Peter Binsfeld

Weihbischof und Generalvikar des Erzbistums Trier (1545/1546-1598)

Rita Voltmer (Trier)

Peter Binsfeld, Tractat von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen. Ob und wie viel denselben zu glauben, München 1591.

Kind­heit und frü­he Ju­gend des spä­te­ren Trie­rer Weih­bi­schofs Pe­ter Bins­feld lie­gen im Dun­keln. Ers­te Nach­rich­ten über sei­nen Wer­de­gang stam­men von Ro­bert Bootz (1685-1730), Abt von Him­merod, aus  sei­nen „Se­ries ab­ba­tum claus­tri B.M.V. de Him­mero­de“. Hier wird be­rich­tet, wie sein Vor­gän­ger Jo­hann von Brie­del (1558-1571) den „aus „nied­ri­gen Ver­hält­nis­sen“ stam­men­den Kna­ben Pe­ter, ge­bür­tig aus ei­nem na­hen Dorf, in sei­ne Diens­te nahm. Laut dem rück­schau­en­den Be­richt sol­len dem Abt die Be­ga­bun­gen des Jun­gen auf­ge­fal­len sein, er ha­be ihm dann sei­ne ers­te Schul­bil­dung er­mög­licht.

Trotz ge­gen­sätz­li­cher Aus­sa­gen bei Hont­heim wur­de die­se Er­zäh­lung mehr oder we­ni­ger ak­zep­tiert; man ei­nig­te sich dar­auf, dass Pe­ter 1545/1546 im Dorf Bins­feld in der Ei­fel ge­bo­ren wur­de, wahr­schein­lich aus bäu­er­li­chem Mi­lieu stamm­te und mög­li­cher­wei­se als Hir­ten­jun­ge im Klos­ter An­stel­lung fand. Zwei­fel blei­ben an die­ser Les­art an­ge­bracht. So stand die Fa­mi­lie Bins­feld schon zu­vor in gu­ten Be­zie­hun­gen zum Trie­rer Stift St. Si­me­on: Be­reits 1568 er­warb Va­len­tin Bins­feld, ein Ver­wand­ter von Pe­ter, ein Ka­no­ni­kat in St. Si­me­on, hat­te zu­letzt auch die Pfar­rei Grans­dorf in­ne, zu der der Ort Bins­feld ge­hör­te, und starb 1582 im Klos­ter Him­merod. Be­kannt ist in­zwi­schen auch, dass Pe­ters Mut­ter, Mar­ga­re­tha Wei­ler, in der Stadt Trier erst 1606 ver­starb. 1598, beim To­de ih­res Soh­nes, konn­te sie 100 Flo­rin do­tie­ren, um für ihn See­len­mes­sen zu stif­ten.

Die Be­haup­tung, Pe­ter ha­be aus „nied­ri­gen Ver­hält­nis­sen“ ge­stammt, zielt da­her eher auf sei­ne nicht-ade­li­ge Ge­burt. Fest steht, dass er zwi­schen 1570 und 1576 am Col­le­gi­um Ger­ma­ni­cum in Rom Theo­lo­gie stu­dier­te, dort 1573 als ei­ner der sie­ben op­ti­mi her­vor­ra­gen­de Leis­tun­gen zeig­te und schlie­ß­lich mit dem Ti­tel ei­nes Ma­gis­ter theol. sei­ne Stu­di­en ab­schloss. Un­ge­klärt bleibt, wer die­ses Stu­di­um fi­nan­ziert hat. Spä­tes­tens in Rom knüpf­te Bins­feld kol­le­gia­le Ban­de zu Mit­glie­dern der Ge­sell­schaft Je­su, wie zum Bei­spiel zu John Gib­bons (1544-1589), dem spä­te­ren Rek­tor des Trie­rer Je­sui­ten­kol­legs. Mög­li­cher­wei­se hat­te er aber be­reits zu­vor Kon­tak­te zu den Trie­rer Je­sui­ten, bei­spiels­wei­se durch die Teil­nah­me an Ex­er­zi­ti­en.

