Marie-Louise Fischer

Schriftstellerin (1922-2005)

Erika Steinhausen (Weilerswist)

Ma­rie-Loui­se Fi­scher, die auch un­ter den Pseud­ony­men A. G. Mil­ler, Dr. Chris­toph Voll­mer, Kirs­ten Lind­s­tro­em und Kat­ja Holm schrieb, war ei­ne Er­folgs­au­to­rin der Un­ter­hal­tungs- und Ju­gend­li­te­ra­tur und ge­hört zu den meist­ge­le­se­nen Schrift­stel­le­rin­nen in Deutsch­land nach 1945. Mit ih­ren Ju­gend­bü­chern, Kri­mi­nal-, Lie­bes- oder Fort­set­zungs­ro­ma­nen in gro­ßen Il­lus­trier­ten ge­noss sie vor al­lem bei ih­rer weib­li­chen Le­ser­schaft ei­ne gro­ße, ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fen­de Po­pu­la­ri­tät. Seit An­fang der 1950er Jah­re bis zu ih­rem 80. Le­bens­jahr – als sie sich ent­schloss, mit dem Schrei­ben auf­zu­hö­ren – ver­fass­te sie ins­ge­samt mehr als 100 Ro­ma­ne, Kri­mis so­wie 75 Kin­der- und Ju­gend­bü­cher. Ei­ne Aus­nah­me in ih­rem Werk bil­det der his­to­ri­sche Ro­man „Das Dra­go­n­er­haus", in dem sie den All­tag des baye­ri­schen Land­adels im 18. Jahr­hun­dert be­schreibt. Ih­re Bü­cher, die in 23 Spra­chen über­setzt wur­den, er­reich­ten ei­ne Ge­samt­auf­la­ge von über 70 Mil­lio­nen. Vie­le ih­rer Wer­ke sind auch ver­filmt wor­den.

Ma­rie-Loui­se Fi­scher wur­de am 28.10.1922 in Düs­sel­dorf ge­bo­ren. Sie war die Toch­ter des Fa­bri­kan­ten Fried­rich Ge­org Fi­scher und des­sen Frau Ma­rie, ge­bo­re­ne No­te­mann. Ge­gen den Wil­len der El­tern stu­dier­te sie Ger­ma­nis­tik, Kunst­ge­schich­te, Thea­ter­wis­sen­schaft und Psy­cho­lo­gie in Köln, Mün­chen und Prag. Sie ar­bei­te­te un­mit­tel­bar nach dem Stu­di­um als Dra­ma­tur­gin in Prag, wo sie 1945 beim Ein­marsch der Rus­sen in­ter­niert wur­de und an­dert­halb Jah­re Zwangs­ar­beit in der Land­wirt­schaft leis­ten muss­te.

Die Vor­wür­fe, dass ih­re Bü­cher Tri­vi­al­li­te­ra­tur sei­en, die Hand­lun­gen im­mer nach ei­nem be­stimm­ten Strick­mus­ter ab­lie­fen und sie kein Kli­schee aus­las­se, hat sie stets da­mit ent­kräf­tet, dass sie sich selbst nicht als Li­te­ra­tin, son­dern höchs­tens als „Un­ter­hal­tungs­schrift­stel­le­rin" sah: „Wahr­schein­lich bin ich nicht zur Li­te­ra­tin, son­dern zur Ver­fas­se­rin von Un­ter­hal­tungs­ro­ma­nen ge­bo­ren. Ich schä­me mich des­sen kei­nes­wegs, denn ich weiß, wie schwer es ist, ei­ner gro­ßen Zahl Men­schen wirk­lich gu­te Un­ter­hal­tung zu bie­ten." Über die Mo­ti­ve ih­rer Ar­beit sag­te sie: „Ich will un­ter­hal­ten und den Frau­en er­mög­li­chen, aus der tris­ten Welt ih­res All­tags zu ent­flie­hen. Ich will ih­nen Ge­schich­ten er­zäh­len, die von Lie­be und Kon­flik­ten han­deln, die aber stets dank der Stär­ke mei­ner Hel­din­nen har­mo­nisch und mit ei­nem Hap­py End aus­klin­gen."

