Ulrich Zell

Drucker (gestorben bald nach 31.8.1507)

Wolfgang Schmitz (Köln)

Ulrich Zell, Skulptur am Kölner Rathausturm, 1992, Bildhauer: Hans Karl Burgeff. (Stadtkonservator Köln)

Der aus Ha­nau stam­men­de Ul­rich Zell war der ers­te in Köln tä­ti­ge Dru­cker. 

 

Das Ge­burts­da­tum ist un­be­kannt. Zell er­hielt nach ei­nem Stu­di­en­auf­ent­halt an der Er­fur­ter Uni­ver­si­tät (1453) in Mainz ver­mut­lich bei Pe­ter Schöf­fer (um 1425-um 1503), dem Erst­ge­sel­len und „Nach­fol­ger“ Jo­hann Gu­ten­bergs (um 1400-1468), die Aus­bil­dung als Dru­cker. Am 17.6.1464 trug er sich in die Ma­tri­kel der Uni­ver­si­tät zu Köln ein, um an de­ren Pri­vi­le­gi­en teil­zu­ha­ben. Neue­re For­schun­gen wei­sen dar­auf hin, dass die An­fän­ge sei­ner Tä­tig­keit doch in en­ge­rem Kon­nex mit der Uni­ver­si­tät ste­hen, als bis­lang an­ge­nom­men: Sei­ne frü­hen Ci­ce­ro-Dru­cke ge­hen über­ein mit den Be­mü­hun­gen der Uni­ver­si­tät, die­sem Au­tor be­son­de­re Auf­merk­sam­keit zu schen­ken. Zells ers­ter da­tier­ter Druck stammt von 1466. Ei­ne klu­ge Aus­wahl von klei­ne­ren Tex­ten aus dem Be­reich der Theo­lo­gie und der klas­si­schen Au­to­ren, de­ren Her­stel­lung ar­beits- und kos­ten­mä­ßig über­schau­bar war, brach­ten die Of­fi­zin in Schwung und er kam da­durch re­la­tiv schnell zu Wohl­stand und An­se­hen. Da­von zeu­gen sei­ne Grund­stücks- und Ren­ten­käu­fe so­wie sei­ne zu­neh­men­de Ein­bin­dung in die städ­ti­sche Ge­sell­schaft, bei­spiels­wei­se die Wahl zum Kirch­meis­ter sei­ner Pfar­rei St. Ma­ria Lys­kir­chen. Gleich ne­ben­an hat­te er im Haus Lys­kir­chen sei­ne Dru­cke­rei. Die Pfarr­pa­tro­nin „Ma­don­na mit dem Kin­d“ und mit der Um­schrift apud Lys­kir­chen ver­wen­de­te er als Dru­cker­si­gnet. Sei­ne ge­sell­schaft­li­che Eta­blie­rung äu­ßer­te sich eben­so in der Ehe­schlie­ßung mit Ka­tha­ri­na Span­gen­berg aus ei­nem an­ge­se­he­nen Pa­tri­zi­er­ge­schlecht. Se­ve­rin Cors­ten hat in ei­ner sehr dif­fe­ren­zier­ten Stu­die die Druck­pro­duk­ti­on Zells und ih­re dar­aus re­sul­tie­ren­den mög­li­chen Er­lö­se mit den nach­weis­ba­ren Ver­mö­gens­ent­wick­lun­gen in ei­ne in­ter­es­san­te Kor­re­la­ti­on ge­bracht (Cors­ten, Ul­rich Zell als Ge­schäfts­mann). 

Ulrich Zells Drucktypen, Faksimile von 1840.

 

