Marcus Vipsanius Agrippa

Römischer Feldherr und Politiker (64/63 vor Christus – 12 vor Christus)

Lars Wirtler (Köln)

Marmorbüste des Marcus Vipsanius Agrippa, Original im Musée du Louvre, Paris.

Mar­cus Vip­sa­ni­us Agrip­pa, ein her­aus­ra­gen­der Staats­mann des au­gustei­schen Zeit­al­ters, leg­te mit bau- und be­völ­ke­rungs­po­li­ti­schen Maß­nah­men wich­ti­ge Grund­la­gen für die Be­frie­dung und die zi­vi­li­sa­to­ri­sche Er­schlie­ßung des von rö­mi­schen Trup­pen er­ober­ten Rhein­lan­des. 

Mar­cus Vip­sa­ni­us Agrip­pa wur­de 64/ 63 vor Chris­tus in Dal­ma­ti­en ge­bo­ren und ent­stamm­te ei­ner rit­ter­li­chen, aber nicht ade­li­gen Fa­mi­lie. Er war so­mit nach rö­mi­schen Maß­stä­ben ein so­zia­ler Auf­stei­ger, ein so ge­nann­ter ho­mo no­vus. Schon von frü­her Ju­gend an war er mit Gai­us Oc­ta­vi­us (63 vor Chris­tus -14 nach Chris­tus), dem spä­te­ren Kai­ser Au­gus­tus, eng be­freun­det und war des­sen ent­schie­de­ner Par­tei­gän­ger in den Bür­ger­krie­gen nach der Er­mor­dung Gai­us Ju­li­us Cae­sars (100-44 vor Chris­tus). 

Agrip­pas her­aus­ra­gen­de Leis­tung war sein Sieg als Flot­ten­be­fehls­ha­ber über Oc­ta­vi­ans Ri­va­len Mar­cus An­to­ni­us (83-30 vor Chris­tus) in der al­les ent­schei­den­den See­schlacht bei Ac­ti­um 31 vor Chris­tus, wo­durch die Vor­aus­set­zung des Auf­stiegs Oc­ta­vi­ans zum ers­ten Mann im Staa­te ei­gent­lich erst ge­schaf­fen wur­de. Fort­an wur­de Agrip­pa, der nicht nur mi­li­tä­risch, son­dern auch or­ga­ni­sa­to­risch hoch be­fä­higt war, vom nun­meh­ri­gen Kai­ser Au­gus­tus mit ex­po­nier­ten und wich­ti­gen staat­li­chen Auf­ga­ben be­traut, durch die er zu ei­nem in­of­fi­zi­el­len Mit­re­gen­ten avan­cier­te. Die­se her­aus­ra­gen­de Po­si­ti­on fand nicht zu­letzt dar­in ih­ren Aus­druck, dass Agrip­pa in die nun kai­ser­li­che Fa­mi­lie ein­ge­bun­den wur­de, in­dem er Ju­lia, die Toch­ter des Au­gus­tus, 21 vor Chris­tus hei­ra­te­te und seit­dem auch de iu­re als zwei­ter Mann im Staa­te fun­gier­te. 

Die­se fa­mi­liä­re An­bin­dung war in­so­fern wich­tig, als Agrip­pa ver­gleichs­wei­se be­schei­de­nen Ver­hält­nis­sen ent­stamm­te. Ei­ne Toch­ter aus die­ser Ehe, Agrip­pi­na die Äl­te­re (14 vor Chris­tus - 33 nach Chris­tus), hei­ra­te­te den kai­ser­li­chen Feld­herrn Ne­ro Clau­di­us Ger­ma­ni­cus (15 vor Chris­tus - 19 nach Chris­tus), de­ren Toch­ter Agrip­pi­na die Jün­ge­re zur Na­mens­ge­be­rin der Stadt Köln wur­de. 