So har­mo­nisch ver­lief ihr ei­ge­nes Le­ben nicht. Sie war 20 Jah­re mit dem Schrift­stel­ler Hans Gustl Kern­mayr (1900-1977) ver­hei­ra­tet, der, wie sie sel­ber äu­ßer­te, „das gro­ße Glück ih­res Le­bens" ge­we­sen sei. Er galt als ei­ne schil­lern­de und ego­zen­tri­sche Per­sön­lich­keit und war zu­vor be­reits vier­mal ver­hei­ra­tet ge­we­sen. Er hat­te meh­re­re au­ßer­ehe­li­che Kin­der und un­ter­hielt auch wäh­rend sei­ner fünf­ten Ehe zahl­rei­che Lieb­schaf­ten. Trotz vie­ler De­mü­ti­gun­gen tat Ma­rie-Loui­se Fi­scher den­noch al­les, um die­se Ehe auf­recht zu er­hal­ten und ließ Kern­mayr so­gar ge­wäh­ren, als er be­schloss, ih­re Ro­ma­ne un­ter sei­nem Na­men her­aus­zu­ge­ben, wo­von ihn nur der Ver­le­ger ab­hal­ten konn­te. Sie ge­stat­te­te ihm auch die völ­li­ge Kon­trol­le über ih­re Fi­nan­zen und war dank­bar, dass er ihr hier und da klei­ne­re Sum­men zur Be­zah­lung von Rech­nun­gen über­ließ.

Nach dem To­de ih­res Man­nes zog sie sich mit ih­ren Hun­den und ih­rer Se­kre­tä­rin in ihr Haus in der Nä­he von Ro­sen­heim zu­rück, wo sie sich nach ge­ta­ner Ar­beit – sie pfleg­te ih­ren Tag klar zu struk­tu­rie­ren und war äu­ßerst flei­ßig – re­gel­mä­ßig ein Glas Wein und ge­nau­so re­gel­mä­ßig här­te­re Sa­chen gönn­te. Die ge­bür­ti­ge Rhein­län­de­rin be­zeich­ne­te sich selbst als „har­te Al­ko­ho­li­ke­rin". Auch in ih­ren Ro­ma­nen wird ge­trun­ken und ge­raucht, was das Zeug hält.

Ma­rie-Loui­se Fi­schers gro­ße Zeit wa­ren die „wil­den" 1970er Jah­re. Ih­re Prot­ago­nis­tin­nen wirk­ten al­ler­dings im­mer so, als sei­en sie von der Eman­zi­pa­ti­on über­rum­pelt wor­den. Ma­rie-Loui­se Fi­scher war im­mer weit da­von ent­fernt, un­ter ih­ren Le­se­rin­nen Un­ru­he hin­sicht­lich der Eman­zi­pa­ti­on stif­ten zu wol­len. So sind die meis­ten ih­rer Ro­man­hel­din­nen von gren­zen­lo­ser Nach­sicht ge­gen­über den ma­chis­ti­schen Ma­cken ih­rer Män­ner. Ih­re wah­ren Be­stim­mun­gen fin­den sie dar­in, per­fek­te Gast­ge­be­rin­nen, be­gna­de­te Müt­ter, zu­vor­kom­men­de Töch­ter und hin­ge­bungs­vol­le Ge­lieb­te zu sein. Sie stam­men meis­tens aus den bes­se­ren Krei­sen, sind im­mer at­trak­tiv ge­schminkt und ge­klei­det und sel­ten äl­ter als 40 Jah­re alt. In ih­ren Mäd­chen­bü­chern leg­te Ma­rie-Loui­se Fi­scher be­reits den Grund­stein für die­ses Frau­en­bild. Schon hier wird das frei­heits­lie­ben­de, un­ge­bär­di­ge und un­ge­stü­me jun­ge Mäd­chen am En­de ein­sich­tig und fügt sich.

Ma­rie-Loui­se Fi­scher starb am 2.4.2005 in Prien am Chiem­see. Sie liegt auf dem Fried­hof in Stein­kir­chen am Sa­mer­berg be­gra­ben.

Werke (Auswahl)

Das Dra­go­n­er­haus, 1977.

Frau­en­sta­ti­on,  1976.

Klau­dia,  1997.

Mi­chae­la kommt ins Groß­stadt­in­ter­nat, 1973.

Zer­fetz­te Se­gel, 1953.

Literatur

Denk, Li­se­lot­te, Ma­rie Loui­se Fi­scher – Die Au­to­rin und ihr Werk. In­for­ma­ti­on, Zeug­nis und Kri­tik, Mün­chen 1982.

 
Zitationshinweis

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Steinhausen, Erika, Marie-Louise Fischer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/marie-louise-fischer/DE-2086/lido/57c6ad9aa85bc4.87042724 (24.04.2018)