Robert Tillmanns

CDU-Politiker (1896-1955)

Angela Keller-Kühne (Sankt Augustin)

Robert Tillmanns, Porträtfoto, November 1953, Foto: Rolf Unterberg. (Bundesarchiv, BArch B 145 Bild-00011157)

Ro­bert Till­manns war Bun­des­mi­nis­ter für be­son­de­re Auf­ga­ben un­ter Kon­rad Ade­nau­er. Er ge­hör­te zu den füh­ren­den evan­ge­li­schen Per­sön­lich­kei­ten der CDU.

Ro­bert Till­manns wur­de am 5.4.1896 in Wup­per­tal-Bar­men als Sohn ei­nes Dru­cke­rei­be­sit­zers ge­bo­ren. Bis 1914 be­such­te er in sei­ner Hei­mat­stadt das Gym­na­si­um und mel­de­te sich nach dem No­ta­b­itur als Kriegs­frei­wil­li­ger. Nach Kriegs­en­de be­gann er mit dem Stu­di­um der Staats­wis­sen­schaf­ten an der Eber­hard-Karls-Uni­ver­si­tät in Tü­bin­gen. Dort schloss er sich, ge­prägt durch das evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche El­tern­haus und die Er­leb­nis­se des Krie­ges, der Deut­schen Christ­li­chen Stu­den­ten­ver­ei­ni­gung an. 1919 zähl­te er zu den Teil­neh­mern des Tref­fens christ­li­cher Stu­den­ten am Brie­ze­ner See in der Schweiz, ei­ner ers­ten Be­geg­nung und Ver­söh­nung jun­ger Men­schen aus den ehe­mals Krieg füh­ren­den Län­dern.

Be­reits wäh­rend sei­nes Stu­di­ums war Till­manns im All­ge­mei­nen Stu­den­ten­aus­schuss der Tü­bin­ger Uni­ver­si­tät ak­tiv. Als des­sen Se­kre­tär und füh­ren­de Per­sön­lich­keit der Tü­bin­ger Stu­den­ten­hil­fe küm­mer­te er sich um die Lin­de­rung so­zia­ler Här­ten, die Or­ga­ni­sa­ti­on von Stu­den­ten­kü­chen und den Bau von Wohn­hei­men, für die er die Un­ter­stüt­zung des Welt­bun­des Christ­li­cher Stu­den­ten ge­win­nen konn­te. Die in Tü­bin­gen als Stu­dent ge­sam­mel­ten Er­fah­run­gen führ­ten ihn 1921 nach sei­ner Pro­mo­ti­on zum Dr. rer.pol. als Haupt­ge­schäfts­füh­rer des deut­schen Stu­den­ten­wer­kes nach Dres­den. 1925 war Till­manns dort Mit­grün­der und bis 1930 stell­ver­tre­ten­der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Wirt­schafts­hil­fe der Deut­schen Stu­den­ten­schaft e.V., der spä­te­ren Stu­di­en­stif­tung des deut­schen Vol­kes.

Mit der Be­ru­fung an das Pro­vin­zi­al­schul­kol­le­gi­um nach Ber­lin-Lich­ter­fel­de er­folg­te die Ver­le­gung des Le­bens­mit­tel­punk­tes von Ro­bert Till­manns nach Ber­lin. 1931 trat Till­manns im Ran­ge ei­nes Re­gie­rungs­rats für das hö­he­re Schul­we­sen in das preu­ßi­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um ein.

Die Macht­er­grei­fung durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­deu­te­te das En­de der Be­am­ten­lauf­bahn. Im April 1933 wur­de er mit 37 Jah­ren in den einst­wei­li­gen Ru­he­stand ver­setzt. In der In­dus­trie, vor al­lem im Braun­koh­len­berg­bau und spä­ter als Pri­vat­se­kre­tär des Gro­ß­in­dus­tri­el­len Fried­rich Flick, fand er für sich, sei­ne Frau Her­ta ge­bo­re­ne Na­e­gels­bach (1904-1995) und die drei Töch­ter bis Kriegs­en­de ein Aus­kom­men. Wäh­rend der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft hat­te Till­manns Kon­takt zur Be­ken­nen­den Kir­che. Er un­ter­hielt en­ge Ver­bin­dun­gen zu den Mit­glie­dern des Krei­sau­er Krei­ses und lern­te in die­sen Jah­ren auch Eu­gen Gers­ten­mai­er (1906-1986) ken­nen, ei­ne zen­tra­le Per­sön­lich­keit die­ser Wi­der­stands­grup­pe. Nach der deut­schen Ka­pi­tu­la­ti­on be­tei­lig­te sich Till­manns am po­li­ti­schen Neu­be­ginn. Den Auf­ruf für die Grün­dung der CDU in Ber­lin und in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne un­ter­schrieb er im Ju­ni 1945 un­ter an­de­rem an der Sei­te von An­dre­as Her­mes (1878-1964), Ja­kob Kai­ser (1888-1961) un­d Ernst Lem­mer (1898-1970). Die Un­ter­zeich­ner des Ber­li­ner Grün­dungs­auf­rufs wa­ren zu­tiefst da­von über­zeugt, dass der Weg aus der po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und mo­ra­li­schen Ka­ta­stro­phe des deut­schen Vol­kes nur durch das Zu­sam­men­ge­hen der evan­ge­li­schen und ka­tho­li­schen Chris­ten ge­fun­den wer­den kön­ne. Als gläu­bi­ger evan­ge­li­scher Christ warb Till­manns un­er­müd­lich für den Ge­dan­ken ei­ner christ­lich-po­li­ti­schen Uni­on bei der evan­ge­li­schen Be­völ­ke­rung und be­müh­te sich in­ner­halb der Uni­on dar­um, den evan­ge­li­schen Bei­trag in der po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung gel­tend zu ma­chen.

