Robert Mannesmann

Erfinder und Kolonialist (1865-1913)

Horst A. Wessel (Hilden)

Robert und Otto Mannesmann mit Scheich Hamed von Tarudant in Marokko, 1912. (Salzgitter AG-Konzernarchiv/Mannesmann-Archiv)

Ro­bert war sei­nen Brü­dern ein nütz­li­cher Hel­fer bei ih­ren viel­fäl­ti­gen Er­fin­dun­gen, durch sein ge­win­nen­des We­sen öff­net er ih­nen vie­le Tü­ren, so­gar die des Wei­ßen Hau­ses. In Ma­rok­ko er­wies er sich als eben­so wa­ge­mu­ti­ger wie er­folg­reich und nach­hal­tig wirt­schaf­ten­der Groß­far­mer.

Ro­bert wur­de am 14.4.1865 als fünf­ter Sohn und sieb­tes Kind des er­folg­rei­chen Stahl- und Fei­len­fa­bri­kan­ten Rein­hard Man­nes­mann und sei­ner Ehe­frau Kla­ra, ge­bo­re­ne Ro­choll, in Rem­scheid-Blie­ding­hau­sen ge­bo­ren. Die Fa­mi­lie war evan­ge­lisch-lu­the­risch. An­ders als al­le sei­ne Brü­der krän­kel­te Ro­bert et­was und wur­de da­her vom Va­ter und den Ge­schwis­tern ge­schont und von der Mut­ter bis ins Er­wach­se­nen­al­ter ver­wöhnt. Zwar war auch er früh in der vom Va­ter ge­lei­te­ten Fa­brik zu fin­den, al­ler­dings nur, um sei­ne Neu­gier zu be­frie­di­gen; in der Pro­duk­ti­on brauch­te er nicht mit­zu­hel­fen. Sei­ne schu­li­sche Aus­bil­dung ver­lief un­auf­fäl­lig. Die mo­der­nen Spra­chen schei­nen ihm im be­son­de­ren Ma­ße ge­le­gen zu ha­ben. Nach dem Ab­itur und ei­ni­gen Se­mes­tern an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le ging er als jun­ger Mann, der zu ei­ner statt­li­chen Er­schei­nung her­an­ge­wach­sen und wie sei­ne Brü­der über­durch­schnitt­lich groß war, in die USA. Dort ver­such­ten sei­ne Brü­der Rein­hard, Al­fred un­d Carl zur Ver­wer­tung der im Fa­mi­li­en­be­sitz be­find­li­chen Aus­land­s­pa­ten­te ei­ne Röh­ren­fa­bri­ka­ti­on nach dem Man­nes­mann-Ver­fah­ren in Gang zu brin­gen und ent­spre­chen­de Auf­trä­ge zu er­hal­ten. Be­son­ders bei der Ak­qui­si­ti­on ver­sprach man sich von Ro­bert vor­teil­haf­te Un­ter­stüt­zung.

Der Na­me Man­nes­mann stand nach der Prä­sen­ta­ti­on des Schräg­walz-Ver­fah­rens zur Her­stel­lung von naht­lo­sen Stahl­roh­ren aus dem mas­si­ven Stahl­block al­lein durch Wal­zen auf der Welt­aus­stel­lung von 1893 in Chi­ca­go und auf der Lan­des­aus­stel­lung in San Fran­cis­co in ho­hem An­se­hen. Der be­rühm­te Er­fin­der Tho­mas Al­va Edi­son (1847-1931) war voll des Lo­bes ge­we­sen und ein­fluss­rei­che Un­ter­neh­mer wie Ri­chard T. Cra­ne (1832-1912) und John Fritz (1822-1913) von den Beth­le­hem Steel Works ge­hör­ten nun zu den Be­kann­ten und Freun­den der Er­fin­der. Ro­bert ist so­gar mehr­mals mit sei­nem Bru­der Rein­hard ins Wei­ße Haus ein­ge­la­den wor­den. Ei­nem Schrei­ben von Al­fred vom April 1898 an die Mut­ter ist zu ent­neh­men, dass die Nich­te des Prä­si­den­ten Ge­fal­len an Ro­bert ge­fun­den hat­te, das die­ser je­doch nicht er­wi­der­te. Of­fen­sicht­lich scheint es sich um ei­nen der in ei­nem frü­he­ren Schrei­ben ge­nann­ten zwang­lo­sen Emp­fangs­nach­mit­ta­ge ge­han­del­t  zu ha­ben, zu de­nen die Töch­ter aus gu­tem Hau­se „zum Tee in Gehrö­cken von 4-6 p. m.“ ein­lu­den. Für die en­ge Be­zie­hung zum da­ma­li­gen wirt­schafts­freund­li­chen Prä­si­den­ten Wil­liam McK­in­ley (1843-1901, US-Prä­si­dent 1897-1901) und sei­ner Frau, bei de­nen die Nich­te nach dem frü­hen Tod der bei­den ge­mein­sa­men Töch­ter leb­te, spricht auch, dass Ro­bert mit sei­nen Brü­dern am 10.4.1898 die Re­de des Prä­si­den­ten zum Aus­bruch des Spa­nisch-Ame­ri­ka­ni­schen Krie­ges von der Se­na­to­ren­lo­ge aus mit­er­le­ben durf­ten.

