Pilgrim

Erzbischof von Köln (1021-1036)

Toni Diederich (Bonn)

Pil­grim ver­kör­pert in ex­em­pla­ri­scher Wei­se den Typ des „Reichs­bi­schofs" der ot­to­nisch-sa­li­schen Zeit. Er ge­hör­te zu den her­aus­ra­gen­den Bi­schö­fen sei­ner Zeit und muss als ei­ner der be­deu­tends­ten Köl­ner Erz­bi­schö­fe des Mit­tel­al­ters gel­ten.

Pil­grim ent­stamm­te der baye­ri­schen Adels­sip­pe der Ari­bo­nen, de­ren Stamm­ta­fel auf der Ba­sis der Leit­na­men und ver­ein­zel­ten Nen­nun­gen in Ne­kro­lo­gen und an­de­ren Quel­len un­ter­schied­lich kon­stru­iert wor­den ist. So blei­ben auch das Ge­burts­jahr Pil­grims (um 985) und der Grad der Ver­wandt­schaft mit Kai­ser Hein­rich II. (Re­gie­rungs­zeit 1002-1024) letzt­lich un­be­stimmt. Von gro­ßer Be­deu­tung für die geist­li­che Kar­rie­re Pil­grims war es, dass er die För­de­rung Erz­bi­schof Hart­wigs von Salz­burg (Epis­ko­pat 991-1023) ge­noss und die da­mals in ho­hem An­se­hen ste­hen­de Schu­le des Salz­bur­ger Do­mes be­such­te, wo er auch ein Ka­no­ni­kat er­lang­te. Die ex­zel­len­te Aus­bil­dung Pil­grims – spä­ter wur­den be­son­ders sei­ne mu­si­ka­li­schen und ma­the­ma­ti­schen Kennt­nis­se ge­rühmt – war si­cher­lich aus­schlag­ge­bend da­für, dass er durch die Ver­mitt­lung Hart­wigs vor 1015 in die Hof­ka­pel­le be­ru­fen wur­de und das Ver­trau­en Hein­richs II. er­lang­te. In der Hof­ka­pel­le, der Zen­tra­le des Rei­ches für Got­tes­dienst, Ur­kun­den­aus­stel­lung und an­de­re Ver­wal­tungs­auf­ga­ben, be­geg­ne­te Pil­grim dem ers­ten Bi­schof von Bam­berg, Eber­hard von Aben­berg (Epis­ko­pat 1007-1040). Die­ser stand eben­so wie Erz­bi­schof Hart­wig von Salz­burg dem Kai­ser na­he. Bei­de Bi­schö­fe dürf­ten mit da­für ver­ant­wort­lich ge­we­sen sein, dass der Kai­ser Pil­grim (wohl An­fang 1016) zum Dom­propst von Bam­berg be­stell­te. Dies war in­so­fern ei­ne hoch­wich­ti­ge Po­si­ti­on, als Hein­rich II. mit der Grün­dung des Bis­tums Bam­berg im Jah­re 1007 un­ter an­de­rem das Ziel ver­folg­te, die dor­ti­ge Dom­schu­le zu ei­ner her­aus­ra­gen­den Aus­bil­dungs­stät­te für künf­ti­ge Bi­schö­fe zu ma­chen.