Es spricht viel da­für, dass ei­ner von Bins­felds rö­mi­schen Stu­di­en­freun­den, der aus El­che­rodt bei Ar­lon stam­men­de Ni­ko­laus El­gard (1547-1587), ihn bei Ja­kob III. von Eltz emp­fahl. Im Geis­te des nach­tri­den­tin­schen Re­form­ka­tho­li­zis­mus er­zo­gen, streb­sam und ehr­gei­zig, brach­te Bins­feld die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen mit, ei­ne wich­ti­ge Rol­le im ein­schlä­gi­gen Re­form­pro­gramm des Trie­rer Me­tro­po­li­ten zu spie­len. So wur­de der jun­ge Pries­ter Bins­feld gleich nach Ab­schluss sei­nes Stu­di­ums vom Trie­rer Erz­bi­schof an die vor­ders­te Front des kon­fes­sio­nell-po­li­ti­scher Kamp­fes ent­sandt mit der Auf­ga­be, Stadt und Ab­tei Prüm qua­si zu re­mis­sio­nie­ren. Die Be­völ­ke­rung und die ver­blie­be­nen Mön­che soll­ten wie­der dem rech­ten Glau­ben zu­ge­führt wer­den, nach­dem die dort an­geb­lich herr­schen­den skan­da­lö­sen Zu­stän­de (vor al­lem das Um­sich­grei­fen re­for­ma­to­ri­schen Ge­dan­ken­gu­tes) es 1576 er­mög­licht hat­ten, Prüm ge­gen die In­ter­es­sen des Man­der­schei­der Gra­fen­hau­ses im Hand­streich zu be­set­zen und es Kur­trier ein­zu­glie­dern. Pe­ter Bins­feld wid­me­te sich we­nig ein­fühl­sam sei­nem ers­ten Auf­trag. Er­war­tungs­ge­mäß stieß er al­lent­hal­ben auf hart­nä­cki­gen Wi­der­stand. In er­hal­te­nen Brie­fen be­klag­te sich Bins­feld des­halb über die man­geln­de Be­reit­schaft der ihm An­ver­trau­ten, den un­ver­fälsch­ten, wah­ren Ka­tho­li­zis­mus an­zu­neh­men. Bins­felds Kon­tak­te zu den Je­sui­ten hiel­ten an, denn schon 1577 wur­de er zum Prä­fek­ten der ma­ria­ni­schen Jüng­lings­kon­gre­ga­ti­on er­nannt.