Un­glück­li­che Um­stän­de so­wie die vor Ge­richt aus­ge­tra­ge­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den An­teils­eig­nern der Deutsch-Ös­ter­rei­chi­schen Man­nes­mann­röh­ren-Wer­ke AG, vor al­lem der auch jen­seits des At­lan­tiks ein­fluss­rei­chen Deut­schen Bank, um den Wert der Er­fin­dun­gen be­zie­hungs­wei­se die Mit­wir­kungs­rech­te der Fa­mi­lie Man­nes­mann in Auf­sichts­rat und Ge­ne­ral­ver­samm­lung lie­ßen ei­nen Er­folg des En­ga­ge­ments in den USA nicht zu. An­fang 1899 kehr­ten sie nach Rem­scheid zu­rück. Ro­bert be­tei­lig­te sich nun an den Ex­pe­ri­men­ten der Brü­der, oh­ne je­doch son­der­lich durch ei­ge­ne Ide­en auf­zu­fal­len. Im­mer wenn je­mand ge­braucht wur­de, ob in Rem­scheid oder beim Pa­tent­bü­ro in Ber­lin oder bei den Li­zenz­neh­mern, stand er zur Ver­fü­gung und er­füll­te die ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben ge­wis­sen­haft.

1908 ging er nach Ma­rok­ko, wo sein Bru­der Rein­hard seit 1906 tä­tig war und wo­hin nun auch sei­ne Brü­der Al­fred un­d Ot­to über­sie­del­ten; die Brü­der Max und Carl wa­ren an den Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men fi­nan­zi­ell oder wie Letz­te­rer zu­sätz­lich in der Ge­schäfts­füh­rung be­tei­ligt; bei­de blie­ben je­doch in Deutsch­land woh­nen. Wie Al­fred und Ot­to wid­me­te sich Ro­bert der land­wirt­schaft­li­chen Er­schlie­ßung Ma­rok­kos. Im Sü­den des Lan­des, im Hin­ter­land der Ha­fen­stadt Sa­fi, er­warb er zwei gro­ße Far­men, die er nach mo­der­nem eu­ro­päi­schen Mus­ter be­wirt­schaf­te­te. Zum gro­ßzü­gi­gen Haupt­haus und den Wohn­häu­sern für Ver­wal­ter und die Ar­bei­ter mit ih­ren Fa­mi­li­en ge­hör­ten Stal­lun­gen, Trän­ken, Brun­nen, Si­los, Schmie­de, Stell­ma­che­rei, Kalk­bren­ne­rei und fes­te Stra­ßen.

Der Bo­den war au­ßer­or­dent­lich frucht­bar. Selbst bei nur ein­ge­schränk­ter Be­wirt­schaf­tung mit höl­zer­nem Pflug und oh­ne Kunst­dün­ger so­wie der Ern­te des Ge­trei­des mit der Si­chel wur­de ein 17-20­fa­cher Er­trag er­zielt. Ro­bert Man­nes­mann er­ziel­te dank bes­se­rem Saat­gut, mo­der­ner Ma­schi­nen für Aus­saat, Be­ar­bei­tung und Ern­te so­wie Be­wäs­se­rung und mi­ne­ra­li­scher Dün­gung noch weit bes­se­re Er­geb­nis­se. Auch von ihm ist be­kannt, dass er Ver­su­che mit neu­en Fruchts­or­ten un­ter­nahm und sei­ne Be­trie­be auf ei­ne nach­hal­ti­ge Be­wirt­schaf­tung aus­rich­te­te. Al­ler­dings wa­ren ihm nur we­ni­ge Jah­re ver­gönnt.

Öf­fent­lich ist Ro­bert wäh­rend sei­ner Zeit in Ma­rok­ko nur ein­mal in Er­schei­nung ge­tre­ten: Am 9.5.1912 bil­de­te ihn die Ber­li­ner Il­lus­trier­te Zei­tung auf der Ti­tel­sei­te ab. Das Bild zeigt ihn in Be­glei­tung sei­nes Bru­ders Ot­to ne­ben dem Scheich von Taru­dant in der Sus. Wäh­rend Ot­to Man­nes­mann ei­nen Tro­pen­helm trug, schütz­te Ro­bert sei­nen Kopf durch ei­nen Filz­hut mit brei­ter Krem­pe; auch im Üb­ri­gen war er wie ein wohl­ha­ben­der eu­ro­päi­scher – oder was sei­nen Bin­der an­be­trifft – wie ein nord­ame­ri­ka­ni­scher Far­mer ge­klei­det. Er starb am 8.7.1913 auf der Farm Kra­kra bei Sa­fi/Südma­rok­ko und hat auch dort sei­ne letz­te Ru­he­stät­te ge­fun­den. Für die ihm ge­hö­ren­de Ka­ta­ze­ken­farm GmbH, Sa­fi, be­stimm­te das Reichs­ent­schä­di­gungs­amt nach dem Krieg ei­nen Wert von 632.000 Gold­mark. 

Quellen

Salz­git­ter AG-Kon­zernar­chiv/Man­nes­mann-Ar­chiv, Mül­heim an der Ruhr.

Literatur

Brandt-Man­nes­mann, Rut­hilt, Do­ku­men­te aus dem Le­ben der Er­fin­der, Rem­scheid 1965.
Man­nes­mann, Claus Her­bert, Die Un­ter­neh­mun­gen der Brü­der Man­nes­mann in Ma­rok­ko, Leip­zig 1931.
Wes­sel, Horst A., Die Tech­ni­ker der Fa­mi­lie Man­nes­mann, in: We­ber, Wolf­hard (Hg.), In­ge­nieu­re im Ruhr­ge­biet, Müns­ter 1999, S. 123-148. 

 
Zitationshinweis

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Wessel, Horst A., Robert Mannesmann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/robert-mannesmann/DE-2086/lido/5dbffc62da3a94.07006777 (abgerufen am 16.11.2019)