Als Dom­propst war Pil­grim nicht nur Vor­ge­setz­ter der Dom­ka­no­ni­ker, son­dern auch der Dom­schu­le und der Dom­bi­blio­thek zu Bam­berg, der Hein­rich II. zahl­rei­che Hand­schrif­ten schenk­te. Da Eber­hard von Aben­berg auch nach sei­ner Bi­scho­fer­nen­nung in der Hof­ka­pel­le ver­blie­ben und 1013 so­gar zum Erz­kanz­ler für Ita­li­en auf­ge­stie­gen war, un­ter­hielt er in Bis­tum und Hof­ka­pel­le/Hof­kanz­lei engs­te Be­zie­hun­gen zu Pil­grim. Dass der Kai­ser Pil­grim 1016 zum Kanz­ler für Ita­li­en er­nann­te und in der Fol­ge mit be­son­de­ren Mis­sio­nen und Ver­hand­lun­gen in Ita­li­en be­trau­te, ist vor die­sem Hin­ter­grund zu se­hen. Pil­grim ge­hör­te al­so nicht nur zu den engs­ten Ver­trau­ten und Rat­ge­bern Hein­richs II., son­dern auch zur geis­tig-geist­li­chen Eli­te des Rei­ches. Da­bei ist mit zu be­den­ken, dass die geist­lich fun­dier­te Herr­schafts­pro­gram­ma­tik, die sich in den Di­plo­men, Sie­geln, Bul­len und Mün­zen of­fen­bart, stär­ker als bis­her an­ge­nom­men von den Füh­rungs­kräf­ten der Hof­ka­pel­le for­mu­liert wur­de. Dass Pil­grim auf­grund sei­ner au­ßer­ge­wöhn­li­chen Bil­dung und Ge­lehr­sam­keit dar­an be­tei­ligt war, kann als si­cher gel­ten, auch wenn sich die Quel­len dies­be­züg­lich aus­schwei­gen.

Hein­rich II., der be­kannt­lich ri­go­ros das kö­nig­li­che Recht der Bis­tums­be­set­zung aus­üb­te, be­stell­te nach dem Tod des Köl­ner Erz­bi­schofs He­ri­bert 1021 Pil­grim zu des­sen Nach­fol­ger. Der Kai­ser ent­schied sich da­mit für ei­nen en­gen Ver­trau­ten, der nach Her­kunft und Fä­hig­kei­ten die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Lei­tung ei­nes der wich­tigs­ten Bis­tü­mer mit­brach­te. Es fällt auf, dass Pil­grim ge­gen­über sei­nem On­kel Ari­bo, der al­ler­dings erst spä­ter in die Hof­ka­pel­le ein­ge­tre­ten war, den Vor­zug er­hielt; viel­leicht ist Ari­bo der da­mals als noch vor­neh­mer gel­ten­de Main­zer Erz­stuhl zu­ge­sagt wor­den, den die­ser dann tat­säch­lich ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter, im Sep­tem­ber 1021, in Be­sitz nahm (Epis­ko­pat bis 1031). Am 29.6.1021, dem Fest des hei­li­gen Pe­trus, des Pa­trons des Köl­ner Do­mes, er­hielt Pil­grim un­ter As­sis­tenz vie­ler Bi­schö­fe in Köln die Bi­schofs­wei­he. Der Kai­ser und die Kai­se­rin wa­ren aus die­sem An­lass für ei­ni­ge Ta­ge nach Köln ge­kom­men, wor­aus sich ih­re be­son­de­re Ver­bun­den­heit mit Pil­grim und des­sen ho­he Wert­schät­zung ab­le­sen las­sen.

Zum Wir­ken Erz­bi­schof Pil­grims und zu sei­nen Er­fol­gen in Stadt, Erz­bis­tum und Kir­chen­pro­vinz Köln wie auch in Hof­ka­pel­le, Reich und Kir­che (ein­schlie­ß­lich der Be­zie­hun­gen zum Papst und zu den kon­kur­rie­ren­den Erz­bi­schö­fen von Mainz und Trier) gibt es bis­her kei­ne um­fas­sen­de mo­der­ne Dar­stel­lung. Schon 1022 agier­te Pil­grim weit au­ßer­halb sei­nes Erz­bis­tums, in­dem er im Auf­trag Hein­richs II. ei­nen Teil des kai­ser­li­chen Heer­banns in Süd­ita­li­en be­feh­lig­te, mit dem er Ca­pua be­setz­te und Sa­ler­no ein­nahm. Den Ita­li­en­auf­ent­halt nutz­te Pil­grim, um sich bei Papst Be­ne­dikt VIII. (Pon­ti­fi­kat 1012-1024) das Pal­li­um ab­zu­ho­len. An­läss­lich ei­ner wei­te­ren Rom­rei­se um die Jah­res­wen­de 1023/1024 er­hielt Pil­grim be­son­de­re Eh­ren­rech­te, zu de­nen auch die Wür­de des Bi­blio­the­kars des Hei­li­gen Apos­to­li­schen Stuh­les ge­hör­te.

