Bild­hau­er Her­mann Kirch (1907-1945) ge­hör­ten zu sei­nem Be­kann­ten- und Freun­des­kreis. Zahl­rei­che Por­träts und ihm ge­wid­me­te Kunst­wer­ke, auch sein von dem Ar­chi­tek­ten Hans Han­sen (1886-1966) ent­wor­fe­nes Grab­mal auf dem Mons­chau­er Fried­hof, be­le­gen dies. Mit Ro­nig und dem Fo­to­gra­phen Au­gust San­der pfleg­te Mat­har auch Werks­ge­mein­schaf­ten für ein Ita­li­en- be­zie­hungs­wei­se ein Sar­di­ni­en-Buch.

Lud­wig Mat­har hat­te San­der 1926 auf den Rhein als „Kul­tur­land­schaf­t“ im Rah­men des von ihm ge­plan­ten Bu­ches „Der Mit­tel­rhein“ auf­merk­sam ge­macht, für das er dem Ver­lag San­der als Fo­to­gra­fen emp­fahl. Mit ihm un­ter­nahm er 1927 ei­nen drei­mo­na­ti­ge Sar­di­ni­en­rei­se mit dem Ziel ei­nes Bild­ban­des, zu dem San­der die Fo­tos und er die Tex­te bei­steu­ern woll­te. Das Pro­jekt schei­ter­te an Un­stim­mig­kei­ten mit dem Ver­lag. Mat­hars Stil, den man „mit ins Wort ge­setz­te Bil­der“ be­schrei­ben kann, har­mo­nier­te auch im künst­le­ri­schen Wol­len mit San­der, für den Lud­wig Mat­har und sei­ne Fa­mi­lie mehr­fach als Bild­su­jets dien­ten. Als „Schrift­stel­ler“ wur­de Mat­har in San­ders An­tho­lo­gie „Men­schen des 20. Jahr­hun­derts“ (1926) auf­ge­nom­men, sei­ne El­tern sind als „Klein­stadt­bür­ger, Monschäu­er“ so­gar in den 60 Auf­nah­men von „Ant­litz der Zeit“ (1929) ab­ge­bil­det.

Pri­vat war Mat­hars Le­ben in die­ser Zeit vom Krebs­lei­den sei­ner Frau Til­la über­schat­tet, die 1926 starb.

Um sich der Schrift­stel­le­rei voll wid­men zu kön­nen, nahm Mat­har 1928 dank­bar das An­ge­bot des Schul­am­tes der Stadt Köln un­ter Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er an, ihn we­gen sei­ner Ar­bei­ten zur rhei­ni­schen Kul­tur­ge­schich­te vom Schul­dienst zu be­ur­lau­ben und vor­zei­tig zu pen­sio­nie­ren. Je­des Jahr schrieb er nun min­des­tens zwei Bü­cher, hielt zahl­rei­che Vor­trä­ge und Dich­ter­le­sun­gen; er ver­fass­te auch Dreh­bü­cher für Kul­tur­fil­me, al­lein sie­ben für die Fir­ma Krupp; je­des Jahr gab es ei­ne Rei­se nach Ita­li­en.

1934 ging er ei­ne zwei­te Ehe ein. Sei­ne Frau Ma­ria Breu­er (1903-1971) hat­te er als Hö­re­rin sei­ner Le­sun­gen in der Volks­hoch­schu­le Köln ken­nen ge­lernt. Drei Kin­der wur­den ge­bo­ren: 1934 Al­ber­tus, 1935 Ma­ria The­re­sia und 1936 Franz-Lud­wig. 1936 zog die Fa­mi­lie nach Mons­chau, wo sie bis zum Kriegs­an­fang 1939 leb­te, an­schlie­ßen bis zum Be­ginn der Luft­an­grif­fe auf Köln 1942 in Köln-Lin­den­thal. Der nach­lass­sen­de schrift­stel­le­ri­sche Er­folg zwang Mat­har, wie­der in den Schul­dienst ein­zu­tre­ten, den er 1941 im pri­va­ten Gym­na­si­um Dr. Hö­vel in der Köl­ner Lin­den­stra­ße auf­nahm. 1943 traf die Fa­mi­lie ein har­ter Schick­sals­schlag, als die Toch­ter Ma­ria The­re­sia plötz­lich an ei­ner Schar­lach-In­fek­ti­on ver­starb. Au­gust San­der schenk­te Mat­har ei­ne Fo­to­mon­ta­ge mit ei­nem Bild der Ver­stor­be­nen.

