Poppo von Babenberg

Erzbischof von Trier (1016-1047)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Pop­po von Ba­ben­berg ge­hört zu den her­aus­ra­gen­den Per­sön­lich­kei­ten der Trie­rer Kir­chen­ge­schich­te des Mit­tel­al­ters. Ne­ben sei­ner Be­deu­tung in der Reichs­po­li­tik ist er vor al­lem durch die Wes­ter­wei­te­rung des Trie­rer Do­mes, den Um­bau der Por­ta Ni­gra zum Si­me­on­stift und die För­de­rung der Ver­eh­rung des hei­li­gen Si­me­on her­vor­ge­tre­ten.

Pop­po war der Sohn des Mark­gra­fen Leo­pold I. von Ba­ben­berg (940-994) und der frän­ki­schen Her­zog­s­toch­ter Ri­che­za. Er wuchs in Re­gens­burg auf und wur­de 1007 von Kö­nig Hein­rich II. (Re­gie­rungs­zeit 1002-1024) zum Dom­propst des neu ge­grün­de­ten Bis­tums Bam­berg be­stimmt. Hein­rich II. ge­stal­te­te Bam­berg nach dem Ide­al­plan ei­ner ot­to­ni­schen Stadt in Form ei­nes Kreu­zes. Be­reits 1012 wur­de der Dom in Ge­gen­wart von mehr als 30 Bi­schö­fen ge­weiht, 1009 die Stifts­kir­che St. Ste­phan, 1015 das Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter St. Mi­cha­el, spä­ter dann noch St. Gan­golph und St. Ja­kob. Der ziel­stre­bi­ge Aus­bau der neu­ge­grün­de­ten Bi­schofs­stadt und ih­re gro­ße Be­deu­tung in der Reichs­po­li­tik wa­ren Er­eig­nis­se, die Pop­po nach­drück­lich präg­ten und die auch für sei­ne Zeit als Trie­rer Erz­bi­schof von Be­deu­tung ge­we­sen sein dürf­ten.

Nach dem Tod des Trie­rer Erz­bi­schofs Lu­dolf (Epis­ko­pat 994-1008) kam es 1008 zu ei­ner Dop­pel­wahl: Kon­tra­hen­ten wa­ren der Lu­xem­bur­ger Adal­be­ro (Epis­ko­pat 1008-1015 Kein Bi­schof), Propst von St. Pau­lin, und der von Kai­ser Hein­rich II. als Bi­schof ein­ge­setz­te Main­zer Dom­propst Me­gingaud (Epis­ko­pat 1008-1015). Da Adal­be­ro Trier be­setzt hielt, konn­te Me­gingaud die Stadt nicht be­tre­ten und re­si­dier­te bis zu sei­nem Tod 1015 in Ko­blenz. Zu sei­nem Nach­fol­ger be­stimm­te Kai­ser Hein­rich II. Pop­po von Ba­ben­berg, ge­lei­te­te ihn per­sön­lich nach Trier, ließ ihn dort be­stä­ti­gen und durch den Main­zer Erz­bi­schof Er­k­an­bald (Epis­ko­pat 1011-1021) wei­hen. Da­mit wur­de die Mo­sel­feh­de be­en­det, die Ex­pan­si­on Lu­xem­burgs nach Os­ten ge­bremst. Kai­ser Hein­rich II. för­der­te den Aus­bau des Erz­stifts und schenk­te der Trie­rer Kir­che 1018 den Kö­nigs­hof Ko­blenz und das Stift St. Flo­rin. Seit­dem hat­te das spä­te­re Kur­fürs­ten­tum zwei Herr­schafts­schwer­punk­te, wo­bei der Ko­blen­zer Be­sitz sei­ne wirt­schaft­li­che La­ge we­sent­lich ver­bes­ser­te. Nach Hein­richs Tod (1024) spiel­te Pop­po in der Um­ge­bung Kö­nig Kon­rads II. (Re­gie­rungs­zeit 1024-1039) ei­ne wich­ti­ge Rol­le, be­ge­lei­te­te ihn 1026 auf sei­ner Rom­fahrt und nahm an sei­ner Kai­ser­krö­nung teil.