Of­fen­bar ge­noss Bins­feld auch wei­ter au­ßer­or­dent­li­che Pro­tek­ti­on, denn ge­gen den Wi­der­stand des Stifts wur­de er 1578 mit päpst­li­cher Bul­le zum Propst von St. Si­me­on er­nannt. Gleich­zei­tig scheint be­reits sei­ne Be­ru­fung zum Weih­bi­schof des Erz­bis­tums Trier zu­min­dest zu er­war­ten ge­we­sen zu sein. Dar­über hin­aus plan­te der Erz­bi­schof, ihn als Ko­ad­ju­tor sei­nes Nef­fen Wolf­gang von Eltz-Kem­pe­nich, zwi­schen 1569/1571 und 1580 Propst des Trie­rer Kol­le­gi­at­stifts St. Pau­lin , und so­mit als des­sen Nach­fol­ger durch­zu­set­zen. Wenn­gleich die­ser Plan miss­lang, so sah das Jahr 1580 doch für den in­zwi­schen zum Dr. theol. pro­mo­vier­ten Pe­ter Bins­feld drei Kar­rie­re­sprün­ge: Das Stift St. Si­me­on er­kann­te ihn als Propst an, am 1. Fe­bru­ar leg­te er das Treue­ge­löb­nis als Trie­rer Weih­bi­schof ab und am fol­gen­den Tag wur­de er zum Ti­tu­lar­bi­schof von Az­ot (Pa­läs­ti­na) ge­weiht. In den kom­men­den 19 Jah­ren soll­te Bins­feld als Weih­bi­schof und Ge­ne­ral­vi­kar im Erz­bis­tum tä­tig blei­ben. Zwi­schen­zeit­lich auch Rek­tor der Trie­rer Uni­ver­si­tät (1587/1588), en­ga­gier­te er sich über­trie­ben eif­rig und kom­pro­miss­los für die Re­for­mie­rung des ka­tho­li­schen Glau­bens. Da­zu ge­hör­ten: 1. die Wie­der­her­stel­lung recht­mä­ßi­ger, nach­tri­den­ti­scher Glau­ben­streue und Glau­bens­pra­xis durch ver­bes­ser­te Pries­ter­aus­bil­dung, Ka­te­che­se, Mis­si­on und Vi­si­ta­ti­on, so­wie 2. der Kampf ge­gen Ket­ze­rei, Got­tes­läs­te­rung und so ge­nann­ten Aber­glau­ben, ins­be­son­de­re ge­gen (ver­meint­li­che) He­xe­rei, ma­gi­sche Prak­ti­ken und re­li­giö­se Dis­si­den­ten. Wäh­rend der ers­te Schwer­punkt sei­ner Tä­tig­keit ganz auf der Li­nie des von Ja­kob III. von Eltz an­ge­sto­ße­nen Re­form­pro­zes­ses lag, bil­de­te der zwei­te, ins­be­son­de­re Bins­felds Vor­ge­hen ge­gen das ver­meint­li­che Un­we­sen der He­xe­rei, ein selbst­ge­wähl­tes Pro­fi­lie­rungs­feld. Wäh­rend der Kur­fürst und Erz­bi­schof Jo­hann VII. von Schö­nen­berg in den Stadt­trie­rer He­xen­ver­fol­gun­gen nur ei­ne eher zö­ger­li­che, wenn auch nicht un­wich­ti­ge Rol­le spiel­ten soll­te, war es Bins­feld, der sich als Chef­ideo­lo­ge der Ver­fah­ren eta­blie­ren konn­te.

In der For­schung hat man gern die Leis­tun­gen des Weih­bi­schofs Bins­feld bei Vi­si­ta­tio­nen, Mis­si­on und Ka­te­che­se, eben­so bei der För­de­rung des Je­sui­ten­or­dens und sein Ein­satz für ei­ne ver­bes­ser­te Pries­ter­aus­bil­dung her­vor­ge­ho­ben, hin­ge­gen sein per­sön­li­ches En­ga­ge­ment in den Trie­rer He­xen­ver­fol­gun­gen als „ab­stru­se Sei­te“, als „Ent­glei­sun­g“ (Wolf­gang Sei­brich) oder als Er­geb­nis ei­ner „Ver­blen­dun­g“ (Franz-Jo­sef Heyen) ab­ge­tan. Bei­de Ak­ti­ons­fel­der – Ka­te­che­se und Kampf ge­gen Hä­re­si­en al­ler Art – ge­hör­ten je­doch un­trenn­bar zu­sam­men. Kei­ner sei­ner Zeit­ge­nos­sen hat dar­an prin­zi­pi­el­len An­stoß ge­nom­men.