1944 floh die Fa­mi­lie aus Köln nach Gym­nich (heu­te Erft­stadt), wo sie bis Sep­tem­ber 1951 blieb. Dort er­leb­te Lud­wig Mat­har im März 1945 den Ein­marsch der Ame­ri­ka­ner, für die er als Dol­met­scher tä­tig wur­de. Nach der Ent­na­zi­fi­zie­rung - er war Mit­glied der Reichs­schrift­tums­kam­mer und der NS­DAP ge­we­sen und wur­de 1945 als Mit­läu­fer ein­ge­stuft - ver­öf­fent­lich­te er noch drei Ro­ma­ne, konn­te aber an sei­ne Er­fol­ge der Vor­kriegs­zeit nicht mehr an­knüp­fen.

1951 zog die Fa­mi­lie wie­der nach Mons­chau; dort be­leb­te er un­ter an­de­rem den Ver­ein „Bür­ger­schüt­zen Mont­jo­ie 1361“ neu und wur­de de­ren Prä­si­dent. Er wid­me­te sich der Brauch­tums­pfle­ge, der Wah­rung al­ter städ­ti­scher Tra­di­tio­nen und be­schäf­tig­te sich mit Fra­gen der Hei­mat­ge­schich­te und re­li­giö­sen The­men.

Zahl­rei­che Eh­run­gen wur­den ihm zu­teil, so war er Eh­ren­bür­ger der Stadt Mons­chau, Trä­ger der Eh­ren­pla­ket­te der Stadt Neuss, Eh­ren­mit­glied des Ei­fel­ver­eins Mons­chau und des Ge­schichts­ver­eins Mons­chau. Er ver­starb nach zwei­jäh­ri­ger Krank­heit am 15.4.1958. In Sim­merath er­in­nert der Lud­wig-Mat­har-Weg an den Schrift­stel­ler.

Werke (Auswahl)

Ins­ge­samt schrieb Lud­wig Mat­har über 60 Bü­cher.

Car­lo Gol­do­ni auf dem deut­schen Thea­ter des XVIII. Jahr­hun­derts. Diss. phil., Mün­chen 1910.

Auch ich war da­bei. Kriegs­ge­dich­te, It­ze­hoe 1915.

Deich­bruch. Ei­ne Kriegs­no­vel­le von der Stör, Hel­ling­hu­sen 1916.

Der Nie­der­rhein. Bil­der von Land und Kunst, 1922.

Die Monschäu­er. Ein Ro­man aus dem west­lichs­ten Deutsch­land, Mün­chen 1922.

Die Mo­sel. Bil­der von Land, Volk und Kunst, Köln 1924.

Wet­ter und Wir­bel. Alt­köl­ni­sche Ge­schich­ten, Köln 1925.

Fünf Jung­ge­sel­len und ein Kind. Ei­ne trau­rig­lus­ti­ge Ge­schich­te, Frei­burg i. Br. 1925.

Sett­chens Hut. Ei­ne alt­frän­ki­sche, aber lus­ti­ge Ge­schich­te vom Venn, Frei­burg 1925.

Pri­ma­ve­ra. Früh­lings­fahr­ten ins un­be­kann­te Ita­li­en, Bonn 1926.

Das Glück der Öl­bers. Ein rhei­ni­scher Tuch­ma­cher-Ro­man aus dem 18. Jahr­hun­dert, Köln 1929.

Herr Jo­han­nes. Der al­te Pfar­rer vom Ho­hen Venn, Mün­chen 1930.

Die Ra­che der Ghera­de­sca. Ro­man aus Sar­di­ni­en Hel­den­zeit, Ein­sie­deln 1930.

Das Schnei­der­lein im Ho­hen Venn. Ein Ro­man zwi­schen zwei Völ­kern, Frei­burg 1932.

Meis­ter am Dom, Trier 1949.

Literatur (Auswahl)

Hei­mat, Hei­li­ge und His­to­rie. Lud­wig Mat­har. Ein rhei­ni­scher Schrift­stel­ler, Köln 2009.

Au­gust San­der, Sar­di­ni­en, 1927. Pho­to­gra­phi­en ei­ner Ita­li­en­rei­se. Bild­band an­läss­lich der Aus­stel­lung der SK Stif­tung Kul­tur/ Pho­to­gra­phi­sche Samm­lung, Köln (Hg.), Mün­chen/ Mo­na­co 2009 [Dar­in fin­den sich die Bil­der „Schrift­stel­ler, 1926“ und „Klein­stadt­bür­ger, Monschäu­er, 1926“].

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Mathar, Eva, Ludwig Mathar, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ludwig-mathar/DE-2086/lido/57c9497b2b2dc7.65575814 (21.06.2018)