Pop­po er­wies sich un­ter den drei Kai­sern Hein­rich II., Kon­rad II. und Hein­rich III. (Re­gie­rungs­zeit 1039-1056) als zu­ver­läs­si­ge Stüt­ze der Reichs­po­li­tik. Er be­müh­te sich auch um die Kir­chen­re­form, grün­de­te die Ab­tei St. Ma­ria ad mar­ty­res, de­ren Mön­che in der Mo­sel­feh­de ver­trie­ben wor­den wa­ren, neu und wan­del­te das Klos­ter Pfal­zel in ein Stift um.

Pop­po von Ba­ben­berg hat wie kaum ein an­de­rer Erz­bi­schof das Ge­sicht des hei­li­gen Trier im Mit­tel­al­ter ge­prägt. Ihm sind die Wes­ter­wei­te­rung des Trie­rer Do­mes und der Um­bau (und da­mit die Er­hal­tung) der Por­ta Ni­gra zu ei­ner Stifts­kir­che zu ver­dan­ken. Der Trie­rer Dom war trotz man­cher Si­che­rungs­ar­bei­ten un­ter Erz­bi­schof Eg­bert im­mer noch in ei­nem bau­fäl­li­gen Zu­stand. Pop­po si­cher­te die Sta­tik des rö­mi­schen Qua­drat­bau­es und ließ ei­ne ein­ge­stürz­te Vie­rungs­säu­le wie­der her­stel­len. Ver­mut­lich geht auf ihn auch der Bau ei­ner vier­schi­fi­gen Kryp­ta im Os­ten zu­rück. Da der Dom kei­ne Hei­li­gen­grä­ber be­saß, ließ Pop­po 1037 ei­nen der drei Bis­tums­grün­der, den hei­li­gen Ma­ter­nus, aus St. Eu­cha­ri­us in den Dom über­füh­ren und mög­li­cher­wei­se in der Kryp­ta be­stat­ten.

An­schlie­ßend fand ei­ne er­heb­li­che Er­wei­te­rung der Kir­che nach Wes­ten statt, wo­bei die Bau­meis­ter sich an den durch das rö­mi­sche Bau­werk vor­ge­ge­be­nen Ma­ßen ori­en­tier­ten. Zum Dom­frei­hof hin wur­de ei­ne präch­ti­ge West­fas­sa­de er­rich­tet, die den Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis­sen ei­nes Ver­tre­ters der ot­to­nisch-sa­li­schen Reichs­kir­che ent­sprach: Ei­ne hoch auf­ra­gen­de Zwei­turm­fas­sa­de mit zwei Por­ta­len, zwei Zwerg­ga­le­ri­en, ei­ner mäch­ti­gen, vor­sprin­gen­den Ap­sis und zwei flan­kie­ren­den Trep­pen­tür­men, die un­ter Erz­bi­schof Udo von Nel­len­burg (Epis­ko­pat 1066-1078) voll­endet wur­de. Nach­träg­lich wur­de un­ter dem West­chor die heu­te noch be­ste­hen­de Kryp­ta mit dem Bla­si­us­al­tar ein­ge­rich­tet. Mit der Ein­rich­tung ei­nes West­cho­res und ei­ner West­kryp­ta war ei­ne Dop­pel­chor­an­la­ge ent­stan­den, die ei­nen Ver­gleich mit den Kai­ser­do­men in Spey­er, Worms und Mainz nicht zu scheu­en braucht. Als Pop­po am 16.6.1047 bei gro­ßer Hit­ze die Bau­stel­le be­trat, er­litt der kahl­köp­fi­ge Erz­bi­schof ei­nen Hitz­schlag und starb. Pop­po von Ba­ben­berg wur­de nicht im Dom be­gra­ben, son­dern in der von ihm ge­grün­de­ten Stifts­kir­che St. Si­me­on. 1026 hat­te er den Ere­mi­ten und Pil­ger­füh­rer Si­me­on (ge­stor­ben 1035) ken­nen ge­lernt, der in ei­ner Er­b­an­ge­le­gen­heit in die Nor­man­die ge­reist war. Mit die­sem zog Pop­po wohl 1027-1030 ins Hei­li­ge Land. Nach der Rück­kehr blieb Si­me­on in Trier und ließ sich als In­klu­se un­ter Be­tei­li­gung von Kle­rus und Volk in ei­ner Zel­le in der Por­ta Ni­gra ein­mau­ern.