Sei­ne Aus­stat­tung mit Druck­ty­pen war – auch ge­schul­det durch sei­ne über 40-jäh­ri­ge Tä­tig­keit - mit 13 ver­schie­de­nen Ty­pe­nalpha­be­ten (da­von sechs Text­schrif­ten) - re­la­tiv üp­pig und stets be­schei­den, si­cher ab­hän­gig von sei­nem Ver­lags­pro­fil (vgl. Vouil­lié­me), das zeit­le­bens vor al­lem durch die Wer­ke der Kir­chen­vä­ter und be­deu­ten­der Theo­lo­gen (Au­gus­ti­nus, Jo­han­nes Chrys­ost­o­mos, Tho­mas von Aquin, Jo­han­nes Ger­son und an­de­rer), durch Theo­lo­gi­ca prac­tica und Klas­si­ker­aus­ga­ben ge­prägt war. Erst in den 1490er Jah­ren öff­ne­te er sich volks­sprach­li­chen Tex­ten, pu­bli­zier­te vor al­lem die so ge­nann­ten Pas­si­en, al­so schlich­te Hei­li­gen­le­gen­den (Bar­ba­ra, Do­ro­thea, Mar­ga­re­ta), aber auch den deut­schen Ca­to im Wech­sel mit Jo­hann Ko­el­hoff (vgl. Cors­ten, Zells deutsch­spra­chi­ge Dru­cke; Schmitz, Über­lie­fe­rung). Durch ih­re streng gleich­mä­ßi­ge Ge­stal­tung mit ei­nem iden­ti­schen und all­ge­mein ge­hal­te­nen weib­li­chen Hei­li­gen­bild auf der Vor­der­sei­te, das durch aus­wech­sel­ba­re Hei­li­gen­at­tri­bu­te (Turm usw.) zu ei­nem spe­zi­el­len wur­de, wur­den sie so et­was wie das Mar­ken­zei­chen des volks­tüm­li­chen Buch­drucks in der Köl­ner Wie­gen­druck­zeit. Da­mals ging es ihm nach dem Aus­weis der wirt­schaft­li­chen Quel­len (Ab­sto­ßen von Ren­ten ab 1487, Hy­po­the­ken­auf­nah­me auf sei­ne Häu­ser) schon nicht mehr so gut. Das wird da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass es bis 1500 un­ter der un­ge­wöhn­lich gro­ßen Zahl von 100 Dru­ckern in Köln auch ei­ni­ge sehr leis­tungs­fä­hi­ge gab, mit de­nen Zell nicht mit­hal­ten konn­te. So war er an den Tex­ten, die spe­zi­ell für den Ge­brauch in der Köl­ner Uni­ver­si­tät und ih­ren Bur­sen be­stimmt wa­ren, nur noch am Ran­de be­tei­ligt. Den­noch zeigt die so ge­nann­te Ko­el­hoff­sche „Chro­ni­ca der hil­li­gen stat van Co­el­len“ von 1499 in dem be­rühm­ten Ka­pi­tel (Von der boych­dru­cker kunst) über die Er­fin­dung des Buch­drucks durch Jo­han­nes Gu­ten­berg, für die Zell aus­drück­lich vom an­ony­men Ver­fas­ser als Haupt­quel­le ge­nannt wird (hait myr munt­lich vert­zellt der Eir­sa­me man Meys­ter Vl­rich tzell van Ha­nau­we, boich­dru­cker zo Co­el­len noch zert­zi­jt. an­no MCCCCxi­cix. durch den die kunst vurz is zo Co­el­len ko­men) sein ho­hes An­se­hen un­ter den Stan­des­ge­nos­sen als ei­ner der deut­schen Pro­to­ty­po­gra­phen. Arm war Zell auch am En­de sei­ner Ta­ge nicht. Er starb bald nach dem 31.8.1507. 

Sein Sohn Jo­hann, der 1488 in den Köl­ner Ma­tri­keln ver­zeich­net ist, erb­te ein be­acht­li­ches Ver­mö­gen, das er durch den Ver­kauf der Of­fi­zin of­fen­bar noch ver­meh­ren konn­te. Die­ser Ver­kauf ist quel­len­mä­ßig nicht fass­bar, aber wir fin­den bei­spiels­wei­se Zells Ty­pe 11 in der Fol­ge­zeit bei dem Müns­te­ra­ner Ty­po­gra­phen Lo­renz Bor­ne­mann (vgl. Cors­ten, Bor­ne­mann), an­de­re Ty­pen bei den Köl­nern Her­mann Gut­schaiff und Ser­vas Kruff­ter. Neue­re For­schun­gen brin­gen Chris­toph Zell (16. Jahr­hun­dert) als Nach­fah­ren mit Ul­rich in Ver­bin­dung (vgl. Meu­rer/Schil­der). 

Literatur

Cors­ten, Se­ve­rin, Der Buch­füh­rer Lo­renz Bor­ne­mann. Her­kunft, Stu­di­um, Ge­schäfts­ver­bin­dun­gen, in: Fest­schrift für Ger­hard Lie­bers, Wies­ba­den 1979, S. 4-15.

Cors­ten, Se­ve­rin, Ul­rich Zell als Ge­schäfts­mann. In: Vil­les d’im­pri­me­rie et mou­lins à pa­pier du xi­ve auch xvie siècle, Brüs­sel 1976, S. 83-103.

Cors­ten, Se­ve­rin, Ul­rich Zells deutsch­spra­chi­ge Dru­cke, in: Gu­ten­berg-Jahr­buch 40 (1965), S. 110-117.

Mer­lo, Jo­hann Ja­kob, Ul­rich Zell, Kölns ers­ter Dru­cker. Nach dem hin­ter­las­se­nen Ma­nu­skript be­ar­bei­tet von Ot­to Za­retz­ky, Köln 1900.

Meu­rer, Pe­ter H./Schil­der, Gün­ter, Die Wand­kar­te des Tür­ken­krie­ges 1529 von Jo­han­nes Ha­sel­berg und Chris­toph Zell, in: Car­to­gra­phi­ca Hel­ve­ti­ca 39 (2009), S. 27-42, hier S. 32.

Schmitz, Wolf­gang, Die Über­lie­fe­rung volks­sprach­li­cher Tex­te im Köl­ner Buch­druck des 15. und 16. Jahr­hun­derts, Ha­bi­li­ta­ti­ons­schrift Köln 1999. Elek­tro­nisch: kups.ub.uni-koeln.de/voll­tex­te/2004/1234/

Voul­lié­me, Ernst, Der Buch­druck Kölns bis zum En­de des fünf­zehn­ten Jahr­hun­derts. Bonn 1903, Nach­druck Düs­sel­dorf 1978, S. II-XII.

Johann Herolt, Promptuarium exemplorum, gedruckt von Ulrich Zell, Köln, 1474. (Archives départementales des Hauts-de-Seine, Bibliothèque André-Desguine)

 
Zitationshinweis

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Schmitz, Wolfgang, Ulrich Zell, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/ulrich-zell/DE-2086/lido/57c82786130474.15737566 (21.07.2018)