Mit sei­nem 1589 er­schie­ne­nen, 1590 und 1591 ver­deutsch­ten, 1591 so­wie 1596 je­doch noch ein­mal er­wei­ter­ten „Trac­ta­tus de Con­fes­sio­ni­bus Male­fi­co­rum & Sa­ga­r­um“ hat Bins­feld die be­reits im Gan­ge be­find­li­chen He­xen­ver­fol­gun­gen in der Stadt Trier so­wie in den be­nach­bar­ten Klos­ter­herr­schaf­ten und kur­trie­ri­schen Äm­tern kom­men­tiert, le­gi­ti­miert und de­ren Fort­gang er­heb­lich be­ein­flusst. Zu­nächst wohl nur als theo­lo­gi­sches Gut­ach­ten über den Wert von He­xe­rei­be­zich­ti­gun­gen ge­dacht (so Jo­han­nes Dil­lin­ger), be­rei­te­te Bins­feld die Druck­le­gung sei­ner Schrift noch wäh­rend des Pro­zes­ses ge­gen den Trie­rer Stadt­schult­hei­ßen Diet­rich Fla­de (1534-1589) vor. Schon bei die­ser Ge­le­gen­heit ließ er sich mit nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen aus den Ge­richts­ak­ten ver­sor­gen und hob aus­drück­lich die im Fall Fla­de von den Je­sui­ten ge­för­der­te und vom welt­li­chen Hoch­ge­richt ge­üb­te Ge­richts­pra­xis her­vor, Be­sa­gun­gen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen als Be­las­tungs­ma­te­ri­al zu­zu­las­sen. In die­sem Zu­sam­men­hang pro­pa­gier­te er das Kon­zept des He­xen­sab­bats als nächt­lich-ge­hei­mes Tref­fen der He­xen­ket­zer und maß der De­nun­zia­ti­on von Kom­pli­zen durch ge­stän­di­ge „He­xen“ (Be­sa­gung) un­be­ding­ten ver­dachts­lei­ten­den In­di­zi­en­cha­rak­ter bei. Sei­ner Mei­nung nach konn­te auf­grund von nur ei­ner sol­chen Be­sa­gung, zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren In­diz, ganz si­cher aber auf­grund von nur zwei Be­sa­gun­gen ei­ne als He­xe oder als He­xen­meis­ter de­nun­zier­te Per­son fest­ge­setzt, an­ge­klagt und dem Ver­hör (auch un­ter der Fol­ter) zu­ge­führt wer­den.

Als der Trak­tat En­de 1589 er­schien, lie­fer­te er da­mit nicht nur im Nach­hin­ein ei­ne ge­lehr­te, von ho­her geist­li­cher Au­to­ri­tät ab­ge­seg­ne­te Le­gi­ti­ma­ti­on der Trie­rer Vor­gän­ge, son­dern gab zu­gleich An­halts­punk­te da­für, wie wei­ter zu ver­fah­ren sei. Zu­sätz­li­chen geis­ti­gen Zünd­stoff er­hielt die Trie­rer He­xen­jagd durch die im Sep­tem­ber 1590 er­schie­ne­ne deut­sche Über­set­zung des Trak­ta­tes. Das dem kur­fürst­li­chen Statt­hal­ter Zandt von Merl ge­wid­me­te Vor­wort mahn­te das Trie­rer Stadt­re­gi­ment, bei der He­xen­ver­fol­gung kei­ne Nach­läs­sig­keit zu zei­gen, son­dern das „Übel oh­ne An­se­hen der Per­son“ aus­zu­rot­ten.

Bins­felds Trak­tat er­wies sich als Best­sel­ler. Die fol­gen­den Aus­ga­ben (1591, 1596) ver­mehr­te er um Fall­stu­di­en, ent­nom­men aus au­then­ti­schen Pro­zess­pro­to­kol­len, die in ih­rer über­wie­gen­den Mehr­heit aus He­xe­rei­ver­fah­ren des kur­trie­ri­schen Am­tes Pfal­zel oder der Hoch­ge­richts­bar­kei­ten der Ab­tei­en St. Mat­thi­as und St. Ma­xi­min stamm­ten. Da­bei räum­te er mög­li­che Zwei­fel an der Wahr­haf­tig­keit von He­xer­ei­ge­ständ­nis­sen mit dem Hin­weis aus dem Weg, dass er sich auf die Aus­sa­gen über­führ­ter He­xen­meis­ter, dar­un­ter ge­lehr­te Män­ner ver­schie­de­nen Stan­des, welt­li­che wie geist­li­che, jun­ge wie al­te, ja bis­wei­len so­gar reui­ge und buß­fer­ti­ge stütz­te. Nach­weis­lich stand Bins­feld in en­gem Kon­takt mit dem Statt­hal­ter Zandt von Merl, dem Stadt­schult­hei­ßen Hein­rich Hulz­bach, dem Ma­xi­mi­ner Amt­mann Jo­hann von Pie­sport (1518-1594) und dem Schult­hei­ßen von St. Mat­thi­as, Diet­rich Ba­len, die ihn über die lau­fen­den Ver­fah­ren in­for­mier­ten und ihm Ein­blick in die Ak­ten ver­schaff­ten. Sei­nen grö­ß­ten Er­folg konn­te Bins­feld je­doch ver­bu­chen, als es ihm 1593 ge­lang, sei­nen per­sön­li­chen Feind, den Theo­lo­gen Cor­ne­li­us Loos (1546-1596), zu ei­nem spek­ta­ku­lä­ren öf­fent­li­chen Wi­der­ruf sei­ner ver­fol­gungs­kri­ti­schen The­sen in An­we­sen­heit des päpst­li­chen Nun­ti­us Ot­ta­vio Fran­gi­pa­ni (1542/1543-1612) zu zwin­gen. Da­mit wur­de auf ka­tho­li­scher Sei­te der He­xen­glau­be qua­si zu ei­nem Dog­ma sti­li­siert, des­sen Ne­ga­ti­on Ket­ze­rei be­deu­te­te und – fast ne­ben­bei – Bins­felds Stel­lung als 'Chef­ideo­lo­ge' in He­xe­rei­an­ge­le­gen­hei­ten na­he­zu un­an­greif­bar ge­fes­tigt. Im glei­chen Jahr und mit glei­chem Ei­fer – je­doch er­folg­los – be­trieb Bins­feld im Üb­ri­gen die Ex­hu­mie­rung der als Lu­the­ra­ne­rin ver­stor­be­nen Grä­fin An­na von Man­der­scheid-Kail (ge­stor­ben 1590). Die De­mü­ti­gun­gen, die Bins­feld bei der Re-Ka­tho­li­sie­rung von Stadt und Ab­tei Prüm er­fah­ren hat­te, schei­nen ihn das Man­der­schei­der Gra­fen­haus in schlech­ter Er­in­ne­rung be­hal­ten zu ha­ben.