Nach Si­me­ons Tod 1035 ver­fass­te Eber­win (ge­stor­ben 1040), Abt des Be­ne­dik­ti­ner­klos­ters Tho­ley und des Trie­rer Klos­ter St. Mar­tin, ei­ner der füh­ren­den Köp­fe der be­ne­dik­ti­ni­schen Re­form­be­we­gung um Abt Ri­chard von Saint-Van­ne (ge­stor­ben 1046) in Ver­dun, ei­ne Vi­ta des Ver­stor­be­nen. Da­mit wand­te sich Pop­po an Papst Ben­dikt IX. (Pon­ti­fi­kat 1032-1048) mit der Bit­te um Hei­lig­spre­chung Si­me­ons. Die­se er­folg­te in­ner­halb we­ni­ger Mo­na­te. Nach der Hei­lig­spre­chung des Augs­bur­ger Bi­schofs Ul­rich (Epis­ko­pat 923-973) 993 han­delt es sich um das zwei­te of­fi­zi­el­le Ka­no­ni­sie­rungs­ver­fah­ren über­haupt. Dies macht die gro­ßen Zie­le deut­lich, die der Erz­bi­schof mit der Ka­no­ni­sie­rung des Ere­mi­ten ver­folg­te.

Erz­bi­schof Pop­po grün­de­te das Si­me­ons­stift – die ein­zi­ge Neu­grün­dung im hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Trier – und ließ die Por­ta Ni­gra zu ei­ner Kir­che um­bau­en: Das So­ckel­ge­schoß mit den bei­den Durch­fahr­ten wur­de zu­schüt­tet und ei­ne 16 Me­ter brei­te Frei­trep­pe er­rich­tet, die zu ei­nem Platz vor dem ers­ten Ge­schoß hin­auf­führ­te, ei­ner drei­schif­fi­gen Hal­len­kir­che, die als Pil­ger­kir­che dien­te. Das zwei­te Ober­ge­schoß wur­de zur Kir­che der Stifts­her­ren aus­ge­baut, zu ei­ner drei­schif­fi­gen Ba­si­li­ka mit über­höh­tem Mit­tel­schiff. Eben­falls auf Pop­po dürf­te das zu­sätz­li­che Frei­ge­schoss und sein Turm­helm im Wes­ten zu­rück­ge­hen, des­sen Dop­pel­ar­ka­den an die der Dom­tür­me er­in­ner­ten. Der Turm war wohl nur un­we­sent­lich nied­ri­ger als der der Ka­the­dral­kir­che.

Das Si­me­on­stift be­saß ei­ne be­deu­ten­de Bi­blio­thek und war ei­ne Stät­te der Ge­lehr­sam­keit, an der ei­ni­ge be­rühm­te Ge­lehr­te be­pfrün­det wa­ren. 1802 wur­de das Stift auf­ge­ho­ben. Na­po­le­on soll bei sei­nem Trier­be­such 1804 ver­fügt ha­ben, die kirch­li­chen Ein­bau­ten zu ent­fer­nen. In den Jah­ren 1804 bis 1815 wur­den die meis­ten mit­tel­al­ter­li­chen Tei­le ab­ge­tra­gen, nur der Chor­un­ter­bau des 12. Jahr­hun­derts blieb aus sta­ti­schen Grün­den ste­hen. Die Um­wand­lung in ein Stift hat­te es er­mög­licht, dass die Por­ta Ni­gra als ein­zi­ges der vier rö­mi­schen Stadt­to­re Triers er­hal­ten blieb.

