Otto von Linn

Herr von Linn und Bauherr der Burg Linn (vor 1188-nach 1218)

Daniela Gillner (Viersen)

Skelett Ottos im Museum Burg Linn, Foto: Tom Kurpjuweit.

Die durch Ot­to als Herrn von Linn be­gon­ne­ne, durch sechs Flan­ken­tür­me ge­schütz­te Ring­mau­er über­dau­er­te die Zeit seit ih­rer Ent­ste­hung En­de des 12. Jahr­hun­derts und zeugt noch heu­te von Ot­tos Ein­fluss auf die bau­li­che Ge­stal­tung der Burg Linn.

Erst­ma­lig ur­kund­lich er­wähnt wird Ot­to von Linn kurz vor 1188, als er ge­mein­sam mit sei­nem na­ment­lich nicht ge­nann­ten Bru­der das al­lo­di­um de Lin­ne für 100 Mark an den Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg ver­kauft und von die­sem als Le­hen zu­rück er­hält.1 Da noch zwei Jah­re zu­vor ein Ger­la­chus de Lin­ne als Zeu­ge in ei­ner in Neuss aus­ge­stell­ten Ur­kun­de des Erz­bi­schof auf­ge­tre­ten war[2] und dann erst wie­der als Ger­la­cus oh­ne den Zu­satz de Lin­ne in ei­ner wahr­schein­lich um 1210 aus­ge­stell­ten Ur­kun­de er­wähnt wird,[3] ist es denk­bar, dass Ot­to den Ver­kauf zeit­nah nach Er­rei­chen der Mün­dig­keit tä­tig­te und Ger­lach we­der Va­ter noch Bru­der Ot­tos war, son­dern 1186 le­dig­lich als Vor­mund für den noch un­mün­di­gen Ot­to fun­giert hat­te. Ot­tos Ge­burts­jahr könn­te da­her zwi­schen 1167 und 1176 ge­le­gen ha­ben. Ein wei­te­res und be­reits letz­tes Mal wird Ot­to 1218 in ei­ner Ur­kun­de ge­nannt, in der er ge­mein­sam mit sei­nem Sohn Ger­hard für die Äb­tis­sin von Ger­res­heim Zoll und Ge­richt be­ur­kun­det.[4] Da sein Sohn 1234 in ei­ner vom Gra­fen von Mo­ers aus­ge­stell­ten Ur­kun­de als Zeu­ge oh­ne sei­nen Va­ter auf­tritt,[5] muss Ot­to zu die­sem Zeit­punkt be­reits ver­stor­ben ge­we­sen sein.

 

Die­se eher dürf­ti­ge Quel­len­la­ge wird durch den Fund der Grab­le­ge der Her­ren von Linn er­wei­tert, die sich in der Al­de Kerk öst­lich der Stadt, am rech­ten Ufer des Müh­len­ba­ches be­fand. Im Rah­men der dort und an der Stadt­kir­che St. Mar­ga­re­ta in Linn in den Jah­ren 1989 und 1990 durch­ge­führ­ten Aus­gra­bun­gen wur­den ins­ge­samt drei Grab­le­gen ent­deckt, bei de­nen es sich wahr­schein­lich 1. um die El­tern Ot­tos so­wie sei­ne be­reits in jun­gen Jah­ren ver­stor­be­nen Ge­schwis­ter, 2. um Ot­to mit sei­ner Frau und 3. um sei­nen im ho­hen Al­ter kin­der­los ver­stor­be­nen Sohn Ger­hard han­delt. Die äl­tes­te Grab­le­ge fand man un­ter dem Turm, die zwei­te in ei­nem Sei­ten­schiff und die jüngs­te in der Mit­te der Kir­che. Es ist an­zu­neh­men, dass die drei Ge­ne­ra­tio­nen auch an der Al­de Kerk bau­en lie­ßen. So füg­ten ver­mut­lich die El­tern Ot­tos den Turm hin­zu, Ot­to das Sei­ten­schiff im Sü­den und sein Sohn Ger­hard ei­nen neu­en Chor. Die­se An­bau­ten dürf­ten in di­rek­tem Zu­sam­men­hang mit dem Aus­bau der Burg Linn ste­hen: So sind ver­mut­lich der Turm und ei­ne mög­li­che Schild­mau­er als äl­tes­te stei­ner­ne Aus­bau­ten Ot­tos El­tern zu­zu­schrei­ben, auf Ot­to selbst geht wahr­schein­lich die Er­rich­tung der Ring­mau­er zu­rück und sein Sohn Ger­hard wird die­se schlie­ß­lich voll­endet ha­ben. An­ders als sei­ne El­tern ließ Ot­to kei­nen Na­tur­stein für die Bau­ar­bei­ten ver­wen­den, son­dern Back­stein. Die­se durch Ot­to ge­gen En­de des 12. Jahr­hun­derts be­gon­ne­ne, durch sechs Flan­ken­tür­me ge­schütz­te Ring­mau­er ist fast voll­stän­dig er­hal­ten.