Ins­ge­samt zeig­te sich Bins­feld durch­drun­gen von ei­nem ei­fern­den, ge­gen­re­for­ma­to­ri­schen Ak­tio­nis­mus. Dies be­deu­te­te den ra­di­ka­len Kampf ge­gen je­de Form der Hä­re­sie, ob Pro­tes­tan­tis­mus oder He­xe­rei, eben­so wie ge­gen je­de Form sitt­li­chen und re­li­giö­sen Fehl­ver­hal­tens. Da­bei fand der Weih­bi­schof bei den in Trier seit un­ge­fähr 1560 an­ge­sie­del­ten Je­sui­ten will­kom­me­ne Kampf­ge­fähr­ten. Bins­feld ging kon­form mit der in Trier durch Pre­dig­ten ver­brei­te­ten je­sui­ti­schen An­ti-He­xen-Pro­pa­gan­da. Sei­ne per­sön­li­che Freund­schaft mit John Gib­bons, Rek­tor des Trie­rer Kol­legs, so­wie sei­ne ver­trau­te Be­kannt­schaft mit den Ver­tre­tern der Ob­rig­keit führ­ten zu ei­ner ver­häng­nis­vol­len Ver­flech­tung dä­mo­no­lo­gi­scher Theo­rie, re­li­giö­ser Pro­pa­gan­da und welt­li­cher Ge­richts­pra­xis, ge­rich­tet ge­gen die ver­meint­lich in al­len Schich­ten, auch un­ter dem Kle­rus, ver­brei­te­te He­xe­rei. Als Propst von St. Si­me­on muss­te Bins­feld so auch die Ver­däch­ti­gung ei­ni­ger Ka­no­ni­ker mit­er­le­ben; dar­über hin­aus fie­len Bau­ern der stif­ti­schen Grund­herr­schaf­ten (wie zum Bei­spiel in Win­che­rin­gen oder im Nal­ba­cher Tal) den He­xen­jag­den zum Op­fer.