Zur Lin­de­rung der wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Not in Ber­lin und in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne grün­de­te er 1945 das Hilfs­werk der Evan­ge­li­schen Kir­che in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne. Bis 1949 leis­te­te er wert­vol­le Ar­beit beim Wie­der­auf­bau und bei der Be­wäl­ti­gung des All­tags und för­der­te den kirch­li­chen Wie­der­auf­bau in der Vier­sek­to­ren­stadt und in der So­wje­ti­schen Zo­ne. Als Mit­glied der Ge­samt­deut­schen Syn­ode der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­lands zähl­te Till­manns 1948 zu den Teil­neh­mern des Leip­zi­ger Kir­chen­ta­ges und zu den De­le­gier­ten der Welt­kir­chen­kon­fe­renz in Ams­ter­dam.

In Sach­sen be­tei­lig­te er sich 1946 mit der Wahl zum Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten am Wie­der­auf­bau, muss­te aber 1947, nach der Ab­set­zung von Ja­kob Kai­ser und Ernst Lem­mer durch die so­wje­ti­sche Mi­li­tär­ad­mi­nis­tra­ti­on in den Wes­ten flie­hen. Die Par­tei im West­teil der Stadt wähl­te ihn 1950 zu ih­rem neu­en Lan­des­vor­sit­zen­den.

Auch in der Bun­des­po­li­tik ge­wann Till­manns zu­neh­mend an Be­deu­tung. 1949 wur­de er Mit­glied des Deut­schen Bun­des­ta­ges, im Ok­to­ber 1953 be­rief ihn Kon­rad Ade­nau­er als Mi­nis­ter für be­son­de­re Auf­ga­ben in sein Ka­bi­nett. In der Öf­fent­lich­keit galt er als der Ber­lin-Mi­nis­ter Ade­nau­ers. Nach dem Tod sei­nes Freun­des Her­mann Eh­lers (1904-1954) wur­de er 1954 Vor­sit­zen­der des Evan­ge­li­schen Ar­beits­krei­ses der CDU, dem er be­reits seit der Grün­dung als ge­schäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied an­ge­hör­te. Im Fe­bru­ar 1955 über­nahm er mit Ja­kob Kai­ser das Amt des zwei­ten Vor­sit­zen­den der CDU Deutsch­lands und ge­hör­te da­mit zum in­ne­ren Füh­rungs­kreis der Par­tei um Kon­rad Ade­nau­er.

Die Sor­ge um die Ein­heit Deutsch­lands präg­te Till­manns po­li­ti­sches Den­ken und Han­deln. Er nahm sich des­halb auch in be­son­de­rer Wei­se der aka­de­mi­schen Ju­gend an. Er sprach oft in Hoch­schu­len und Aka­de­mi­en, um jun­ge Men­schen zur ak­ti­ven Mit­ar­beit für die De­mo­kra­tie zu ge­win­nen.

Ro­bert Till­manns ver­starb am 12.11.1955 in Ber­lin. Mit ihm ver­lor die CDU ei­nen ih­rer füh­ren­den pro­tes­tan­ti­schen Köp­fe, Ber­lin ei­nen en­ga­gier­ten Für­spre­cher. Er wur­de auf dem Wald­fried­hof in Ber­lin-Ni­ko­las­see bei­ge­setzt.

Literatur

Be­cker, Wil­fried (Hg.), Le­xi­kon der Christ­li­chen De­mo­kra­tie in Deutsch­land, Pa­der­born 2002, S. 386.

Brü­gel­mann, Her­mann/Si­mon, Klaus (Hg.), Ro­bert Till­manns. Ei­ne Le­bens­leis­tung, Stutt­gart 1956.

Haus­mann, Chris­to­pher, Ro­bert Till­manns, in: Kempf, Udo/Merz, Hans-Ge­org (Hg.), Kanz­ler und Mi­nis­ter 1949-1998, Wies­ba­den 2001, S. 706-709.

Kacz­marek, Nor­bert, Ro­bert Till­manns, in: Christ­li­che De­mo­kra­ten der ers­ten Stun­de, Bonn 1966, S. 383-403.

Robert Tillmanns, Porträtfoto, November 1953, Foto: Rolf Unterberg. (Bundesarchiv, BArch B 145 Bild-00011157)

 
Zitationshinweis

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Keller-Kühne, Angela, Robert Tillmanns, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/robert-tillmanns/DE-2086/lido/57c93f5b2edad3.53545089 (23.06.2018)