Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Bildleiste
  
Navigationslinks überspringenStartseite  |  Literaturschau  |  19. Jahrhundert  |  Hantsche, Irmgard, Atlas zur Geschichte des Niederrheins

Irmgard Hantsche, Atlas zur Geschichte des Niederrheins, zweiter Band, Kartographie Harald Krähe (Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie 8), Bottrop, Verlag Peter Pomp 2008, 172 S. mit 65 Karten, ISBN 978-3-89355-258-0, 22 Euro.

Der 1999 erschienene erste Band des „Niederrhein-Atlasses" liegt bereits in 5. Auflage (2004) vor – ein sicheres Indiz für das Erfolgskonzept des Werkes und Ermunterung für die Autorin, in einem zweiten Band weitere Themen nach bewährten Muster zu bearbeiten. Der vorliegende Band beginnt wie der erste mit einer Übersichtskarte des Bearbeitungsraums, für den die Autorin den physisch-geographischen Niederrheinbegriff zugrunde legt, der die ganze niederrheinische Bucht einbezieht. Wie im ersten Band füllt jedes Thema zwei Seiten, neben dem erläuternden Text steht die kartographische Umsetzung in ebenfalls bewährtem Duktus.

65 Themen aus allen Epochen und Bereichen der rheinischen Geschichte von der Römerzeit bis zur Gegenwart werden so präsentiert. Territoriale Entwicklungen, Themen der politischen Geschichte wie der Verwaltungseinteilung haben im zweiten Band ebenso Bearbeitung gefunden wie der kirchlich-konfessionelle und religiöse Bereich, schließlich mit dem größten Kartenanteil Kultur-, Bevölkerungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie der Sektor Verkehr. So finden sich in dem Band - hier in willkürlicher Auswahl - Karten zu Siechenhäusern (Leprosorien) im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, zum Medizinalwesen im Regierungsbezirk Düsseldorf 1876 oder zu den Elementarschulen im Kreis Kleve 1823, zum Viehbestand in den Kreisen des Regierungsbezirks Düsseldorf 1858, zu NS-Schutzhaftstätten 1933 und KZ-Außenlagern 1942-1945 am Niederrhein, zu Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlagern in Duisburg während des Zweiten Weltkriegs oder zu den weit bis nach Mitteldeutschland reichenden Evakuierungsorten der Emmericher Bürger nach der Zerstörung der Stadt am 7.10.1944, zur kommunalen Neugliederung von 1969, zur Stadterweiterung von Duisburg im 20. Jahrhundert, aber auch zu Schützenvereinen am unteren Niederrhein zwischen Goch und Viersen bis 1939, zum Braunkohlentagebau, zu Rheinquerungen bei Düsseldorf seit dem 19. Jahrhundert oder zu den Eisenbahnstrecken am Niederrhein 2005.

Bei einer Reihe von Karten ist der Bearbeitungsraum „Niederrhein" deutlich überschritten worden, so beispielsweise bei einer Karte des Bistums Aachen, die sowohl das Bistum der französischen Zeit als auch das 1930 gegründete zeigt, oder beim Einzugsbereich der Evangelischen Kirche im Rheinland (ehemalige Rheinprovinz) und bei einer Karte, die die Gründung der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Saarland auf dem Boden der ehemaligen Rheinprovinz thematisiert. Aber auch andere Karten gehen zumindest bis Remagen/Linz am Rhein oder Koblenz. Hier ergaben sich entsprechende Sachzwänge, was auch für Eisenbahnkarten gilt.

Bei aller Bewunderung für die Leistung der Autorin hinsichtlich der Vielseitigkeit und der Umsetzung der Themen, drängt sich doch mit diesem zweiten Band der Eindruck einer gewissen thematischen Beliebigkeit auf. Dieser kritische Einwand soll aber den Wert und Informationsgehalt des Bandes nicht schmälern.

 

30.9.2010
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.



Margret Wensky (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Cover: Hantsche, Irmgard, Niederrhein-Atlas (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 59KB)