Ob Pe­ter Bins­feld tat­säch­lich kei­nen Wert auf welt­li­chen Lu­xus ge­legt und sich als frei­gie­big er­wie­sen hat, wie der Trie­rer Weih­bi­schof Ni­ko­laus Hont­heim 1750 rück­schau­end wer­te­te, muss da­hin­ge­stellt blei­ben. Bins­felds au­gen­schein­lich fa­na­ti­sier­ter Cha­rak­ter, der je­de noch so klei­ne Zu­rück­set­zung als schwe­re, ehr­ver­let­zen­de Krän­kung emp­fand, of­fen­bar­te sich nicht nur bei der Af­fä­re um Cor­ne­li­us Loos, son­dern zeig­te sich auch bei ei­ner klei­nen Epi­so­de am Ran­de: Als im Ja­nu­ar 1590 der Trie­rer Rat dem Stift St. Si­me­on aus ver­sor­gungs­tech­ni­schen und fis­ka­li­schen Grün­den ver­bot, schon vor­zei­tig den neu­en Wein auf den Markt zu brin­gen, wei­ger­te sich Bins­feld als Propst von St. Si­me­on, die­sem Be­fehl nach­zu­kom­men. Dar­über hin­aus wand­te er sich so­gleich in ei­ge­ner Per­son an den bi­schöf­li­chen Fis­kal, um ei­nen Pro­zess zur Ab­set­zung des ge­sam­ten Trie­rer Ra­tes an­zu­stren­gen. Of­fen­sicht­lich ver­stand sich Bins­feld als heim­li­cher Re­gent der Stadt­ge­mein­de. Im Ge­gen­satz zum fast aus­schlie­ß­lich in Witt­lich und Pfal­zel Hof hal­ten­den Erz­bi­schof, hat­te Bins­feld sei­ne stän­di­ge Re­si­denz im Trie­rer Si­me­on­stift ge­wählt. So zeig­ten sich dem Weih­bi­schof die aus sei­ner Sicht so drin­gend zu re­for­mie­ren­den Miss­stän­de – sprich die an­geb­lich von der He­xe­rei in­fi­zier­ten städ­ti­schen Eli­ten – stän­dig vor Au­gen. An­ge­sichts des­sen ver­wun­dert es nur we­nig, dass sich Bins­feld die Pu­ri­fi­zie­rung der Trie­rer Stadt­ge­mein­de ge­ra­de­zu im Wort­sinn auf die Agen­da ge­schrie­ben hat­te. Gleich­wohl soll­te Pe­ter Bins­feld kein zy­ni­sches Vor­ge­hen un­ter­stellt wer­den, denn nicht nur sei­ne Schrift ge­gen die He­xe­rei, son­dern auch sei­ne an­de­ren pas­to­ral- und mo­ral­theo­lo­gi­schen Wer­ke sind ge­prägt von ei­ner tief­sit­zen­den Teu­fels­furcht, ei­ner ge­ra­de­zu ob­ses­si­ven Angst vor den all­ge­gen­wär­ti­gen Ver­su­chen des Sa­tans, den Chris­ten­men­schen zu ver­der­ben (so schon Jo­han­nes Dil­lin­ger). Es ist die­se pes­si­mis­ti­sche, auf Sün­de, End­zeit, Got­tes Zorn und ewi­ge Ver­damm­nis fo­kus­sier­te Geis­tes­hal­tung, die of­fen­bar al­le Dä­mo­no­lo­gen, wie zum Bei­spiel auch den Bam­ber­ger „He­xen­weih­bi­schof“ Fried­rich För­ner (1570-1630), präg­te. Gott­ver­trau­en, Got­tes­lie­be und der Glau­be an die gött­li­che Barm­her­zig­keit, wel­che die Schrif­ten Fried­rich von Spees kenn­zeich­nen wer­den, sucht man bei Bins­feld ver­geb­lich.