Die Grün­dung der Ab­tei Brau­wei­ler durch Pfalz­graf Ez­zo un­ter­stüt­ze Pil­grim, in­dem er die­ser im April 1024 den be­deu­ten­den Re­form­abt Pop­po (978-1048) ver­mit­tel­te, der 1020 vom Kai­ser zum Abt von Sta­blo-Mal­médy be­ru­fen wor­den und spä­ter nach St. Ma­xi­min in Trier ge­wech­selt war. Bei der Kö­nigs­wahl An­fang Sep­tem­ber 1024 konn­te Pil­grim sei­nen Kan­di­da­ten Kon­rad den Jün­ge­ren, ei­nen Vet­ter des dann ge­wähl­ten Kö­nigs Kon­rad II. (Re­gie­rungs­zeit bis 1039), nicht durch­set­zen und ver­ließ vor­zei­tig den Wahlort. War da­mit sein Ver­hält­nis zum neu­en Reichs­ober­haupt be­las­tet, so ge­lang es Pil­grim doch, die Gunst des Kö­nigs zu ge­win­nen. Ari­bo von Mainz wei­ger­te sich näm­lich we­gen ka­no­ni­scher Be­den­ken ge­gen die Ehe Kon­rads II., des­sen Gat­tin Gi­se­la zu krö­nen. Dar­auf­hin bat Pil­grim den Kö­nig, die Krö­nung Gi­sel­as vor­neh­men zu dür­fen, die dann auch am 21.9.1024 im Dom zu Köln statt­fand. Wie sehr Pil­grim die zu­neh­men­de Dis­tanz zwi­schen Ari­bo und Kon­rad II. für sich wei­ter nut­zen konn­te, zeigt sich dar­in, dass er in der Fol­ge häu­fig als Zeu­ge und als In­ter­ve­ni­ent in den Di­plo­men Kon­rads II. er­scheint und schlie­ß­lich auch zu Os­tern 1028 des­sen Sohn und Thron­er­ben, den 10-jäh­ri­gen Hein­rich III. (Re­gie­rungs­zeit 1039-1056), in Aa­chen zum Kö­nig krön­te.

Die Nu­mis­ma­ti­ker ge­hen da­von aus, dass nach der Kai­ser­krö­nung Kon­rads II. von 1027 Pil­grim das Münz­recht ver­lie­hen wur­de, auch wenn das nicht förm­lich über­lie­fert ist. Je­den­falls hat Pil­grim als ers­ter Erz­bi­schof nach Bru­no wie­der ei­ne Münz­stät­te in Köln be­trie­ben. Die Rück­sei­ten­le­gen­de der Pil­grim-Den­a­re lau­tet: SANC­TA CO­LO­NIA. Das war über die An­ga­be des Prä­ge­or­tes hin­aus ein Pro­gramm, das sich auch auf der ers­ten Blei­bul­le fin­det, mit der Pil­grim sie­gel­te. Ei­ne Stei­ge­rung des Eh­ren­ti­tels des „Hei­li­gen Köln" weist die spä­te­re (zwei­te) Blei­bul­le Pil­grims auf. Die Um­schrift der Rück­sei­te – SANC­TA CO­LO­NI­EN­SIS RE­LI­GIO – wird im Sie­gel­feld durch die per­so­ni­fi­zier­te Dar­stel­lung der drei theo­lo­gi­schen Tu­gen­den Fi­des, Spes und Ca­ri­tas (Glau­be, Hoff­nung und Lie­be) er­läu­tert. Pil­grim war der ein­zi­ge (Erz)Bi­schof nörd­lich der Al­pen, der zwei Blei­bul­len führ­te. Mit ih­rer Ver­wen­dung stell­te er sich auf ei­ne Stu­fe mit dem Papst und dem Kö­nig be­zie­hungs­wei­se Kai­ser. Wie die Ge­stal­tung der Bul­len zeigt, be­an­spruch­te Pil­grim für das Erz­bis­tum Köln und sich selbst ei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung im da­ma­li­gen christ­li­chen Erd­kreis. Dies muss vor al­lem im Hin­blick auf die schon län­ger an­dau­ern­den Rangstrei­tig­kei­ten zwi­schen den drei Erz­bi­schö­fen von Trier, Mainz und Köln ge­se­hen wer­den. Dass Köln sich un­ter Pil­grim ei­nen Zu­ge­winn an An­se­hen und Ein­fluss auf Kos­ten von Mainz ver­schaf­fen konn­te, zeigt die Tat­sa­che, dass Kon­rad II. nach dem Tod Ari­bos 1031 die Erz­kanz­ler­wür­de für Ita­li­en von dem Main­zer Erz­stuhl ab­zog und Pil­grim über­trug.