Doch nicht nur das bau­li­che Werk gibt der Nach­welt Aus­kunft über die­sen in den über­lie­fer­ten Quel­len kaum er­wähn­ten Herrn von Linn, son­dern auch sein bei den Aus­gra­bun­gen ge­fun­de­nes Ske­lett. So of­fen­bar­te des­sen Un­ter­su­chung, dass Ot­to zeit­wei­se stark un­ter­ernährt war - ein un­ge­wöhn­li­cher Be­fund, da Ade­li­ge nur sel­ten ei­nen der­ar­ti­gen Man­gel er­lei­den muss­ten. Die For­schung sieht dies als In­diz für Ot­tos Teil­nah­me am Drit­ten Kreuz­zug (1189-1192) un­ter Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa (Re­gie­rungs­zeit 1151-1190), denn die Ent­beh­run­gen und Stra­pa­zen wäh­rend des mo­na­te­lan­gen Marschs über den Land­weg dürf­ten blei­ben­de Spu­ren am Ske­lett Ot­tos, der zu die­sem Zeit­punkt ma­xi­mal in sei­nen frü­hen zwan­zi­ger Jah­ren ge­we­sen sein wird, hin­ter­las­sen ha­ben. Zu­dem könn­te Ot­to wäh­rend die­ser Zeit Ide­en für die bau­li­che Ge­stal­tung der Burg Linn ge­sam­melt ha­ben: Vor­bil­der für Ring­mau­er­bur­gen mit Flan­kier­tür­men dürf­ten ihm näm­lich spä­tes­tens auf dem letz­ten Teil des Mar­sches in Klein­ar­me­ni­en be­geg­net sein.

Quellen

Die Re­ges­ten der Erz­bi­schö­fe von Köln, Band 2, be­arb. von Ri­chard Knip­ping, Bonn 1901.

Keus­sen, Her­mann, Ur­kun­den­buch der Stadt Kre­feld und der al­ten Graf­schaft Mörs, Band 1, Kre­feld 1938.

Literatur

Keus­sen, Her­mann, Linn und sei­ne Ge­schich­te, in: Die Hei­math. Wo­chen­blatt für Kun­de der nie­der­rhei­ni­schen Ge­schich­te mit Ein­schluß der Sa­gen, Le­gen­den, Ge­bräu­che, Nr. 5 (29. Ja­nu­ar 1876), S. 17-18.

Klüm­pen-Heg­manns, Jo­han­na, Linn. Burg und Stadt vom Mit­tel­al­ter zur Ge­gen­wart, Kre­feld 1993.

Reich­mann, Chris­toph, Neue Un­ter­su­chun­gen zur Bau­ge­schich­te der Burg Linn, in: Die Hei­mat (Kre­feld) 65 (1994), S. 131-148.

Rott­hoff, Gui­do, Das Land Linn in Mee­rer Ur­kun­den, in: Die Hei­mat (Kre­feld) 42 (1971), S. 121-122.

Rott­hoff, Gui­do, Das Mit­tel­al­ter, in: Kre­feld. Die Ge­schich­te der Stadt, Band 1, Kre­feld 1998, S. 299-493.

Rott­hoff, Gui­do (Be­arb.), Rhei­ni­scher Städ­teat­las IV Nr. 23: Linn, Köln/Bonn 1978.

Burg Linn.

 
Anmerkungen
  • 1: Regesten der Erzbischöfe von Köln II, Nr. 1386 (45).
  • 2: Keussen, Urkundenbuch Krefeld I, Nr. 46; Regesten der Erzbischöfe von Köln II, Nr. 1260.
  • 3: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Meer Urkunde 11.
  • 4: Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Gerresheim Urkunde 13.
  • 5: Keussen, Hermann, Urkundenbuch Krefeld I, Nr. 68.
Zitationshinweis

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Gillner, Daniela, Otto von Linn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/otto-von-linn/DE-2086/lido/57c941ff797307.20811522 (23.06.2018)