Pe­ter Bins­feld ver­starb am 24.11.1598 im Al­ter von un­ge­fähr 54 Jah­ren, nach­dem er sich mit ei­ner Seu­che in­fi­ziert hat­te. Sei­ne letz­te Ru­he fand er au­ßen, ne­ben der Tür zur Un­ter­kir­che des Si­me­on­stifts, auf dem Platz ober­halb der Frei­trep­pe. Aus­ge­stat­tet mit ei­nem Epi­taph, ei­nem Schutz­dach und mög­li­cher­wei­se ei­nem Al­tar, be­saß die Grab­stät­te ei­nen ka­pel­len­ar­ti­gen Cha­rak­ter. Nach­dem Na­po­le­on die Frei­le­gung der Por­ta Ni­gra be­foh­len hat­te, wur­de 1815/1816 die Er­d­auf­schüt­tung mit­samt den Grä­bern ent­fernt und die ge­fun­de­nen Ge­bei­ne auf den neu ent­stan­de­nen städ­ti­schen Fried­hof vor die Stadt­mau­er ver­bracht. Es steht zu ver­mu­ten, dass die von Gal­lee­rens­kla­ven ver­rich­te­ten Aus­hub­ar­bei­ten ei­ne Bei­set­zung der ge­sam­mel­ten Über­res­te nur mehr in ei­nem Mas­sen­grab zu­lie­ßen. Bins­felds letz­te Ru­he­stät­te bleibt des­halb un­be­kannt, we­der Epi­taph noch In­schrift ha­ben sich über­lie­fert. Von sei­nen Schrif­ten hat auch nur der „Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus“ ei­ne brei­te, wenn­gleich un­heil­vol­le Re­zep­ti­on, un­ter an­de­rem in den frän­ki­schen He­xen­jag­den des be­gin­nen­den 17. Jahr­hun­derts er­fah­ren.

Werke

Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus ... la­tei­nisch

Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus male­fi­co­rum & sa­ga­r­um. An, et quan­ta fi­des iis ad­hi­ben­da sit ..., Trier 1589.
Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus male­fi­co­rum et sa­ga­r­um re­co­gni­tus & auc­tus. An, et quan­ta fi­des iis ad­hi­ben­da sit ... Ac­ces­sit de no­vo, eo­dem auc­to­re, com­men­ta­ri­us in ti­tu­lum co­di­cis lib. 9 de male­fi­cis & ma­the­ma­ti­cis, theo­lo­giae & ju­ris sci­en­tiae, se­cund­um ma­te­riae sub­jec­tae na­tur­am ac­com­mo­da­tus, Trier 1591.
Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus male­fi­co­rum et sa­ga­r­um se­cun­do re­co­gni­tus & auc­tior red­ditus. An, & quan­ta fi­des iis ad­hi­ben­da sit? ... Ad­jun­gi­tur com­men­ta­ri­us, eo­dem auc­to­re, in tit. c. lib. 9 de male­fi­cis & ma­the­ma­ti­cis, theo­lo­giae & ju­ris sci­en­tiae, se­cund­um ma­te­riae sub­jec­tae na­tur­am, ac­com­mo­da­tus, iam pri­mum re­vi­sus & auc­tus. In fi­ne adiici­un­tur bullae & ex­tra­va­gan­tes pon­ti­fi­cum suc­ces­su tem­po­ris ema­na­te con­tra as­tro­lo­gos, di­vina­to­res, ma­gos, male­fi­cos & ali­os su­per­sti­tio­sos, Trier 1596.
Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus male­fi­co­rum et sa­ga­r­um, se­cun­do re­co­gni­tus, & auc­tior red­ditus. An, & quan­ta fi­des iis ad­hi­ben­da sit? ... Adi­un­gi­tur com­men­ta­ri­us, eo­dem auc­to­re, in tit. c. lib. 9 de male­fi­cis & ma­the­ma­ti­cis, theo­lo­giae & iuris sci­en­tiae, se­cund­um ma­te­riae su­biec­tae na­tur­am, ac­com­mo­da­tus iam pri­mum re­vi­sus & auc­tus. In fi­ne adi­ci­un­tur bullae et ex­tra­va­gan­tes pon­ti­fi­cum suc­ces­su tem­po­ris ema­na­te con­tra as­tro­lo­gos, di­vina­to­res, ma­gos, male­fi­cos & ali­os su­per­sti­tio­sos, Trier 1605.
Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus male­fi­co­rum et sa­ga­r­um. An, & quan­ta fi­des iis ad­hi­ben­da sit? ... Ac­ce­dit ei­us­dem auc­to­ris Com­men­ta­ri­us in tit. cod. lib. 9, de male­fi­cis & ma­the­ma­ti­cis theo­lo­giae & iuris sci­en­tiae, se­cund­um ma­te­riae su­biec­tae na­tur­am, ac­com­mo­da­tus. Item bullae & ex­tra­va­gan­tes pon­ti­fi­cum, &c. Ed. 4, corr. & auc­tior, Köln 1623.
Trac­ta­tus de con­fes­sio­ni­bus ... deutsch Trac­tat von Be­kannt­nuß der Zau­be­rer und He­xen. Ob und wie viel den­sel­ben zu glau­ben, Trier 1590.
Trac­tat von Be­kannt­nuss der Zau­be­rer und He­xen, ob und wie viel den­sel­ben glau­ben, Mün­chen 1591.
Trac­tat von Be­kannt­nuß der Zau­be­rer und He­xen. Ob und wie viel den­sel­ben zu glau­ben, Mün­chen 1592.