In der Stifts­kir­che, am Grab des hei­li­gen Si­me­on beim Al­ler­hei­li­gen­al­tar, wur­de Erz­bi­schof Pop­po 1047 be­gra­ben. Als Pil­ger­kir­che hat das Stift nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le ge­spielt, doch um 1500 häu­fen sich auch die An­zei­chen für ei­ne Ver­eh­rung des Stifts­grün­ders. 1517 ließ Kai­ser Ma­xi­mi­li­an I. (Re­gie­rungs­zeit 1493-1519), der den Ba­ben­ber­ger zu sei­nen Vor­fah­ren rech­ne­te, das Grab öff­nen. Al­brecht Dü­rer (1471-1528) hat 1515 auf sei­nem Holz­schnitt mit den „Schutz­hei­li­gen des Hau­ses Ös­ter­reich" den hei­li­gen Pop­po be­reits dar­stellt. Der Frei­bur­ger Hu­ma­nist Ja­kob Men­nel (1460-1528) wur­de nach Trier ge­schickt, um in den dor­ti­gen Klos­ter­bi­blio­the­ken nach Pop­po zu for­schen. Doch die Re­for­ma­ti­on und der Tod des Kai­sers ver­hin­der­ten ei­ne Hei­lig­spre­chung.

Pop­po ent­sprach dem Bi­schof­side­al der Zeit der ot­to­nisch-sa­li­schen Reichs­kir­che. Er trat als Bau­herr sei­ner Ka­the­dral­kir­che her­vor – wor­an sich meh­re­re Kai­ser und Kö­ni­ge fi­nan­zi­ell be­tei­lig­ten – und wer­te­te sie durch die Trans­la­ti­on ei­nes hei­li­gen Bi­schofs auf, grün­de­te ein Stift und er­rich­te­te ei­ne Kir­che, die gleich­zei­tig auch als Wall­fahrts- und als Gra­bes­kir­che dien­te. Er un­ter­nahm ei­ne Pil­ger­fahrt ins Hei­li­ge Land, war von ere­mi­ti­schen Le­bens­for­men an­ge­tan, be­trieb ziel­ge­rich­tet ei­nen Ka­no­ni­sie­rungs­pro­zeß, be­müh­te sich um die Klos­ter­re­form und be­saß auch ei­ne ka­ri­ta­ti­ve Ader: So über­ließ er den Ar­men an ei­nem Wei­ßen Sonn­tag sein Pferd, als sie ihm zu­rie­fen, für sei­ne als Al­mo­sen ge­ge­be­nen Mün­zen könn­ten sie nichts kau­fen.

Quellen

Wyt­ten­bach, Jo­han­nes H./Mül­ler, F. J. (Hg.), Ges­ta Tre­vi­r­o­rum in­te­gra, Band 1, Trier 1838, cap. 48-57.

Bro­wer, Chris­toph/Ma­sen, Ja­cob, An­ti­qui­tatum et an­na­li­um Tre­vi­ren­si­um Li­bri XXV. Band 1, Ley­den 1670, S. 503-524

Ac­ta Sanc­to­rum. Ju­ni 1, Pa­ris 1867, S. 85-104.

Literatur

Go­se, Erich (Hg.), Die Por­ta Ni­gra in Trier, Trier 1969.

Ha­ver­kamp, Al­fred, Si­me­on von Trier in uni­ver­sa­len Zu­sam­men­hän­gen, in: Neu­es Trie­ri­sches Jahr­buch 44 (2004), S. 21-32.

Heyen, Franz-Jo­sef, Die Por­ta Ni­gra in Trier, Ber­lin/New York 2002.

Sau­ser, Ek­kart, Ar­ti­kel „Pop­po von Ba­ben­berg", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 15 (1999), Spal­ten 1185-1188.

Schmid, Wolf­gang, Pop­po von Ba­ben­berg († 1047). Erz­bi­schof von Trier - För­de­rer des hl. Si­me­on - Schutz­pa­tron der Habs­bur­ger, Trier 1998.

Schmid, Wolf­gang, Pop­po von Ba­ben­berg, Erz­bi­schof von Trier (1016-1047), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 19 (2013), S. 13-32. 

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Poppo von Babenberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/poppo-von-babenberg/DE-2086/lido/57c95b4fa006b9.19616328 (22.05.2018)