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Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hg.), Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein, Berlin/München, Deutscher Kunstverlag 2010, 320 S., 454 Abbildungen, ISBN 978-3-422-02241-6, 28,90 Euro.

Hoch über dem Rhein unterhalb der Ruine der Burg Drachenfels (Stadt Königswinter) gelegen, ist Schloss Drachenburg ein herausragendes Beispiel historistischer Burgenromantik. Stephan von Sarter, ein Bonner Gastwirtssohn, der durch Börsenspekulationen beim Bau des Suezkanals zu Reichtum gekommen war, ließ das Schloss am angeblichen Austragungsort von Siegfrieds Kampf mit dem Drachen ab 1882 von den Düsseldorfer Architekten Bernard Tüshaus und Leo von Abbema errichten. 1885 war das Schloss weitgehend fertig gestellt, sein Erbauer hat es jedoch wohl nie bewohnt. Die Drachenburg stand früh im Interesse der Öffentlichkeit und wurde bereits kurz nach Sarters Tod (1902) touristisch erschlossen. Noch heute gehört sie zu den beliebtesten Ausflugszielen im Rheintal.

Wechselnde Besitzer und Nutzungen sowie die Auswirkungen des Krieges hatten dazu geführt, dass Schloss Drachenburg Ende der 1980er Jahre vom Verfall bedroht war. 1989 erwarb die NRW-Stiftung das seit 1986 unter Denkmalschutz stehende Schloss samt Nebengebäuden und umliegendem Park. Innerhalb von rund 20 Jahren wurden die historische Architektur, die Innenausstattung und der Park fachgerecht restauriert beziehungsweise rekonstruiert. Das zum Museum umgebaute „Märchenschloss“ wurde im Juli 2010 der Öffentlichkeit übergeben.

Im vorliegenden Band werden erstmals die Ergebnisse der über 20 Jahre dauernden Erforschung und Restaurierung der Schlossanlage und des Parks präsentiert. Zahlreiche daran beteiligte Wissenschaftler geben, unterstützt durch historisches Bildmaterial und hervorragende Farbabbildungen, aus dem Blickwinkel ihrer jeweiligen Fachrichtung Auskunft über ihre Arbeit. In 22 Einzelbeiträgen werden Schloss Drachenburg als Gesamtkunstwerk, die Geschichte des Schlosses sowie die Restaurationsmaßnahmen vorgestellt.

Elmar Scheuren beschäftigt sich einleitend mit der Entstehung des „Mythos Drachenfels“, dessen Rezeption in Kunst und Literatur sowie seiner politischen und kommerzielle Nutzung, während Stefan Weiss dem bisher wenig bekannten Leben des Erbauers des Schlosses, Stephan von Sarter, nachgeht.

Fünf Beiträge sind der Drachenburg als Gesamtkunstwerk gewidmet: Gerd Bermbach und Ulrich Schäfer untersuchen die Gestaltung des Landschaftsparks wie der einzelnen Gebäude und bieten Informationen zu den baulichen Details, den Kunstwerken wie den Gartenanlagen. Angelika Schymer beschäftigt sich mit den zahlreichen Skulpturen am Außenbau des Schlosses. Einen ausführlichen Einblick in das Gemäldeprogramm, die Innenausstattung um die Jahrhundertwende und nach der Restaurierung sowie eine kurze Vorstellung der verschiedenen Architekten bietet Tanja Wagner in zwei Beiträgen.

Die wechselnde Nutzung des Schlosses wird in vier Artikeln dargestellt: Walburga Schulte Wien untersucht die touristische Nutzung der Drachenburg durch die Sarter nachfolgenden Besitzer Jacob Hubert Biesenbach und Egbert von Simon sowie die Zeit als Genesungsheim, Martin Rüther die Nutzung als Internat 1930-1945 und Thorsten Schulz die Unterbringung der Reichs- beziehungsweise Bundesbahnschule in den historistischen Gebäuden von 1947-1960.

Neben einer allgemeinen Erläuterung des Historismus als Bau- und Kunststil und einer Beschreibung der ersten Restaurationstätigkeiten in den 1970er Jahren durch Paul Spinat, bieten insbesondere vier Aufsätze zu Bestandsaufnahme, Planung und Praxis der Restaurationstätigkeiten mit zahlreichen Farbabbildungen der Bautätigkeiten und Plänen der Beschädigungen eine informative Übersicht über den Zustand des Schlosses vor, während und nach der Rekonstruktion. Die denkmalpflegerischen Zielvorstellungen zur Wiederherrichtung von Schloss, Vorburg und Park erläutert Udo Mainzer, während Helga Stoverock auf den Erwerb, die Finanzierung und die geplante Nutzung der Drachenburg eingeht. Tanja Wagner befasst sich mit den Rückkäufen ehemaliger Teile der Ausstattung.

Der Band schließt mit zwei Beiträgen zur NRW-Stiftung. Zahlreiche Skizzen, Nutzungs- und Baupläne vervollständigen das Informationsangebot des nicht zuletzt durch Qualität und Umfang seiner Abbildungen für Fachleute wie interessierte Leser und Schlossbesucher attraktiven Bandes über das prominente Gründerzeitschlosses im Siebengebirge.


 

8.3.2011

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

 



Jennifer  Striewski (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Cover: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hg.), Schloss Drachenburg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 175KB)