Wei­te­re Wer­ke

En­chi­ridi­on theo­lo­giae pas­to­ra­lis et doc­tri­nae nec­ces­sa­riae sa­cer­do­ti­bus, Trier 1591. Com­men­ta­ri­us theo­lo­gi­cus et iuri­di­cus in ti­tu­lum iuris ca­no­ni­ci de usu­ris, Trier 1593. Li­ber re­cep­tar­um in theo­lo­gia sen­ten­tiar­um et con­clu­si­o­num, Trier 1593. Com­men­ta­ri­us in ti­tu­lum iuris ca­no­ni­ci de ini­uriis de dam­no da­to, Trier 1597. Com­men­ta­ri­us in ti­tu­lum iuris ca­no­ni­ci de si­mo­nia, Trier 1604.

Trac­ta­tus de ten­ta­tio­ni­bus et ear­um re­me­di­is, Trier 1611.

Edition

Pe­trus Bins­feld, Trac­tat von Be­kannt­nuß der Zau­be­rer vnnd He­xen. Ob und wie viel den­sel­ben zu glau­ben, hg. und ein­ge­lei­tet v. Hi­ram Küm­per, Wien 2004.

Literatur

Heyen, Franz-Jo­sef, Das Stift St. Si­me­on in Trier, Ber­lin/New York 2002.

Mo­li­tor, Hans­ge­org, Kirch­li­che Re­form­ver­su­che der Kur­fürs­ten und Erz­bi­schö­fe von Trier im Zeit­al­ter der Ge­gen­re­for­ma­ti­on, Wies­ba­den 1967.
Scho­ler, Othon, Der He­xer war’s, die He­xe, ja viel­leicht so­gar der Dä­mon höchst­per­sön­lich. Von der Nut­zung der He­xen­ideo­lo­gie zur Ver­de­ckung und Ver­tu­schung von Pein­lich­kei­ten, Un­ar­ten, Ver­ge­hen und Ver­bre­chen, Trier 2007.
Sei­brich, Wolf­gang, Die Weih­bi­schö­fe des Bis­tums Trier, Trier 1998, S. 83-90.
Volt­mer, Ri­ta, Zwi­schen Herr­schafts­kri­se, Wirt­schafts­de­pres­si­on und Je­sui­ten­pro­pa­gan­da. He­xen­ver­fol­gun­gen in der Stadt Trier (15.-17. Jahr­hun­dert), in: Jahr­buch für west­deut­sche Lan­des­ge­schich­te 27 (2001), S. 37-107.
Volt­mer, Ri­ta, Die He­xen­ver­fol­gun­gen im Raum des Erz­bis­tums (15.-17. Jahr­hun­dert), in: Schnei­der, Bern­hard (Hg.), Kir­chen­re­form und Kon­fes­si­ons­staat 1500-1801 (Ge­schich­te des Bis­tums Trier Band 3), Trier 2010, S. 709-749.

Online

Dil­lin­ger, Jo­han­nes, Bins­feld, Pe­ter. Aus: Le­xi­kon zur Ge­schich­te der He­xen­ver­fol­gung, hg. v. Gu­drun Gers­mann, Kat­rin Mo­el­ler u. Jür­gen-Mi­cha­el Schmidt, in: his­to­ri­cum.net. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Voltmer, Rita, Peter Binsfeld, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/peter-binsfeld-/DE-2086/lido/57c582746257b3.70094282 (23.05.2018)