Da Pil­grim nicht mehr wie ehe­dem un­ter Hein­rich II. zu den engs­ten Ver­trau­ten des Kai­sers zähl­te, konn­te er sich mehr um sei­ne Auf­ga­ben als Erz­bi­schof und Stadt­herr von Köln küm­mern. Sei­ne Für­sor­ge galt un­ter an­de­rem den Ab­tei­en Deutz und Brau­wei­ler. Ein be­son­de­res An­lie­gen wa­ren ihm die Klos­ter­schu­len, ins­be­son­de­re die Dom­schu­le, die Pil­grim auch vi­si­tier­te. Die Dom­bi­blio­thek er­stell­te in den Jah­ren sei­nes Epis­ko­pats ein heu­te noch er­hal­te­nes Aus­leih­ver­zeich­nis. An der Ab­tei St. Pan­ta­le­on, da­mals noch un­mit­tel­bar vor den To­ren der Stadt Köln ge­le­gen, er­folg­ten in der Pil­grim-Zeit wich­ti­ge Bau­maß­nah­men (Saal­ver­län­ge­rung und West­bau II). Ei­nen neu­en stadt­pla­ne­ri­schen Ak­zent setz­te Pil­grim durch den Aus­bau der west­li­chen Köl­ner Vor­stadt, wo er das Stift St. Apos­teln grün­de­te. Hier – nicht im Dom – wur­de Pil­grim nach sei­nem am 25.8.1036 er­folg­ten Tod auch bei­ge­setzt.

Heu­te ist in Köln ei­ne Stra­ße nach dem be­deu­ten­den Erz­bi­schof be­nannt.

Quellen (Auswahl)

Die Re­ges­ten der Erz­bi­schö­fe von Köln im Mit­tel­al­ter, Band 1, be­arb. von Fried­rich Wil­helm Oedi­ger, Bonn 1954-1961, S. 206-225.

Literatur (Auswahl)

Di­ede­rich, To­ni, SANC­TA CO­LO­NIA – SANC­TA CO­LO­NI­EN­SIS RE­LI­GIO. Zur „Bot­schaft" der Blei­bul­len Erz­bi­schof Pil­grims von Köln (1021-1036), in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 75 (2011), S. 1-49.
Pfen­nin­ger, Max, Kai­ser Kon­rads II. Be­zie­hun­gen zu Ari­bo von Mainz, Pil­grim von Köln und Ari­bert von Mai­land: quel­len­mä­ßig be­leuch­tet, Bres­lau 1891.
Schnü­rer, Gus­tav, Pil­grim, Erz­bi­schof von Köln. Stu­di­en zur Ge­schich­te Hein­richs II. und Kon­rads II., phil. Diss. Müns­ter 1883.
Stra­cke, Gott­fried, Pil­grim – Bau­herr von St. Apos­teln zu Köln, in: Ar­chäo­lo­gie in Deutsch­land 8 (1992), S. 6-9.

Online

Erz­bi­schof Pil­grim (Bio­gra­phi­sche Kurz­in­for­ma­ti­on in­klu­si­ve Ab­bil­dung ei­nes Pil­grim-Den­ars auf der Web­site des Köl­ner Doms). [On­line]
Sei­bert, Hu­ber­tus, „Pil­grim", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 20 (2001), S. 440-441. [On­line]

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Diederich, Toni, Pilgrim, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/pilgrim/DE-2086/lido/57c95a9c1e8bc3.90155954 (17.11.2018)