Im Rhein­ge­biet hielt sich Agrip­pa zwei­mal auf: Das ers­te Mal 39/ 38 vor Chris­tus als Statt­hal­ter, wo­bei er zur Kon­so­li­die­rung der un­ter Cä­sar neu ge­won­ne­nen Ter­ri­to­ri­en bei­trug, das zwei­te Mal mit mi­li­tä­ri­schem Kom­man­do 20/ 19 vor Chris­tus. In dem letzt­ge­nann­ten Zeit­raum ver­an­lass­te er die Über­sied­lung des ger­ma­ni­schen Stam­mes des Ubier aus dem Lahn­ge­biet in den Raum des heu­ti­gen Köln, wo­bei die­ser den Rö­mern freund­schaft­lich ver­bun­de­ne Stamm die Grenz­si­che­rung am Rhein zu über­neh­men hat­te. Da­durch wur­de in die­ser Re­gi­on ein ge­fähr­li­ches Va­ku­um aus­ge­füllt, da sie durch Cä­sars Ver­nich­tungs­krieg ge­gen die kel­ti­schen Ebu­ro­nen 53 vor Chris­tus weit­ge­hend ent­völ­kert war. Als zen­tra­ler Ort der nun­mehr links­rhei­ni­schen Ubier wur­de das op­pi­dum Ubio­rum an­ge­legt, die Keim­zel­le des heu­ti­gen Köln. Dort wur­de im Jah­re 15 nach Chris­tus Agrip­pas En­ke­lin Agrip­pi­na ge­bo­ren, die 50 nach Chris­tus als Gat­tin des Kai­sers Clau­di­us die Er­he­bung ih­res Ge­burts­orts zu ei­ner rö­mi­schen Ve­te­ra­nen­ko­lo­nie ver­an­lass­te, der Co­lo­nia Clau­dia Ara Agrip­pi­nen­si­um. So­mit leb­te Agrip­pas Na­me in der Be­zeich­nung der neu­en Stadt mit­tel­bar fort. 

Es ist an­zu­neh­men, dass von Agrip­pa wich­ti­ge An­stö­ße für die rö­mi­schen Er­obe­rungs­krie­ge ge­gen die auf rechts­rhei­ni­schem Ge­biet sie­deln­den ger­ma­ni­schen Stäm­me ab dem Jahr 12 vor Chris­tus aus­gin­gen, die er aber selbst nicht mehr er­leb­te. Agrip­pa starb, erst 51-jäh­rig, 12 vor Chris­tus in Kam­pa­ni­en. Da­durch wur­de im au­gustei­schen Herr­schafts­ge­fü­ge ei­ne un­er­setz­li­che Lü­cke ge­ris­sen. Agrip­pas gleich­alt­ri­ger Freund und Schwie­ger­va­ter Au­gus­tus über­leb­te ihn um mehr als ein Vier­tel­jahr­hun­dert und muss­te noch das weit­ge­hen­de Schei­tern der rö­mi­schen Er­obe­rungs­po­li­tik in Ger­ma­ni­en er­le­ben. 

Literatur

Ame­ling, Wal­ter, Au­gus­tus und Agrip­pa. Be­mer­kun­gen zu P Köln VI 249, in: Chi­ron 24 (1994), S. 1-28.
Bal­dus, Chris­ti­an / Lam­ber­ti, Fran­ce­sca, Köln wird Ko­lo­nie: Die Ver­lei­hung des ius Ita­li­cum, 50 n. Chr. in: Wolf­gang Ro­sen / Lars Wirt­ler (Hg.), Quel­len zur Ge­schich­te der Stadt Köln Band 1, Köln 1999, S. 3-6.
Eck, Wer­ner, Köln in rö­mi­scher Zeit. Ge­schich­te ei­ner Stadt im Rah­men de­s­ Im­pe­ri­um Ro­ma­num, Köln 2004.
Eck, Wer­ner, Mar­cus Agrip­pa - der selbst­be­wu­ß­te Par­tei­gän­ger des Au­gus­tus, in: Karl-Joa­chim Höl­kes­kam­p / El­ke Stein-Höl­kes­kamp (Hg.), Von Ro­mu­lus zu Au­gus­tus. Gro­ße Ge­stal­ten der rö­mi­schen Re­pu­blik, Mün­chen 2000, S. 352–364.
Kie­n­ast, Diet­mar, Agrip­pa, in: Der Neue Pau­ly 1 (1996), Spal­ten 294-296.

 
Zitationshinweis

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Wirtler, Lars, Marcus Vipsanius Agrippa, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/marcus-vipsanius-agrippa/DE-2086/lido/57a9dc8616b181.69685305 (24.04.2018)